Kommentare

Liebe Leser,

das Thema Funkstille lässt mich nicht los, auch weil ich immer noch täglich Zuschriften bekomme und auch auf diesem Forum reißt die Diskussion um das plötzliche Verschwinden ohne Erklärung nicht ab.
Es sind seit einiger Zeit vor allem Betroffene aus Paarbeziehungen, die mir schreiben. Deshalb habe ich mich entschlossen, mir das  sog. “Ghosting” intensiver anzuschauen. Partner oder enge Freunde (keine Familienmitglieder!) verschwinden, ohne sich zu erklären. Innige, aber auch kurzfristige Bekanntschaften werden abgebrochen. Der Andere ist verschwunden – wie ein Geist. War er überhaupt da? Ja, denn die Verstörung, die er hinterlässt, ist groß. Doch warum verschwindet jemand ohne sich zu verabschieden? Warum löscht er den Anderen buchstäblich aus seinem Leben,  “entfreundet sich” oder löscht sämtliche Kontaktdaten? Auch die Abbrecher sind hier gefragt.
Auch das sog. benching (jemand wird auf die Wartebank gesetzt, bis man wieder mal Bedarf hat) oder „Breadcrumbing“ (bei dem der Brotkrumenwerfer zeitweise verschwindet aber auch immer mal wieder auftaucht und den Kontakt „liebevoll“ auffrischt) interessiert mich.
Natürlich kann man mich  direkt – wie bisher auch  – über tinasoliman@yahoo.de erreichen.

Danke, Tina Soliman, im Oktober 2017.

Sie haben selbst Erfahrungen mit dem Thema Kontaktabbruch gemacht, oder interessieren Sich für das Thema. Schreiben Sie uns hier Ihre Anmerkungen, Fragen und Hinweise. Bitte beachten Sie, dass jeder abgegebene Kommentar erst nach Prüfung durch den Administrator freigeben und veröffentlicht wird.

Wenn es Ihnen hier zu öffentlich ist, können Sie gerne auch direkt mit mir
Kontakt aufnehmen: tinasoliman[at]yahoo.de

Herzlichen Dank!

Ihre

Tina Soliman

Hier noch ein aktueller Aufruf von Tina Soliman

»Für die ZDF-Sendereihe „37 Grad“ suche ich Betroffene, die unter ihrem eigenen Narzißmus oder dem anderer leiden oder litten. Dies können z.B. Töchter oder Söhne sein, die unter der narzisstischen Mutter oder den narzisstischen Vater leiden oder litten oder aber auch Menschen, die Partnerschaften mit Narzissten hatten oder haben.
Oder eben auch Narzissten selbst, die gern darüber reden möchten.«

Zuschriften bitte unter tinasoliman[at]yahoo.de an die Autorin selbst.

395 Gedanken zu „Kommentare

  1. Hallo
    Ich bin einerseits Betroffene und andererseits Sozialarbeiterin/Therapeutin. In den letzten zwei Jahren habe ich mich sehr mit meiner Familie auseinandergesetzt und beschäftige mich aber auch berufsmässig mit vielen psychologischen Themen.

    Mein Vater war ein hochgradiger Narzisst, meine Mutter Bedürfniss-Erfüllerin und ihre Mutter eine ebenso grosse Narzisstin. Ich habe mich die letzten zwei Jahre aus diesen, mich fast krankmachenden Verstrickungen und Verhaltensmustern gelöst, was sehr viel Trauerarbeit beinhaltet. Meine Mutter ist schon lange tot, mit meinem Vater habe ich seither keinen Kontakt mehr, weil er ständig nur alle anderen abwertet, kritisiert usw.. Auch mit der noch lebenden Grossmutter ist es schwierig: Alle anderen abweichenden Meinungen sind generell falsch oder halt verrückt.
    Das Zauberwort, das ich gefunden habe ist: “paradoxe Kommunikation”. In der früheren psychologischen Forschung wurde sie als Schizophrenie-auslösend charakterisiert. Dies hat man nun revidiert. Aber ich meine, diese Kommunikationsform ist für viel psychisches Leid in Familien verantwortlich. Diejenigen, die sie benutzen, halten damit ihre Macht aufrecht. Diejenigen, die sie erleiden, leiden. (Christiane Sautter hat ein tolles, verständliches Buch zu diesem Thema geschrieben; leider gibt es noch wenig Literatur dazu).
    Inzwischen hatte ich nur noch Kontakt zu meiner Schwester, was allerdings auch eine sehr schwierige Beziehung war. War – weil ich nun den Kontakt zu ihr auch abgebrochen habe. Ich habe versucht mit ihr zu reden, ihr klarzumachen, wie sie kommuniziert. Dass sie andere immerzu abwertet, kritisiert, mit diffusen Vorwürfen kommt, und wenn man nachfragt, was sie genau meint und erwartet, dann heisst es, ich sei “eiskalt”. An anderer Stelle fragt sie (im Mail), warum ich immer so empfindlich sei und immer alles falsch verstehe.
    Wie soll ich einem Neandertaler die Neuzeit erklären? Es geht nicht.
    An solchen Menschen prallt jede Frage ab wie Wasser auf Teflon. Nicht reflexionsfähig oder -willig.
    In den Augen meiner Schwester bin ich nun ein Mensch, der unerklärlicherweise den Kontakt abgebrochen hat. Sie hat keine Ahnung warum, in ihren Augen. Obwohl ich es erklärt habe. Es prallt ab. Sie wollen nicht wissen. Dann müssten diese Menschen über sich nachdenken.
    Gruss, Allegra

  2. Ich würde gerne etwas sagen.
    Die letzten Kommentare hier sind bereits vor einiger Zeit verfasst worden. Hier und jetzt etwas zu sagen, nicht auf Antwort, nicht mal Resonanz, hoffen zu können, entspricht meiner aktuellen, ewigen Situation, die der Antrieb war, mich im allgegenwärtigen Auffang-Netz auf die Suche nach dem Phänomen des Verstoßen-Seins zu begeben.
    Ich denke schreibend vor mich hin. Vorerst für mich allein gedacht. Vielleicht findet mich irgendwann irgendwer und hebt den Faden auf und spinnt ihn weiter. Flaschenpost. Flaschen-Post… Bin ich tatsächlich so eine Flasche?
    Ich komme gerade schrittweise der Realität auf die Spur, die jemand anderer für mich kreierte. Ich bin fast angekommen.
    Im Grunde ist es nichts Neues, ein altbekanntes Muster, ein Spiel, das es gibt, solange es mich bewusst gibt. Repressalie, Machtdemonstration, Erziehungsstil.
    Doch diesmal ist es anders. Ich habe, wie jeder Mensch, Vater und Mutter, aber keine Eltern mehr. Sie haben wohl beschlossen, ich existiere nicht mehr.
    Ich fühle noch nicht so viel-ich weiß es noch nicht so lange. Was ich fühle, ist widersprüchlich. Als ich noch nicht ahnte, dass ich verstoßen wurde, fühlte ich mich gut. Erleichtert. Erstmals in vielen Jahren frei, nach vielen Jahren erwachsen. Ein bißchen zumindest. Überlebensfähig im Falle des Falles. Wenn einer geht, geht der andere mit-so haben sie’s beschlossen. Irgendwann würde ich mit einem Schlag Vollwaise, soviel stand beängstigenderweise fest im Raum. Je älter ich werde, umso eher. Nackte Angst zerfraß mich jahrelang bei dem Gedanken. Sie sprachen mehr nicht mit mir, als dass sie’s taten, aber ohne sie leben…können? Ich kann und weiß so vieles nicht, obwohl ich selbst Mutter bin. Eine alte Kinder-Mutter, die der Vater vor dem Enkel als dumm bezeichnet. Wen soll ich anrufen, wenn ich wieder eine von meinen 1000 Fragen hab?
    Der Anlass war ein nichtiger. Ein geradezu lächerlich kleiner, unbedeutender, im Vergleich zu dem, was wir an Familiengeschichte schrieben. Die weitreichende Bedeutung erschließt sich mir erst jetzt. Ich falle aus den sicher scheinenden Wolken. Habe ich tatsächlich geglaubt, ich könnte einfach so der Vergangenheit entwachsen und leben? So billig komme ich nicht davon. Ich bezahle jeden Cent zurück, den sie in mich fehlinvestiert haben. Kinder kann man auch als Nicht-Akademiker gebären…
    Ich hab sie lange Zeit so sehr gehasst, war so bitter, voll der Vorwürfe.
    Seit ich selber Mutter bin, weiß ich, wie hilflos, gar nicht überlegen und klein man als definierter Erwachsener sein kann. Sie haben’s wohl weniger böse gemeint, als in jugendlicher Radikalität gedacht… ok…man prügelt nicht auf ein Kind ein, sieht nicht dabei zu und sagt auch nicht:”Du bist nicht mehr meine Tochter.” Aber sie hatten ein zehrendes Berufsleben, eine dramatische Paarbeziehung, eine unerwartet schwierige Vergangenheit nebenbei, von denen wir verwöhnten Kinder nichts ahnten. Mama und Papa gehörten uns, wie wir ihnen. Wir vier gegen den Rest der Welt. Und mein Vater gegen mich, sein Lieblingskind zwischen uns zerrissen und meine Mutter, deren Liebling ich war, eine Verräterin, die sich heimlich mit mir solidarisierte, doch niemals für mich ein- oder durchsetzte. Ich mich für sie sehr wohl.
    “Wir sind zutiefst getroffen, dass das mit Euch so schief ging-wir wollten Euer Bestes.” Das habt Ihr doch bekommen, Mama?
    Die eine schlitzte sich vor 20 Jahren die Arme auf, die andere hungert sich bis heute halbtot. Wie undankbar und ungerecht. Wir haben alles, alles gehabt, mussten uns nur auf unsere gute Ausbildung konzentrieren. Sie sind am Boden zerstört. “Das waren wir auch, Mama?”
    Mit 19 lernte ich meinen späteren Mann kennen, der einzige Mensch, der vor meinem Vater nicht in die Knie ging. Mein Bollwerk. Tochter wird Gattin. Jedes Fest eine Zerreißprobe – wo gehöre ich hin? Ein familiäres Miteinander war nicht möglich. Er war nicht gut für mich. Hemmte meine Entwicklung, hieß es. Ich hatte endlich eine. Ich hab’s ihm schlecht gedankt. Ich wollte auf eignen Beinen stehen. Und ging.
    Kaum war ich ihn los, war ich wieder allein. Ich hatte wieder irgendwas Falsches gesagt, das wird mit Kontaktabbruch geahndet.
    Hin. Her. Reden. Schweigen. Übernimm Verantwortung. Das kannst Du nicht.
    Ich hab mich für Dinge entschuldigt, die ich nicht tat, um aufzubegehren. Ich bin angekrochen gekommen, um mich treten zu lassen, nur um irgendwann zu platzen und die Klappe nicht mehr halten zu können.
    Meine Schwester kam seit ihrem Auszug nicht mehr heim, brauchte nichts von ihnen und verstand nie, warum ich mir das alles gefallen ließ. Sie telefonieren heute noch stundenlang.
    JA! We’re all mad here! Willkommen im Irrenhaus!
    Eigentlich sollte ich froh sein, draußen zu sein.
    Und fühl mich in dem Wissen, dass es nun endgültig vorbei ist, so verlassen. Dabei bin ich niemals einsam. Nähe meide ich, so gut ich nur kann. Einmal wollte ich sie…sehr. Ich kam nach fünf Jahren drauf, dass der ehrenwerte Herr Doktor ein Jahr zuvor Vater geworden war.
    Übrig zu erwähnen, dass Entzug und Abbruch wie der Schlüssel in mein Schloss passten und einmal mehr den Effekt von Superkleber hatten.
    Ich habe vor einiger Zeit beschlossen: ich gehe nie wieder heim! Ich will das alles nicht mehr.
    Und merke nun: die Türen stünden gar nicht offen, wenn ich käme.
    Sie haben meinem Kind nicht zum Geburtstag gratuliert, mir schrieb meine Mutter jedoch zum Namenstag, den ich regelmäßig vergesse. Wenn ich anrufe, hebt sie nicht ab.
    Sie haben uns an Weihnachten von der Postliste gestrichen und meine Mutter hat sich für das Weihnachtsgeschenk bedankt, dass ich ihnen über den Zaun hängte.
    Ich glaube, ich kann endlich ruhigen Gewissens gegen das Gebot verstoßen, Vater und Mutter ehren zu sollen. Ich bin nicht mehr abhängig, oder erpressbar. Ich verstehe den Abbruch nicht, doch das tat ich noch nie.
    Ich will mit dem Bruch leben. Mich stört lediglich, dass mit dieser Akzeptanz mein Wertesystem nicht mehr haltbar ist. Es gab auch wunderschöne Momente, an die ich mich weitaus besser erinnern kann, als an die unschönen.
    Selbst in Absenz sind sie präsent.
    Interessant ist in dem Zusammenhang die Scham. Die Neigung, zu rechtfertigen und sei es nur im Vorwurf. Es bleibt so und anders der Beigeschmack des Verrats. Das Leiden des Verlassenden sehe ich als Auseinandersetzung mit dem Gewissen und rührt mich überhaupt nicht.

    1. hallo, erwachsenes Kind!

      es scheint Zufall zu sein, (das, was einem zum geeigneten Zeitpunkt zu-fällt), daß ich mich gerade heute nach Monaten wieder einmal ans Forum erinnere.

      Ich selbst bin Mutter erwachsener Kinder, die Kommunikation ist nach der Trennung von meinem Mann zunächst für fünf Jahre vollkommen zum Erliegen gekommen, langsam beginnt leiser Kontakt zueinander.

      Ihre Schilderungen empfinde ich tatsächlich manchmal als emotional sehr verwirrend, irgendwie meine ich aber auch, Manches nachvollziehen zu können.

      Was mir am meisten auffällt ist, daß ich immer nur gegenseitige Vorwürfe lesen kann, auch in meiner Familie war das lange so. Seit ich meinen eigenen Standpunkt, meine Sicht der Dinge verändert habe, haben sich auch Kommunikation und Kontakt verändert. Es ist noch nicht alles gut, doch wesentlich besser, als es jahrelang war.
      Seit ich keine Forderungen mehr an meine Kinder stelle, seit ich nicht mehr nur sehe, was ich für sie getan habe, um ihnen eine gute Schulbildung zu ermöglichen, sie zu tüchtigen Menschen zu machen, scheine ich eine leise Ahnung davon zu bekommen, was meinen Kindern, denen doch alles geboten worden war, bei ihrer Mutter vermisst hatten. Doch, wie soll eine Mutter geben können, was sie selbst nie erfahren und bekommen hatte?
      Wir sprechen hier von der bedingungslosen Liebe, die sich meine Kinde, wie jeder Mensch, gewünscht hätten.
      Meine Generation ist in eine Zeit hineingeboren, in der wirtschaftlicher und geschäftlicher Erfolg, Ansehen in der Gesellschaft ein absolut erstrebenswertes Gut, ja als das Wichtigste überhaupt angesehen wurde. Genau das versuchte ich meinen Kindern zu ermöglichen, mit meinem ganzen Einsatz, mit meiner ganzen Kraft, ohne auf eigene Gefühlsdefizite zu achten oder mir dieser überhaupt bewußt gewesen zu sein.
      Nach Rücksprache mit vielen Müttern, denen es ähnlich ergangen ist, erlaube ich mir im Plural weiter zu sprechen.
      “Geliebt” konnten wir uns nur fühlen, wenn wir lieb, angepasst, tüchtig, fleißig, ordentlich, intelligent, strebsam, leistungswillig usw. usw. waren, wenn unsere Eltern für unsere Eigenschaften Lob aus der Familie oder dem Bekanntenkreis erhielten, wenn wir funktionierten.
      Ob das wirklich Liebe war? Was sollten wir an Erziehungsmustern an unsere eigenen Kinder weitergeben, wenn nicht das, was wir selbst erlebt hatten, was uns und unsere Vorfahren geprägt hatte? Wie sollten wir unseren Kindern bedingungslose Liebe spüren lassen, wenn wir selbst keine Ahnung davon hatten, wie sich das anfühlen könnte?

      Keineswegs will ich den schwarzen Peter an unsere Elterngeneration weiter geben. Unsere Väter und Großväter, unsere Mütter und Großmütter haben einen verheerenden Krieg überlebt, der die Menschen gespalten hat, weil sie verrückt geworden wären, (oder auch tatsächlich sind), sobald sie all das Leid, die Grausamkeiten , die sie erlebt haben, an sich ranlassen. Sie mussten verdrängen, mussten sich spalten, haben der Materie in Form des Wiederaufbaus ihre ganze Kraft zur Verfügung gestellt und haben die Gefühle einfach nicht mehr Wert geschätzt, um nicht am Schmerz zugrunde zu gehen.
      Was haben unsere Mütter und Großmütter mit ihren vielen Kindern geleistet!?
      Auf die Entwicklung einer gesunden Psyche wurde keinerlei Rücksicht genommen, solche Themen waren den Menschen und uns Müttern von euch jetzt erwachsenen Kindern fremd!

      Wir waren der Meinung, alles für euch getan zu haben, was wir konnten.
      Mehr hatten wir selbst nicht weiterzugeben.

      Inzwischen ist Deutschland materiell gesättigt und ihr erwachsenen Kinder spürt einen Mangel. Ist es der Mangel an Liebe, der euch zu euren Vorwürfen verleitet, das Unverständnis, auf das ihr bei euren Vorwürfen gestoßen seid?
      Ist alles ein Missverständnis? Reden wir aneinander vorbei? Ist es zu vielen Verletzungen gekommen, weil wir uns gegenseitig völlig unverstanden gefühlt haben?
      Versucht ihr etwas einzufordern, von dem uns nicht bewußt war, daß es überhaupt existiert , weil wir uns von der Angst haben leiten lassen, von der Sorge um eure Zukunft anstatt vertrauensvoll darauf zu hoffen, daß ihr euren Weg alleine finden werdet, evtl ohne akademischen Grad, evtl als junge, unerwachsene Mütter anstatt einer gediegenen Berufsausbildung?
      Immer diese Angst und Sorge um euch, daß ihr in falsche Hände geraten könntet, daß ihr die Schule schmeißen könntet, daß aus euch nicht das werden könnte, was wir für euch so erhofft hatten?
      Für mich erkenne ich spät: gut gemeint ist nicht immer gut!

      Wir werden beide die Vergangenheit nicht mehr verändern können. Das sich an negative Ereignisse in der Vergangenheit erinnern, heißt, es nicht loslassen zu wollen oder zu können. Es nimmt uns die Energie der Gegenwart!
      Das Verhaften in der Vergangenheit macht traurig, das sorgenvolle Blicken in die Zukunft macht ängstlich, das Leben in der Gegenwart im Hierundjetzt macht glücklich.
      Laßt uns den Groll aufgeben, an die Liebe glauben, die tief unter allem Schmerz verborgen ist und sicher sein, daß keiner anders handeln kann, als er dies tut.
      Glauben wir daran, daß nichts umsonst war, alles seinen Sinn hatte, dass wir nicht tiefer als in Gottes Hand fallen können und daß wir da alle gelandet sind!
      Nur mit Vertrauen, daß alles gut ist, wie es ist, fühlen wir Frieden im Inneren, kann es gut weitergehen.

      “Hannah von Hohberg”

      1. Liebe
        “Hannah von Hohberg” Liebe betroffene Verlassene und Verlassende!

        Ich kann dem geschriebenen von dir nur zustimmen, bis auf den einen Satz:

        Wir sprechen hier von der BEDINGUNGSLOSER Liebe, die sich meine Kinde, wie jeder Mensch, gewünscht hätten.

        Dazu muss ich sagen, da meine erwachsene Tochter unter anderem mir auch diesen Vorwurf macht, bedingungslose Liebe gibt es nicht auf der Welt auf der wir leben. Das ist ein tiefes, INNERES Verlangen eines jeden Menschen, (auch dann, wenn er diese bedingungslose Liebe “wirklich” bekommen hat, wie wir Menschen uns das vorstellen)
        BEDINGUNGSLOSE Liebe können wir nur in einer spirituellen Welt ertfahren. Gott liebt alle Menschen auf der Welt bedingungslos. Egal, wie wir uns Gott vorstellen. Als Schöpfer von allem, dem gesamten Universum. Als Schöpfer jedes einzelnen Elementals.
        Ich bin seit einigen Monaten wieder in Therapie, da ich von meiner Tochter einen 9 Seiten langen Brief erhalten habe, mit Vorwürfen zu Handlungen, die nie stattgefunden haben. Meine Therapeutin hat auch diesen Begriff aufgegriffen , der in ihrem Brief an mich genannt wird. Bedingungslose Liebe.
        Sie ist ebenfalls der Meinung, dass es das nicht gibt und unter Menschen nicht geben kann. Das ist eine tiefe Sehnsucht. Meine Therapeutin ist keine religiöse Frau. Ich bin ein spiritueller Mensch. Ich habe in den 4 Jahren der Trennung von meiner Tochter viel gelesen von spirituellen Meistern aller möglichen Kulturen und viele Seminare besucht.
        Ich konnte nicht einen einzigen Meister oder Avatar finden, der die Meinung vertreten hat, dass es bedingungslose Liebe unter Menschen gibt. Nicht einmal den Buddhistischen Mönchen ist das möglich, habe ich bei einem Gespräch in einem buddhistischen Kloster erfahren. Dieser Mönch erklärte mir, dass diese bedingungslose Liebe in uns, nach der wir im Aussen suchen, eben das göttliche in uns ist, das wir nicht verleugnen können.
        Da wir aber nach dem göttlichen trachten, dies aber nicht sind, sondern erst werden mit vielen Inkarnationen, suchen wir immer und zu allen Zeiten die bedingungslose Liebe. Wir werden diese erst in unserer letzten Inkarnation erreichen, dann, wenn wir das göttliche vollkommen erreicht haben und nicht mehr inkarnieren müssen. Unsere Inkarnationen sind Lehren auf dem Weg zur bedingungslosen Liebe.
        Liebe “Hannah von Hohberg”
        leider hatte ich einen Totalabsturz meines PC. Nun habe ich auch deine private Email nicht mehr. Wenn du möchtest, kannst du mir ja schreiben. Dies nur zur Erklärung, meines langen Schweigens.

        1. Liebe Christine,

          vielleicht hast du Recht, daß es die bedingungslose Liebe auf Erden nicht gibt. Die Sehnsucht danach scheint in allen Menschen stark vorhanden zu sein. Die universelle Liebe zu erreichen, das scheint doch das Ziel hier auf Erden zu sein. Ums Rechthaben kann es allerdings nicht gehen, wenn wir alle e i n e s Geistes sind.
          Ob unsere Kinder uns durch ihre Vorwürfe und durch ihr Mangelbewußtsein daran erinnern wollen, weil wir zu stark auf die Materie und den Mangel an Materie konzentriert waren?
          Der “Kurs in Wundern” hat mich zu anderem Denken geführt.
          Die für mich wichtigste Erkenntnis aus dem “Kurs in Wundern” ist, daß Gott nicht straft, daß es keine Schuld gibt, Schuld ist eine Erfindung des Ego.
          Seit mir das bewußt ist, übe ich mit Vorwürfen aufzuhören und mich immer mehr mit wahrer Vergebung zu beschäftigen. Mir tut das sehr gut.
          Ich spreche nicht von Vergebung oder Verzeihung, so, wie sie in unserer Gesellschaft üblich ist, nämlich, nach dem Motto, du bist der Schuldige, ich die Gute, ich bin großzügig und vergebe dir deine Sünden, deine Schuld. Dieses Verständnis von Vergebung schafft ein unzulässiges Gefälle.
          Ich habe erkannt, daß alle Menschen, von denen ich mich verletzt gefühlt habe, eigentlich nur mein Ego verletzt haben, um mich letztendlich auf meinem Weg zu unterstützen, um mich an mein göttliches Licht in mir zu erinnern. Dieses kann nicht verletzt werden! Das Ego ist nur eine Illusion.
          Seit ich mich durch das Lesen des “Kurses” verstärkt auf mein göttliches Licht in mir konzentriere, fühle ich mich wesentlich besser. Der Kurs scheint meine Therapie zu sein und tatsächlich Wunder zu bewirken.
          Eine ältere weise Dame meinte einmal: eure Kinder werden eure Heiler sein!
          Ob sie Recht hatte? Haben meine Kinder durch ihr Verhalten mich in eine neue Richtung gebracht?
          Eben bekomme ich elektronische Post von meiner Tochter!

          Liebe Grüße

          “Hannah von Hohberg”

          1. Liebe Hannah,
            Deine Sicht der Dinge und deine Wahl der Worte sind sicher nicht nur für mich bewundernswert.
            Auch ich habe das von dir hier angesprochene auf meinem spirituellen Weg gelernt.
            Darum lasse ich das Täter – Opfer – Prinzip in mir nicht mehr zu.

            ZITAT….”ich habe erkannt, daß alle Menschen, von denen ich mich verletzt gefühlt habe, eigentlich nur mein Ego verletzt haben, um mich letztendlich auf meinem Weg zu unterstützen, um mich an mein göttliches Licht in mir zu erinnern. Dieses kann nicht verletzt werden! Das Ego ist nur eine Illusion”…..

            Ja, das ist auch meine Erkenntnis, genau so fühle ich auch in mir und kann das hier von dir geschriebene nur ebenso weitergeben.

            Was für mich noch wichtig erscheint zu erwähnen ist, dass wir alle mit unseren Gedanken ELEMENTALE erschaffen, die im sogenannten universalen Gedächtnis, der Akasha-Chronik, gespeichert werden. Das bedeutet, dass auch das gedachte zu uns zurück kommt. Was du sähst, wirst du ernten. Somit ist es für mich wichtig geworden, dieses Täter – Opfer – Prinzip unter Anderem los zu lassen.
            Ich habe gelernt zu meditieren, übe das täglich aus, halte vor dem zu Bett gehen Rückschau und übe dadurch immer mehr, dieses göttliche Licht in mir nicht nur zu erkennen, sondern hervorzuheben um es in der realen Welt wirken lassen zu können.

            Heute weiß ich, dass ich meiner Tochter dankbar sein “muss” weil ich ohne ihre Funkstille nicht diesen Weg gefunden hätte. Da ich täglich Elementale an meine Tochter sende, haben diese auch bereits ihre Wirkung gezeigt. Sie hat sich wieder gemeldet, zeigt wieder ein leises Interesse an ihrer Familie. Wie weit das fortschreiten wird und sich entwickelt wird die Zukunft zeigen.

            Ich wünsche allen Menschen die sich hier im Forum gefunden haben einen guten Weg und die Erkenntnis, die Hannah so gut in Worte kleiden kann.

    2. Hallo erwachsenes Kind,
      Du sprichst genau das aus, was mir meine Kinder vorwerfen. Auch das Wort Verräterin ist gefallen. Was meinst du genau damit?
      Ich danke dir für diese ehrliche, schonungslose Offenheit!
      Liebe Grüße Florentine

      1. Liebe Florentine
        Liebe Hannah von Hohenberg
        Liebe Christine

        Vorab: Danke für die Resonanz!

        Schade finde ich, dass ich es nicht geschafft habe, zum Ausdruck zu bringen, wieviel “Verständnis” ich meinen Eltern trotz allem entgegenbringe.
        Aktuell bin ich zugegebenermaßen verletzt durch die Erkenntnis, verlassen worden zu sein, trotz all des jahrelangen Verbiegens, meist gelungenen Verkneifens, der nagenden Rückgratlosigkeit zum Hohn.
        Ich sehe als Erwachsene vieles anders, als in jüngeren Jahren.
        Aber ich bin auch noch jemand jenseits des Verstehens. Da ist auch noch dieses kindliche Ich, für das ich auch verantwortlich bin, mehr denn je, denn sonst ist da niemand mehr, der von damals weiß, wenngleich ich durch meine Mutterschaft weite Strecken der Erinnerung einfach verloren habe. Es ist, in Anbetracht unwichtig geworden, was war. Aber es war. Ich trage fast immer lange Ärmel, manchmal fällt mein Blick auf die versteckte gehaltenen Narben und dann erinnere ich mich, dass da noch was war, auch wenn man darüber nicht spricht.

        Mir wurde im Schreiben bewusst, wie schwer erklärbar diese Jahre doch sind, wie schlecht in Worten zu fassen.
        Es war sehr vieles sehr widersprüchlich. Genauso schwer, wie es zu benennen, auch zuverstehen.
        Wir wussten auch so vieles nicht über unsere Eltern. Entscheidende Informationen, deren Kenntnis manches nicht besser, aber verständlich gemacht hätte. Dass Vater und Mutter Mann und Frau, Menschen waren, das war uns nie bewusst. Auch meine Eltern haben alles für uns getan…liebenswert war ein Synonym für leistungsstark und funktionstüchtig. Ausbildung galt als Credo. Ich verstehe die grimmige Verbitterung meiner Eltern ein Stück weit. Nicht jedoch die Bemerkung, dass es ihnen “sehr zusetzte, dass das mit uns so schiefging”, dass sie-auf mein Kind gemünzt-“Kinder nicht mehr mögen würden”. Die Fehlinvestition ist ein Originalzitat.
        Weder Mutter, noch Vater kannten als (Nach)kriegskinder diese bedingungslose Liebe. Darüber wurde nie viel gesprochen. Meine Eltern waren “übermenschlich”, was nicht als heldenhaft und aufopfernd ankam, sondern als unmenschlich. Leistung war alles. Da wie dort.

        Ich habe jahrelang am Telephon um Kontakt zu meinen Eltern wortwörtlich gebettelt, bevor sie meine dreijährige Tochter in der Stadt nicht (er)kannte.
        Wissen Sie, Frau von Hohenberg, mein Vater übte den gleichen Beruf aus, wie Ihr Ex-Gatte. Er war sehr geschätzt und galt v a bei jungen Leuten als guter Gesprächspartner mit Charme und Esprit. Das w a r er. Auch.
        Bitte seien Sie mir nicht böse! Aber wenn sie vom Mangel meiner Generation sprechen, für die alles getan wurde, dann fühle ich mich nicht verstanden. Ich spreche nicht von bedingungsloser Liebe. Auch ich möchte meiner pubertierenden Tochter manchmal einfach sagen, wie sehr sie mich mit ihrem Verhalten gerade nervt. Gelegentlich tue ich das auch. Ich bin ein Mensch und möchte als solcher verstanden und wahrgenommen werden. In der Regel fruchtet dies in guten Gesprächen mit meinem Kind.
        Ich spreche nicht von Bedingungslosigkeit, sondern Respekt, Wertschätzung und Grenzen.
        Mir wird erst heute klar, dass ich meinen Eltern verbal damals wohl mehr als einmal eine schallende Ohrfeige verpasste… ich kenne heute ja deren Perspektive aus eigener Erfahrung. A b e r -und das sind keine Vorwürfe, das sind Tatsachen: man prügelt sein Kind nicht grün und blau, man sagt über sein Kind nicht zu dessen Schwester “Stört Dich das Mädchen?” Man straft sein Kind nicht wochenlang mit Ignoranz und Schweigen. Man beschimpft und demütigt sein Kind nicht etc. Das sind Grenzüberschreitungen. Ich kann als Kind gar nichts getan haben, das das rechtfertigte.

        Ich sagte meiner Mutter einmal – und ich habe meine schöne, zierliche, kleine Mutter stets verehrt und empfand einen ausgeprägten Beschützerinstinkt- sie wäre mir eigentlich nie eine Mutter gewesen.
        Auch das ist ein Faktum.
        Die Rollen schienen stets klar. Der polternde Vater der im Grunde schwache Bösewicht und meine Mutter die arme, unterdrückte, im Grunde aber viel stärkere Liebe.
        Im Grunde verriet sie alle. Uns, als sie die Hände ringend das Zimmer verließ, da sie nicht mitansehen wollte, wenn ihr Mann im Jähzorn das freche, vorlaute Kind verdrosch, das nur deshalb so dreist war, weil es nicht stillschweigend mit anhören wollte, wie der Vater sein “drittes Kind” respektlos behandelte, oder wieder mal Weihnachten mit seinem Jähzorn verdarb und alle zum Heulen brachte… Ich hab sie angefleht, ins Internat gehen zu dürfen. Doch sowas tut man seinen Kindern nicht an. Ich hab sie angefleht, sich scheiden zu lassen. Doch wohin sollte sie mit zwei Kindern?
        Eine Mutter hätte nicht weggesehen.

        Was mich heute vom Kind damals unterscheidet: ich kann gehen. Ich kann endlich gehen. Ich muss mir nicht weh tun. Ich muss nicht sterben, um zu leben. Ich bin frei.

        Ich hätte mir nur so sehr gewünscht, dass meine Eltern einfach nur mal sagen, dass es schade sei, dass es war, wie es war und, dass nun endlich alles gut würde, weil man sich bemühen und neu beginnen wolle.
        Aber es kommt nicht. Es kommt, wie immer, nichts.
        Der Preis für’s Reden ist so verdammt hoch. Ich befinde mich am Zenit und eigentlich wird es Zeit, das Kind rauszuholen.

        Mir ist durch Ihre Statements bewusst geworden, dass ich gar nicht mehr bleiben muss. Ich muss mir die zermürbende Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung gar nicht mehr antun. Ich bin “groß”. Heute ist “später mal…”
        Ich werde das kranke System nicht mehr mit aufrecht erhalten.
        Für eine andere Kindheit ist es zu spät, aber ich kann für eine andere Zukunft sorgen. Ich warte nicht mehr auf Godot-denn der kommt nicht.

        1. hallo Erwachsenes Kind,

          Was einen Menschen dazu bewegt, sich selbst zu verletzen oder sich zu Tode hungern zu wollen, wie schwer ein Mensch selbst verletzt worden sein muß, was er erlebt haben muß, um ihm emotional sehr nahestehende Menschen bewußt auch körperlich zu verletzen, dazu kann und möchte ich mich hier nicht äußern. In mir regt sich großes Mitgefühl für beide Seiten, für Opfer und Täter gleichermaßen. Opfer oder Täter alleine gibt es nicht. Jeder ist sowohl als auch.
          Ohne Grund passiert nichts im Leben, das ist meine feste Überzeugung. Oftmals ist uns dieser Grund verborgen.
          Möglicherweise könnte eine Familienaufstellung Klarheit bringen.

          Da Sie für sich die Erkenntnis gewonnen zu haben scheinen, daß sie frei sind, möchte ich Ihnen gerne das Buch von Robert Betz “raus aus den alten Schuhen” empfehlen. Auch die Lektüre von “Verzeihen ist die größte Heilung” von Gerald Jampolsky kommt mir als evtl. hilfreich gerade in den Sinn.

          Ich wünsche Ihnen und ihren Eltern viel Kraft und den Segen Gottes für ihr weiteres Leben

          “Hannah von Hohberg”

  3. Ihr Lieben alle hier.
    Ich bin NEULING….zufällig auf Eure Seite gestoßen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie gut das tut, dass es Euch mit ähnlichen Schicksalen gibt. Da kommt man sich nicht vor wie jemand der hier alleine traurig auf der Erdkugel rum läuft.

    Wer bin ich ?…alleinerziehende Mutter von 4 Kindern, seit zehn Jahren ungefähr. Ich habe sie glaube ich gut großbekommen, 13,16,17,18 Jahre alt…der Club der Pubertisten lässt grüßen.
    Sicher es war sehr anstrengend, aber als sie noch Kinder waren, so bis 13 hat alles gut geklappt, ich war sehr stolz auf sie, unser Verhältnis war sehr innig. Ich habe versucht unsere Familie nach besten Kräften zusammen zu halten.

    Doch in diesem Jahr kam nun der große Bruch, den ich fassungslos, ratlos einfach nicht verstehen kann:

    Drei von ihnen sind nun inzwischen ausgezogen teils zum Vater, der sogar in der Nähe wohnt, und mich seit der Trennung voller Verachtung auch vor den Kindern behandelt, teils zu einer Schwester von mir, die selbst kinder- und partnerlos ist und in unbeschreiblich intensiver Weise um die Kinder wirbt und sie an sich bindet.

    Ich bin wie vor den Kopf gestoßen, weil mir nicht klar ist, wie aus einer einst sehr innigen und liebevollen Beziehung eine Verhältnis der Geringschätzung und gnadenlosen Distanz und Verachtung entstanden ist.
    Ich liebe meine Kinder über alles, aber sie melden sich nicht mehr, ignorieren jeden Kontaktversuch, kein Anruf, kein Geburtstagsgruß – nichts! Gestern erst wieder schrieb eine meine Töchter “ich solle gefälligst nicht schreiben…”

    Ich bin sehr verzweifelt und traurig. Eine Erklärung habe ich keine, weil ich als Alleinerziehende wirklich alles versucht habe um eine gute Mutter zu sein.
    Da ich in einem psychologisch-therapeutischen Beruf arbeite und als sehr empathisch und liebevoll gelte ist es mir unerklärlich, warum sich das bei mir ereignet….irgendwie scheint es da ein Muster zu geben. Wisst Ihr was ich meine?
    Zumal sich das auch bei anderen Personen, wie Partner, “Freunden” manchmal ähnlich verhält. So lange ich funktioniere und mich für Menschen einsetze sind sie präsent. Schwächle ich, oder bin erschöpft oder krank, kann also nicht mehr so funktionieren, sind sie schweigend entschwunden, ohne sich mehr wieder zu melden….

    Vielleicht mag sich ja jemand austauschen. Vielleicht ist jemand das auch ähnlich passiert.
    Wahrscheinlich seid Ihr ja schon ein Stück weiter als ich.

    lieben Gruß von Susanne….

    1. Hallo @ alle,
      da ich keine biologischen Kinder habe, wird mir ja gerne sowohl die Kompetenz als auch das Recht abgesprochen, zu Kinder betreffenden Themen etwas Erwägenswertes beizusteuern. Ich bin darüber nicht böse, weil Menschen damit in erster Linie meinen, dass ich nicht mit ihnen zusammen über ein gleiches oder ähnliches Los traurig sein kann. Kann ich wohl. In der Phase befand ich mich, als ich nach einem Begriff googelte, durch den ich schließlich auf diese Seite kam. Auch ich wollte das gefühlte Alleinstellungs-merkmal meines Kummers erstmal loswerden, wenn auch nur, um eventuelles Selbstmitleid gleich im Keim zu ersticken. Ich hasse Selbstmitleid. Weshalb ich auch keine Leidensgenossen suche, im wahrsten Sinn des Wortes, sondern Menschen, die den Mut haben zu sagen: “Ok, ein maßgeblicher Teil meines Lebens war möglicherweise fehlprogrammiert, ob von anderen oder mir selbst, was soll’s, höchstwahrscheinlich ein Mix aus beidem. Aber ich probier das jetzt neu.”
      Muss ich die genaue prozentuale Zusammensetzung kennen, um es nochmals ganz neu zu versuchen ?? Oder stoppe ich mit einem pauschalen Ansatz wie z.B. “familienpolitisch nicht optimal gelaufene Zeit” lieber die weitere Suche nach Schuld oder Unschuld und lasse diese Kraft lieber in die Neuorganisation meines restlichen Lebens fließen. Das ist wahrscheinlich individuell verschieden. Mich jedenfalls macht diese Denkweise freier und beweglicher als jeglicher Aufrechnungsstatus.
      Apropos Freiheit: Gemäß meiner eher westlich geprägten Einstellung sind Kinder für mich keine Zukunftssicherung, sondern ein Geschenk, vielleicht gerade weil ich keine habe. Auf ein Geschenk hat man kein Anrecht, so wie zum Beispiel auf ein Besitztum. Kinder baten nicht darum, geboren zu werden. Logischer Schluss: Sie sind den Eltern gegenüber zu nichts verpflichtet, sondern vielmehr die Eltern ihnen gegenüber. Wenn die Eltern die Kinder aber als ein Geschenk betrachten, kommt alles was sie für sie tun, aus dem Gefühl der Dankbarkeit für dieses Geschenk, nicht aus aus dem Gefühl der Verpflichtung. Es liegt auf der Hand, dass diese beiden Hintergründe zwei völlig verschiedene Erziehungsstile generieren. Und ich mutmaße mal, dass Kinder, die diese Dankbarkeit als Motiv hinter allem Erzieherischen spüren, es später leichter haben, nun ihrerseits den Eltern gegenüber Dankbarkeit und Liebe zu empfinden.
      Andersherum wäre es für mich vorstellbar, dass Kinder vor der Last, nun ihren Eltern gegen-über, quasi im Gegenzug, genauso “verpflichtet” zu sein, zurückschrecken. Was mir in dem Zusammenhang wichtig erscheint: Welches Verhalten der Eltern gegenüber ihren Großeltern haben die Kinder in der Familie beobachtet und erlebt? Wie wurde/wird in der Familie mit den Großeltern umgegangen, als sie krank wurden und schwach? Wenn Kinder Eltern sehen, die sehr unter der Last der kranken und schwachen Großeltern stöhnen, könnte es sein, dass sie schlichtweg Angst bekommen vor dieser künftigen Bürde und daher Eltern immer mehr unterschwellig als eine Lawine empfinden, die da auf ihre eigene Lebensplanung zurollt. Angst aber schafft Distanz. Sahen/sehen die Kinder hingegen, dass die Gefühle und Befindlichkeiten der Großeltern auf die Lebensplanung ihrer Eltern kaum Einfluss hatten/haben, stehen sie den Emotionen ihrer Eltern vielleicht ebenso hilflos gegenüber. Eine Variante könnte auch sein, dass es eine starke Bindung der Kinder an einen Großelternteil gab/gibt und ihr System etwas in dem Verhältnis zwischen ihren Eltern und diesem Großelternteil nicht verarbeitet hat.
      Es gab schon in meiner frühen Kindheit einen Moment, ein ganz bestimmtes Bild, das sich ganz entscheidend auf die Entwicklung meines Herzens (als dem gefühlten Sitz der Emotionen) auswirkte. Ich bin meiner Mutter noch heute dankbar für die Verankerung dieses Bildes in mir. Ihr war die Wichtigkeit dieses Momentes für mich damals überhaupt nicht bewusst, wie sie mir später sagte. Jeder Mensch kann natürlich den Kindern nur das glaubhaft vermitteln, was er selbst verinnerlicht hat.
      Was früher war, lässt sich nicht mehr ändern. Aber ist da nicht die Freiheit, jetzt unverzüglich daranzugehen, die eigenen Programme nochmals umzuschreiben für eine autonome und gut lebbare Zukunft auch ohne die Kinder?
      Vielleicht würden die sich ja – befreit von jeglichem und zumindest für mich illegitimen Erwartungsdruck – sogar gerne wieder nähern, so als komplett unerwartetes Geschenk.

      Schöne Sonntagsgrüße in die Runde,

      nachdenkliche Libelle

      P.S.:
      Jemand schrieb hier etwas über Menschen außerhalb der Familie, die sich an ihre Kinder “heranmachen” mit dem Zweck, ihnen diese zu entfremden. Das hat mich sehr betroffen gemacht, denn das heißt für mich als Alleinstehende, dass ich mich von Familien mit Kindern besser fernhalten sollte, denn die könnten mich ja sympathisch finden und dann wäre in der Familie sprichwörtlich der Teufel los ?? Und wäre ich automatisch schon allein deswegen unter Generalverdacht, dass ich freundlich zu Kindern bin und diese mich mögen?? Vielleicht wäre es ja auch schon schlimm genug, wenn mich nur der Hund der Familie mögen würde? Kann sich jemand vorstellen, wie sozial isolierend ein solches Verhalten ist? Hm. Das Leben einer Leihoma könnte also echt hartes Brot sein, da sie eventuell nicht als Bereicherung oder Entlastung erfahren wird, sondern als eine Gefahr. Also ich kenne ja das Gefühl der Eifersucht überhaupt nicht. Wie schon weiter oben gesagt, sind Kinder für mich keine Sache, die man besitzt, und ich bin ganz sicher, auch eigene Kinder würde ich nicht besitzen wollen. Im Gegenteil, ich würde jeden Erwachsenen, der sich von außen der Familie nähert, freundlich willkommen heißen, aber alles genau beobachten und ihm/ihr sagen, wenn mir etwas nicht passt. Genau wie man z.B. Oma und Opa bittet, den Kindern nicht Dinge zu erlauben, die man selbst ihnen verboten hat. Wenn Oma und Opa oder eine andere Person diese freundlich geäußerte Bitte nicht respektieren, wird das natürlich schwierig. Es fällt mir aber schwer, mir derartig unvernünftige Erwachsene vorzustellen. Und sie dürften wahrscheinlich auch eher eine Seltenheit sein. Oder? Ich meine, ich respektiere ja sogar den Wunsch meines Nachbarn, seine Katze nicht zu füttern, wenn diese zu mir kommt. Da fällt mir gerade auf, dass sie eigentlich ständig bei mir ist, obwohl ich sie noch nie gefüttert habe. Dagegen hat der Nachbar zum Glück nichts. Die Katze ist glücklich über das Futter beim Nachbarn und bei mir offenbar über andere Dinge. Ach ja, ich habe auch noch nie versucht, sie zu streicheln. Sie ist einfach nur da und genießt die Ruhe bei mir. Ja, ich denke, das ist es.

      1. der JEMAND, bin ja wohl ich hier.

        Nun, dass Du hier nicht unbedingt wohlwollend argumentierst für meine Position ist sicher nicht Sinn – meine Erwartung und Zweck dieses Austausches.

        Aber mir scheint dass die Erwähnung meiner alleinstehenden Schwester das wohl einen “Schlüsselreiz” darstellt Dinge nicht ganz sachlich darzustellen.

        dass sich Leute an die Kinder “heranmachen” mit dem Zweck, ihnen diese zu entfremden. habe ich so nicht gesagt. Ich habe das Wort binden und umwerben gebraucht.
        Gut – aber lassen wir die Wortklaubereien. Ich denke aber dass hier mitnichten gemeint ist, dass “Alleinerziehende” sich von Kindern fernhalten sollen und ich meine Kinder als “Besitz” sehe.
        …..also möchte ich Dich doch bitten diese Überzeichnung und Interpretation so nicht zu verwenden, weil sie äußert subjektiv gefärbt und eher eigene Enttäuschungen reflektieren.

        Ich möchte Dir deine Darlegungen nicht absprechen, sie sind eloquent formuliert, zeugen von gedanklicher Auseinandersetzung. Du wirst Deine Gründe haben und auch deinen persönlichen Erfahrungs-Background.

        Aber lasse einfach auch die Tatsache stehen – dass in unguten familiären Beziehungen oder bei verbitterten Trennungspartner Kinder durchaus auch “instrumentalisiert” und entzogen werden um dem anderen Leid zuzufügen. Es geht also hier nicht um die VERNUNFT irgendwelcher Erwachsenen oder darum, dass Respektlosigkeiten bei Erwachsenen “schwer vorstellbar” sind….

        Dies richtig zu stellen war mein Anliegen. Ich hoffe, dass Du dieses nicht als Angriff wertest sondern als Richtigstellung.

        In dem Sinne einen schönen Abend…

        Susanne.

        1. “der JEMAND, bin ja wohl ich hier. Nun, dass Du hier nicht unbedingt wohlwollend argumentierst für meine Position ist sicher nicht Sinn – meine Erwartung und Zweck dieses Austausches.”

          Hallo Susanne, erstmal: Sei bitte erstmal versichert, dass ich nicht im Sinn hatte, hier jemandem irgendwie noch zusätzlich eins mitzugeben. Also entschuldige bitte, falls mein Posting für dich so rüberkam. Ich hatte es offline geschrieben, an niemanden direkt adressiert, und natürlich spiegelt was ich schreibe auch immer meinen persönlichen Erfahrungshintergrund wider, kann also gar nicht völlig objektiv sein.

          “dass sich Leute an die Kinder “heranmachen” mit dem Zweck, ihnen diese zu entfremden. habe ich so nicht gesagt. Ich habe das Wort binden und umwerben gebraucht. Gut – aber lassen wir die Wortklaubereien.”

          Danke. Ich sehe nämlich hier wirklich inhaltlich höchstens einen vernachlässigbaren Unterschied.

          ” Ich denke aber dass hier mitnichten gemeint ist, dass “Alleinerziehende” sich von Kindern fernhalten sollen und ich meine Kinder als “Besitz” sehe. …..also möchte ich Dich doch bitten diese Überzeichnung und Interpretation so nicht zu verwenden, weil sie äußert subjektiv gefärbt und eher eigene Enttäuschungen reflektieren.”

          Ich hatte mein Posting nicht an dich adressiert – mir war zum Zeitpunkt des Schreibens gar nicht bewusst, auf wessen Inhalte genau ich mich da beziehe. Ich denke aber, dass wir alle die Freiheit haben, zu interpretieren wie und was wir möchten, auch wenn es dann mal verkehrt sein sollte. Wenn ich dir hätte antworten wollen, wäre das sicherlich differenzierter ausgefallen.

          “Aber lasse einfach auch die Tatsache stehen – dass in unguten familiären Beziehungen oder bei verbitterten Trennungspartner Kinder durchaus auch “instrumentalisiert” und entzogen werden um dem anderen Leid zuzufügen. Es geht also hier nicht um die VERNUNFT irgendwelcher Erwachsenen oder darum, dass Respektlosigkeiten bei Erwachsenen “schwer vorstellbar” sind….”

          Wie gesagt, es war ein allgemeines Posting und für mich sind gewisse Dinge wirklich schwer vorstellbar. Damit wollte ich nicht sagen, dass ich sie für nicht existent halte.

          “Dies richtig zu stellen war mein Anliegen. Ich hoffe, dass Du dieses nicht als Angriff wertest sondern als Richtigstellung.”

          Nein, ich fühle mich keinesfalls angegriffen, sondern eher ein wenig zerknirscht, weil ich mich nur auf die Inhalte konzentrierte und gar nicht darauf, von wem sie im einzelnen sind und dass sie von jemandem sind, der neu ist hier in diesem Forum und sich damit auf eine etwas eigenartige Weise “begrüßt” fühlen muss. Das war achtlos. Nochmals: Nichts für ungut.

          Ich wünsche dir viel Kraft in deiner speziellen Situation.

          Libelle

          1. Mein liebes unbekanntes Gegenüber….liebe Libelle….

            Sehr liebevolle Worte von Dir.
            Ich bedanke mich für Deine Zeilen.
            Und ja – ich fühle mich als NEULING ganz aus dem Herzen von Dir “begrüßt”.

            Alles Liebe Dir –
            Susanne L.

            1. Hallo Susanne L.,

              na, da bin ich jetzt aber beruhigt. ;) Ich habe gerade dein Eingangs-Posting nochmals gelesen. Zu dem Problem mit deinen Kindern sage ich jetzt vorsichtshalber nichts mehr ;), aber hierzu:

              “Zumal sich das auch bei anderen Personen, wie Partner, “Freunden” manchmal ähnlich verhält. So lange ich funktioniere und mich für Menschen einsetze sind sie präsent. Schwächle ich, oder bin erschöpft oder krank, kann also nicht mehr so funktionieren, sind sie schweigend entschwunden, ohne sich mehr wieder zu melden”

              Über dieses Phänomen habe ich mir auch schon einmal Gedanken gemacht und mir die Frage gestellt, wer eigentlich den Helfern hilft, wenn sie mal nicht mehr können.
              Vielleicht ist das desillusionierend für Nahestehende, wenn jemand, den sie in der Schublade “stark und endlos belastbar” aufbewahren, plötzlich Schwächen zeigt und selbst Hilfe bräuchte? Vielleicht suchen solche Menschen dann nach einer neuen Illusion.

              Vielleicht haben Menschen auch Angst, jemandes Anspruch als gewohnter Helfer nicht genügen zu können, die Mittel nicht zu haben, so jemandem zu helfen?

              Vielleicht wird ein geschwächter Helfer auch gemieden, weil man mit ihm kein Mitleid empfindet, sondern eher eine kleine Schadenfreude, so nach dem Motto: “Aha, biste mit deinem Latein auch mal am Ende, du Besserwisser !” ;)

              Oder jemand fürchtet einfach, dass die Beziehung unbequem wird, dass plötzlich von ihm etwas kommen müsste, das er aber nicht aufbringen kann oder will.

              Ich empfinde solche Situationen als nützlich, weil sie mich zum kritischen Nachdenken über mich selbst zwingen und auch über die Qualität meiner Beziehungen.

              Herzliche Grüße,

              Libelle

    2. Hallo Susanne, ähnlich geht es mir auch. Ich habe, im Rahmen meiner Erziehung, meiner Liebe und meines Wissens und auch meines Unvermögens versucht, meiner Tochter meine Liebe zu geben. Mit 17 ging sie für ein Jahr nach USA, wir durften sie nicht zum Abflug begleiten und danach war nichts mehr wie vorher. Sie sucht jede Gelegenheit, mir Vorwürfe zu machen, lehnt aber jedes Gespräch ab, war drei Monate zur Therapie in einer “Klinik” und hat dort das ganze Vorwurfvokabular rauf und runter gelernt. D.h. Ich habe verbal keine Chance.

      Mal lässt sie etwas Nähe zu um dann nur um so mehr Abstand einzufordern. Ich denke, man bekommt im Laufe der Zeit eine Sündenbock-Funktion. Das verfestigt sich regelrecht. Ich Lewis ja, wo ich mich hätte anders verhalten können, früher oder heute, wenn ich gekonnt hätte. Ich versuche ja, emphatisch zu sein, aber Wie Du richtig schreibst, wo bekomme ich Empathie? Das Leben ist keine Einbahnstraße. Und mittlerweile bin ich dieses Jo-Jo auch leid. Ich kann einfach nicht mehr. Nach dem letzten “Ausbruch” vor wenigen Wichen mit üblen SMS, Mails und Schikanen reagiere ich einfach nicht mehr. Wenn nur noch diese Art von Kommunikation möglich ist, darauf kann ich dann auch verzichten.

      Leid tut es mir um meine Enkelinnen. Als sie ganz klein waren, haben wir uns wenig gesehen. Um dem ganzen Gezänk aus dem Wg zu gehen, sind wir ins Ausland gezogen. Auf Ihr Dröngen haben wir alles dort verkauft – es wäre doch so toll, wenn …- und sind zu Ihr in die Grossstadt gezogen. Ja, schön blöd. Aber wir wollten Ihr zeigen, dass es uns erst ist, mit ihr und ihrer Familie. Allerdings bin ich immer innerlich etwas auf Abstand geblieben, was die Kinder anging, denn ich fürchtete die Instrumentalisierung. Und damit hatte ich nicht unrecht.

      So wichtig ich Aufarbeitung und Konfliktbewältigung finde, so gefährlich ist es auch, dass man den Menschen vorgaukelt, erwachsen zu werden und zusammen zu leben, geht ganz ohne Konflikte und Narben und Unverständnis füreinander ab. Kommen dann noch beeinflussende Freunde oder Verwandte dazu, ist man chancenlos.

      So sehr, wie man den Kindern in psychologischen Sitzungen rät, sich abzunabeln, so sehr müssen wir Mütter das auch lernen. Es gibt keine Nabelschnur mehr. PUNKT. Und was für mich auch wichtig geworden ist, wenn mich heute jemand nach meiner Tochter fragt, sage ich: “Keine Ahnung. Wir haben uns zerstritten. ” Ich erkläre nichts und ich verheimliche nichts und ich höre auf, mich dafür zu schämen.

      Ich habe getan, was in meiner Macht stand, wozu ich fähig bin. Wenn es nicht ausreicht – mehr kann ich nicht und damit müssen nicht nur die anderen, sondern auch ich fertig werden. Auch für mich war es unendlich belastend, die letzten 20 Jahe “auf Zehenspitzen” zu gehen.

      Lass Dich nicht in eine Ecke stellen. Wir haben nirgends unterschrieben, dass wir perfekt und fehlerlos sein werden. Wir haben auch Sehnsucht, trotz Fehler geliebt zu werden. Und auch dazu haben wir ein Recht. Und wenn das nicht zusammen passt, dann passt es eben nicht. Lasst uns die Energie dann darauf verwenden, mit uns gut umzugehen.

      Kopf hoch Susanne!

  4. Guten Tag an Alle,

    da ich keinerlei Erfahrung im Bereich “Funkstille” hab, hoffe ich hier vielleicht einen Rat zu finden. Ich stehe gerade zwischen einem “Abbrecher” und einem “Verlassenen”.

    Aus meinem Freundeskreis hat jemand unvermittelt den Kontakt zu ihrer besten Freundin abgebrochen und auch bei einer weiteren gemeinsamen Freundin ist der Kontakt fast zum Erliegen gekommen. Momentan bin ich die einzige, zu der der Kontakt noch steht, ich kommunizieren gelegentlich mit der “Abbrecherin”, nur auf Vorschläge, was mit den anderen zu unternehmen, erfolgte (erwartungsgemäß) keine Antwort. Ich habe die “Abbrecherin” nie danach gefragt (obwohl ich die Gelegenheit hatte) und später die anderen nie wieder erwähnt (v.a aus Angst, dass sie mich dann auch ignoriert). Zusammen mit anderen habe ich beschlossen sie vorläufig in Ruhe zu lassen, doch ich denke bald werde ich versuchen, mal wieder was mit ihr zu unternehmen.
    Darum wäre es interessant, zu wissen, wie ich mich verhalten sollte z.b wenn sie mich dann auch ignoriert oder ob ich das Thema überhaupt ansprechen sollte.

    Vielen Dank im Voraus für Ratschläge
    Silence

    1. Hallo Silence,
      ich fuerchte, da gibt es keine generell empfehlenswerte Vorgehensweise: Manche Abbrecher moechten eigentlich gerne ueber ihre Motive sprechen, andere nicht – oder NOCH nicht.
      Am besten sehen Sie das locker und orientieren sich in erster Linie daran, wie es fuer Sie selbst (!) am angenehmsten ist.
      Ich denke, Sie sollten das Abbruch-Thema gegenueber Ihrer Freundin weder tabuisieren noch es ihr aufdraengen. Wenn Sie Lust haben, treffen Sie sich mit ihr; am besten tatsaechlich zunaechst ohne die anderen Freundinnen. Wenn Sie moechten und es sich im Gespraech ergibt, sprechen Sie Ihrer Freundin gegenueber an, was Ihre gemeinsamen abwesenden Freundinnen so machen. Wenn Ihre Freundin Interesse zeigt, plaudern Sie weiter – wenn Sie abblockt, bohren Sie nicht nach.
      Das Risiko, dass sie den Kontakt auch zu Ihnen abbricht, besteht immer. Lassen Sie sich davon nicht bestimmen: schlimmstenfalls kommen Sie auch ohne sie aus – zeitweise oder sogar dauerhaft. Das mag hart klingen, aber der Respekt vor sich selbst gebietet es, eine gesunde Mischung aus Offenheit und Unabhaengigkeit gegenueber Anderen an den Tag zu legen.
      – Das waere mein Tipp, vllt koennen Sie etwas damit anfangen.
      Viel Erfolg!

  5. Hallo…

    Mich würde interessieren, ob es hier andere “Kollateralschäden” wie mich gibt? Dabei meine ich, dass meine Schwester wegen Problemen mit den Eltern zuerst mit diesen den Kontakt abbrach und danach aber auch noch mit der ganzen restlichen Familie (inkl. Onkel, Grosseltern etc.). Zu mir sagte sie damals, dass das nichts mit mir zu tun hätte. Trotzdem finde ich den Umgang damit schwierig, denn ich vermisse sie.

    Herzliche Grüsse,
    Anna

    1. Liebe Anna,
      Ich gehöre zu den verlassenen Muttis uns versuche in viertel bis halbjährigen Abstand vorsichtigen Kontakt zu meinem Sohn aufzunehmen.
      Immer wieder ohne Erfolg.
      Die ganze Familie “leidet” darunter und versteht ihn nicht so recht.
      Dem zur Folge wird der Kontakt für meinen Sohn zu Verwanten und gemeinsamen Freunden schwierig. Er soll sich erklären, kann es aber wohl nicht und keiner versteht ihn.
      So meidet er den Kontakt zu allen, oder geht wenn das Thema aufkommt.
      Mein Ex Mann hat er verboten mit mir über ihn zu sprechen oder Infos rauszugeben. Er würde sonst den Kontakt auch zu ihm abbrechen.
      Das will er natürlich nicht und hält sich deshalb daran.
      Sein älterer Bruder tut alles als pupertäres Verhalten ab (18 Jahr)und meint das die Zeit alles regeln wird. Sein Kontakt zu ihm ist aber auch schlecht.
      Ich frage jetzt auch niemanden mehr, weil es meinen Sohn nur noch weiter von allen Menschen wegtreibt.
      Zu Weihnachten und zum Geburtstag schicke ich eine neutrale Karte- mehr kann ich nicht tun.
      Mir hilft diese Seite sehr. Ich bin nicht alleine und werde hoffentlich verstanden.
      Vieles wird mir jetzt klarer und verständlicher. Ich denke oft Zurück und nach und nach erkenne ich was nicht gut gelaufen ist.
      Vielen Dank an alle die hier beteiligt sind!
      Mum

    2. Hallo @ alle,

      für mich ist eine der vielen Ursachen von Kontaktabbrüchen das Missverständnis.
      Warum Missverständnisse so häufig vorkommen, rief mir ein heute erhaltener
      Newsletter erneut ins Gedächtnis. Ich kopiere ihn weiter unten hinein.
      Ganz wunderbar zum Kontext passt auch der Ausspruch von Konfuzius, den jemand hier zitiert hat, über die Begriffe, die stimmen müssen, als Grundbedingung einer gelingenden Kommunikation und damit eines erfüllenden Miteinander.
      “Der Projektion keinen Raum lassen” ist der Appell, die Kernbotschaft darin für mich sowohl als Sprecher als auch als Zuhörer.

      Leider bin auch ich, gerade bei sehr vertrauten Menschen, nicht immer davor gefeit, etwas in Gesagtes hineinzuinterpretieren, anstatt einfach nachzufragen: “Wie hast du das jetzt gemeint?”

      Umgekehrt ist mir auch bewusst, dass ich als Sprechende die Dinge möglichst beim Namen nennen sollte, viele bloße Sprachhülsen sich einfach in Luft auflösen lassen.

      Wenn schon innerhalb desselben Kulturkreises, unter Menschen, die in ihrer
      Muttersprache miteinander kommunizieren können, so viel an Störpotenzial steckt, mag ich mir gar nicht vorstellen, wie sich erst ein Flüchtling in einem fremden Land fühlen muss, wenn er versucht, die Sprache des Gastlandes zu erlernen.

      Ich dachte auch gestern erst darüber nach, was wohl der Begriff “Kontaktabbruch” für einen Menschen bedeutet, der seine Angehörigen in einem Kriegsgebiet zurücklassen und sich allein auf den Weg begeben musste, durch welche Umstände auch immer er von seiner Familie getrennt wurde. Er kommt vor Angst und Sehnsucht nach seiner Familie fast um, während er hier langsam begreift, dass das Kostbarste, was er verloren hat, für die Menschen in seinem Gastgeberland höchstens noch einen fragwürdigen Wert darstellt.

      Damit möchte ich keinesfalls den Verlassenen das Wort reden. Oft müssen Menschen die Gesellschaft anderer im selben Land regelrecht fliehen,

      weil sie einfach mit ihren einstmals Vertrautesten sich über immer mehr Dinge nicht austauschen können, die ihnen aber gerade auf den Herzen brennen,

      weil sie oft über lange Zeiträume bei ihren Vertrautesten nur Stagnation spüren, während ihre Nasen längst von den verschiedensten “Winds of Change” umweht werden,

      weil sie sich in ihrer Entwicklung, und sei es auch eine Entwicklung in eine möglicherweise ungünstige Richtung, behindert fühlen,

      weil sie aus allem den unausgesprochenen Appell “Wenn du ….., dann … ” heraushören und als eine dauernde ultimative Bedrohung ihres (momentanen) Seins empfinden und aller Wege, die sie mit diesem Sein einfach glauben gehen zu müssen, um eine eigenständige Persönlichkeit auszubilden oder weiterzuentwickeln,

      weil ihre Seele, so kitschig das auch vielleicht klingt, schon so lange vor dem physischen Kontaktabbruch mit ihren Menschen keine Basis mehr mit ihnen finden konnte, so lange schon verzweifelt und hilflos mit den “Beinen” in der Luft zappelte.

      Trotzdem müssen wir uns die Frage stellen, ob es wirklich einer Krankheit bedarf oder einer Umweltkatastrophe oder eines Krieges als aufgezwungene Basis, auf der plötzlich die allerverschiedensten Charaktere “gut miteinander können”, oder ob wir es nicht einfach auch so zu Wege bringen wollen. Die Fähigkeiten dazu sind in uns angelegt.

      Herzlichen Gruß in die Runde,

      Libelle

    3. Hallo Anna,

      meine Schwester war auch so ein Kollateralschaden – von meinem Kontaktabbruch erst zur Mutter und dann zur ganzen “Familie”. Mir tat das sehr leid damals, ich hatte meine Schwester immer sehr lieb. Aber ich konnte einfach den Kontakt nicht aushalten. Da war immer so eine Melancholie zwischen uns, und grade unsere Mutter war irgendwie immer präsent, wenn wir uns getroffen haben. Also – sie war nicht da, aber sie war trotzdem immer mit im Raum. Das ging damals über meine Kraft. Und später habe ich mich geschämt, weil ich ohne “richtigen” Grund den Kontakt zu ihr abgebrochen, sie also im Stich gelassen habe. Das hat mich immer davon abgehalten, den Kontakt zu ihr wieder aufzunehmen.

      Nachdem unsere Mutter gestorben war, hat sie den Kontakt zu mir aufgenommen. Erstmal nur, um mir mitzuteilen, dass unsere Mutter verstorben ist. Sie hat sich dabei ganz lieb verhalten, also meinen Kontaktabbruch respektiert und mir keine Vorwürfe gemacht. Ich war so dankbar dafür. Aber sie hat schon gezeigt, dass sie verletzt ist durch mein Verhalten. Und dann war es immer noch nicht leicht, meine Schuldgefühle zu überwinden. Aber mittlerweile haben wir wieder Kontakt. Lieb hatte ich sie ohnehin immer, aber jetzt kann ich es ihr auch wieder sagen.

      Das ist vielleicht nicht die Antwort, die Du Dir hier gewünscht hast. Ich schreib Dir das auch nur, um Dir zu sagen, dass Du die Hoffnung nicht aufgeben musst. Und dass Du aber, auch wenn es schwer fällt, die Entscheidung Deiner Schwester wohl erstmal akzeptieren und damit leben musst. Es wird einen Grund dafür geben, also einen schwerwiegenden.

      Es macht mich traurig, dass ich so viel aus dem Leben meiner Schwester verpasst habe. Sie hat sich ohne mich entwickelt, ohne dass ich Teil hatte. Aber auch wenn ich es mir wünsche – es ging nicht anders. Also: ich konnte es nicht besser. Und jetzt machen wir das Beste draus.

      Ich drück euch die Daumen.

      Liebe Grüße, Thomas

  6. Hallo,
    ich möchte für die SWR-Radiosendung Tandem einen längeren Radiobeitrag über Menschen machen, die ohne Erklärung und Abschied verlassen wurden.
    Ich würde gerne eine Collage machen, mit Stimmen von zwei bis drei verschiedenen Menschen, denen das passiert ist und deren Hintergrund (also Länge der Beziehung, Geschlecht, Zeitpunkt, wann es passiert ist…) ganz unterschiedlich ist. Sie würden erzählen, was sie erlebt haben, wie sie damit umgegangen sind und (wenn länger her) wie sie heute darüber denken – was sich in ihren Gefühlen und Gedanken verändert hat.
    Natürlich müssen keine Namen genannt werden. Die Gesprächspartner können ganz anonym ihre Geschichte erzählen.

    Wer Interesse hat, kann mir gerne eine E-Mail (carolin.baumgart@swr.de) schreiben und ich melde mich dann bei Ihnen. Vielen Dank.

    Herzliche Grüße
    Carolin Baumgart
    SWR2 Tandem

  7. Hallo,Frau Soliman
    ich bin Birgitt, 51 Jahre alt und eine noch frisch verlassene Mutter. Ich schaffe es nicht mit der Situation umzugehen. Seit einem halben Jahr hält mein Sohn sehr konsequent Funkstille zu mir. Bei whats app hat er mich blockiert und ans Telefon geht er auch nicht. Wenn ich es mal schaffe ihn über eine fremde Nummer zu erreichen, hat er keine Zeit und legt einfach auf.
    Ich weiß nicht was ich ihm getan habe, dass er mich so quält. Mein Kopf arbeitet non stop und sucht nach Antworten.
    Es gab einen Auslöser zu Weihnachten.
    Gesehen habe ich ihn seit 2 Jahren nicht mehr. Da waren mein Lebensgefährte und ich in München um ihn zu sehen. Er hat eine Freundin, mit der er zusammen lebt, aber wir durften nicht in die Wohnung. Aussage meines Sohnes: Sie möchte es nicht, da die Wohnung nicht genügend aufgeräumt sei.
    So waren wir wandern, bummeln, in Restaurants,…..immer zu viert. Danach hatte ich beruflich ein schweres Jahr mit einigen Veränderungen und keine Zeit nach München zu reisen. Damals sagte er mir schon, dass er nicht mehr nach Trier kommen wolle. Es sei ihm zu weit und überhaupt.
    Seit Beginn 2015 hat er angefangen sich aus meinem Leben zu schleichen. Ich fing an um Kontakt zu betteln.
    Zu Weihnachten habe ich ihm ein Fotobuch gemacht, mit Bildern von ihm, von seiner Geburt an bis heute. Es befand sich auch ein Foto der “ersten zarten Liebe” im Alter von 15 darunter. Das war dann mein Todesstoß. Mir wurde vorgeworfen ich wolle sie zerstören und hätte ihnen damit nur Streit ins Haus gebracht.
    Das war sicher nicht meine Absicht.
    Es gibt gute und schlechte Tage. An den guten bin ich Meister im Verdrängen, an den schlechten breche aus dem nichts heraus in Tränen aus.
    Ich vermisse ihn so furchtbar. Das Leben fühlt sich falsch an ohne ihn.
    Ich brauche Hilfe und hoffe das ein Austausch ein wenig helfen kann mich nicht nur im Kreis zu drehen.
    LG

    1. Hallo Birgitt,

      eine traurige, aber sicherlich nicht untypische Geschichte, die Du berichtest: Wenn Du alles Relevante erzaehlt hast und ich das richtig interpretiere, dann ist es wohl die Eifersucht der Freundin Deines Sohnes, die einen Keil zwischen Euch treibt.

      Leider waere das dann eines der vielen Beispiele dafuer, dass jemand, in diesem Fall die Freundin, Liebe mit Besitzanspruch verwechselt: Die Freundin sieht ihre Besitzansprueche auf ihren Freund bedroht; durch Dich und sogar durch eine kleine Erinnerung an die verflossene erste Liebe ihres Freundes. Solche Art von Eifersucht ist leider allzu verbreitet und nach meiner Erfahrung ist es sehr schwer, etwas dagegen zu tun, weil dies vom Eifer-Suechtigen verlangen wuerde, auf ein klein bisschen unmittelbare Aufmerksamkeit zu verzichten und sich statt dessen mit dem und fuer den anderen zu freuen. Solche Missgunst gibt es leider in allen Arten zwischenmenschlicher Beziehungen.

      Aus meiner Sicht war es absolut kein Fehler, den Du mit dem Schenken des Fotobuchs mit dem Foto seiner ersten Freundin darin gemacht hast: Auch sie ist nun mal ein wichtiger und eigentlich positiver Teil seiner Geschichte, und wer damit nicht umgehen kann, will ihn teilweise verleugnen.

      Vielleicht waere es gut, auch innerlich etwas auf Abstand zu Deinem Sohn zu gehen: Du schreibst ja selber, wie sehr Dich der mangelnde Kontakt quaelt. Sicherlich weiss oder spuert er das, und womoeglich ueberfordert es ihn, hierfuer verantwortlich zu sein.

      Du hast jetzt lange gemerkt, dass Du auch mit stark eingeschraenktem Kontakt zu ihm leben kannst: Es ist nicht schoen, aber dennoch bist Du durchaus am Leben. Bettle also nicht mehr innerlich oder gar offen um den Kontakt mit ihm.
      Sei einfach offen fuer den Kontakt in der Zukunft, aber versuche, nicht mehr davon abzuhaengen. Wenn er es geschafft hat, sich aus dem Konflikt herauszuarbeiten, den seine Freundin ihm aufgebaut hat, wird er hoffentlich auch wieder mit Dir reden.

      Um aus der staendigen Gruebelei herauszukommen, die Du beschreibst, versuche vielleicht, Dir feste taegliche Termine zu setzen, an denen Du intensiv 30 min ueber das Problem nachdenkst. Ausserhalb dieser Zeiten denkst Du nicht ueber das Problem nach, weil Du weisst, dass zu viele Gruebelein auf jeden Fall kontraproduktiv sind. Ggf zoegere aber nicht, Dir auch professionelle psychologische Hilfe zu nehmen: So wie Du es beschreibst, sind Deine gedanklichen Schleifen ja schon recht eingefahren, und da ist es legitim und sinnvoll, sich auch von einem Profi beim Ausbruch helfen zu lassen.

      Alles Gute und viele Gruesse,
      Rolf

      1. Lieber Rolf,

        vielen Dank für deine Antwort. Ja, ich glaube in erster Linie ist die Eifersucht seiner Freundin,…..aber ich denke das ist nicht alles. Philipp hat immer irgendwie in seiner eigenen Welt gelebt,….etwas was viele Menschen (auch nahe Verwandte) mir nie glauben wollten. Man tat ihn gerne als Lügner oder Märchenerzähler ab, aber ich bin der Meinung, dass er an das geglaubt hat was er erzählt…..er hat sich immer irgendwie seine eigene Welt ein bisschen gebastelt. Seine Freundin ist seine neue Welt, von der er sich abhängig gemacht hat, weil sie ihn so nimmt wie er ist (scheinbar, ..das sie ihn verdreht, merkt er gar nicht), er dort seine neue Familie sieht und für nichts anderes mehr Raum ist. Daher wird wohl auch alles was sie in Frage stellt als Gefahr angesehen und verbannt, aus Angst sie zu verlieren und alleine zu sein. Er hat schon ein großes Bedürfnis nach Harmonie.
        Noch einen Fehler den ich gemacht habe: wir waren eigentlich immer recht eng miteinander, er hat schon viel mit mir gesprochen und auch ich habe oft bei ihm Rat eingeholt. Auch hat er viel diese “Männer” Rolle und das schon recht früh eingenommen. Damit meine ich zu beschützen, früher seinen kleinen Bruder (zudem er auch den Kontakt verweigert) und mich. Anfang letzten Jahres hat mein Freund ein Haus für uns gekauft und da alles sehr spontan und schnell ging, habe ich Philipp eigentlich vor vollendete Tatsachen gestellt und ihm das Geschehen mitgeteilt, ohne zuvor mit ihm gesprochen, oder seinen Rat eingeholt zu haben. Ich denke das er sich da von mir übergangen fühlte. Ich habe mir da einfach gar nicht so einen Kopf drum gemacht, weil es mein Leben ist und er ja auch seins hat. War nicht gut von mir.
        Da kommen wir zum Egoismus. Warum spricht er nicht mit mir? sagt was ihn stört und gibt mir keine Chance , es überhaupt zu begreifen, was hier passiert. Ich möchte einfach nur ein wenig an seinem Leben teilhaben, einfach wissen wie es ihm geht, ob er glücklich ist und wie er sich weiter entwickelt…..ist das zu viel Erwartung von einer Mutter an ihr Kind??
        Ich bin nicht so gut im schreiben, darum bin ich mir auch nicht sicher, ob mit dieser Kontaktform klar komme…….ich spreche lieber!
        Was ich aber sehr gerne wissen möchte, Rolf, bis auch jemand , der verlassen wurde oder verlassen hat?
        Viele Grüße,
        Birgitt

        1. Hallo Birgitt,

          um mit der letzten Frage anzufangen; ich selbst habe dieses Forum gefunden, weil 2011 meine damalige Freundin mich (mit aus meiner Sicht voellig unzureichenden Erklaerungen) verlassen hat. Das hat damals schwere Selbstwertprobleme bei mir ausgeloest bzw ans Licht gebracht. (Falls Dich Details interessieren, findest Du hier auf der Kommentarseite mit der Browser-Suchfunktion (Tastenkombination ‘Strg’+’f’) aeltere Beitraege von mir.) So gesehen bin ich eher “Verlassener”.

          Wie die meisten Menschen agiere ich aber manchmal auch als “Abbrecher”; zumindest temporaer: Bei einem Streit mit meiner heutigen Freundin sah ich mich kuerzlich wegen Arbeitsstress ueberhaupt nicht in der Lage, mit ihr zu diskutieren und auch nicht, ihr zu sagen, wann ich wieder mehr Zeit habe. Deswegen hatte ich dann eine kurzzeitige, teilweise Funkstille (“nix ausser SMS”) verkuendet, was sie als gewaltvoll empfand. Das war mir bewusst, doch trotz meiner eigenen leidvollen Erfahrungen schien es mir zu diesem Zeitpunkt einfach nicht moeglich, anders zu agieren.

          Warum Dein Sohn nicht mit Dir spricht und Dir die so dringend erhofften Erklaerungen also nicht gibt, kann ich nur vermuten: Womoeglich, weil es ihn ueberfordert. Du hast ja kurz beschrieben, dass er seine Welt als recht zebrechlich ansieht, und dass er eine gefuehlte Sicherheit, die er frueher in der Familie und in eigenen, kleinen Welten fand, nun bei seiner Freundin findet.
          Eine Auseinandersetzung mit der Situation wuerde bedeuten, dass er zunaechst tiefer und weiter schauen und durch eine Phase relativer Unsicherheiten gehen muesste. So etwas macht angst, und deswegen vermeiden es die meisten Menschen verstaendlicherweise, solange sie nicht durch eine gefuehlte Extremsituation (wie bei mir damals die Trennung von meiner Ex-Freundin) dazu gezwungen werden.

          “Zu viel Erwartung” von Dir ist es objektiv sicher nicht, wenn Du Dir wuenschst, von Deinem Sohn zu hoeren. Auch ich wuerde nach wie vor sehr gerne ab und zu mal ein Viertelstuendchen mit meiner Ex-Freundin plaudern und austauschen, was es Altes und Neues gibt. Leider nur ist es im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen schwer, objektive Massstaebe anzulegen. Und wenn Dein Sohn (/ meine Exe) nicht will, dann will er (/ sie) eben nicht. Wir koennen darueber traurig sein und darueber sprechen, aber aendern koennen wir es nicht.
          Wir koennen offen bleiben fuer kuenftige Begegnungen – aber ein Anrecht haben wir darauf nicht. Ebenso ist es mit den Erklaerungen: Es ist voellig okay, dass wir gerne verstehen wuerden, denn Verstehen ist ja eine Voraussetzung fuer Entwicklung – aber ein Anrecht haben wir leider auch hierauf nicht.

          Mein Rat an Dich ist also wie gesagt, Dir ganz bewusst klar zu machen, dass Du keine wirklich schweren oder gar unverzeihlichen Fehler gemacht hast. ((Auch das Fehlen eines Gespraechs vor dem Hauskauf scheint mir nicht dramatisch, da es ihn ja allenfalls indirekt betrifft)).

          Und vor allem, dass Du in der aktuellen Situation nichts tun kannst! Lass den Gruebeleien viel weniger Raum, denn im Moment helfen die niemandem, ganz im Gegenteil. Geh statt dessen eine ganze Reihe Schritte weg von Deinem Sohn; er kann das aushalten und Du ebenfalls. Auch im Sinne dessen, was andere Kommentatoren hier geschrieben haben – baue eine gelassene, sehr geduldige und eben momentan sehr stille Liebe zu Deinem Sohn auf, die auch die ganz bitteren Noten von Distanz und Schweigen tragen kann.

          Viele Gruesse,
          Rolf

        2. p.s.: Ich moechte noch ergaenzen, dass ich Deine Gedanken ueber das, was falsch gelaufen ist, durchaus gut und richtig finde! Mit “nicht hilfreich” meinte ich nur jene Gruebeleien, bei denen man sich stundenlang im Kreis dreht und von denen man manchmal komplette Tage dominieren laesst. Die kenne ich gut, und Da hattest ja in Deinem ersten Beitrag beschrieben, dass es gelegentlich auch bei Dir ein Zuviel der eigentlich guten Gedanken gibt.

    2. Liebe Birgit, ich fühle, was Du fühlst. Es ist ein vernichtender Schmerz, den ich mir heftiger vorstelle als den beim Tod des Kindes. Denn da entscheidet das Schicksal, nicht das Kind. Was macht man, wenn etwas das Wohlbefinden stört? Wir suchen Hilfe von außen, stellen aber früher oder später fest, dass nur wir selbst die Verantwortung für unser Sein, unser Fühlen haben. Wie heißt es so richtig?: “Die anderen ändern sich nicht. Wir selbst müssen uns ändern”. Wobei mit “ändern” der Umgang mit dem jeweiligen Problem gemeint ist. Das, was Du mit dem FotoAlbum versucht hast bei Deinem Kind zu erreichen, war Egoismus. Das hast Du aus Deiner Sicht der Dinge, aus Deinem versehrten Herzen heraus getan. Denn was Dein Sohn empfindet, weißt Du ja nicht. Du zwingst ihm Dein Gefühl auf. Er will (vielleicht noch) nicht hinseh’n und fühlt sich dadurch in die Ecke gedrängt, unter Druck gesetzt. Das wiederum hat zur Folge, dass er die Distanz zu Dir weiter vergrößert und auf seine Art nach Artikulation sucht. Ich bin ganz am Anfang des Verlassen- bzw. Zurückgelassenseins, wundere mich aber sehr, schon seit zwei Tagen nicht mehr zusammengebrochen zu sein – unter Tränen und ungeheurer Panik. Plötzlich tat sich in mir ein Bild meiner Tochter auf, das sie so zeigt wie sie ist: Eine mir fremde und nicht sehr sympathische 27Jährige, deren Nähe ich sicher nicht suchen würde, wäre sie nicht “zufällig” mein Kind. Ich bemühe mich, meine süße Kleine, meinen Sonnenschein, mein kleines liebenswertes Mädchen zu verabschieden. Vielleicht freunde ich mich mit der erwachsenen Frau an. Vielleicht aber auch nicht. Ich sehe nicht mehr nur den Verlust des “gesamten” Menschen, sondern will mich erfreuen an der Erinnerung an ein Sonnenschein-Kind, das mich eine glückliche Mama hat sein lassen. Und Liebe toleriert und respektiert alles. Sie ist frei von jedem Egoismus. Denn ist sie das nicht, ist es ein Handel, keine Liebe. Halten wir Mütter uns gedanklich an den Händen und werden uns der Kraft bewußt, zu der uns die Liebe befähigt. Was Du losläßt, kommt wieder. Klingt abgedroschen und ist überhaupt kein Trost. Aber wahr … Ich umarme Dich und wünsche uns beiden und all jenen, die sich verlassen fühlen, ein starkes Herz. Susanne

      1. Hallo Susanne!
        Herzlichen Dank für deine Worte!
        Nach langem Widerstand in mir, bin ich zu der Haltung gelangt, die du beschreibst. Damit geht es mir jedenfalls besser, als zuvor. Wenn du erlaubst, nehme ich dich gedanklich an die Hand und wünsche allen Müttern in dieser Situation ein starkes Herz, um mit dieser Herausforderung zu lernen in Liebe und Toleranz umzugehen.
        Ein Artikel in dem Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 08.07.2016 beschreibt dieses Phänomen des Kontaktabbruches der Kinder zu ihren Eltern in unserer Gesellschaft, aus meiner Sicht, sehr treffend.
        Herzlichst Florentine

        1. Danke für Deine berührende Rückmeldung, die mir jedoch klarmacht wie wenig stark meine Taten sind bzw. bleiben und wie mutig ich mit Worten “um mich werfe”. Ich geh’ davon aus, dass sich Rückschläge in unseren verwaisten Leben aber leider einen festen Platz erzwingen werden … Mein Herz wird nie aufhören zu weinen. Der Körper muß daher stark sein, was angesichts (m)einer unheilbaren Krebserkrankung mit noch wenig Lebenszeit einer täglichen Mount Everest-Besteigung gleichkommt. Liebe ist ein anderes Wort für Stärke … Ich umarme Dich und wünsche mir, wünsche uns, dass uns diese Ausdauer irgendwann zum Sinn dieser Tortur führen wird. Susanne

    3. Hallo Susanne, hallo Birgitt,

      wenngleich ich niemals zum Kreis der Muetter gehoeren werde, erlaube ich mir dennoch eine Anmerkung zum Begriff des Egoismus, den Susanne eingebracht hat.
      Egoismus ist ein stark negativ besetztes Wort, dessen Bedeutung laut ‘wikipedia’ zwischen Eigeninteresse und Ich-Sucht liegen kann.
      Mir scheint es falsch, Birgitt im Zusammenhang mit dem Fotobuch Ich-Sucht zu unterestellen. Vermutlich hat sie dabei tatsaechlich das Eigeninteresse verfolgt, mit ihrem Sohn den Kontakt zu halten. Das aber halte ich fuer legitim.

      In jeder Art von Beziehung ist es legitim, auch eigene Interessen zu haben. Auch, wenn dabei gewisse Charakteristika eines Handels ins Spiel kommen. Das Bild einer Liebe, die nichts fordert und alles respektiert, hat mit dem realen Menschen nichts zu tun, und daher nenne ich es unmenschlich.

      Das gilt ganz klar in einer Liebe zwischen gleichberechtigten Partnern, die immer ein Geben und Nehmen sein sollte.
      Die Liebe eines Elternteils zu seinem Kind sollte natuerlich deutlich weniger fordern. Dennoch darf man auch von seinem Kind, insbesondere von einem erwachsenen Kind, ein Mindestmasz an Beachtung einfordern, sofern man sich dem Kind gegenueber nicht schuldig gemacht hat.
      Wenn das Kind zumindest zeitweise nicht in der Lage ist, einem Beachtung entgegenzubringen, hilft das Gefuehl von Liebe und Geduld sicherlich, dies zu ueberstehen und schlimmstenfalls darueber hinwegzukommen.

      Schuldig des Egoismus wird man aber trotzdem nicht, weil man sich Beachtung durch sein Kind wuenscht.

      1. Hallo Verlassene,

        Ihren momentanen Schmerz kann ich so gut nachfühlen. Obwohl es bei mir schon fast 15 Jahre her ist, dass meine Tochter den Kontakt zu mir/uns abgebrochen hat, kann ich mich noch sehr gut an die erste Zeit erinnern. Die Verzweiflung, die Schuldgefühle, die Scham hat mich damals in eine tiefe Depression gestürzt.

        Ich will jetzt nicht behaupten, dass der Abbruch mir nun nicht mehr weh tut, oder dass es irgendwann ganz einfach wird, aber es ist schon sehr, sehr viel besser geworden.

        Ihr Beitrag hat mich dazu inspiriert darüber nachzudenken, was mir alles geholfen hat mit der gegebenen Situation zurechtzukommen und nicht daran zu zerbrechen. Das sind natürlich nur meine eigenen Erkenntnisse und helfen mir weiter. Möglicherweise ist der eine oder andere hilfreiche Impuls für sie dabei.

        1. Mit den engsten Vertrauten darüber reden, reden, reden.
        2. Therapie zur eigenen Stabilisierung und Aufarbeitung machen – zu verstehen, dass man selbst als Mensch deshalb nicht weniger wert ist. (Das war für mich die absolut schwierigste Aufgabe)
        3. Fachliteratur zum Thema Kontaktabbruch lesen und die Erkenntnis gewinnen, dass man nicht alleine ist und sich als “gefühlte Rabenmutter” nicht in Grund und Boden schämen muss.
        4. Sich auch öffentlich outen. Die ersten Jahre habe ich z.B. auf Fragen nach dem Werdegang meiner Kinder, meine Tochter betreffend, entweder ausweichend geantwortet oder ganz allgemeine Aussagen getroffen. Heute schaffe ich es, ehrlich zu sagen, dass ich es nicht weiß, weil der Kontakt abgebrochen ist.
        5. Grundsätzlich, immer wieder daran zu arbeiten, sich vor Schuldzuweisungen jeglicher Form zu hüten. Es ist nun mal wie es ist und lässt sich, wenn das Gegenüber es nicht möchte auch nicht zu ändern.

        Alles, alles Gute für Sie und Kopf hoch – das Leben geht weiter.
        Nina

        PS: es gibt ein wunderschönes chinesisches Sprichwort: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Für mich bedeutet es in meiner Situation, Ruhe zu bewahren, Zeit zu lassen, Toleranz zu üben.

  8. Liebe Leserinnen und Leser,
    aus gegebenem Anlass möchte ich darauf aufmerksam machen, dass auf dieser Seite die Netikette nicht nur gilt, sondern auch kontrolliert wird. Alle Kommentare werden vor der Freigabe von uns gelesen. Es handelt sich hier um ein emotionales Thema – geschenkt. Wir werden aber keine Kommentare freischalten, die verletztend, beleidigend oder in irgendeiner anderen Art umpassend sind. Außerdem der Hinweis, dass jeder, der hier Kommentare findet, die nicht der Netikette entsprechen, diese an online@klett-cotta.de melden kann. Wir kümmern uns dann drum.
    Kurz: Wir bitten darum, andere Diskutantinnen und Diskutanten so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Hier ist nicht Facebook!
    Viele Grüße, der Admin

    1. Hallo,
      Ich bin auf der Suche nach der Frau, die in dem Artikel ” Verlassene Eltern” vom 05. 11. 2015 in der ” Welt” mit dem Pseudonym ” Frau von Hohendorf” vorgestellt wurde.
      Mein stummes Familiendrama ist dem Ihren sehr ähnlich. Ich möchte mich als selbst Betroffene gerne mit ihr austauschen.
      Wenn mir hier jemand weiterhelfen kann wäre das schön!
      Vielen Dank!
      Florentine

      1. Sehr geehrte Florentine,

        unter dem Pseudonym Hannah von Hohberg wurde meine Familiengeschichte dargestellt.

        Ich freue mich über einen Austausch mit Ihnen!

        Elisabeth

        1. Hallo…

          Meine Name ist Christin und ich studiere an einer Akademie.

           Ich bin durch eine private Angelegenheit auf die Bücher “Der Sturm vor der Stille” und “Funkstille” aufmerksam geworden.

          Ich würde gern meine Bachelorarbeit darüber schreiben und frage mich, ob mir jemand von Ihnen  der Verlassen wurde und jemand der Verlassen hat, ein interview geben würde.

          Natürlich bleiben sie alle Anonym. Das Interview wäre per Emil oder auch persönlich möglich.

          Ich bewundere sie alle für das was sie hier geschrieben haben.

           Geld kann ich nicht wirklich zahlen aber ein kleines persönliches Präsent würde ich als Dank überbringen.

          Meldet euch/ melden Sie sich gern unter

          N0va@gmx.de

          bei mir.

          Ich würde mich sehr freuen.

          Einen lieben Gruß

          Christin  ☺

          1. Hallo!

            Ich möchte mich zunächst für die Teilnehmer(innen) bedanken, die sich bisher bei mir gemeldet haben.

            Ich würde mich freuen, wenn mir noch weitere Menschen ihr Vertrauen schenken würden.

            Und vielleicht gibt es auch Menschen unter ihnen, die Verlassen worden oder Verlassen haben, so dass man zu Beginn Angst und Befürchtung hatte, der Person sei tatsächlich etwas zu gestoßen, weil der Abbruch ohne Abschied und ohne Erklärung kam und die Person spurlos verschwunden war. Oder jemand von Ihnen hat seinen Personenkreis so verlassen, dass er im ersten Moment als vermisst galt.

            Vielen Dank schon im Voraus,

            lieben Gruß Christin

            1. Liebe Christin,
              verlassen zu werden und sich verlassen zu fühlen, das sind unterschiedliche Gegebenheiten. Meine Situation besteht aus dem “Schnittpunkt” von beiden. Vielleicht ist diese “Grauzone” ein Spiegel für viele Varianten des Zurückgelassenwerdens. Klingt umständlich. Ich hoffe, Sie ahnen dennoch, was ich meine. Bevor ich Ihnen meine Geschichte anvertraue, bitte ich um Ihr Okay. Kann ja sein, dass Sie bereits genug zu verarbeiten haben. Kurz der Kernpunkt meines Schmerzes: Meine 27jährige Tochter meidet mich, interessiert sich nicht für mich, negiert mich. Ich respektiere alles bei allen, wenn ich das Warum kenne. Das ist das Mindestmaß an Achtung, das jeder Mensch verdient. Nur dann ist Verarbeiten und Begreifen möglich. Mein Herz ist gebrochen, und ich versuche mich am Leben zu erhalten mit all den “Scherben”. Körperlich geht das irgendwie. Ähnlich einer Herz-Lungen-Maschine. Doch meiner Seele fügen diese Herz-Scherben jede Sekunde mehr Wunden zu … Alles Liebe von Susanne

        2. Guten Tag Elisabeth,

          heute erst stieß ich durch (m)eine gezielte Google-Suche auf den Artikel in der WELT, der Ihre Familientragödie beschreibt. Er berührte mich zutiefst, und nicht nur aus meiner eigenen Betroffenheit heraus und meiner Suche nach Wegen aus meinem (in Anteilen ähnlichen) Dilemma verfolgte ich die die Spur weiter und war am Ende überrascht, sogar Sie selbst, also die Hauptfigur dieser Geschichte, hier wiederzufinden. Ich würde mich sehr freuen über Ihre E-mail. Wie kommen Sie inzwischen klar mit Ihrer Situation? Über mich selbst mag ich hier keine weiteren Details schreiben, außer, dass ich gerade in einer Phase stecke, in der ich meine eigene Verlassenheit stärker spüre als sonst. Ich sage das aber ohne jedes Selbstmitleid.

          Viele Grüße

          Libelle

          1. Guten Abend “Libelle”,

            ich danke für Ihre Nachricht. Gerne bin ich bereit , mich mit Ihnen über unsere Familienschicksale auszutauschen.

            guten Abend Libelle,

            Die Zahl der verlassenen Eltern scheint zu steigen, evtl. ist dies aber auch nur der selektiven Wahrnehmung zuzuschreiben. Solange man nicht selbst betroffen ist, kann man sich so ein familiäres Szenario einfach nicht vorstellen, ja nicht einmal daran denken, daß sich die eigenen Kinder so verhalten könnten. Und doch, scheint es Gründe zu geben, wenn auch unbewusst!
            Alles darauf hinweisen, wie es einem geht, die Ausbreitung unseres Schmerzes, nichts scheint Abhilfe zu schaffen.

            Neulich habe ich einen Satz einer weisen Frau gehört, die selbst keine Kinder hat. Sie meinte: “die gezeigte Empfindungslosigkeit unserer Kinder sei unser “Heilmittel”. Über diese These denke ich nun schon eine Weile nach und versuche mich hineinzufühlen. Da könnte etwas daran sein!

            Wenn Sie mögen, könnten Sie mir Ihre private email-Adresse über die Redaktion zukommen lassen.

            Bis dahin, alles Gute

            Elisabeth

            1. Guten Tag Elisabeth,

              danke schon einmal für die unerwartet rasche Antwort und ihre Bereitschaft, mit mir über meine private E-mail-Anschrift Kontakt aufzunehmen. Ich werde versuchen, Ihnen die Anschrift über die Redaktion zukommen zu lassen. Einstweilen wünsche ich Ihnen einen so gelassenen Tag wie unter den gegebenen Umständen nur möglich.

              Freundlich grüßt die

              Libelle

              1. Liebe Libelle,

                einige Zeit ist vergangen, seit wir hier in diesem Forum Kontakt hatten. Ich habe neue Erkenntnisse gewonnen, seit ich den “Kurs in Wundern” lese, der mich auf ganz neue Gedanken gebracht hat und
                welch Wunder, mir offensichtlich leisen Kontakt mit allen meinen Kindern geschenkt hat.

                Ich will das einfach hier weitergeben, weil ich nicht die einzige Frau aus diesem Forum bin, der der “Kurs in Wundern” die wichtigsten Fragen des Lebens beantwortet hat und eine Kontaktaufnahme mit der schmerzlich vermissten Familie ermöglicht hat.

                Freundliche Grüße

                “Hannah von Hohberg”

        3. ….liebe Florentine….Ihr lieben Anderen hier…

          Ich bin zwar nicht diese Dame “von Hohendorf”, aber mir geht es fast genauso.
          Auch ich habe vier Kinder, – zwischen 14 und 18, die ich viele Jahre alleine großgezogen habe.
          Drei von ihnen sind nun inzwischen ausgezogen teils zum Vater, der sogar in der Nähe wohnt, und mich seit der Trennung voller Verachtung auch vor den Kindern behandelt, teils zu einer Schwester von mir, die selbst kinderlos ist und in unbeschreiblich intensiver Weise um die Kinder wirbt und sie an sich bindet.
          Ich bin wie vor den Kopf gestoßen, weil mir nicht klar ist, wie aus einer einst sehr innigen und liebevollen Beziehung eine Verhältnis der Geringschätzung und gnadenlosen Distanz entstanden ist.
          Ich liebe meine Kinder über alles, aber sie melden sich nicht mehr, ignorieren jeden Kontaktversuch, kein Anruf, kein Geburtstagsgruß – nichts!
          Ich bin sehr verzweifelt und traurig. Eine Erklärung habe ich keine, weil ich als Alleinerziehende wirklich alles versucht habe um eine gute Mutter zu sein.
          Vielleicht Florentine oder jemand anders, mag sich ja jemand austauschen.
          lieben Gruß von Susanne….

          1. Hallo Susanne,
            als ich heute deinen Beitrag las wurde mir erneut bewußt, dass ich mit meiner Situation nicht alleine dastehe. Deine Erlebnisse gleichen meinen insofern, als dass ich ebenfalls lange Zeit Alleinerziehende war, meine jüngste Schwester nach meinen Kindern griff und ein Sohn von mir mit 14 Jahren zu seinem Vater zog und sich mir ebenfalls seit 20 Jahren sehr zurückhaltend und auch verachtend präsentiert.
            Bitte erkundige dich bei der Redaktion nach meiner Email Adresse, dann können wir Kontakt aufnehmen.
            Ich fühle sehr mit dir!
            Florentine

            1. Meine liebe Florentine….

              Leider scheint der E-Mail-Austausch über Redaktion nicht zu klappen…

              Schön hast Du geschrieben, gerne mag ich mich mit Dir austauschen.
              Hier eine Kurzzeit- Mailadresse über die wir zunächst mal die Email-oder Tel-Daten austauschen können.
              Über einen Kontakt freue ich mich sehr.
              stupsnase2710@gmail.com

          2. Hallo Susanne L.,

            teils aus eigener Erfahrung, teils aus Beobachtung z.B. auch in meiner Verwandschaft sehe ich immer wieder, dass es Menschen gibt, die gnadenlos alles daransetzen, Kinder auf ihre Seite zu ziehen. Allzu oft scheint es denen unbewusst vor allem darum zu gehen, das eigene Selbstwertgefuehl aufzupolieren und/oder eigene Kindheitstraumata aufzuarbeiten. (Dies scheint mir uebrigens weitgehend unabhaengig vom Geschlecht zu sein.)

            Das ist menschlich vielleicht irgendwie nachvollziehbar, jedoch de facto gnadenlos brutal: Erstens gegenueber denjenigen, denen die Kinder entzogen werden – und zweitens gegenueber den Kindern, die dabei innere Risse davontragen, die sie zunaechst vielleicht viele Jahre lang gar nicht bemerken.

            Kinder, denen so etwas widerfaehrt, haben oft noch im Erwachsenenalter grosse Probleme, die Risse zu ueberwinden und auf den ihnen fremd gemachten Verwandten zuzugehen – selbst wenn sie ansonsten voellig souveraen im Leben stehen. Da muss seitens der Kinder ueberhaupt kein Hass und noch nicht einmal eine echte Abneigung gegen diesen Verwandten da sein (!!) – aber sie schaffen es einfach nicht, die so tiefsitzende Konditionierung, derer sie unterzogen wurden, zu ueberwinden.

            Vielleicht trifft das ja auch in Ihrem Fall zu und es ist es Ihnen dann zumindest ein kleiner Trost, dass Sie sich gar nichts Schlimmes vorwerfen muessen – und dass Ihre Kinder das vielleicht auch gar nicht wirklich tun.

            1. Lieber Rolf….

              ja es ist exakt genau so, wie du schreibst.
              Leider “werben” Vater und Schwester in unvorstellbarer Weise um meine Kinder, weil sie beide keine Partner und alleinstehend sind.
              Urlaub, Ausflüge, Klamotten, übergroße Geschenke sind Verlockungen bei denen ich als Alleinerziehende eben nicht mithalten kann.
              Die Kinder sind in einem unseligen Dreieck hin und her gerissen und suchen sich die attraktivsten Dinge heraus.
              Ich bin müde geworden, dagegen anzugehen. Es macht unglaublich traurig. Zumal Ex-Mann und Schwester nicht die geringste Loyalität mir gegenüber zeigen, ganz im Gegenteil – “ich hätte mir das selber zuzuschreiben, weil ich “unfähig wäre zu erziehen”….
              Ja und das ist tatsächlich “grausam”, wie du schon sagst.
              Habe den Weg zur Erziehungsberatung aufgesucht. Auch da sagt man mir, ich hätte mir nichts vorzuwerfen, aber in dieser unglücklichen Konstellation hätte ich einfach keine Chance. Ich müsste die Dinge geschehen lassen, wie sie sind….
              Aber das macht echt Schmerzen – seelisch, körperlich….

              lieben Gruß von Susanne….

    2. Hallo,
      Nachdem ich hier alle Komentare aufmerksam gelesen habe, wurde mir mehr und mehr bewußt, dass ich sowohl eine Abrecherin als auch eine Verlassene bin. Der Schlüsselsatz meines Vaters lautete: “aus den Augen aus dem Sinn”.
      Ich wuchs in einer Familie auf, in der es immer mit irgendwem Funkstille gab. Eigentlich war es brutal und ich litt sehr darunter meine Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen nicht zu kennen. Meine ältere Schwester und ich nahmen uns fest vor das Muster nicht weiterzuführen. Es ist uns nicht gelungen! Heute mit 62 Jahren stehe ich folgendermaßen da: mit meinen drei Schwestern besteht seit 2011 kein Kontakt mehr, eine zerstrittene Erbengemeinschaft, meine drei Kinder, die ich alleine erzog, nachdem ich von meinem Exmann ganz schlimm verlassen wurde, möchten zu mir keinen Kontakt mehr, ein Sohn fühlt sich sozial kontrolliert, die beiden anderen sind absolut davon überzeugt, ich sei eine narzisstische Mutter. Das tut sehr weh, ist aber auszuhalten, weil ja gelernt! Ich würde mich gerne mit meinen Kindern auseinandersetzen, Z. B. In einer Mediation, aber sie trauen mir keine Veränderung mehr zu. Ich erlebe sie empathielos und grausam. So lebe ich also mein Leben ab. Meine 38 jährige Tochter prophezeite mir: “du wirst einsam, ohne deine Kinder sterben!”Mein Wunsch war immer eine große funktionierende Familie, dafür habe ich einiges investiert, aber letztlich lag das Bedürfniss nur auf meiner Seite. Kein Familienmitglied außer mir, hat sich jemals für alle engagiert. Im Gegenteil, wurde ich für meine Bemühungen noch belächelt. Eingeladen wurde ich nur, wenn es peinlich wurde, dass niemand von der Familie da war. Also ein Notnagel. Für meine beiden Enkelkinder bin ich eine Phantom-Oma. Sie erhalten von mir Geschenke, aber es wird kein Wort seit zwei Jahren gewechselt. Ich möchte das jetzt beenden.
      Kann es sein, dass ich mich komplett anders fühle, als ich von meiner Familie wahrgenommen werde? Im Außenleben, also mit Freunden, gab es auch Abbrüche beiderseitig, aber da war einfach die gemeinsame Zeit vorbei. In der Familie kann ich das nur schwer akzeptieren.
      Wie kann ich dieses Muster, welches sich über Generationen wie ein roter Faden durch die Familie zieht, durchbrechen? Je mehr ich mich damit auseinandersetze, desto mehr zerbröseln die Familienbande.
      Florentine

      1. Hallo Florentine,
        du hast nicht nur ein ähnliches Schicksal mit ” Frau von Hohendorf”. Auch ich kann mich da einreihen.
        Nein, wir fühlen nicht falsch. Unsere Gefühle sind echt. Auch ich habe mit einer langen Familientradition gebrochen. Es war ein hartes Stück arbedit. Ich habe meine Tochter mit aller Liebe erzogen, die ich geben konnte. Oft fühlte ich mich machtlos, hatte dann böse Albträume. Aber ich habe die Tradition der Prügelstrafe durchbrochen, worauf ich stolz bin.
        Trotzdem hat unsere einzige Tochter aus uns vollkommenb unerklärlichen Gründen den Kontakt zu uns abgebrochen. Ich kann niciht verstehen, warum es für unsere erwachsenen Kinder so schwierig ist, sich an einen Tisch zu setzen und darüber zu reden. Ja mit einbem Mediator! Auch meine Tochter lehnt das ab.
        Ich leitete eine Selbsthilfegrupe. Ich kann sagen, es ist immer das gleiche Muster. Für uns Eltern vollkommen unverständlich. (Die Grupe hat sich zerschlagen, ich bin aber immer noch erste Anlaufstelle hier in meiner Gegend.)

        Ich kann auch nicht verstehen, warum die Abbrecher es ablehnen in einber Selbsthilfegruppe gemeinsam mit den Verlassenen zu reden.
        So könnte ja auch vielleicht ein Aha-Erlebnis folgen, Verständnis, etc…..
        Ich bin auch eine Abbrecherin.
        Habe zu meinem Bruder, der mich brutal niedergeschlagen hat, den Kontakt abgebrochen, nachdem ich ihn angezeigt habe.
        Vor 3 Jahren habe ich den Kontakt zu meiner Schwester abgebrochen, aber nicht ohne ihr den Grund dafür zu nennen.
        In meinen Augen ist das Resekt, den ich trotz alledem einem Menschen entgegen bringe, den ich verlasse.
        Ich persönlich vermisse den Respekt meiner Tochter. Nach vielen Überlegungen und Gersprächen mit Betroffenen bin ich zu dem Resultat gekommen: Wenn unsere Tochter Dankbarkeit und Demut gelernt hat, dann wird sie den Kontakt mit uns wieder suchen.
        Das sind zwei Dinge, die wir anscheinend versäumt hatten zu lehren. Ein großer Fehler!

        1. Hallo Sternenwolke,
          vielen Dank für deine Antwort. Es heißt doch, was man sät, das erntet man. Dankbarkeit und Demut habe ich auch nicht gelehrt.
          Ich denke mir sowohl die Situation des Abbrechers, als auch die des Verlassenen ist sehr schambesetzt und das macht auch das wieder Aufeinanderzugehen so schwierig. Da muss der Leidensdruck sehr, sehr hoch sein.
          Ich wohne an der Ostsee in Vorpommern und habe versucht eine Selbsthilfegruppe zu gründen, leider ohne Erfolg. Nunbin ich auf dieser Seite gelandet und hoffe sehr hier eine Möglichkeit zu finden gehört zu werden. Die Erfahrung nicht allein zu sein mit einem solchen Tabuthema ist beruhigend.
          Florentine

      2. Hallo Florentine,

        es ist sehr traurig, Deine Geschichte zu hoeren, und ich kann mir vorstellen, dass Du Dich zumindest im familiaeren Kontext ziemlich einsam fuehlst. Was Deine Kinder, dazu bringt, eine so eine grosse Distanz zu Dir halten, kann ich nicht beurteilen. Sehr schade ist jedenfalls, dass sie offenbar sogar eine Mediation ablehnen, bei der ein Unbeteiligter versucht, Euch bei einer Annaeherung an den Kern des Problems und danach aneinander zu unterstuetzen.

        Aus meiner eigenen Erfahrung mit meiner Mutter, die im vergangen Jahr gestorben ist, kann ich nur Mutmaszungen treffen, die aber natuerlich auf Deine Situation ueberhaupt nicht zutreffen muessen.

        – Hast Du Dich vielleicht so sehr auf Deine Kinder konzentriert, dass sie das Gefuehl entwickelten, zum Schutz ihrer eigenen Persoenlichkeit und Freiheit Abstand zu Dir halten zu muessen? Gab es vielleicht eine mindestens unterschwellige Forderung Deinerseits an Deine Kinder, sie muessten Dir doch nun richtig was zurueckgeben, nachdem Du so viel fuer sie getan hast? Aehnlich etwa wie Sternenwolke, wenn sie tief enttaeuscht formuliert, sie habe versauemt, ihre Tochter Demut und Dankbarkeit zu lehren?
        So verstaendlich ein solches Gefuehl auf seiten von Eltern ist, so sehr setzt es aber die Kinder unter Druck, indem es suggeriert, dass sie eine Schuld abarbeiten muessen.

        Eine Schuld uebrigens, die ja kein Kind je auf sich geladen hat – denn es war immer noch die eigene Verantwortung der Eltern, dieses Kind in die Welt zu setzen. Wenn sie ihm ein gutes Aufwachsen ermoeglicht haben, umso schoener fuer alle Beteiligten – schuldig gegenueber den Eltern ist das Kind aber auch dadurch nicht geworden. Und wenn ein Kind dennoch merkt, dass ihm Schuld in die Schuhe geschoben werden soll, ergreift es oft die Flucht, sobald es die Moeglichkeit dazu hat.
        Aehnlich ist es wenn ein Kind fuerchtet, ein uebergrosses Masz an Verantwortung fuer das Wohlergehen der Eltern augfgebuerdet zu bekommen.

        Wie gesagt, kann Deine Situation eine ganz andere sein; ich versuche nur, aus meiner eigenen Erfahrung einen moeglichen Erklaerungsansatz zu liefern fuer etwas, das so quaelend unerklaerlich scheint – und vielleicht auch ist.

        In jedem Fall kann ich mir vorstellen, dass es fuer alle – nicht zuletzt auch und gerade fuer Dich – gut ist, wenn Du Deine Familie etwas weniger in den Fokus Deines Lebens rueckst: Finde heraus, was Dich, Florentine, ganz persoenlich auch ausserhalb der Familie gluecklich und froehlich macht, und dann zieh das intensiv durch; allein oder mit Gleichgesinnten.
        Wenn auf diese Weise die negativen Gefuehle weniger werden, gelingt spaeter vielleicht (!) auch wieder eine Annaehrung an Deine Blutsverwandten. Aber selbst wenn nicht, hast Du ja immer noch Dich – und Deine Wahl- und Seelenverwandten.

        Alles Gute!

        1. Hallo Rolf,
          Da sagst du etwas sehr wichtiges für mich. Ob es für andere auch so wichtig ist, kann ich nicht beurteilen.

          “”…– Hast Du Dich vielleicht so sehr auf Deine Kinder konzentriert, dass sie das Gefuehl entwickelten, zum Schutz ihrer eigenen Persoenlichkeit und Freiheit Abstand zu Dir halten zu muessen?…””

          Bei mir war es jeden falls so. Aber nicht nur von meiner Seite aus, sondern auch von der Seite unserer Tochter aus. Sie hat das auch gefordert. Und so war ich der Meinung, dass alles gut ist, wie es ist.

          Das, liebetr Rolf hast du falsch verstanden.
          “”Aehnlich etwa wie Sternenwolke, wenn sie tief enttaeuscht formuliert, sie habe versauemt, ihre Tochter Demut und Dankbarkeit zu lehren?..”

          Lies bitte genau was ich geschrieben habe.
          nicht interpretieren!!!
          :-)

        2. Hallo Rolf, leider wurde meine Antwort auf deinen Beitrag an mich bisher nicht freigeschaltet.
          Ich versuche es nochmal, denn du hast in vielem was du schreibst aus meiner Sicht recht.
          Meine Kinder haben mich einfach über, sie sind von mir übersättigt.
          Deswegen muss ich und das ist sehr schwer für mich, mein eigenes Leben leben, herausfinden was mir Freude macht. Nächstes Jahr gehe ich in die Rente und dann habe ich genügend Zeit dafür.
          Danke Rolf!
          Florentine

      3. hallo Florentine, hallo an alle Betroffenen,

        inwiefern sich die Schicksale der von einer Funkstille betroffenen Menschen ähneln, was in der Tiefe der Grund sein könnte, das versuche ich nun seit mehreren Jahren zu erforschen.

        An alle, die sich mit dieser Thematik beschäftigen und davon betroffen sind, habe ich eine große Bitte.
        Könntet ihr bitte in euren und den Familiengeschichten eurer Partner zurückgehen und herausfinden, ob evtl. Schwangerschaftsabbrüche stattgefunden haben? Evtl. auch bereits in der vorherigen Generation.
        Immer mehr erhärtet sich der Verdacht, daß spontane Beziehungsabbrüche mit dieser Thematik in der Vergangenheit in Verbindung zu bringen sein könnten.

        Danke für eure Mithilfe

        “Hannah von Hohberg” (Welt am Sonntag, verlassene Eltern vom 05.11.2015)

        1. Sehr geehrte Frau von Hohberg,
          Ich bin überrascht und freue mich sehr darüber mich mit Ihnen austauschen zu können.
          Meine Situation habe ich schon geschildert. Es hat mich überaus berührt in dem Artikel zu lesen, dass Sie zu Ihren Kindern keinen Kontakt haben. Das ist bei mir eben genauso, ich dachte immer eines wird mir doch bleiben, aber dem ist nicht so. Ich versichere Ihnen mein Mitgefühl.
          Auch ich forsche in meiner Familiengeschichte und bin auf einige Abbrüche gestoßen. Sowohl in jüngerer Vergangenheit als auch früher.
          Es scheint sich bei mir tatsächlich ein Verhalten zu wiederholen, welches aus früheren Zeiten den Familienmitgliedern bekannt war.
          Ich bin auch seit Kindertagen mit diesem Trennungsthema konfrontiert und wollte unbedingt ein drittes Kind in der Ahnung, dass mich eventuell zwei verlassen könnten.
          Ich fühle mich manchmal sehr schlecht bei dem Gedanken, wie routiniert ich mit meiner Situation umgehe. Es ist oft wie selbstverständlich, als hätte ich nichts anderes erwartet. Gelernt ist gelernt! Ja, das hört sich nicht gut an ist aber so. Mit 52 Jahren bin ich aus meinem Familiensystem ausgebrochen und mit meinem Mann von Bayern an die Ostsee gezogen, seitdem entfernen sich meine Kinder von mir bis zum jetzigen Stillstand. Ich vermute sie können mit mir nicht mehr umgehen, sie fühlen sich verraten. Ich bin nicht mehr die Mutter aus dem System. Seit dem Tod meiner Mutter 2009 befinde ich mich mit meinen drei Schwestern in einer Erbengemeinschaft die ich gerne auflösen möchte, aber meine Schwestern halten vehement daran fest. Ich stehe außerhalb, weil ihr Denken und Fühlen nicht mehr zu mir passen. Das wird bemerkt und deshalb werde ich als unbequem isoliert.
          Je freier ich mich persönlich fühle, desto einsamer fühle ich mich in Bezug auf meine Kinder und meine Herkunftsfamilie.
          Es gab übrigens auch in der Familie des Vaters meiner Kinder schlimme und brutale Familiendramen von Abbrüchen, Auswanderungen und Verstoßungen.
          Auch ich bin davon überzeugt, dass die Geschichten der Ahnen bei spontanen Beziehungsabbrüchen eine wesentliche Rolle spielen.
          Nur wie gehe ich mit dem Wissen um?
          Bunte Grüße
          Florentine

          1. guten Abend Florentine, guten Abend an alle, die hier mitlesen,

            ich freue mich über Ihre Antwort.
            Wenn sich in diesem Forum alle duzen, bin ich natürlich gerne bereit dazu, denn immerhin geht es um einen tiefen Austausch auf der Seelenebene und da gibt es m. Meinung nach kein Sie. Für diejenigen, die mich gerne duzen, bin ich dann einfach die “Hohberg”.
            Da ich erst Ihre Erlaubnis zum Du einholen möchte, bleibe ich vorerst beim Sie.

            Warum ich meine Geschichte öffentlich gemacht habe, hat einen Grund. Ich hatte gehofft , ich würde den Grund für den Kontakt-Abbruch erfahren. Fehlanzeige!
            Um die Möglichkeit einer gemeinsamen Ebene zu eruieren, möchte ich fragen, für wen von Ihnen folgende Thesen nicht fremd sind:

            a. Ich bin von Reinkarnation überzeugt, was ja auch bis zum Konzil von Constantinopel Teil der christlichen Lehre war.

            b. Wir sind freiwillig auf diese Erde gekommen, um eine selbstgestellte Aufgabe zu erfüllen für die Entwicklung unserer Seele.

            c. Wir handeln alle aus Liebe (wenn auch teilweise nicht sichtbar) zu unserem System. In einer Familie müssen alle Mitglieder ihren Platz haben. Familienschicksale wiederholen sich. (ich habe eine Ausbildung zur systemischen Therapeutin absolviert und könnte unzählige Beweise für diese These anführen)

            d. Gut und Böse gehören zusammen (Safiye Nidiaye). Wir alle haben aufgrund der unzähligen Inkarnationen, die wir bereits hinter uns haben, a l l e
            Eigenschaften in uns. Wer, wenn nicht auch wir, sollte in Kriegen gekämpft, Hexen verbrannt, Kreuzzüge geführt, seinen Bruder, seinen Vater, seine Mutter, sein eigenes Kind, seinen Feind , seinen Nachbarn sich selbst usw. umgebracht haben, mit einem anderen Menschen krumme Geschäfte gemacht, gelogen und betrogen haben, wenn nicht auch wir (evtl.) in früheren Leben?
            Daraus folgt: niemandem von uns steht es zu, zu urteilen!
            (auch, wenn wir trotzdem immer wieder aus Angst Feindbilder erschaffen, weil wir eben Menschen sind)

            e.Es gibt keine Fehler! Wenn man die Buchstaben des Wortes Fehler umstellt und ein wenig jongliert, ergibt sich ein Wort, woraus wir erfahren, wozu “Fehler” da sind.

            f. Nichts geht verloren, alles ist da, auch, was wir nicht sehen oder fassen können! Tote sind nicht verschwunden, sondern haben nur ihre Körper verlassen. Die Seele ist unsterblich.

            g. Jeder Mensch, der uns begegnet, hat eine Botschaft für uns. Weil wir uns selbst nicht in die Augen sehen können, brauchen wir einen Spiegel in unserem Mitmenschen.

            Wenn Sie ähnlicher Meinung sind, oder Interesse an einer Diskussion über diese Themata haben, gibt es bereits eine gemeinsame Basis.

            Wer anderer Meinung ist, soll hier nicht überzeugt werden, jeder soll seine Meinung und Überzeugung behalten dürfen, niemand soll wegen seiner Denkweise diskriminiert werden!

            Mit einer gemeinsamen Basis kommt man in einer Diskussion effektiver voran. Wer wäre mit diesen Thesen als Grundlage einverstanden?

            freundliche Grüße

            von der “Hohberg”

            1. Hallo liebe Hohberg.
              Ich kann alle deine aufgezählten Punkte, von a) bis g) voll unterzeichnen. Das habe ich erst in den Jahren des verlassen seins gelernt. Ich denke, sonst hätte ich diese Situation nicht überlebt.
              Ich hgabe hier ja schon erwähnt, dass mein Leben von Anfang an mit Traumatas gepflastert war. So hatte ich auch 2 Selbstmordversuche.
              Gott sei Dank habe ich Menschen kennengelernt, die mich auf den spirituellen Weg brachten. Dies ist der Grund, warum ich alles verstehe, was du hier schreibst.
              Ich danke dir dafür.

              1. guten Abend sternenwolke,

                ein kleiner Hinweis, fang mit dem “h” an!

                Liebe Grüße

                “Hohberg”

        2. @ Frau von Hohberg

          Schwangerschaftsabbrüche

          Es würde mich sehr interessieren wie Sie auf die Annahme kommen.
          Und die Antwort auf Ihre Frage dazu:
          Ja, es haben Abbrüche stattgefunden, nicht bei mir, in der Familie rundherum. Auch schon Generationen zurück, bis ins Jahr 1880 konnte ich es zurückverfolgen.

          Wenn Sie an die Redaktion eine Anfrage stellen, dann bekommen Sie meine private email Adresse zugesendet. Ich erteile Ihnen hier offiziell die Erlaubnis dazu.
          online@klett-cotta.de
          ist die Mail für die Anfrage, so viel ich weiß

          1. Hallo sternenwolke,

            ich habe die Redaktion um Ihre email-Adresse gebeten.

            Bis dahin: daß Kontaktabbrüche mit Schwangerschaftsabbrüchen in Verbindung stehen könnten, ist bisher eine von mir erarbeitete These.
            Als erstes bin ich auf den Gedanken durch Ereignisse in meiner aktuellen Familie gekommen. Wie Sie vielleicht wissen, zeigt sich beim Familienstellen Manches, was bisher nicht am Licht war.
            Als ich einen Blick unter den Teppich gewagt und alles, was bisher verborgen war, ans Licht gebracht hatte, die Notwendigkeit der Integration aller Familienmitglieder (auch der Ungeborenen)zum Wohle unserer Kinder gefordert hatte, wurde ich als “verrückt” und nicht zum System gehörig ausgeschlossen.

            Offensichtlich ist der mit dem Familienschicksal verbundene Schmerz zu groß, um sich ihm stellen und ihn fühlen zu können.

            Auch im Bekanntenkreis gibt es Hinweise auf meine These. Aber, ich möchte nochmals betonen, es handelt sich vorerst um eine These, keine Behauptung!

            Ich freue mich auf weiteren Austausch und vielleicht weitere Hinweise, die meine These stützen könnten.

            Freundliche Grüße

            “Hohberg”

        3. Hallo Frau von Hohberg,
          Gerne lasse ich mich duzen, denn wie Sie schon angeführt haben geht es hier, jedenfalls in meinem Fall, um mein absolut innerstes Empfinden, welches ich anonym in die Welt schicke. Wir sind letztlich alle gleich, deshalb ist die Du-Ebene für mich ok.
          Ich gehe in allen von Ihnen aufgeführten Punkten mit und bin davon überzeugt, dass ich von einer guten Energie auf Den Artikel in der Zeit und auf diese Seite geleitet wurde.
          Von meinen Kindern erhalte ich keine Antwort, das habe ich begriffen. Das Thema bin ich selbst mit allen Facetten. Seit 30 Jahren lehne ich mich therapeutisch weit aus dem Fenster und löse eine “Zwiebelschale” nach der anderen ab. Unweigerlich nähere ich mich dem Kern, den ich nicht kenne und der grausam scheint, aber der Wunsch nach Heilung ist stärker als die Angst.
          Nach einer Familienaufstellung wurde mir vieles klar, auch wie meine Kinder denken.
          Jetzt lasse ich Ihnen ihr Leben, sie können so sein wie sie sind sonst würde ich sie nicht leben lassen.
          Ich selbst versuche einen Weg ohne die klassische Vorstellung von Familie zu gehen und bemerke, dass es mir immer mehr gelingt. Rückschläge kommen vor, aber die Abstände werden größer.
          Aus einer Rückführung ist mir eines meiner vergangenen Leben bekannt und es macht Sinn was ich jetzt erlebe. Deshalb nehme ich mein Schicksal, was bedeutet in die Heilung geschickt zu werden, an.
          Ich halte es mit Kahil Gibran: Eure Kinder sind nicht eure Kinder…….
          In diesem Sinn
          Bunte Grüße von der Ostsee
          Florentine

          1. Hallo Florentine,

            das Beschäftigen mit der eigenen Seele hat bei mir zu verändertem Denken geführt. Unterstützt wurde ich dabei von Robert Betz, Eckart Tolle, Greg Braden und vielen vielen anderen.
            Wir gehören einer Generation hat, der Nachkriegsgeneration, in der es vorwiegend um den materiellen Wiederaufbau des Landes ging.
            Emotionale Probleme wurden klein geredet, bzw. gar nicht Ernst genommen.
            Die Pille gab es noch nicht und so war ein weiteres Kind oftmals nicht Grund zur Freude, sondern ein Esser mehr und bedeutete mehr Arbeit, mehr Stress für ohnehin durch den Krieg schwer belastete Menschen.
            Auf die im Krieg erlittene Not, den Schmerz zu schauen, brachte einen nicht weiter. So wurde, froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein, mutig angepackt und aller Schmerz zugedeckt.
            In unserer Generation ging es wirtschaftlich nur aufwärts, wer tüchtig arbeitete, nicht auf seine Empfindungen achtete, sondern tapfer bis zum Umfallen weitermachte, ohne Rücksicht auf Verluste, der erwarb sich Ansehen und Anerkennung. Wer viel verdiente, hatte das Sagen.
            Nachdem die materielle Not kein Thema mehr war, Alles im Überfluss vorhanden war, durften wir uns meiner Meinung nach erlauben, einen Blick auf den unter den Teppich gekehrten Schmerz unserer Eltern und Großeltern zu werfen. Viele von uns wurden durch eigene Unzufriedenheit trotz allen materiellen Überflusses durch “Zufall” (Zufall ist das, was einem zum geeigneten Zeitpunkt zufällt) in Richtung Schicksal, eigene Seele, Fühlen und Empfinden gebracht.
            Wodurch wird eine Mutter mehr berührt als durch die Geburt und die Herausforderungen in der Erziehung ihrer Kinder?
            Da alles Energie ist, Energie nicht verloren geht, sich Familienschicksale wiederholen, mussten und müssen wir uns auch den Themen der Vorfahren stellen.
            So wiederholen wir sowie auch unsere Kinder, was in den Familien unserer Vorfahren aus den Fugen geraten war, indem man einem Familienmitglied den ihm zustehenden Platz verweigerte, Ungeborene nicht mehr erwähnte, verstorbene Kinder nachtaufte, d.h. einem folgenden Kind den Namen eines verstorbenen gab und auf diese Weise sein Andenken auslöschte. Viele, viele weitere Möglichkeiten gibt es, die Ordnung einer Familie durcheinander zu bringen.
            Durch mein Leben zieht sich die Ablehnung seit vorgeburtlicher Zeit. Auch kenne ich Beziehungsabbrüche seit meiner Kindheit.
            Auch in der Familie meines Mannes gab es kaum Kontakt zu seinem einzigen Onkel nach dem Tode seines Vaters.

            Also viele Baustellen gleichzeitig.
            Die meiste Energie erwiesen in meiner Familie die Ausgeschlossenen, durch Abtreibung am Leben gehinderten Kinder. Von Schwangerschaftsabbrüchen bin ich immer wieder betroffen. Sie scheinen in diesem Leben mein Thema zu sein.
            Ich bin sehr froh, meine Kinder geboren zu haben, auch, wenn mich ihr Verhalten mir, ihrer Mutter gegenüber, sehr sehr schmerzt.
            Ich habe Freundinnen und Bekannte, die abgetrieben haben.
            Von vielen Seiten kam dieses Thema immer und immer wieder auf mich zu.
            Soweit ich es richtig empfinden und sehen kann, ist ein Schwangerschaftsabbruch in der Wirkung nicht mehr so schlimm, wenn man sich dem Gefühl des Verlustes stellt, seine Trauer darüber zum Ausdruck bringt, das Kind um Vergebung bittet, evtl den anderen Kindern davon erzählt und dem Kind seinen Platz in der Familie zuweist.

            In unserem Fall in der Familie ist dies nicht Fall, es wurde kaltherzig darüber gesprochen wie in den Zeiten der weiblichen Emanzipation “mein Bauch gehört mir, da kann ich tun und lassen, was ich will” usw.
            Meiner Meinung nach führt vor allem Achtlosigkeit und mangelnder Respekt den Ausgeschlossenen gegenüber zu nachfolgendem schlimmen Schicksal, wie in meiner Familie.
            Offenbar ist der Schmerz der im Krieg erlittenen seelischen Verletzungen so immens, daß man lieber weiterhin ausklammert.

            Das ist die eine Seite. Ich kann nicht die gesamte Wirkung einer Seite anlasten. Offensichtlich bestimmt das Schicksal immer die “richtigen” Menschen, die zusammen kommen, mit der Chance, ähnliche Themen zu bearbeiten.
            Da meine beiden Eltern und alle ihre Geschwister bereits verstorben sind, gibt es keine Möglichkeit, das, was sich in einer Familienaufstellung zeigt, tatsächlich bestätigt zu bekommen.
            In einem Seminar teilte mir ein junges Mädchen mit, meine familiäre Situation mache Sinn, weil ich gekommen sei, um selbst zu erspüren, wie sich Ablehnung anfühle. Ihrer Sicht nach habe ich im letzten Leben selbst Kinder “weggeschickt”. Wenn man dem Glauben schenkt, ergäbe mein Leben Sinn!

            Meinem Mann und mir ist es nicht gelungen, die Familienthemen zu bearbeiten, demnach versuchen nun die Kinder ihr Bestes.
            Evtl. müssen sie sich von ihrer Mutter, die den Teppich gelupft und dabei Dinge entdeckt hat, die mit einer bis dato nach außen gezeigten ehrbaren Vorzeige-Familie nicht in Einklang zu bringen sind, fernhalten, um nicht in den Strudel von Emotionen zu gelangen, der sie evtl. sogar am Weiterleben hindern würde.
            Sie versuchen, sich zu verstecken, davon zu laufen. Sie haben sich der Methode ihrer Großmutter angeschlossen, die damit durchs Leben gekommen war, wenn auch alles andere als glücklich.
            Das Schicksal wird sie einholen!
            Als ihre Mutter wäre ich ihnen gerne beigestanden, wie früher in allen Lebenslagen, zu Prüfungen und Examina, bei der Arbeit. Sie lassen es nicht mehr zu.
            Mich völlig rauszuhalten, ihnen nicht mehr helfen zu können, nicht mehr an ihrem Leben teilhaben zu dürfen, von meinen Enkelkindern ferngehalten zu werden, das ist meine schwerste Aufgabe.
            Morgen ist Muttertag und mein Herz ist tonnenschwer.

            Liebe Grüße von der
            “Hohberg”

            PS: ich muß mir ein neues Pseudonym aussuchen. Hohberg wurde mir von der Zeitung zugeteilt und klingt für mich nach einem Dreigroschenroman.
            Ich denk darüber nach.

        4. hallo elisabeth,
          heute ist muttertag und ich werde an meine Kinder denken und ihnen nur Gutes wünschen. Gerne würde ich mit dir über deine private emailadresse kommunizieren. Falls du das auch möchtest erlaube ich, dass du meine
          mailadresse nachfragen kannst. ich wünsche dir trotz allem einen schönen Tag.
          Florentine

          1. guten Abend Florentine,

            danke für deine guten Wünsche für den heutigen Muttertag.
            Ich kann nun aufatmen und stelle fest, es war wieder einmal ein schöner Tag mit viel Sonnenschein, gutem Essen und guten Gesprächen im Freundeskreis.
            Ich muß mich daran gewöhnen, daß die neue Generation neue Wege geht. Auch ich gehe neue Wege, gezwungenermaßen.

            Alles Liebe

            “Hohberg”

      4. Liebe Florentine,
        ich weiß genau, was und wie Du fühlst. Dabei ist das individuelle Familiengefüge nicht DER Punkt, sondern das Muster. Und das ist meinem sehr ähnlich. Wobei mich dieser Schmerz orientierungslos macht. Weil ich mich frage, ob ich übersensibel reagiere oder ich mir etwas vormache oder übersehe oder übersehen wollte. Der Stachel in meinem Herzen scheint nur mir weh zu tun. Alles in mir weint, wenn ich mich an meine Tochter als kleines, seine Mama über alles liebendes Mädchen erinnere, und dieses kleine Mädchen heute als 27jährige Frau offenbar ihre Mutter nicht vermisst. Mir reichte schon die gemeinsame Auseinandersetzung. Doch dazu bedarf es nicht nur meinem Interesse. Ihr muß es das auch wert sein. Da dem aber nicht so ist, läßt mich der Kummer darüber vereinsamen. Ich kann mit unzähligen Personen darüber sprechen. Doch es wäre die eine Person, mein über alles geliebtes und unsagbar vermisstes Kind nicht darunter … Susanne

        1. Liebe Susanne,
          so heißt übrigens auch meine Tochter,
          die Schmerzen und Gefühle sind einfach nur grausam und machen ohnmächtig. Ich erlebe das von drei Kindern und drei Schwestern seit 2011. Fünf Jahre, unglaublich wenn ich mir vorstelle, wie sich ein Kind in den ersten Fünf Jahren entwickelt, was da alles geschieht. Ich habe keine Teilhabe mehr. Das wird mir immer mehr bewusst. Über meine Enkelkinder erfuhr ich, dass die Familie für längere Zeit nach Amerika geht. Ich fühle z. Zt. sehr, dass ich kurz davor stehe, endgültig zu akzeptieren was sich da in meinem Leben ereignet hat. In meinem Beruf begegnen mir sehr viele Menschen aus der Generation meiner Kinder. Eigentlich arbeite ich “mit meinen Kindern zusammen”. Vor einiger Zeit vertraute ich mich einem jungen Kollegen an, auch um zu erfahren wie so ein Konflikt in der Altersklasse erlebt wird. Über seine Reaktion war ich nicht wirklich erstaunt. “Es ist schlimm, was du mir erzählst, aber seh’s doch mal so, lebe dein Leben! Gerne kannst du unsere Oma sein.” In dieser Generation, die wir erzogen haben, existiert ein ganz anderes Lebensgefühl. Das ändert natürlich nichts an unserem Schmerz, aber es ist der UNSER Schmerz, nicht der, der Kinder.
          Hast du schon mal darüber nachgedacht, ob sich in deiner Familie ein Familiengeheimnis durchzieht, z. B. Schwangerschaftsabbrüche, Kindesmissbrauch oder ähnliches. Ich bin mir z.B ziemlich sicher, dass ich eine narzisstische Mutter bin, so wie ich es von zwei meiner Kinder unterstellt bekam, aber damals noch nicht annehmen konnte. Ich will unbedingt wissen was mit mir los ist, warum werde ich ausgeschlossen, was strahle ich aus? Nur wenn ich mich dem Schmerz stelle wird sich für mich was ändern. Noch vor einem Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, so zu denken und zu fühlen.
          Die große Veränderung trat mit einer Familienaufstellung im November 2015 ein. Da kamen Energien in Bewegung die völlig neue Perspektiven zulassen. Dazu gehört auch der Austausch in diesem Forum. Die Gewissheit, zu erleben ich stehe damit nicht alleine da, lässt mich mit dem Problem ganz anders umgehen. Wir haben uns diese Lebensaufgabe in einem anderen Zustand selbst gewählt. Auch unsere Kinder wählten sich diesen, ihren Weg selbst. In ganz schweren Stunden hilft mir ” Von den Kindern” von Kahlil Gibran.
          Ich wünsche dir einen schönen Sonntag
          Florentine

      5. …du sprichst mir aus dem Herzen. Ganz genau so erlebe ich es gerade auch.
        Und auch ich kenne diesen Satz in und auswändige…”…Du wirst mal einsam sterben”.
        Wie kann man solche Sätze jemanden an den Kopf schleudern. Das macht regelrecht körperliche Schmerzen.
        Wenn Du Lust hast können wir ja mal telefonieren…..lieben Gruß Susanne

    3. Hallo an alle Eltern, deren Kinder den Kontakt abgebrochen haben,
      im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom Freitag, 07.07.2016 steht ein sehr interessanter Artikel von Anna Maria Meierhofer dazu .
      bunte Grüße an euch
      Florentine

  9. Seit 4 Jahren breche ich Kontakte ab.
    Warum? Ich habe mich vollständig verändert. Seit der Schwangerschaft ist etwas in mir passiert. Vorher gab es schon Anzeichen, dass es zu einer Veränderung kommen würde.
    Seit meiner Kindheit war ich nicht mehr ich selbst. Ich wurde zu einer Bedürfniserfüllerin erzogen, einem Zombie, der Erwartungen erfüllen muss, aber kein eigenständiger Mensch sein durfte. Zerrissen zwischen unerfüllbaren Bedürfnissen und wechselnden Erwartungen unterschiedlichster Menschen wuchs ich auf. Ich machte seit dem Ende der Schulzeit für mich traumatisierende Erfahrungen, die mir mein zerbrochenes Selbst vor Augen führten. Ich ging Beziehungen zu Männern ein, die genau der kaputten Beziehung zu meiner Familie (insbesondere meinen Eltern) entsprachen.
    Mit der ungeplanten Schwangerschaft setzte eine Veränderung ein. Ich hatte ein schreckliches Erlebnis, in dem in mir etwas zerbrochen ist. Es fühlte sich an wie Sterben. Mir wurde mein Leben bewusst, auf einen Schlag. Meine Fassade, mein falsches, anerzogenes Selbst starb in dem Moment. Ich hatte das Gefühl, das nicht ertragen zu können. Dachte sogar an Selbstmord. Alles lief automatisch ab. Vor dem Fenster hielt ich an, wollte mich schon auf die Fensterbank setzen, und erschlaffte.
    Mein damaliger Partner wollte mich aufhalten. Er wusste nicht, dass ich es nicht getan hätte. Es war eine physische Reaktion auf mein seelisches “Sterben”.

    Seitdem ist alles anders.
    Ich habe einen See voller Tränen geweint, für mich damals unerträglichen Schmerz gefühlt, der mich manchmal zu Boden warf und innerlich schreien ließ. Danach überkam mich ein Schwall unglaublicher Wut, teilweise Hass. Dies fiel mir sehr schwer. Ich haderte 1 Jahr lang, diese Emotionen zuzulassen. Tat es letztendlich doch. Heute weiß ich, dass ich alte Emotionen verarbeitet habe.
    Nach jedem Fühlen überkam mich Erkenntnis. Es war beängstigend, gleichzeitig befreiend. Ich ließ es immer öfter zu, verlor die Angst davor. Der Schmerz fühlte sich immer weniger heftig an. Die Wut ließ immer mehr nach.
    Mein Körper veränderte sich. Ich hatte plötzlich kein Untergewicht mehr. Mein Hautausschlag nahm ab, wurde immer weniger. Keine Zysten im Bauchraum mehr, etc.
    Und so wie sich das Innere veränderte, veränderte sich auch das Äußere.
    Ich sah mein Umfeld mit anderen Augen. Ich sah mich selbst mit anderen Augen.
    Ich erkannte meine Schattenseiten, auch die der anderen.
    Mit all meinen Freunden von damals ist Kontakt nicht mehr möglich. Wir verstehen uns schlicht nicht mehr. Es gibt keine Basis für Kommunikation mehr. So als hätte ich eine Welt verlassen und mich auf einen anderen Planeten begeben. Meine Worte kommen ganz anders an, als sie gemeint waren.
    Ich erkannte, dass jeder nur in seiner eigenen Welt lebt und die Menschen um sich herum nur benutzt, um seine Traumwelt zu bestätigen/die Realität nicht sehen zu müssen.
    Ich brach den Kontakt zu meiner Familie ab. Ich war leider immer das “schwarze Schaf”, durfte die unbewussten Emotionen meiner Eltern ausbaden, die sie auf mich projizierten. Egal, was ich tat, es war immer falsch. Es verfolgte mich mein Leben lang, bis ich es endlich verstand. Daher rührte auch die unendliche Wut…die Wut, dass meine Grenzen immer überschritten wurden, dass ich als Mensch nie gesehen wurde, nur als Puppe/Projektionsfläche. Dass ich mich immer beugen musste, mein Leben ein einziges Schauspiel war, eine einzige Lüge, in dem es nur darum ging, das Leben der anderen zu leben, um “gut zu sein”.

    Ich brach nun zuletzt den Kontakt zur Schwiegerfamilie ab.
    Mein Sohn wurde dort genauso behandelt, wie ich als Kind von meiner Familie. Eine Puppe, die gefälligst Erwartungen zu erfüllen und Bedürfnisse von Kleinkindern im Erwachsenen-Kostüm bedienen muss. Von Menschen, die nur spielen und erwarten, dass man ihre Lügen glaubt. Von denen man systematisch manipuliert wird, damit der Sohn ihnen ausgeliefert wird…damit sie “Frischfleisch” zum benutzen haben, eine Puppe, die sich nicht wehrt, da sie es nicht besser weiß (aufgrund bedingungsloser Liebe). Kinder sind die “besten” Opfer. Sie lassen sich leicht manipulieren, benutzen, schlechtes Gewissen einreden, etc. Sie glauben das Märchen der “Familie”, so wie des Weihnachtsmannes.
    Die Familie ist ein Gefängnis. Kinder werden nicht aus Liebe gezeugt und geboren, sondern aus egoistischen Gründen oder aus “Fehlern”. Um ein Kind zu zeugen, braucht es keine Gründe. Sondern nur Liebe und Reife. Das ist eines meiner Erkenntnisse.
    Familie ist oft nichts weiter als ein Scheinkonstrukt um Menschen zu binden, zu manipulieren und dazu zu bringen alles zu tun, was man will…so erzeugt man Sklaven, die nicht einmal wissen, dass sie es sind.
    Es ist glücklicherweise nicht in allen Familien so. Aber in sehr vielen.
    Und in diesen Familien kommt es zum Bruch, wenn sich einer weiter bewegt und sein Sklaventum erkennt. Es bedeutet Wachstum, Befreiung, Reife. Nicht immer, aber es ist ein Grund unter vielen.

    Es ist mein Grund.
    Und ich bin dankbar für die Erkenntnisse und die Reifung.
    Eine Tür geht zu, eine andere geht auf.
    “Wenn man eine Brücke überqueren will, muss man die eine Seite verlassen.”
    Hier ist es eben Kontaktabbruch. Für mich hat es nichts mit Macht zu tun. Macht übt man nur aus, wenn man manipuliert/kontrolliert/das Leben beeinflusst durch kompromisslose Anwesenheit. Wer nicht anwesend ist, hat keine Macht, kann nichts kontrollieren, WILL NICHTS kontrollieren. Nein, er GIBT AUF, lässt frei. Geht weiter, allein. Will Ruhe, weil er selbst nicht mehr unter der Macht anderer stehen will und noch lernen muss innere Stärke zu entwickeln, sich abzugrenzen.

    Wer heftig auf Kontaktabbruch reagiert, ist gefangen in Verlustangst (Emotion aus der frühen Kindheit), will seine Macht nicht verlieren, will seine Puppe nicht verlieren.

    Und manchmal funktioniert Kommunikation nicht. Man versteht sich nicht. Egal wie oft man erklärt, es kommt nicht an, da der Verlassene in der Abwehr fest steckt, gar nicht verstehen KANN. Er müsste fähig sein zur Selbsterkenntis, fähig sein keine Schuld mehr zu suchen (auch die, die die Schuld bei sich suchen, verstehen nicht, sie lenken sich ab, sind zu blind und zu verstrickt), sondern die Dinge sehen zu wollen, wie sie tatsächlich sind, eigene Schattenseiten erkennen wollen. Denn nur Selbsterkenntnis führt zur Erkenntnis des Weltgeschehens.

    “Suchst du dich selbst, suche in der Welt. Suchst du die Welt, suche in der selbst.”

    Soweit zu meiner Sicht.
    Jeder ist anders, jeder sieht die Welt auf seine Weise. Respekt/Liebe ist das Einzige, was zählt und uns zusammenhält. Und die Fähigkeit Loslassen zu können! (Auf beiden Seiten)

    1. Hallo freierMensch,

      zunaechst freut es mich ehrlich, dass Du offenbar mit Dir selbst ins Reine gekommen bist und nach einem schwierigen Prozess der Emanzipation Dich selbst gefunden hast.

      Einige Deiner Aussagen finde ich jedoch bei genauerem Hinsehen einer Nachfrage wert. Obwohl ich manches, was Du sagst, als unterschwellig provokant empfinde und deshalb vielleicht etwas “sauer” klinge, hoffe ich auf Nachsicht und Antworten: Es sind es wirklich ernst gemeinte Fragen, durch die ich hoffe, Dich besser zu verstehen.

      a) Wie passt es zusammen, dass Du wie Du schreibst, “Deine Schattenseiten erkannt hast”, Du Deiner frueheren Umgebung aber m.E. doch eine Hauptschuld gibst? Du sagst, dass Du frueher das Leben der anderen leben musstest. Und als einzigen Ausweg siehst Du den kompletten Bruch mit Deinen frueheren Freunden. Was ist mit der Moeglichkeit, dass Du nur glaubtest, die Ansprueche anderer erfuellen zu muessen? Vielleicht wuerden Deine ehemaligen Freunde Dich ja auch oder gerade dann akzeptieren, wenn Du nicht primaer ihre Ansprueche erfuellst? Vielleicht musst Du z.B. eine selbstbewusstere Kommunikation erstmal eine Weile trainieren und auch Deinen Freunden Zeit zur Umstellung lassen, bevor Ihr einander wieder oder neu versteht?

      b) Wenn, wie Du schreibst, jeder nur in seiner eigenen Welt lebt und die anderen nur als Requisiten benutzt, was und wo ist denn dann die Realitaet? Ist sie nur in einem selbst? Kann man also nur wirklich leben, wenn man nicht mit anderen konfrontiert ist?

      c) Was machst Du, wenn Dein Sohn Kontakt zu seiner biologischen Familie haben will? Wirst Du Deine Macht nutzen, um ihn vor dem von Dir so genannten Gefaengnis der Familie zu bewahren?

      d) Du schreibst, Respekt (und Liebe) sei das einzige, was zaehlt. Zuvor aber sagst Du, wer heftig auf Kontaktabbruch reagiert, sei in infantilen Gefuehlen gefangen und machtsuechtig. Dies empfinde ich als ziemlich respektlos: Ich selbst habe auf den Kontaktabbruch einer Ex-Freundin extrem heftig reagiert, weil ich den Wunsch nach einer Partnerin auf Augenhoehe habe, mit der mich gegenseitiges Wohlgefuehl und Vertrauen verbindet. Ich finde das weder infantil noch machtsuechtig, noch habe ich meine Ex-Freundin als Puppe gesehen.

      e) Abschliessend schreibst Du, die Faehigkeit, loslassen zu koennen, wuerde die Menschen zusammenhalten. Wie soll ich aber mit jemandem zusammengehalten werden, der durch einen Kontaktabbruch vage andeutet, dass er saemtliche (!) Formen des Kontakts mit mir unertraeglich findet?

    2. “Für mich hat es nichts mit Macht zu tun. Macht übt man nur aus, wenn man manipuliert/kontrolliert/das Leben beeinflusst durch kompromisslose Anwesenheit. Wer nicht anwesend ist, hat keine Macht, kann nichts kontrollieren, WILL NICHTS kontrollieren. Nein, er GIBT AUF, lässt frei. Geht weiter, allein. Will Ruhe, weil er selbst nicht mehr unter der Macht anderer stehen will und noch lernen muss innere Stärke zu entwickeln, sich abzugrenzen.”

      Volle Zustimmung :)

      “Und manchmal funktioniert Kommunikation nicht. Man versteht sich nicht. Egal wie oft man erklärt, es kommt nicht an, da der Verlassene in der Abwehr fest steckt, gar nicht verstehen KANN. Er müsste fähig sein zur Selbsterkenntis, fähig sein keine Schuld mehr zu suchen (auch die, die die Schuld bei sich suchen, verstehen nicht, sie lenken sich ab, sind zu blind und zu verstrickt), sondern die Dinge sehen zu wollen, wie sie tatsächlich sind, eigene Schattenseiten erkennen wollen. Denn nur Selbsterkenntnis führt zur Erkenntnis des Weltgeschehens.”

      Man kann die Realität akzeptieren, wie sie ist und “trotzdem” das beste draus machen. Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute bietet eine neue Chance, sich frei zu machen, Mensch zu werden, es ist nie zu spät!

      Glückwunsch zu Erkenntnis :)

    3. Danke für diesen wunderbaren und ausführlichen Kommentar!
      Ich bin derzeit in einer mehr oder minder kleinen “Aufbruchsstimmung”, die sich in Ansätzen anfühlt, wie das, was dort oben beschrieben wird. Jeden Tag platzen kleine Knoten in meinem bisherigen Ich / Selbst, manchmal erlebe ich auch kleine Rückschläge, aber das finde ich völlig in Ordnung – es hilft mir, zu erkennen, dass ich bereits auf dem richtigen Weg bin, aber manche Dinge vielleicht noch nicht richtig angehe.
      Von meiner egozentrischen Mutter wollte ich mich bereits vor Jahren abwenden, aber ich war zu jung und noch nicht bereit dazu. Zwei Jahre währte die Funkstille, dann kamen wir wieder ins Gespräch. Nach nunmehr fast acht weiteren Jahren kann ich nicht erkennen, dass sie irgendeine Weiterentwicklung durchgemacht hat, sie benimmt sich nach wie vor wie ein kleines Mädchen, das allen die eigene Welt aufzwingen will und einen mit (unausgesprochenen) Erwartungen und Forderungen überhäuft. Tendenzen in diese Richtung habe ich leider erlernt und bin aktuell damit beschäftigt, diese furchtbaren (Denk-)Strukturen zu bearbeiten und, so gut es geht, hinter mir zu lassen. Ich werde meine Mutter nicht ändern können, aber ich kann mich bzw. meine Sicht auf Dinge und die Art mit Ihnen umzugehen ändern. Und das mache ich jeden Tag ein bisschen, immer ein Stück weiter weg von Leuten “deren Erwartungen ich nicht entspreche”(n möchte). Mein langfristiges Ziel ist es, Menschen, die mich nicht verstehen, die mir etwas aufzwingen wollen oder die mir einfach nicht gut tun gänzlich aus meinem Leben zu verbannen – daran arbeite ich jeden Tag.

      1. Hallo Knoxi
        deinen Kommentar hier im Forum empfinde ich als sehr reif. Besonders die letzen Sätze.
        Was mich in deiner durchdachten Darstellung verwundert ist:

        …….(unausgesprochenen) Erwartungen und Forderungen überhäuft…..

        kannst du Gedanken lesen? oder ist es nur eine Interpretation die dich zu dieser Aussage bringt?
        Ich hoffe du empfindest diese Frage nicht als Angriff, für mich ist etwas unausgesprochenes nicht erkennbar, sondern es handelt sich dann vielmehr um eigene Erwartungen oder Interpretationen.
        Korregiere mich bitte, wenn ich das falsch sehe.

        1. Hallo Sternenwolke,
          danke für Deine Reaktion – ich kann verstehen, warum Du nachfragst.
          Nun, es ist so, dass sie nun seit weit über 30 Jahren meine Mutter ist und in diesem Zeitraum lernt man, wenn man nicht gänzlich uninteressiert ist, jemanden ganz gut kennen und versteht vor allem auch seine non-verbalen Äußerungen und Verhaltensweisen. Das hat aus meiner Sicht nicht viel mit Interpretation zu tun sondern vielmehr damit, dass sich gewisse Dinge immer und immer wieder wiederholen, durch ein manipulatives Verhalten ihrerseits drückte sie Knöpfe in Mustern, die bei mir über viele, viele Jahre angelegt wurden. Das ist ja die Sache mit der ich zu kämpfen habe! Ich muss mich völlig neu “programmieren”, um die erlernten Muster aufzu- und mich von ihr abzulösen. Denn ich will nicht enden wie sie – von drei Kindern hat keiner Lust auf sie, nur eins meldet sich aus einem Verpflichtungsgefühl heraus überhaupt bei ihr.
          Ich habe keine Erwartungen. Ich will nur meinen Frieden. Und den werde ich mit dieser Frau nicht finden.

          1. Hallo Knoxi,
            schön dass du antwortest.
            ….”durch ein manipulatives Verhalten ihrerseits drückte sie Knöpfe in Mustern, die bei mir über viele, viele Jahre angelegt wurden. ….”

            Werden nicht in allen Menschen Verhaltensmuster angelegt, egal wie die Mutter oder der Vater oder die erziehende Person ist?
            In meinen Augen gibt es keinen Menschen, der nicht mit Verhaltensmustern gespickt ist.

            Das hat nun nichts mit deiner ersönmlichen Erfahrung zu tun, das war nur der erste Gedanke zu deiner Aussage.

            Sicher ist es gut für dich, wenn du den Kontakt abbrichst um an dir und deinen dir unlieben Verhaltensmustern zu arbeiten und vorwärts zu kommen.
            Vielleicht kannst du ja irgendwann verzeihen. Denn in meinen Augen ist das ein ganz wichtiger Schritt.

            Weißt du was deine Mutter erlebt hat? wie sie groß geworden ist? was sie letztlich dazu brachte, so zu handeln, wie sie handelt. Das sind ja auch Verhaltensmuster. Und vielleicht leidet sie auch darunter, zeigt es nur nicht, weil sie nicht anders kann.
            Nun das sind jetzt Sekulationen. Sollte eine Hilfestellung bieten für eine Grundlage zum Prozess des Verzeihens. Verzeihen geht nicht von jetzt auf gleich. Das ist ein jahrelanger Prozess. (ich habe ihn durchgemacht) Anschließend geht es dir sicher besser.

            Du hast ja deiner Mutter gesagt, dass du den Kontakt abbichst. Das ist eine gute Sache und auch für dich eine gute Voraussetzung um an dem zu arbeiten, was dich an dir selber stört. Zumindest sehe ich das so.
            Ich persönlich (und durch meine eigene Erfahrung) halte es für richtig, der Person zu sagen dass man den Kontakt abbricht und warum man das tut. Das mag für manchen ein harter Schritt zu sein, aber es erleichtert unwahrscheinlich. Somit geht man gestärkt in die nächste Lebensphase.
            Nun für meine Kritiker angemerkt, das ist meine Sicht der Dinge und mein Emfinden. Kein Allheilmittel sozusagen, aber man kanns ausrobieren und sehen, fühlen, ob ich es gut tut oder nicht.

            Dir Knoxi wünsche ich alles Gute und Erfolg,
            das Ablegen vom Täter – Ofer Spiel,
            und die Möglichkeit einestages sagen zu können, ich habe verziehen.

    4. Guten Tag freierMensch,

      danke für diese sehr wertvolle Analyse, ganz speziell hierfür:

      “Für mich hat es nichts mit Macht zu tun. Macht übt man nur aus, wenn man manipuliert/kontrolliert/das Leben beeinflusst durch kompromisslose Anwesenheit. Wer nicht anwesend ist, hat keine Macht, kann nichts kontrollieren, WILL NICHTS kontrollieren. Nein, er GIBT AUF, lässt frei. Geht weiter, allein. Will Ruhe, weil er selbst nicht mehr unter der Macht anderer stehen will und noch lernen muss innere Stärke zu entwickeln, sich abzugrenzen.”

      Ein anderer, sich erst noch in Anteilen befreien müssender Mensch …

  10. Hallo zusammen

    …..dies Thema ist zu wuchtig,die Thema wird unter dem Mantel “darüber spricht man nicht” bleiben. Ein Großteil derer ist introvertriert………Segen und Fluch zugleich.
    Mein Fazit ( ohne das Wummsthema schmälern zu wollen ) : Jede Geschichte hat die ihre…Manchen kann man helfen……..manchen nicht. Und die, die eine Hand ablehnen haben sich deren Folgen sehrsehr gut durchdacht.
    In dem Sinne,bleibt gesund……das höchste Gut
    Ralf

  11. Danke
    Es ist für viele nicht zu verstehen, dass es mir leicht fällt, dich nun los zu lassen.
    Wir haben nur wenig Zeit miteinander verbracht.
    Wir haben einiges erlebt und wir haben viel gelacht.
    Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber du hast mich (wieder einmal) geprägt und ich habe viel gelernt.

    Eine Weile sah ich nur dich. In Erinnerung an alte Zeiten, lange vorbei. Und in Hoffnung auf eine Zukunft.
    Doch wie es scheint, soll es so nicht sein. Dieses Mal nicht und vielleicht nie wieder.
    Warum auch immer, steht in den Sternen. Mein Bauchgefühl war wie immer goldrichtig, ich habe nur nicht zugehört.
    Es ist dennoch absolut gut so, wie es ist. Mehr als gut, es ist perfekt.

    Dir wird nicht bewusst sein, wie sehr unsere kurze Geschichte in diesem Leben mich verändert hat.
    Ich bin stärker als jemals zuvor und glücklicher als jemals zu vor.
    Ich weiß nun ganz genau, was ich möchte. Und noch viel klarer sehe ich, was nicht sein soll.
    Wie paradox das Leben doch oft ist… ich bin überrascht.

    Es ist sehr schwer, ehrlich zu sich zu sein. Doch dank dir kann ich nun klar sehen.
    Ich bin nun endlich frei. Und ich habe dich frei gegeben.
    Für die Zukunft wünsche ich dir, dass du glücklich wirst.
    Dir gehört immer ein Platz in meinem Herzen. Denn weiterhin bleibt ein Teil von dir bei mir und ein Teil von mir ist auf ewig bei dir.

    Danke
    Für das, was ich durch dich lernen durfte.

  12. Hallo,

    nachdem ich vor ca. 2 Jahren per Zufall das Buch “Funkstille” entdeckt und dieses Forum gefunden habe, schilderte ich vor ca. 2 Jahren hier im Forum, dass ich den Kontakt zu meiner Freundin vor 9 Jahren schweren Herzens abgebrochen hatte bzw. ich hatte Simone versucht zu erklären warum ich das getan habe, daraus entstand ein für mich sehr hilfreicher Dialog, der in letzter Konsequenz dazu geführt hat, dass wir seit knapp 1 Jahr wieder Kontakt haben.
    Gerne würde ich von anderen hören, die ebenfalls nach einer “Funkstille” wieder Kontakt bekommen haben – egal ob als Verlassene oder Abbrecher, wie es ihnen damit ergangen ist und wie sich die “neue” Beziehung jetzt bzw. die Aufarbeitung der Funkstille gestaltet.

    Liebe Grüße

    Sabine

    1. Hallo Sabine, ich finde das einfach nur wunderbar,
      dass du dich getraut hast diesen Schritt zu gehen.
      Schreib doch bitte bitte mehr hier im Forum dazu,
      was hat dich letztlich bewegt, diesen Schritt zu gehen.
      Wie hast du das Gespräch begonnen?
      Wo fand der erste Kontakt statt.
      Wie entwickelte sich das Gespräch.
      Ich denke das wäre hier wichtig und sehr sehr hilfreich, das zu erfahren.
      Danke und herzlichen Glückwunsch und meine Hochachtung

    2. Hallo Sabine,

      ich hatte vor einigen Jahren den Kontakt zu meinem besten Freund abgebrochen, weil sein Verhalten mir gegenüber für mich nicht mehr länger tragbar war und es mich sehr belastet hat. Offene Gründe für die Funkstille habe ich nie angegeben, weil ich wusste, dass ich damit auf Taube Ohren stoßen würde und er meine Kritik nicht ernst nehmen würde. Freundliche Andeutungen hatte ich aber immer wieder gemacht, aber es hat sich nie etwas geändert.
      Nachdem ich nach etwa drei Jahren Funkstille die Nachricht über den Tod seines Vaters erhielt, zu dem ich immer ein herzliches Verhältnis hatte, habe ich den Kontakt wieder aufgenommen. Bei der Beerdigung kam es dann zum Wiedersehen. Zu einer richtigen Aussprache wegen der Funkstille kam es jedoch nicht. Ich wollte ihm in der schwierigen Zeit nicht zusätzlich Vorwürfe machen, weil ich auch weiß, dass er depressive Phasen hat. Ich habe ihm erklärt, dass ich aufgrund meiner persönlichen Situation Zeit für mich brauchte. Ich hatte jedoch die Hoffnung, dass er aus der Funkstille etwas gelernt hat. Leider war genau das Gegenteil der Fall. Die Funkstille meinerseits hatte ihn offenbar gekränkt, so dass er bereits nach wenigen Tagen nach der Beerdigung anfing mich auf ganz verschiedene Art und Weise zu mobben bspw. vor anderen lächerlich zu machen oder anderen vertrauliche Dinge zu erzählen, die ich nur ihm als Freund erzählt hatte. Ich habe auf die gleiche Art reagiert ohne ihn offen auf das Problem anzusprechen, um ihm aber zu zeigen, dass ich verstehe, was er beabsichtigt und er damit aufhören soll. Je mehr ich reagierte umso stärker und offensichtlicher wurden seine Attacken. Deshalb habe ich den Kontakt nun für die Ewigkeit abgebrochen. Es tut zwar weh, aber es tut weniger wehr, als wenn der Kontakt noch bestehen würde.

      Grüße
      Marco

      1. Lieber Marco
        ich habe deinen Beitrag mehrmals gelesen. Was mir dabei aufgefallen ist, dass du der Meinung bist, durch Stille, oder Schweigen könne man lernen. Das ist leider nicht der Fall. Denk nur an die Schule. wenn der Lehrer schweigen würde, könnten da die Kinder lernen?
        Und in einer Beziehung ist das Schweigen die größte Strafe, die es gibt. Denk an deine Mutter, als du ein kleines Kind warst. Wenn sie nicht mir dir gesprochen hat, wie fühltest du dich da?

        Mit Schweigen kann nichts vermittelt werden außer Schmerz. Das einzige, was vermittelt, aufklärt, ist Sprache, Dialog.

        Hier noch ein Zitat von Konfuzius:

        “Wenn die Begriffe nicht stimmen,
        Dann ist das was gesagt wird nicht das gemeinte.
        Wenn das was gesagt wird nicht das gemeinte ist,
        dann sind auch die Taten nicht in Ordnung.
        Wenn die Taten nicht in Ordnung sind,
        dann verderben die Sitten.
        Wenn die Sitten verderben,
        dann wird die Justiz überfordert.
        Wenn die Justiz überfordert wird,
        dann weiß das Volk nicht, wohin es sich wenden soll.
        Deshalb achte man darauf, dass die Begriffe stimmen.
        Das ist das wichtigste von allem.
        Konfuzius.”

        Lieber Marco, durch Funkstille kann kein Mensch verstehen.
        Setz dich hin und schreibe einen Brief. Schreibe was dich zur Funkstille bewegt hat, was dich verletzt hat, warum du die Beziehung beendet hast.
        Glaub mir, nur Worte können aufklären.

        Auch ich habe nach 64 Jahren den Kontakt zu meiner Schwester abgebrochen, ich habe sie angerufen und ihr gesagt, dass sie mir Zeit meines Lebens keine Wertschätzung entgegengebracht hat. So weiß sie zumendest was mich bewegt hat, die Beziehung zu beenden. Ich bin der Meinung das ist fair. Schweigen ist unfair.

        Ich wünsche dir Seelenfrieden; und das ganz aufrichtig, denn ich kann nachempfinden wie dir zu Mute ist.

        1. Hallo liebe Sternenwolke,

          vielen Dank für dein Kommentar. Er zeigt mir, dass die Bücher von Tina Soliman in dem Umfang auch tatsächlich ihre Berechtigung haben. Dieses Forum bietet lediglich eine begrenzte Möglichkeit, um die eigenen Erfahrungen im Detail zu beschreiben. Es ist alles jedoch nicht derart einfach, wie deine Empfehlung. Insbesondere im zweiten Buch wird sehr gut vermittelt wie ich finde, dass alles wesentlich komplexer ist.

          Ich weiß nicht wie deine Schwester reagierte, nach dem du ihr deine Beweggründe für deine Funkstille geschildert hast. Die Funkstille dauerte bei dir beachtliche 64 Jahre, wofür du sicherlich berechtigte Gründe hattest, war es nicht so? Du hast sie schließlich angerufen. Wie hättest du dich nun jedoch gefühlt, wenn dir deine Schwester wohlgemerkt nach 64 Jahren dann gesagt hätte, dass du dich zu sehr in die Situation reingesteigert hättest und wenn sie sich über deine Beweggründe gar lustig gemacht hätte? Wie hättest du reagiert, wenn sie dir gesagt hätte, dass du krank bist und vor 64 Jahren mir dir irgendwas passiert sein muss, dass du damals eine solche Entscheidung getroffen hast?

          Glaube mir, die Verlassenen zu denen man zuvor eine enge Bindung hatte, hatten mindestens eine starke Vermutung, weshalb es zu der Funkstille gekommen ist. Denn wer sonst sollte einen Menschen besser kennen, wenn nicht die eigene Familie oder die besten Freunde? Wenn eine Mutter bspw. behauptet, sie verstehe nicht, warum das eigene Kind den Kontakt plötzlich abgebrochen hat, dann ist das in meinen Augen eine Lüge und rechtfertigt nichts anderes als den Grund für die Funkstille und den Kontaktabbruch.

          Diese passieren nicht aus dem Affekt. Der Entscheidung geht ein sehr langer Prozess voraus. Bei der Mutter-Kind-Beziehung wird das Ur-Vertrauen, das man als Kind in seine Mutter hat von ihr über all die Jahre hinweg systematisch zerstört, weshalb es dort ggf. zu einem Abbruch kommt. Dieser Abbruch erfolgt erst in einem fortgeschrittenem Alter, weil das Ur-Vertrauen in die Mutter bis zum Alter von schätzungsweise 25-35 noch stark ist, egal was sie einem bis dahin angetan hat. Wir alle kennen das Bild und das schöne Gefühl, was vermittelt wird, wenn das Baby aus dem Bauch der Mutter geholt und ihr direkt danach auf die Brust gelegt wird. Es ist diese starke Zuneigung, es ist dieses Ur-Vertrauen in die Mutter – was unerschütterlich sein sollte -, die sie aber selbst zerstört…und das passiert nicht von heute auf morgen.

          Herzlichst
          Marco

          1. Lieber marco,
            selbstverständlich habe ich in den paar Zeilen nicht ausführlich geschrieben.
            Was du falsch gelesen hast, ich habe nach 64Jahren meiner Schwester sozusagen gekündigt. Funkstille mit Begründung. Ich habe sie, ausgeprägt narzistisch, 64 Jahre lang ertragen.
            Sie wollte natürlich eine Diskussion, die ich nicht zugelassen habe. Ich erklärte ihr, dass das Gespräch hiermit beendet ist und ich keine weiteren Anrufe mehr wünsche. Das hat sie bis heute akzeptiert.
            Weißt du, sie hat sich all die Jahre über mich und meine Gefühle lustig gemacht. Das war dann nicht mehr nötig und auch nicht mehr möglich, nachdem ich ihr mit einem Satz die Kündigung ausgesprochen habe.

            “””……Glaube mir, die Verlassenen zu denen man zuvor eine enge Bindung hatte, hatten mindestens eine starke Vermutung, weshalb es zu der Funkstille gekommen ist.”””……..

            Nein, das glaube ich dir nicht. Und das glaube ich auch Frau Solimann nicht. Das ist viel zu einfach gesagt. Ich leite seit 3 Jahren eine Selbsthilfegruppe. Ich weiß wovon ich rede.
            Es ist sicher auch möglaich, dass der Verlassene es weiß, oder ahnen kann, aber in 99% der Verlassenen ist es so, dass sie nicht wissen, warum sie verlassen wurden. Ich spreche von Eltern, die von ihren Kindern verlassen wurden.
            Vielleicht ist es anders wenn Partner ihre Partner verlassen.
            Das möchte ich nicht abstreiten, da kenne ich mich nicht aus.

            “”…..Wenn eine Mutter bspw. behauptet, sie verstehe nicht, warum das eigene Kind den Kontakt plötzlich abgebrochen hat, dann ist das in meinen Augen eine Lüge “”…..

            Wenn das in deinen Augen eine Lüge ist, dann kann ich dir das nicht ausreden. Es ist nicht so!!!! Es gibt auch andere Bücher über Konbtaktabbruch, nicht nur Frau Soliman. Da kannst du dich ja informieren, wenn es ein Anliegen sein sollte.

            “”…..Bei der Mutter-Kind-Beziehung wird das Ur-Vertrauen, das man als Kind in seine Mutter hat von ihr über all die Jahre hinweg systematisch zerstört””…..

            Sicher gibt es solche Fälle. Aber weder in meiner Gruppe gibt es einen einzigen solchen Fall, noch in den anderen Büchern. Z.B. hat Angelika Kindt darüber berichtet. Auch sie leitet eine Selbsthilfegruppe.

            Du hast eine vorgefertigte Meinung und verallgemeinerst diese. Ich weiß nicht, warum du das so starr siehst und es tut mir Leid für dich, dass du das so verallgemeinerst.

            Ich auf jeden Fall kann nicht in allen Dingen die Frau Soliman schreibt konform gehen. Auch sie verallgemeinert in manchen Aussagen, die in meinen Augen viel zu wenig belegt sind.

            Trotzdem bin ich der Meinung, dass Schweigen die größte Machtausübung ist, die ein Mensch ausüben kann. Wer Macht ausübt ist in Wirklichkeit schwach. Stärke zeigt der, der spricht.

            1. Hallo Marco, Hallo Sternenwolke!

              Ich kann beide eure Standpunkte nachvollziehen – jeweils habt ihr sicher eine andere Geschichte, einen anderen Zugang.
              Für mich war es ein dumpfes Ahnen… Ja, aber nur soweit, wie unsere Gefühlswelten ähnlich waren. Dann konnte ich Schlüsse ziehen. Aber dort, wo wir uns in der “Erlebnis”-Erfahrung unterschieden, dort konnte ich wirklich nicht für mich nachvollziehen, mehr konstruieren anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen bzgl. Persönlichkeitsstrukturen, -störungen und deren Verhaltensmuster. Aber das rationelle “Verstehen” ist weit entfernt vom annehmbaren gefühlsmässigen “Nachvollziehen”. Die Gefühlswelten eines Narzissten sind für mich eine Fremdsprache. Nur weil ich die Worte zusammenbasteln kann aus dem Lexikon, kann ich die Sprache nicht verstehen oder anwenden. Es ist für mich letztlich ein riesen Unterschied intellektuell zu verstehen, oder empathisch. Darum kann eine verbale Erklärung trotz allem oft unbefriedigende Leere hinterlassen..

              Liebe Grüße
              Nina

              1. Hallo Nina.
                “”….Es ist für mich letztlich ein riesen Unterschied intellektuell zu verstehen, oder empathisch….””
                Da sprichst du einen wahren Satz aus, und ich selber kann den auch nachvollziehen, da ich selber Zeit meines Lebens empathisch bin. Das ist eine Eigenschaft, die in der heutigen Gesellschaft nicht gerne gesehen wird. Ich will aber meine himmlische Gabe des Mitfühlens gar nicht ablegen.

                “.. Darum kann eine verbale Erklärung trotz allem oft unbefriedigende Leere hinterlassen..

                Trotzdem bin ich der Meinung, dass nur Sprache klärt. und dass Schweigen die größte machtausübung ist, die es gibt.

                Sicher habe ich auch bei meiner Schweswterdiese unbefriedigende Leere hinterlassen. Aber ich habe ihr zumindest zuvor erklärt, warum ich den Rest meines Lebens ohne sie verbringen wrde.
                Anders ist das bei meiner Tochter. Da wünsche ich mir immer noch, dass ein einziger klärender Satz von ihr ausgesprochen wird.
                So kenne ich eben beide Seiten, die des Verlassenen und die des Verlassers. Auch aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle gerne sagen, dass es keine Schuld gibt. Die Menschen sollten nach meiner Ansicht vom Schuldprinzip loslassen. Dann kann Vergebung einsetzen. Dann braucht es keine Schuld, Wut, Hassgefühle, etc. mehr, dann kann Liebe einsetzen und wirken.
                Ich rede von bedingungsloser Liebe!
                B E D I N G U N G S L I O S E … L I E B E
                Diese bedingungslose Liebe hat nicht zur Folge dass ich unterwürfig werde. Aber sie kennt keine Vorwürfe und keine Schuldzuweisungen.

                1. Es gibt keine bedingungslose Liebe! Die Liebe, von der Du sprichst, ist zuallererst RESPEKT vor einem anderen menschlichen Wesen! Ohne diesen RESPEKT kann es die sog. “bedingungslose” Liebe nicht geben! Meine Mutter hat sich leider niemals in ihrem Leben zu diesem Respekt mir ggü. durchringen können (ich bin eine ungehorsame und undankbare Puppe für sie), während ich ihn für sie immer noch habe, nicht für sie als Mutter, aber immerhin für sie als Mensch. Ich habe nur zwei Möglichkeiten: entweder ich verliere meinen Respekt vor ihr als Mensch auch noch und lasse Kontakt zu oder ich erhalte mir den Respekt vor ihr und ihrer narzisstischen “Persönlichkeit” und breche den Kontakt ab. Ich kann die Bibel zitieren, das Grundgesetz, logisch argumentieren, … alles zwecklos, sie wird nie verstehen, dass man echte Liebe nicht kaufen, nicht erpressen, nicht erdemütigen, erprügeln, erschwindeln oder anderweitig erstrafen kann. Sie wird auch nie verstehen, dass sie wirklich kein liebenswerter Mensch ist sondern mich eher an die Hexe aus dem Knusperhäuschen erinnert…

                  Im Grunde ist sie schon gestorben für mich, jeder Kontaktversuch ist wie der Griff eines Untoten aus dem Grab, aber er zerfällt im Lichte der Wahrheit :)

              2. Das (siehe unten)
                hatte ich noch vergessen zu schreiben, es ist eine Art zur Erkenntnis zu gelangen und dadurch zur Vergebung.
                Und Vergebung heißt allen vergeben, mir selber und den anderen.

                Alles was wir tun sollten ist unsere Wahrnehmung zu verändern, nämlich die bewusste Aufmerksamkeit von der Grenze (Ego) zum Zentrum zu verlagern (Witnessing Presence=ständige Selbstbeobachtung).

            2. Liebe Sternenwolke,

              noch einmal danke für dein Kommentar.

              Ich finde, dass du gerade die gesamte Problematik viel zu sehr verallgemeinerst. Du verurteilst die Abbrecher pauschal und stellst sie als Agressoren und Gestörte dar. Dass du eine Selbsthilfegruppe für verlassene Eltern leitest und die Art und Weise deiner Kommentare, bestätigen mir das auch. Ich habe meine Zweifel, dass du die Bücher von Frau Soliman gelesen hast, weil du sonst nicht so antworten würdest. Ich höre aus deinem Text interessanterweise auch viel Wut heraus und dass es brodelt in dir.

              Gewisse Dinge im Leben muss man selber erlebt haben, um dann als Außenstehender etwas richtig beurteilen zu können. Dass du eine Selbsthilfegruppe leitest, bedeutet nicht zwangsläufig, “dass du weißt, wovon du sprichst.”

              Nur kurz zur Mutter-Kind-Beziehung. Wenn alles gut ist, ist es nicht immer die Mutter, die behauptet, sie kenne doch ihr eigenes Kind und wieso weshalb es ich auf eine bestimmt Art und Weise verhält? Wenn es dann seitens des Kindes dann zum Abbruch kommt, dann heißt es plötzlich, sie erkenne das eigene Kind nicht mehr und verstehe nichts. Das ist in meinen Augen lediglich ein Mechanismus, die Schuld von sich zu weisen, um im Freundes- und Bekanntenkreis nicht das Gesicht zu verlieren. Wenn ein Kind eine Persönlichkeitsstörung hat, dann ist in 95% der Fälle die Mutter dafür verantwortlich, weil es gerade ihre “gestörte” Persönlichkeit ist, die das Kind prägt. Keine der Mütter in deiner Gruppe wird eingestehen, dass sie Schuld ist an der Situation. Vermutlich wird gesagt “Es gab hier und da mal Streitigkeiten, ABER…..”. Das große Aber!

              Bitte sei mir nicht böse, aber du bist keine “Betroffene” im engeren Sinne und kommentierst hier die Kommentare von wirklich Betroffenen als jemand, die eine Selbsthilfegruppe leitet. Neutral – das zeigen mir deine Kommentare – bist du daher in meinen Augen nicht. Du darfst natürlich kommentieren, darum geht es mir nicht.

              Ich vermute, dass dein Interesse für diese Seite darin besteht, hier Gesprächsthemen und Aspekte für deine Selbsthilfegruppe zu sammeln, weil es vermutlich ein Forum in dieser Art nicht gibt.

              Ich wünsche dir dennoch viel Erfolg bei deinen Bemühungen im Hinblick auf deine Gruppe.

              Herzlichst
              Marco

              1. Lieber Marco, es tut mir schrecklich leid für dich, dass du so verletzt bist. Ich möchte nun nicht mehr weiter auf deine untérschwellige Aggressivität und auf deine unbegründete, vorwurfsvolle, beleidigende Art eingehen. Ich wünsche dir von Herzen alles erdenklich gute, dass du deinen Schmerz einestages verkraften kannst und daraus lernst.
                Alles Liebe

              2. Lieber Marco,

                ich bin einer Selbsthilfegruppe für Verstoßene Großeltern. Dazu gehört auch
                meistens der Kontaktabbruch zu Sohn oder Tochter. Aber keine der betroffenen
                Großeltern ist der Meinung, alles richtig gemacht zu haben. Im Gegenteil, alle
                fragen sich, was habe ich falsch gemacht, was ist mein Anteil daran, daß es soweit gekommen ist. Aber wenn man keine Antwort bekommt, weil der “andere” nicht reden möchte, dann ist es für die Betroffenen fast unerträglich. Und es wird auch nicht über die Kinder geschimpft, wie in machen Foren behauptet wird. Das mußte ich mal loswerden.

                1. Liebe Ingrid,
                  Ich kann dir ein Beispiel von meiner Freundin erzählen. Sie hatte immer viel Spaß mit ihren Enkelkindern, hat sich viel Zeit genommen und mit ihnen gespielt. Die Kinder wollten immer zur Oma. Eines Tages holte der Sohn die Kinder ab mit den Worten: Du wirst doch nicht glauben, dass du mit meinen Kindern glücklich wirst. Das war das letzte was sie von ihm gehlrt hat. Seit nun 8 Jahren hat sie keinen Kontakt mehr, weder zum Sohn noch zu den Enkeln.
                  Nicht nur uns verlassenen Müttern / Vätern, ist es ein Rätsel, auch die verlassenen Großeltern stehen vor einem Rätsel.
                  Und glaub mir eines.
                  Es gibt keine SCHULD !!!
                  Zieh dir den Schuh nicht an, auch wenn hier im Forum einige das wollen.
                  Ich streite nicht ab, dass es auch Fälle gibt, die sich Schuld aufgeladen haben. (Beispiel : Natascha Kampbusch)
                  Aber das sind die allerwenigsten. Und ich persönlich bin der Meinung, dass diese Eltern nicht in so einem Forum zu finden sind.
                  Fühl dich von mir umarmt und gedrückt

          2. Lieber Marco,

            ich habe deine Beiträge gelesen und sie haben in mir ein wenig Wut ausgelöst. Wenn du eine andere Sichtweise zulässt, möchte ich dir gerne erzählen, wie ich die Dinge sehe.

            Zu einem Kontaktabbruch kommt es immer aus mehreren Gründen und nicht unbedingt nur, weil einer dem anderen verletzt. Ich glaube man meint immer so eine große Rolle in dem Leben anderer zu spielen. Oft verstehen es andere wirklich nicht, vor allem, wenn der Betroffene, seinen Rückzug nicht erklärt. Das hinterlässt Wut und eine Art Ratlosigkeit, in die man dann wieder hineininterpretiert. Die Theorien über Urvertrauen mögen alle ihre Berechtigung haben, aber niemand ist fehlerlos. Unvollendete Prozesse können einem auch den nötigen Antrieb geben, ohne den man sich nicht abnabeln hätte können. Charakterbildend.

            Ich kenne beide Situationen. Meine Schwester hat den Kontakt zu uns allen abgebrochen, weil sie in eine Art Sekte getreten ist, die wiederum meint, dort hätte die Maske meiner Schwester fallen können. Wer hier Schuld hat? Niemand. Es war der Zeitpunkt, wo sie anfällig war (zu jung) und meine Eltern meine kranken Großeltern pflegen mussten (hatten nur Sorgen). Trotzdem ist es passiert und wir leben schon 6 Jahre ohne Kontakt.

            Ich habe den Kontakt zur einer lieben Freundin abgebrochen, da sich die Freundschaft in reinste Feindschaft entwickelt hat. (Wer ist besser im Job, Neid, Eifersucht, ständige Beleidigungen und Abwertungen). Es ging einfach nicht mehr. Ich hab mich erklärt, dass das für mich nicht mehr passt und mich nur mehr stresst. Dennoch weiß ich, dass sie es vl. gar nicht so gemeint hat und meine Kontaktabbruch Folgen hat. Es ist eine harte Bestrafung, die härteste und macht das Gegenüber wütend. Man tut ja auch aktiv etwas dabei. Man ignoriert und gibt dem anderen keinen Raum. Dass jemand dann wütend ist und sich nicht mehr über das Wiedersehen freut, muss man ihn Kauf nehmen. Man hat jemanden genauso verletzt, wie man selbst verletzt wurde. Es gibt dann Gleichstand. Danach noch zu verlangen, der andere müsste gnädig und schwanzwedelnd in die Hände klatschen, weil man sich wieder meldet, ist rein egoistisch. Die Beziehung und das Vertrauen sind zerstört. Man trägt auch Verantwortung, wenn man einen Kontakt abbricht. Alles andere ist kindlicher Trotz.

            Herzlichen Gruß

            1. Liebe Sonja,
              dein Beitrag ist sehr weise, klug und durchdacht. Jedes Wort ist nachvollziehbar und beeindruckt mich sehr. Es gibt nicht viele Menschen die das was du schreibst ebenso zu Papier bringen können wie du. Du hast deinen Beitrag so wunderbar neutral geschrieben. Das müssen viele noch lernen einschließlich mir.
              Ich kann natürlich auch verstehen, wenn starke Gefühle in die Beiträge hineingebracht werden, da dieses Thema ja in meinen Augen eines der schlimmsten ist, die es gibt.
              DANKE FÜR DEINE WUNDERBAREN WORTE

    3. Hallo Sabine,

      auch ich habe mich einer Freundin wieder genähert, mit der ich selbst den Kontakt vor mehreren Jahren abgebrochen hatte, schlicht gesagt, weil die Verständigung zwischen uns nicht mehr klappte. Ich war in einer schwierigen Situation damals und konnte ihr diese nicht kommunizieren. Zum Teil versuchte ich es vergeblich, zum Teil unterließ ich es schließlich ganz, weil ich die berechenbaren Reaktionen nicht mehr hervorrufen wollte, die mich entweder leer zurückließen oder mich nervten bis abstießen. So viel zur Vergangenheit. Was mich nach langer Zeit dazu brachte, wieder einen Schritt auf sie zuzugehen, war die Bewusstmachung der Werte, auf deren Basis wir früher so eng befreundet waren, sowie mein Interesse an möglichen inneren Veränderungen bei ihr und mir in den vielen Jahren der Funkstille. Außerdem war es die Endlichkeit des Lebens und die Frage nach all den Dingen, die ich, stünde mein Tod kurz bevor, unbedingt vorher noch würde bereinigen wollen. Der nächste Gedankenschritt war dann, dass ich damit ja ebensogut gleich anfangen könnte, jetzt, wo ich noch kerngesund bin. Es bedurfte einiger Hartnäckigkeit meinerseits, bis wir uns mal wieder trafen. Prompt gingen bei mir dann auch bei bestimmten Äußerungen ihrerseits alle Warnblinkanlagen wie in Reihe geschaltet an. Und diesmal litt ich nicht still vor mich hin, um mich dann für die nächsten Jahre aus ihrem Leben ausklinken zu müssen, sondern ich … explodierte. Ich kommentierte alle ihre Äußerungen provokativ wie ein Teenager, schluckte keine ihrer Aussagen, die mir unreflektiert vorkamen.
      Ihre Reaktion war ziemlich aufgebracht, und sie wurde sogar laut. Das Treffen endete dann auch mit tödlicher Beleidigung auf ihrer Seite. Nach ein paar Tagen e-mailte ich ihr, dass es mir zwar leid tue, sie so aufgeregt zu haben, dass ich aber vollinhaltlich zu dem stünde, was ich ihr alles gesagt oder ihrer Meinung nach an den Kopf geworfen habe. Auch, dass ich diese Offenheit der Kommunikation in meinem Leben nicht mehr missen möchte. Dass ich gerade von Freunden die Auseinandersetzung mit anderen Standpunkten brauche wie die Luft zum Atmen und ebenso die Bereitschaft, sich auch mit meinen Denkresultaten ein Stück weit zu beschäftigen und diese nicht einfach nur in Bausch und Bogen abzulehnen, aus Angst, was passieren könnte, verfolgte man diesen oder jenen Gedanken einmal konsequent weiter. Es vergingen wieder ein paar Wochen, in denen immer ich die Initiative ergriff und mich meldete, sie aber immerhin darauf antwortete. Dann war sie krank und ich besuchte sie. Ich hatte mir vorgenommen, diesmal mit meinen Meinungen und Standpunkten doch wieder etwas zurückhaltender zu sein. Das war dann aber gar nicht nötig, denn während unseres gesamten Treffens gab es auch nicht einen Moment, wo ich mich unbehaglich gefühlt hätte bzw. so, als müsste ich einen oder gar mehrere Frösche herunterschlucken. Natürlich kam mir inzwischen längst die Frage, ob sich dabei auch die andere Seite behaglich gefühlt hat oder ob ich quasi nur geduldig ertragen wurde?? Ich denke, ich hätte auch das verdient, dass man mich mal geduldig erträgt, denn meiner Meinung nach muss ich das umgekehrt ja auch sehr häufig tun, ohne dass dies den betreffenden Menschen immer so bewusst ist. Ich werde hier also nicht weiter bohren und mir die erlebten schönen Momente dadurch selbst kaputtmachen. Bei Gelegenheit werde ich stattdessen die Bemerkung fallenlassen, wie schön es doch ist, dass wir uns jetzt gegenseitig mit all unseren Ecken und Kanten wieder ertragen können. Es ist natürlich alles noch dünn wie chinesisches Porzellan, aber es IST wieder, und ich hege die Hoffnung, dass zuletzt auch dieses schöne Grundvertrauen wieder entstehen könnte, das wir früher zueinander hatten.

      Viele Grüße,

      Libelle

      1. Hallo Libelle,
        vielen Dank fuer diesen optimistischen Beitrag, der zeigt, dass unter Umstaenden Funkstillen auch voruebergehen koennen und nicht immer ein unabwendbares Schicksal sein muessen.
        Wichtig scheint mir in Ihrem Beispiel zunaechst, dass tatsaechlich eine gewisse gemeinsame Grundlage besteht, auf der beide sich einander auf Augenhoehe wieder annaehern koennen. So ist die Wiederannaeherung dann fuer beide positiv. Andererseits aber ist keiner abhaengig davon: man koennte definitiv auch gut ohne den anderen; miteinander waere es gelegentlich einfach nur ein bisschen schoener. Das macht die Sache angenehm entspannt.
        Und dann haben Sie trotz Risikos die Moeglichkeit genutzt, offen zu sein und haben bestimmte Punkte im gegenseitigen Umgang, die heute noch relevant sind, unverhohlen angesprochen. Ein bisschen hartnaeckig einerseits – aber andererseits auch nicht zwanghaft alles geklaert, wenn es heute gar nicht mehr wichtig scheint. Also den Geistern der Vergangenheit deutlich was von ihrer Groesse genommen, um vorwiegend in die Gegenwart und Zukunft schauen zu koennen…
        – Wie gesagt, herzlichen Dank fuer diese positive Geschichte.

        1. Hallo Rolf,

          danke für das nette Feedback !! :-)) Ob und wie diese positive Geschichte weitergeht, wird die Zeit zeigen. Aber ein Anfang ist gemacht.

          Herzliche Grüße,

          Libelle

  13. Hallo,
    ich bin kürzlich über einen Online-Artikel auf das Thema Kontaktabbruch aufmerksam geworden. Mir ist dies selbst passiert, also dass Kontakt zu mir ohne Vorwarnung abgebrochen wurde, und zwar in einem sozialen Netzwerk. Mit einer Freundin, die ich vor ihrer Auswanderung in ein fernes Land nur flüchtig kennenlernen konnte, hatte ich über längere Zeit sehr intensiven Kontakt über FB, Skype etc. Sie war mir sehr wichtig, und ich dachte, das sei auch umgekehrt der Fall, doch es folgte ein sehr abrupter Kontaktabbruch inkl. dem “entfreunden” auf FB. Wie einfach dieser Abbruch im Internet doch funktioniert. Ich fragte nach einer Erklärung, und erhielt nur die lapidare Antwort, dass wir doch zu verschieden seien. Die Situation hat mich sehr getroffen, ich mochte die Frau wirklich gerne. Nun ist mir etwas sehr Ähnliches erneut mit einer anderen Person passiert, und ich merke, dass das alte Wunden aufreißt. Wieder jemand, bei dem ich dachte, eine gute Verbindung zu spüren, was aber offenbar nicht der Fall war. Da es sich wieder um eine Person im Ausland handelte, spielt der Faktor soziales Netzwerk hier wieder eine ganz bedeutende Rolle. Man stellt sich die Fragen: Was habe ich falsch gemacht? Warum wenden sich Personen von mir ab? Ich muss erkennen, dass es darauf keine Antworten gibt. Beide Male handelte es sich um rein platonische, freundschaftliche Kontakte, die mir aber viel bedeuteten. Ich habe den Eindruck, dass die heutige oft schnellebige Online-Kommunikation das Problem begünstigt. Vielen Dank, dass Sie das Thema in Ihrem Buch aufgreifen, es zeigt Leuten, dass sie nicht alleine mit dem Problem sind. Interessanterweise habe ich manchmal selbst das Gefühl, dass ich gerne alles hinter mir lassen würde, und den Kontakt zu allen abbrechen möchte – quasi die totale Flucht. Aber ich würde es nie tun, ich würde damit sehr liebe Menschen verletzen. Ich sah gerade diese Dokumentation – “37 Grad – Abgetaucht” – und sie beleuchtet beide Seiten. “Wer wortlos bleibt, der schweigt nicht. Im Schweigen steckt eine Botschaft”… diese Aussage fand ich sehr zutreffend.
    https://www.youtube.com/watch?v=85-1q_rX4io

    1. Hallo Maria,

      Ihre Schilderung erinnerte mich an zwei ganz ähnliche Erlebisse, die ich hatte. Im ersten Fall handelte es sich um eine Brieffreundschaft, die sich sofort sehr intensiv entwickelte und mir zum damaligen Zeitpunkt viel bedeutete. Ich hatte bereits die sehr begründete Hoffnung aufgebaut, dass daraus eine schöne Freundschaft wird, als mir meine Brieffreundin Knall auf Fall schrieb, dass sie den Kontakt mit mir nicht fortsetzen wolle. Ich antwortete dann noch und bat sie, mir doch den Grund dafür mitzuteilen, aber es kam kein Brief mehr von ihr. Da ich damals zeithalber und auch kräftemäßig nicht in der Lage war, nach Kontakten in meinem direkten Umfeld zu suchen, traf mich das ziemlich hart und vor allem komplett unvorbereitet. Nun hätte ich daraus vielleicht lernen sollen und beim nächsten Mal, wenn ich jemanden kennenlerne, etwas weniger Illusionen entwickeln sollen. Leider tappte ich erneut in die Falle. Ich war damals in so einem Club, wo man weltweit gratis bei jemandem wohnen kann, wenn man – im Gegenzug – auch jemanden unentgeltlich bei sich wohnen lässt. Diese Idee fand und finde ich eigentlich ganz spannend. Ich habe das selbst mehrere Male in Anspruch genommen und machte dabei wirklich schöne Erfahrungen. Dann hatte ich mal wieder einen Gast – eine Frau, ungefähr in meinem Alter, die ich auf Anhieb sympathisch fand. Umgekehrt schien es ebenso zu sein – sie war nur auf der Durchreise, die 4 Tage mit ihr verflogen nur so, weil wir einerseits viel unternahmen und uns andererseits die Gesprächsthemen niemals ausgingen. Wir fanden auch dieselben Dinge ernst und komisch, etc., eben alles, was so eine Seelenverwandtschaft ausmacht. Ich brachte sie dann zum Flieger und sie verabschiedete sich von mir mit einer Gegeneinladung. Als ich ihr dann ein paar Wochen später einen Zweizeiler mailte, antwortete sie nicht. Ich hielt das zuerst für ein Versehen und schrieb ihr nochmals – wieder keine Reaktion. Dann ließ ich es natürlich und blieb einmal mehr mit der ungeklärten Frage nach dem Warum zurück. Ich muss dazu sagen, dass diese Frau sehr viel öfter verreiste als ich das damals konnte, also auch sehr viel mehr neue Menschen kennenlernte. Wahrscheinlich war ich für sie nur ein Tropfen im Wassereimer ihrer vielen interessanten Kontakte. Sie benahm sich während ihres Aufenthaltes einfach nur nett, weil das eben ihre Natur ist und sie könnte unmöglich mit allen Menschen Freundschaften pflegen, die sie irgendwo auf der Welt trifft und die auf ihr Nettsein positiv reagieren. Ich war auch gar nicht wütend auf sie, sondern auf mich und meine Naivität. Andererseits erinnere ich von meinen Globetrotter-Zeiten, dass ich durchaus schöne Zeiten mit Menschen verbringen konnte, ohne ihnen gleich etwas in Aussicht stellen zu müssen – will sagen: Die Floskel, ich solle sie besuchen kommen, hätte sie sich sparen können.

      Viele Grüße,

      Libelle

  14. Innerhalb von 24h nach 2 Jahren: Liebevoller Umgang bis zur letzten Minute – Fehlgeburt – Kontaktabbruch

    Liebe Frau Soliman!

    Danke für das Aufgreifen des Themas auf so vielseitige Weise. Ihre Bücher sind für mich als “Verlassene” die einzige Möglichkeit, konstruktiv damit umzugehen. So kann ich mich selbst aus dem Grübeln herausnehmen.

    Meine Geschichte war jene mit einem “bekannten” Kontaktabbrecher. Seine Wortlosigkeit und sein Verfallen in dieses Schema war bekannt. Subjektiv waren für mich seine Momente der Wortlosigkeit und des Schweigens immer in Zusammenhang mit Beschämung, “sich schuldig fühlen”, emotionaler Ablehnung und Ausweglosigkeit unter Stress sehr deutlich.. Angedeutet nur durch seine angespannten Kiefermuskeln und den verkniffenen Lippen.
    Wir haben es aufgegriffen, haben es bewusst “an”gesprochen und aktiv dagegen gearbeitet… Prophylaxe durch Gespräche vereinbart. Verständnis für das Bedürfnis des Rückzugs selbst und Verständnis für gegenseitige Empfindungen ausgedrückt, die Angst vor Zurückweisung erzeugen können. Und trotzdem – es war nicht zu vermeiden.

    Das macht es nicht weniger erschütternd. Wo noch Stunden vorher die empathischsten und einfühlsamsten Worte herkamen… Genau vom selben Ort kam wenige Augenblicke später die schlimmste und kälteste Stille, die sich kein Mensch verdient hat. Und das wenige Stunden nach dem Verlust unsere Kindes. Mir fehlen noch heute selbst die Gefühle, diese Grausamkeit zu begreifen. So zu täuschen, sich so aus der Situation zu nehmen – die Fähigkeit zu solch einer Brutalität einem angeblich geliebten Menschen gegenüber..

    Ich möchte diesen Kommentar für jene hinterlassen, die sich vorwerfen, nicht reagiert oder geahnt zu haben. Für jene die hadern und meinen – hätten sie doch.. Und gäbe es eine zweite Chance um zu..

    Selbst unter den reflektierten Bedingungen, die wir hatten.. In einer Beziehung ohne einen einzigen Streit mit tagtäglichen konstruktiven Gesprächen.. Es war nicht zu vermeiden. Ich weiß heute, ich kann mir nichts vorwerfen. Ich hätte es nicht verhindern können, weil dieses Verhalten nichts mit mir zu tun hat.
    In Momenten, wenn ich ganz im Reinen bin mit mir und der Situation – ohne Wut und Trauer -, dann weiß ich, dass etwas ganz schlimmes passiert sein muss und viel größeres Leid auf der Seite des Abbrechers vorhanden sein muss, dass er keine andere Möglichkeit für sich hat. Auch er nimmt sich selbst so viel.. Und wiederholt es immer wieder. Für mich kann es ja ein einmaliges Trauma bleiben.

    Ich wünsche allen Verlassenen, dass sie Frieden in der Situation finden.
    Und ich wünsche den Abbrechern aufrichtig, dass auch ihre Wunden, die vielleicht wo ganz anders und viel früher entstanden sind, eines Tages heilen mögen…

    1. Hallo Nina,

      vielen Dank fuer diese sehr dichte Schilderung Deiner kaum fassbaren Geschichte! Toll, dass Du es geschafft hast, Dich von allen Selbstvorwuerfen frei zu machen – und offenbar trotzdem verzeihen kannst.

      Vielleicht hatte Dein ehemaliger Partner riesige Angst, starke Gefuehle einmal nach draussen zu lassen? Besonders die negativen? Und wenn dann doch ganz intensive Emotionen da waren, wie nach dem tragischen Verlust Eures Kindes, steckten sie womoeglich fest und blockierten ihn vollstaendig.
      Aber das ist nur eine Vermutung. Auf jeden Fall haette er sich wirklich nur selber noch weiter helfen koennen – und wohl auch muessen – als Du es mit Euren Gespraechen schon getan hast.

      Ich wuensche Dir von Herzen, dass dies fuer Dich, wie Du schreibst, ein einmaliges Trauma bleibt. Und dass die Zeit, in der Du mit Dir ganz im Reinen – und hoffentlich auch gluecklich – bist, bald nicht nur Momente andauert.

      1. Hallo Isabelle,

        wenn ich es richtig sehe, bezieht sich Ihre Empfehlung von Koenig Blaubart auf Ninas Geschichte?
        Sehen Sie Ninas ehemaligen Partner, den Abbrecher, in der Rolle des Blaubart? Das finde ich einen interessanten Punkt: Denn Blaubart schien seine Frauen aus Lust oder wenigstens Triebbefriedigung zu toeten bzw (je nach Variante der Geschichte) gefangen zu halten. Zumindest in Ninas Geschichte habe ich aber nicht den Eindruck, dass der Abbrecher abbricht (also auch ein bisschen toetet), weil es ihm Spass macht oder das Gefuehl von Macht verleiht – sondern weil er sich in seiner Ver(selbst)zweifelung nicht anders zu helfen weiss.

        Aber vielleicht geht es in einigen Abbruchgeschichten tatsaechlich um beides – Blaubart (oder seine weibliche Entsprechung) fuehlt sich ausweglos, klein und mies: Alle Reichtuemer der Welt und alle durchaus anerkennswerten Leistungen koennen nicht das Loch im Selbstwertgefuehl fuellen, das der Makel des blauen Barts immer wieder reisst. Ergo muss zum Stopfen immer wieder ein grosser Beweis der eigenen Macht her – z.B. eben ein Abbruch: Ein Einkerkern des ehemals geliebten Menschen auf Nimmerwiedersehen oder gar ein “Toeten”. Doch auch das wird Blaubarts Problem natuerlich nur kurzzeitig mildern.

        Wir muessen also hoffen, dass die Blaubaerte und Blaubaertinnen dieser Welt rechtzeitig kluge Gelehrte finden, die ihnen tief drinnen klar machen koennen, dass sie trotz (oder vielleicht sogar wegen) ihrer blauen Baerte wertvolle Menschen sind:
        Auf dass sie ihre toedlichen Waffen und Schluessel auf Nimmerwiedersehen im Burggraben versenken koennen…

        – Entspricht das ungefaehr Ihrer Interpretation, Isabelle? Auf jeden Fall haben Sie mir einen sehr interessanten Anstoss gebracht, der einen zweiten und dritten Blick lohnt. (Beim ersten Blick dachte ich noch, “was soll denn der Quatsch jetzt, da ist doch gar kein Zusammenhang…”)

        1. Hallo Rolf,
          hmm es geht in der von Ihnen beschriebene Richtung aber noch weiter,
          nämlich um Beziehungsfähigkeit .
          Blaubarts Frauen müssen immer dann “sterben”, wenn sie ihm zu nahe kommen
          ( Schlüssel zum Keller , den Gefühlen, dem Unbewussten).
          Blaubart ist offensichtlich oder als “Held oder Machtinhaber wie zB ein König” getarnt, durch Traumatisierungen noch an seine Mutter gebunden. Jeder Schritt zu Nähe in einer Beziehung ( das kann sich ebenso auch nur um Freundschaft handeln ) bringt Blaubart den schrecklichen Gefühlen eines frühen Traumas näher – seine Frauen bekommen zwar den Schlüssel zu seinem “Keller” , aber wehe wenn sie diesen öffnen möchten.
          D.h.Blaubart ist sehr krank. Eine schrittweise therapeuthische Konfrontation mit dem ursprünglichen Traum, kann einen Heilungsprozess auslösen.
          Um das Thema tiefer zu verstehen empfehle ich google “Narzissmus ” , “Muttersohn” “Trauma” u.a
          http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/faust1_narzissmus.pdf
          http://www.narzissmus.net/?p=212
          http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychohygiene/macht.html

  15. Gerade habe ich den Artikel auf welt.de gelesen:
    http://www.welt.de/vermischtes/article147222291/Wenn-die-Familie-den-Kontakt-abbricht.html

    Ich kann da einige Parallelen zu meiner Mutter erkennen (zu der ich gerne den Kontakt abbrechen würde). Auch sie wurde von ihrer Mutter nicht geliebt und wollte dies durch unsere Liebe kompensieren. Wenn aber so ein Druck entsteht zu lieben, kann keine wirkliche Liebe da sein. Auch sie sagt, ich sei eiskalt.
    Als mein Bruder gestorben war, hat sie von mir erwartet, dass ich sie tröste. Ich war jedoch mit meiner eigenen Trauer beschäftigt.
    Ich könnte so vieles erzählen….

    1. Hallo Elisabeth,

      vielen Dank fuer Deinen Textbeitrag, auch wenn er kurz ist:
      Deinen ersten Absatz kann ich voll unterschreiben – das trifft alles auch fuer meine Mutter und mein Verhaeltnis zu ihr zu.

      Wertvoll fuer mich ist besonders Deine Aussage, dass unter grossem Druck keine wirkliche Liebe entstehen kann. Dies koennte fuer mich eine Erklaerung sein, warum ich nach dem Tod meiner Mutter im Sommer 2015 (bisher?) keine grosse Trauer empfinde.

      In einer Mischung aus natuerlich durchaus vorhandener Sympathie, aus Dankbarkeit fuer die Fuersorge in meiner Kindheit und aus Verantwortungsbewusstsein, hatte ich mich in ihren letzten Wochen dennoch sehr intensiv um meine Mutter gekuemmert. Es war leider trotzdem kein besonders guter Abschied, aber ich bin doch froh, dass ich ihr den Wunsch erfuellen konnte, bis zum Schluss zu Hause zu bleiben.

      Meine Mutter hat mir viele Jahre lang direkt und indirekt gesagt, dass ich mich nicht genug um sie kuemmere. Erst in einem Zeitraum, als sie selber bereits wusste, dass sie in absehbarer Zukunft sterben wird, aber trotzdem noch recht fit war, wurde sie entspannter: Sie nahm das an, was ich ihr an Zeit und Zuwendung geben wollte, und forderte nicht mehr. In den allerletzten Wochen wurde sie dann wieder recht einnehmend, aber wenn man dem Tod ins Auge blickt, sind wahrscheinlich die meisten von uns sehr angespannt.

      Auch wenn wie gesagt der Vorwurf, nicht genug zu tun, fuer mich fast immer in der Luft hing, gab es durchaus auch viele angenehme Momente, die ich als Erwachsener mit meiner Mutter verbracht habe. Und rueckblickend stelle ich fest, dass die Zeit umso angenehmer war, je mehr ich mich diesem Vorwurf gestellt hatte, ihn ‘ethisch geprueft’ und fuer mich festgestellt hatte, dass ich ihn nicht annehmen muss. Das heisst nicht, dass ich ihn komplett abprallen liess. Es ist mir aber – mal schlechter, mal besser – gelungen festzulegen, welches Masz an gemeinsamer Zeit ich tatsaechlich mit meiner Mutter verbringen will.

      Hierfuer war es erforderlich, die sehr subtilen Mechanismen teilweise auszuschalten, mit denen u.a. Eltern ihre Kinder auch nach vielen Jahrzehnten beeinflussen koennen. Das war alles andere als leicht und hat viel Erkenntnis und Zeit gefordert. Aber es hat sich gelohnt. Z.B. habe ich im Zuge dessen auch ein deutlich entspannteres Verhaeltnis zu meinem Vater gewonnen, der auf seine eigene Weise recht fordernd sein kann.
      Und ich denke, auch insgesamt hat diese ‘zweite Pubertaet’ meinem Selbstwertgefuehl gut getan und z.B. meine Faehigkeit verbessert, mich abzugrenzen.

      – Vielleicht, Elisabeth, kannst auch Du aus dem schwierigen Verhaeltnis zu Deiner Mutter etwas Positives ziehen und dann in den von Dir gesetzten Grenzen in Kontakt mit ihr bleiben. Ich persoenlich halte (aus einer krassen Trennungserfahrung heraus) eine Funkstille nur fuer die ultima ratio. Aber selbstverstaendlich hat sie ihre Berechtigung, wenn nichts anderes mehr funktioniert.

    2. Sehr geehrte Frau Hofmann,

      habe gerade gelesen, was Sie zum Artikel “wenn die Familie den Kontakt abbricht” geschrieben haben.
      Ich bin “Hannah von Hohberg”.
      Vielleicht haben Sie wertvolle Info für mich.
      Jedenfalls stimmt schon einmal, daß auch ich mich von meiner Mutter nicht geliebt fühlte.
      Würde mich über weiteren Austausch freuen.

      Grüße an die Namenkollegin
      Elisabeth

      1. daß auch ich mich von meiner Mutter nicht geliebt fühlte

        Da kann ich mich auch einreihen.

        Ich habe aber meine Geschichte studiert und meine den Grund dafür gefunden zu haben.

        Da ich als Baby von meinen Eltern für 6 Wochen getrennt wurde, (Keuchhusten) und meine Eltern mich nicht besuchen durften (1950) stellte sich bei mir Hospitalismus ein.
        Als mich meine Eltern zurück bekamen war ich verändert. nach Rückfragen erzählten mir meine Eltern, dass ich im Krankenhaus bleiben wollte und fürchterlich weinte und zurück auf den Arm der Krankenschwester wollte.
        Zu damaliger Zeit wußte man noch nichts von Hospitalismus.

  16. Mein Name ist Silvia, 54 Jahre, verheiratet, Pharmareferentin, 2 erwachsene Söhne.

    Meistens werde ich Silvi genannt, was ich angenehm finde seit mich dieses ewige Grübeln über meine Familie beherrscht. Das Thema “Funkstille” hat sich schon vor vielen Jahren in unserer Familie breit gemacht. Vorgelebt von meinen Großeltern und Eltern zieht es sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Schon als Kind musste ich mich ständig auseinandersetzen mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, übereinander her ziehen und dem sich dann zurecht finden in einem Gefühlschaos und dem Respekt vor den Eltern. Wie sehr habe ich den Onkel vermisst, der plötzlich nicht mehr kam aber doch immer so lustig war, auch die Cousinen, die plötzlich unerreichbar fast fremd wurden, weil die Erwachsenen Eltern Funkstille untereinander beschlossen hatten. Heute schaue ich zurück auf noch 2 Geschwister, einen 4 Jahre jüngeren Bruder und eine 6 Jahre jüngere Schwester und deren Familien. Meine große Schwester ist verstorben. Seit wir erwachsen sind hat sich das Schema in unserer Familie kaum geändert. immer wieder wechselt die Funkstille zwischen meinem Bruder und mir, meiner Schwester und mir, meinem Bruder und meiner Schwester…. So lange ich denken kann leide ich sehr darunter. Diese ewigen Diskussionen um Schuld und Unschuld und dem was angeblich dieser oder jener falsch gemacht haben soll. Jedes mal flüchte ich mich in die “Funkstille” und erlebe sie angenehm, befreiend, beruhigend… dennoch zermürbt sie mich auch, frisst sich in meinen Schlaf in meine Träume und Sehnsüchte. Ich liebe meine Geschwister und dennoch kann ich sie nur bedingt ertragen. Beruflich und familiär habe ich mich recht früh vom Rest der Familie abgenabelt und habe meinen Lebensmittelpunkt schon öfters im Leben in entfernte Städte verlagert. Heute lebe ich in der Nähe von Bamberg, 200 km von meinem Geburtsort entfernt. Mit meinem Mann zusammen haben wir 4 erwachsene Kinder (jeder 2) und 3 Enkelkinder… so gesehen sind wir sehr glücklich. An meinem 50. Geburtstag habe ich die gerade vorherrschende “Funkstille” zu meinem Bruder beendet, ihn und auch meine Schwester eingeladen. Alle waren da, es war ein wunderschönes Fest, alles in Ordnung. Vergessen waren für mich diese ewigen Zankereien. Es dauerte nur einen Monat, dann besuchte uns mein Bruder und seine Familie. Genau zu diesem Zeitpunkt fing meine Schwester an komisch zu werden, es kam wie es kommen musste, zur “Funkstille”. Sie hatte Probleme mit meinem Bruder, dem ein Streit wegen eines Fußballspieles BVB gegen FC Bayern voraus ging, für mich so unsinnig wie ein Kropf musste ich ohnmächtig miterleben, wie das Kartenhaus wieder zusammen gebrochen ist, was ich doch gerade aufgebaut hatte. Ich wollte um keinen Preis den Kontakt zu meinen Geschwistern wieder verlieren, hatte inzwischen auch das Buch “Funkstille” gelesen und habe fest daran geglaubt, dass mit Liebe und Gerechtigkeit alles gut wird. Heute 4 Jahre später muss ich sagen, es funktioniert nicht. Menschen ändern sich nicht, schlechte Charakter bleiben schlecht. Ca 6 Monate lang machte ich einen quälenden Kampf durch, konnte nicht mehr schlafen, hatte schlimme Träume, in denen ich meine Eltern sah, meine Geschwister… tiefe Einsamkeit… nackt unter Wölfen… Angst vor der Explosion … Ich sehnte mich regelrecht nach der “Funkstille” Diesen ewigen Hass meines Bruders auf meine Schwester, diese Beschimpfungen, Uralt-Geschichten, ewig gestern, das alles konnte und wollte ich nicht mehr ertragen. Es passt nicht in mein Leben, meine derzeitige Familie, die voller Liebe und Hamonie-Bedürfnis ist. Die “Funkstille” ist Folge einer Explosion, ein Fass das über läuft, ein Befreiungsschlag!
    Es war eine Gartenparty bei den Schwiegereltern meines Bruders. Es flossen Bier und Schnaps. Es verging nicht eine Minute, in der ich nicht ein Problem damit hatte meinen Bruder oder meine Schwägerin auch nur anzusehen. Die Stimmung war schlecht, da keimte wieder was, was ich gar nicht wissen wollte. Die Luft war verpestet von unausgesprochenen Worten. Vermutlich hatte man ein Problem damit, dass meine Schwester (inzwischen auch Omi) und ich herzlichen Kontakt zwecks der Enkelkinder haben. Unsere Interessen haben sich halt komplett auf des jetzt und hier verlagert und wir wollten mit dem alten “Kram” nichts mehr zu tun haben. Nicht aber mein Bruder, der ewig gestrige… In dieser Nacht habe ich meinem Mann mitgeteilt, dass ich den Kontakt zu meinem Bruder endgültig abbreche. Dieser wiederum bestand darauf, dass ich meinem Bruder wenigstens die Gründe dafür mitteile. Was ich auch getan habe… ein fataler Fehler, denn ich tat dies per WhatsApp.
    Zweierlei Sichtweisen, zwei Versionen, schlimmste Beleidigungen und Beschimpfungen (seitens meines Bruders) bis hin zu Sperrung Facebook, WhatsApp etc… Das volle Programm ! “Funkstille” – Der Sturm vor der Stille war mehr als gewaltig. Die Ruhe heute angenehm, wie der Regen nach der langen Hitzewelle.

    Was ich mit dieser Geschichte sagen möchte ist, dass man eine Funkstille zwar beenden kann aber die Flucht in die erneute Funkstille vorprogrammiert sein kann. Heute bin ich mir sicher, dass es meine Schwäche und Angst vor Auseinandersetzungen, Kraftlosigkeit gegenüber ewigen Diskussionen, Schuldzuweisungen und sich rechtfertigen müssen ist, dass ich zur klassischen “Abbrecherin” geworden bin. Ich spüre, dass mein Bruder, als der ewig Verlassene unter der Last seiner eigenen Sichtweise (seiner sich selbst gebastelten Versionen) bald zusammen brechen wird. Es tut mir unendlich leid, dass ich mich zur erneuten “Funkstille” entschlossen habe. Zumindest habe ich aus meiner Sicht alles versucht um Harmonie in unsere Familie zu bekommen. Die Erkenntnis, dass dies nicht gelingen kann ist schmerzlich. Nun aber werde ich sie respektieren.

    Ich bin glücklich, dass es mir gelungen ist, den roten Faden, der sich über mehrere Generationen durch unsere Familie schlängelte abzuschneiden. Weder bei bei meinen Söhnen, noch in der Familie meines Mannes sind Tendenzen erkennbar, die so viel Leid und Traurigkeit über die Familie bringen.

    Herzlichen Dank an Sie, Tina Solimann für die “Funkstille” und “Der Sturm vor der Stille”. Beide Bücher helfen mir sehr die Geschehnisse und die schicksalhafte Entwicklung meiner Familie zumindest zu verstehen.

    Viele liebe Grüße Silvia

  17. Meine Mutter (68) hat letztes Jahr den Kontakt zu mir (47) abgebrochen. Zeitlebens war unser Verhältnis anstrengend, mein Vater fügte sich und ich hab seine Unzufriedenheit auch noch abgekommen.
    Ursache dafür, dass ich ein so “anstrengendes Kind” war und bin: wir sind aus unerfindlichen Gründen acht Mal in meiner Kindheit umgezogen woraus sich bis heute sehr schwere Bindungs- und Verlustängste bei mir aufgebaut haben.
    Da ich ein ehrgeiziger Mensch bin und keine Therapien mehr will (eine psychsomatische Kur vor 8 Jahren hat mir meine Freiheit geschenkt) arbeite ich den Abbruch nun selber auf und bin soweit, zu sehen, dass sie sich nie um mich kümmern wollte, immer froh war wenn andere das taten, aber auch wieder nicht, die Familienverhältnisse insgesamt waren dermaßen schwierig, dass ich keine “Fluchtmöglichkeiten” hatte.
    Ich habe abgeschlossen mit ihr und will mein Leben in Ruhe, nach meinen Wünschen gestalten, was mir bis zum Abbruch ganz gut gelang bisher, nur jetzt sitze ich im fassungslosen Loch, die Ruhe ist herrlich aber die Ablehnung tut weh bis ins Mark.
    Ich bin absolut ratlos derzeit, wie man das verkraftet und weitermacht, ich will unbedingt abschliessen weil ich das Leben an sich sehr genieße.

  18. Heute ist wieder ein Tag, an dem es mir besonders schlecht geht. Ich habe dies hier gerschrieben um mit Erleichterung zu schaffen. Für dich, mein Allerliebstes!

    In meinem Herzen:

    Auch wenn wir uns verabschieden müssen
    verspreche ich dir eines, mein Schatz:
    Ich schicke dir all meine Liebe
    täglich in meinen Gedanken,
    in meinem Herzen,
    mit einem liebevollen Kuss.

    Ja, es wird eine kühle, einsame Zeit werden,
    für mich – ich fülle die Leere
    und sende dir all meine Träume,
    jeden Tag in meinen Gedanken,
    mit einem liebevollen Kuss.

    Ich sehe dein Gesicht im Sonnenschein,
    höre deine Stimme immer und überall,
    doch du bist nicht da! Du fehlst mir so sehr!
    In meinem Herzen umarme ich dich zärtlich
    mit einem liebevollen Kuss.

    Ich will nicht Abschied nehmen,
    denn ich weiß wir werden uns vermissen.
    Lass uns ein Versprechen geben,
    uns im Herzen zu treffen,
    uns dort zu behalten,
    mit einem liebevollen Kuss.

  19. ein abrupter Kontaktabbruch kann auch im Zusammenhang stehen wenn es sich nicht um eine bisherige Freundschaft wie vermutet, sondern eher um einen sog. “Fremeny” (egl. enemy/friend) dt. Freundfeind handeln. Es sind Menschen die dir suggerieren Dein einzig-wahrer Freund zu sein und in wirklichkeit sind sie intigrant und schaden erheblich deinem Ansehen. Sie manipulieren dich, sind äußerst Missgünstig, ziehen dich runter um selbst in einem guten Licht dazustehen. In der Regel wollen sie mit dir weiterhin befreundet bleiben aber nur um ihren Nutzen draus zu ziehen. Sie wollen nur das Beste – für einen selbst. Z.b. könnte so ein Argument sein : “Das was du heute trägst sieht ja super chick aus, anstatt zu den Klamotten die Du sonst immer anhast”! Solche vermeintlichen Freunde schaffen es tatsächlich dir ein Kompliment zu machen aber zeitgleich dich zu beleidigen. Am liebsten hat es ein Frenemy wenn es einem schlecht geht. Dann wollen sie alles ganz genau wissen. Wann, Wie, Wesshalb und Warum…. sie ziehen sich an Dir hoch und drücken dich runter. Wenn so ein Freundfeind im eigenen Umfeld ausgemacht und enttarnt wurde, gilt es sofort den Kontakt abzubrechen, um keinen weiteren Schaden zu nehmen. Sie meinen es niemals gut mit dir. Normalerweise fühlt man sich in der Anwesendheit eines solchen falschen “Freundes” schlecht und der Körper reagiert sogar zum teil mit vegetativen Störungen, wie Unwohlsein, Kopf-und Bauchscmerzen die man sich oftmals nicht erklären kann. Vl ist dass auch ein Grund warum manche Menschen den Kontakt zu soeinem abbrechen ließen, ohne große Worte. Denn jeder hat in seinem Umfeld mindestens einen Freund-Feind mehr als ihm lieb ist. Solche Freundschaften brauchen nicht aufrecht gehalten zu werden, im gegenteil. Man sollte sich von solchen Menschen lösen.

    1. Hallo,

      ich bin immer sehr vorsichtig, wenn Menschen als grundsaetzlich schlecht dargestellt werden, wie es hier mit den ‘Fremenies’ geschieht. Mich erinnert das allzu sehr z.B. an Hexenverfolgung. Ich glaube, die wenigsten Menschen sind gruendsaetzlich schlecht.

      Wenn man sich in Gegenwart eines anderen mies fuehlt, sollte das immer auch Anlass sein zu schauen, ob derjenige vielleicht nur versteckte Wunden anruehrt, die man zuvor lange Zeit gut zugedeckt hatte, die aber nie ausgeheilt sind. Ich habe mich jahrelang in der Gegenwart anderer Personen schlecht gefuehlt, wenn die bestimmte Sachen besser konnten als ich. Dann habe ich mich zurueckgezogen.
      In einem langen Prozess habe ich irgendwann gelernt, dass es gar nicht schlimm ist, wenn die was besser koennen, und dass ich trotzdem in Ordnung bin. Dieser Prozess wurde angestossen, weil das schlechte Selbstwertgefuehl irgendwann so unertraeglich wurde, dass ich kucken musste, was tief drin mit mir los ist.

      Wenn man also jemand anders als unangenehm empfindet, sollte man weder ins eine noch ins andere Extrem gehen: Hoechstwahrscheinlich ist weder man selber total bloed, noch ist es der andere!
      Sicherlich gibt es Menschen, die oft versuchen, sich ueber andere zu erheben und sie teils sehr geschickt klein zu machen. Daemonen sind das aber wahrscheinlich nicht. Auch die haben ihre Geschichte und es wird Ursachen geben, warum sie so agieren.

      Aus Menschen, die einen gefuehlt abwerten, sollte man daher seinen Nutzen ziehen und zunaechst das eigene Selbstwertgefuehl pruefen. Danach kann man ueberlegen, ob man denjenigen auf sein Verhalten ansprechen will. Vielleicht aendert sich die Beziehung danach. Vielleicht stellt man aber auch gleich oder spaeter fest, dass man jene Beziehung nicht mehr moechte. Dann kann man sich verabschieden.

      Vor dem vermeintlichen “Daemonen” aber einfach nur zu fliehen, halte ich selten fuer hilfreich.

  20. Habe gerade das hier auf der Sturm-/Funkstille-Website verlinkte Videointerview mit Frau Soliman vom Oktober 2014 gesehen. Mein Eindruck vom Video entspricht meinem Eindruck des zweiten Buchs: es laesst Ratlosigkeit zurueck.
    Typische Verhaltensweisen von Beteiligten in offenen oder versteckten Beziehungskonflikten werden m.E. oft pathologisiert oder mit dem Stempel von schuldhaftem Verhalten versehen. Waehrend solche Stempel im ersten Buch eher die Abbrecher aufgedrueckt bekamen, sind es im zweiten nun eher die Abgebrochenen. Noch immer scheint aber die Grundidee von Fehlfunktion oder Schuld ein stets praesentes Thema zu sein – was nach meiner Einschaetzung in vielen Faellen destruktiv ist, weil es eine Veraenderung einer Beziehung auf Augenhoehe erschwert oder verunmoeglicht.
    Frau Soliman beschreibt unterschiedliche Konflikte dementsprechend auch so, dass sie zumindest fuer mich hochkompliziert, verfahren und damit schwer bis nicht loesbar scheinen: Interview und Buch suggerieren mir, dass in einer Mehrzahl der konfliktbeladenen Beziehungen ein Abbruch der beste bzw. einzige Weg sei. Anregungen werden vorwiegend dazu gegeben, wie man eine abgebrochene Beziehung hinnehmen kann. Klar verstaendliche Hinweise und Ideen jedoch, wie man eine schlingernde Beziehung wieder auf einen (vielleicht neuen) Weg in eine Zukunft bringen kann, finde ich in Interview und Buch zu wenige.

    1. ich habe auch festgestellt, dass sie in dem Gespräch einige Gesetzmäßigkeiten bespricht, die zu einem Abbruch führen, und unter diesen Gesetzmäßigkeiten hat sich jeder einzuordnen. Bei mir sieht das vollkommen anders aus. Ich und meine Tochter passen zu keinem ihrer Gesetzmäßigkeiten.

      Ich wundere mich nicht mehr, wenn Menschen urteilen über Dinge, die sie nicht selber an Leib und Seele erfahren haben.

      Es gibt keine Schuld, das kann ich nur immer wieder sagen. Weder der Abbrechen hat Schuld, noch der Verlassene. Es ist Karma. Unsere Seele hat sich das lange vor der Inkarnation ausgesucht, was sie erfahren muss. Wir müssen auch loslassen lernen. Wir haben unseren Körer von unseren Eltern bekommen, damit hier unsere Seele einziehen kann. Folgedessen müssen wir unsere Kinder loslassen, denn deren Seelen wollen etwas erfahren. Das müssen wir, wenn wir bedingungslos lieben, den Seelen zugestehen.
      Ic h habe das auch erst lernen mussen, nun kann ich es verstehen.

    2. Hallo!
      Seit einiger Zeit habe ich bei facebook eine Gruppe gegründet…bin selbst betroffen, meiner Familie und mir wurde der Kontakt abgebrochen in einer ganz schlimmen Zeit!!! Man findet kaum etwas darüber im Netz oder auch hört man es nur hinter vorgehaltener Hand! Es wäre schön wenn sich noch mehr Betroffene finden würden zum Austausch…schaut doch mal rein bei facebook unter
      Verstoßenes Kind – wenn Eltern sich von den Kindern lossagen!!!

      LG Cathi

      1. Liebe Cathrin,
        Meine Tochter ist nun schon so lange nicht mehr da, und es tut immer noch weh. Ich als Mutter kann mir nicht vorstellen, dass es eine Mutter gibt, die ihr Kind verstoßt, obgleich ich dies schon oft gehört habe. Gerne wäre ich deine Ersatzmutter, denn ich kann zumindest ein wenig nachempfinden, wie du dich fühlen musst. Gerne würde ich dir Geborgenheit und Nähe geben, die ich meiner Tochter nicht geben darf, die sie ablehnt – und keiner weiß warum. Meine Terapeutin hat mir gesagt, ich habe zu viel gegeben. Und ich dachte immer, dass man nie zuviel Liebe geben kann.
        Ich habe deshalb so viel Liebe gegeben, weil ich nie Liebe bekommen habe.
        Ich wollte dass mein Kind weiß und erfährt, was Liebe ist.

        1. Hallo Sternenwolke!
          Danke für Deine lieben Worte…es ist auch für uns bzw. für mich kaum zu verstehen, warum meine Mutter – mit der ich mich immer gut verstanden habe, so reagiert…ich bin ja nun auch selbst Mutter zweier toller Mädchen…die Kleine versteht bis heut nicht warum Oma und Opa sie nicht mehr lieb haben…ich könnte so nie reagieren und lasse Beiden ihr Leben und ihre Erfahrungen! Vor allem nicht wenn meine Kinder krank wären und jede Unterstützung brauchen…ich selbst bin an Krebs erkrankte, war zu der Zeit schon zwei Mal operiert worden und hatte wieder eine große und schwere OP vor mir…und schwupp, von einer Minute auf die andere…hatte ich keine Eltern mehr!!! Seit nun April 2013 keinen Kontakt mehr…und so hart wie es klingen mag…für mich sind meine Eltern gestorben!!!
          LG Cathi

          1. Liebe Cathrin
            ich glaube nicht, dass deine Eltern für dich gestorben sind. Das geht nicht, denn du warts in deiner Mutter festgewachsen, also bist du zeit deines Lebens ein Teil von ihr, (sogar ein Körperteil)
            Es ist schrecklich wenn eine Mutter ihr Kind verstoßt, noch schrecklicher ist es, wenn es keine Besinnung gibt, wenn so eine schwere Krankheit auf die Tochter zugekommen ist. Deine Krankheit kommt nicht von ungefähr. Hast du denn eine Psychotherapie gemacht? das brauchst du. Ich weiß nicht, ob es hier erlaubt ist einen Wohnort mitzuteilen. In meiner Gegend kenne ich ganz gute Leute. hab gestern erst wieder ein Gespräch mit einer systemischen Familienberaterin geführt, die mit dem Problem sehr vertraut ist.
            Für deine schwere Krankheit wünsche ich dir alles erdenklich Gute, dass du sie besiegen kannst. Mir hat die Esoterik viel gegeben. Das mache ich nun, da habe ich meine Themen gefunden , habe zwei Ausbildungen gemacht, und kann mein Wissen an Menschen weitergeben, die mich brauchen. Ich verlange nichts dafür. Ich gebe mein Wissen an Menschen weiter, die es nötig haben. Denn ich danke Gott dafür, dass er das Kopfkino in meinem Kopf beendet hat, dass er mir eine Aufgabe geschickt hat, die mich ausfüllt. Gerne darfst du dir von der Redaktion meine private E-Mail Adresse geben lassen, wenn du das möchtest, dann können wir privat weiterreden. Ich kann dir dann Energie senden und einiges dazu erklären.
            Liebe Cathrin, Dein Mann und deine Kinder haben dich lieb und ich auch.
            Viel Liebe und Sonne für heute in dein Herz,
            von der Sternenwolke

  21. An alle Abbrecher:

    Als eine Betroffene möchte ich allen (potenziellen) Abbrechern sagen: REDET um Gottes Willen! Gebt zumindest 1x vorher einen deutlichen Warnschuss ab, ruhig auch mit dem Hinweis „sonst muss ich den Kontakt zu dir abbrechen“. Denn glaubt mir: die „Verlassenen“ können nicht hellsehen und sind sich ihres selbstsüchtigen oder übergriffigen oder demütigenden Verhaltens überhaupt nicht bewusst. Vielleicht ist es auch einfach passiert, hat sich im Miteinander so eingeschlichen, weil Ihr zu lange passiv wart und es zu lange geduldet habt. Vielleicht war Euch das kritisierte Verhalten auch eine Zeit lang nützlich, so dass Ihr erst nach und nach gemerkt habt, wie es Euch eigentlich zusetzt. Will sagen: es sollte dabei nicht um Schuldzuweisungen gehen, denn es gehören immer zwei dazu, wenn es Schwierigkeiten gibt. Deshalb zeigt klar Eure Grenzen und sagt, wie Ihr Euch fühlt und was Euch verletzt! Wenn man sich prinzipiell mag, sollte das doch möglich sein, oder? Kündigt dies als wichtige Botschaft an, sagt es ruhig und bittet gleichzeitig um Verständnis. Und dann schaltet ggf. in der Beziehung einen Gang runter oder vereinbart eine Pause, damit der Verletzer sich das durch den Kopf gehen lassen und zu einer Verhaltensänderung kommen kann (bzw. verabredet, dass Ihr bei Rückschlägen jedesmal „stop“ rufen könnt). Das ist jedenfalls besser, als ohne ein Wort zu gehen und dann jahrelang die Wut, den Schmerz und die Enttäuschung mit sich rumzutragen (auf beiden Seiten, aber dummerweise jeder für sich), weil das das bunte Leben nur ganz schlimm und unnütz trübt, glaubt mir! Und gebt Euch diese Chance, bitte!!

    1. Hallo Nofrete,
      danke fuer die klare Aussage, ich stimme Dir prinzipiell zu. Anfuegen moechte ich, dass es auch Beziehungen geben kann, die man zeitweise oder sogar dauerhaft tatsaechlich NICHT weiterfuehren kann. Auch dann ist aber eine klare Ansage mit den Gruenden fuer beide Seiten hilfreich fuer das – wie Du schreibst – bunte Leben.
      Ich denke, eine klare, verstaendliche Kommunikation dessen was man empfindet – mit moeglichst wenig empfundener und ausgeteilter Schuld – ist eine einfache, gute Grundregel fuer das Leben. Wenn man es schafft, das halbwegs umzusetzen, ist das menschliche Zusammenleben gar nicht soo kompliziert.

    2. In meinem Fall war es glaube ich tatsächlich so, dass ich unmerklich zum Zugpferd der Beziehung wurde, obwohl mein Ideal eigentlich ganz anders aussieht und ich mir gewünscht hätte, mein Freund hätte sich ebenso stark eingebracht und wir hätten zusammen an einem Strang gezogen. Aber er hat es sich immer bequem gemacht, keinen Gedanken daran verschwendet, was wir z.B. am Wochenende oder im Urlaub zusammen unternehmen könnten und sich einfach nur meinen Vorschlägen angeschlossen. Dabei habe ich ihn immer wieder gesagt, dass ich nicht alles bestimmen oder vorgeben will. Im Gegenteil, ich hätte mich so gefreut, wenn er mir einmal gezeigt hätte, dass er sich auch Gedanken machen kann und einmal selbst etwas ausgedacht oder vorbereitet und mich überrascht hätte… Und sei es nur mit einer mitgebrachten Rose. – Jetzt bin ich die, die immer alles gepusht hat. Wie oft ich mich zurückgehalten und gewartet habe, dass von ihm etwas kommt, ob ein Anruf oder eine Einladung (er war für den Job mehrmals umgezogen), ahnt er gar nicht… Aber da er immer viel unterwegs war und zu tun hatte, habe ich seine Teilnahmslosigkeit darauf geschoben und habe eben doch wieder die Initiative ergriffen – in der Absicht, es ihm schön zu machen und ihn zu erfreuen. Und obwohl es jahrelang so lief und er die gemeinsame Zeit auch genossen hat, war das wohl doch verkehrt, weil er urplötzlich nichts mehr von mir wissen will. (Ist jedenfalls meine Vermutung, die wirklichen Gründe kenne ich nicht)

    3. Vielleicht sollten die “Verlassenen” Folgendes beherzigen: Man kann nicht nicht kommunizieren. Niemand bricht leichtfertig den Kontakt zu Familienangehörigen ab. Wenn man es tut, dann deshalb, weil man nicht und nicht gehört wurde. Die Stille nach dem Kontaktabbruch müssen die “Verlassenen” dann hören.

      1. “………….weil man nicht und nicht gehört wurde……………”

        Dazu muss aber Sprache benutzt werden, wenn man erwachsen ist. Bei kleinen Kindern ist das anders, da muss man Zeichen erkennen.
        Uneter Erwachsenen setzt man Sprache voraus.

    4. Es ist sinnlos, sich mit jemandem auseinander zu setzen, der das Ziel hat, sein Gegenüber zu einem anderen Menschen zu machen. Mit Lügen, Manipulationen, persönlichen Angriffen bis hin zur verbalen Demontage der Persönlichkeit, in der das eigene Leben und jedes Wort nur noch gegen einen verwendet wird. Irgendwann hat man keine Sprache mehr, möchte man nicht mehr reden. Ich behaupte: wer verlässt, wurde bereits lange zuvor selbst verlassen, und oftmals genau von der Person, die das eigene “Verlassenwerden” so bitter beklagt. Meiner Erfahrung nach hilft da nur eins: loslassen, auch wenn es sehr schmerzt, und sein eigenes Leben leben und versuchen, glücklich zu werden.

      1. Liebe Ursula, das sehe ich auch so.
        nur eines ist komisch, das was du da schreibst,
        “Es ist sinnlos, sich mit jemandem auseinander zu setzen, der das Ziel hat, sein Gegenüber zu einem anderen Menschen zu machen. Mit Lügen, Manipulationen, persönlichen Angriffen bis hin zur verbalen Demontage der Persönlichkeit, in der das eigene Leben und jedes Wort nur noch gegen einen verwendet wird.”
        Das hat meine Tochter mit mir gemacht und sie hat den Kontakt abgebrochen. DAs ist schon komisch, du schreibst das von dir, die den Kontakt aus diesem Grund abbricht, weil es dir so wiederfahren ist.
        Mir ist es genau s wiederfahren, ich habe den Kontakt zu meiner Tochter nicht abgebrochen, sie hat den Kontakt abgebrochen.
        Und komisch ist auch, dass sie immer noch manipuliert und sehr aggressiv ist.
        Nichts desto trotz, es ist sehr hart, wenn der Kontakt ohne Aussprache abgebrochen wird.
        Eine Mutter verzeiht immer. Nochdazu, wenn es ein Wunschkind war und es das einzige Kind ist.
        Das hat nun nichts mit dir zu tun.
        Ich jedoch bin persönlich der Meinung, dass erwachsene Menschen miteinader reden sollten. Schon alleine deswegen, weil das Schweigen in letzter Instanz zu Krieg führt, wenn man das auf die Politik überträgt.
        Wie sollen Menschen lernen, friedlich miteinander umzugehen, wenn nicht im Kleinen, also in der Familie. Es ist schnell zur Waffwe gegriffen und Schweigen ist die größte Waffe neben den Kriegswaffen.

        1. Die beiden kontraeren Beispiele von Ursula und Sternenwolke vom 6. Oktober 2015 finde ich sehr spannend:
          – Ursula berichtet, dass sie in Reaktion auf massive Manipulationsversuche eine Verbindung abgebrochen habe.
          – Sternenwolke berichtet, dass es in ihrer Geschichte die Abbrecherin war und ist, die massiv manipuliere.

          Dies sehe ich als weiteren Hinweis dafuer, dass es in konfliktbeladenen Beziehungen (egal ob Paare, Familie, Beruf usw.) oft keine klare Verteilung von Taeter- und von Opfer-Verhaltensweisen gibt:

          JEDER bestimmt durch seine Aktionen und Reaktionen aktiv, in welche Richtung sich eine Beziehung entwickelt!

          Ich bin in der Rolle des Verlassenen in dieses Forum gekommen:
          Meine damalige Freundin trennte sich am Telefon von mir und gab mir danach immerhin noch eine vage Ahnung fuer ihre Beweggruende: Sie sagte sinngemaess, sie habe sich von mir verletzt gefuehlt und nicht aufgefangen. Und tatsaechlich habe ich sie damals einige Male verbal verletzt: Zu jener Zeit war dies die einzige Reaktion die mir einfiel, wenn ich mich von ihr als unzureichend bewertet fuehlte.

          Teils lag das Gefuehl, (ihr) nicht auszureichen, an meinem geringen Selbstwertgefuehl. Teils gab es aber auch klare Indizien: Recht frueh in unserer Beziehung verglich sie mich z.B. einmal mit einer Skulptur von Michelangelo – und zitierte seine Aussage, dass jede seiner Skulpturen bereits im Marmor enthalten sei und er das Ueberfluessige nur noch abschlagen muesse. Auf den allerersten Blick eine romantische Wertschaetzung – eigentlich aber die klare Ansage, dass sie mich so, wie ich bin, nicht lassen kann.
          Leider war ich damals nicht in der Lage, die Tragweite dieser Ansage zu erfassen und mit ihr darueber zu reden, ob wir miteinander einen Weg finden koennen oder nicht.

          Gelegentlich wollte sie meinen Trost und meine Unterstuetzung. Sie transportierte diesen Wunsch in einer Weise, die ich leider als weitere Ansage, nicht auszureichen, auffasste. In meiner Wut und Angst reagierte ich auf ihren Wunsch eher agressiv und verbat mir lautstark ihre vermeintlichen oder tatsaechlichen Angriffe. Dies sah sie nun ihrerseits als Angriff (und als (Gegen)angriff war es ja wirklich gemeint), und dann begab (auch) sie sich in die Opferrolle; und zwar in jene des besonders Bedauenswerten: Aus ihrer Sicht hatte ich sie genau dann attackiert, als sie meines Trosts bedurft haette – also nochmal draufgetreten, als sie eh schon am Boden lag.

          Aus meiner Sicht dagegen hatte ich nur einen weiteren fundamentalen Angriff auf meine Persoenlichkeit pariert; naemlich eine (weitere) Komplett-Infragestellung meiner selbst.

          Wer war hier nun Opfer, wer Taeter? Wer hat Schuld?

          Ich glaube, keiner von uns beiden: wir haben es beide nicht geschafft, Kommunikationsformen zu finden, mit denen wir uns gegenseitig haetten weiterbringen koennen in ein – gemeinsames oder getrenntes – Leben mit weniger Zweifeln an uns selbst und am jeweils anderen.
          Schlimmer: wir haben aus meiner Sicht diese Kommunikationsformen meist nicht einmal gesucht – denn keinem war klar, dass die reale Moeglichkeit zu anderem Umgang miteinander greifbar und erreichbar ist.

          Mit meiner Mutter, die im Juli gestorben ist, hatte ich uebrigens ein ganz aehnliches Problem: Sie war in ihren letzten Jahren sehr einsam. Ich versuchte, meinen Teil dagegen beizutragen. Sie sagte mir jedoch haeufig, dass dies nicht ausreicht. Ich fuehlte mich ueberfordert und reagierte gelegentlich verbalagressiv.

          Immerhin konnte ich ihr den Wusch erfuellen, zu Hause zu sterben, indem ich einige Zeit ihre 1-Zimmer-Wohnung mit ihr teilte. Einen wirklich guten Abschied voneinander aber haben wir leider nicht geschafft. Schade.

          – Aus diesen und anderen Erfahrungen heraus will ich kuenftig moeglichst nicht mehr in eine Opferrolle gehen, sondern da, wo es geht versuchen, durch geeignete Kommunikation Situationen mitzugestalten, die fuer die Beteiligten gut sind.

          1. Was ich immer wieder bemerke, leider auch erst seit dem Abbruch meiner Tochter zu uns, dass wir in dem Gegenüber immer uns selbst sehen. Was wir am Gegenüber nicht schätzen, ist unser eigenes! Wir sollten bevor wir antworten auf uns selber schauen.
            Leider ist das leichter gesagt als getan. Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister.
            Jede Begegnung, egal mit welchem Menschen, zeigt uns unser eigenes Bild. Das ist eine Tatsache, die ich früher hätte wissen sollen. Nun ist es dafür zu spät, Aber ich lerne immer weiter und immer dazu.
            Und ja, auch das kann ich bestätigen.
            Wir haben ein Problem mit der Selbstliebe. Auch das habe ich erst jetzt in den Jahren gelernt. Zuvor konnte ich mich nicht selbst lieben und achten, als Folge meiner eigenen traumatisierten Geschichte. Daher vielleicht/wahrscheinlich die übertriebene Liebe zu meiner Tochter.

            Dieses ist mir heute in die Hände gefallen und ich denke, dass es bestimmt der eine oder der andere hier genau so verinnerlicht wie ich:
            aus Sai Baba spricht zum Westen:
            “Ärgere dich nicht – zumindest nicht so viel!
            Die entscheidende Gleichung für dich heißt nämlich:
            Wenig Ärger = viel Glück!

            Ärger ist immer hausgemacht.
            Ärger entsteht fast nur aus Enttäuschung.
            Wobei Enttäuschung dadurch entsteht, dass du Umstände falsch einschätzt und dir dementsprechend falsche Hoffnungen machst.

            Wie häufig denkst du von jemand: das Wird er bestimmt nicht tun! Und er tut es doch. Oder: das wird er bestimmt tun, und er tut es nicht!

            Erwartungen erzeugen Hoffnungen.
            Enttäuschte Erwartungen schaffen Kummer und Ärger.
            Sieh deshalb alle Menschen immer als deinen Spiegel an. Was dich an ihnen ärgert, ist stets in dir selbst!
            Entweder du hast die gleichen Fehler, oder du bist ihnen zumindest in der Hinsicht ähnlich, dass du sie nicht richtig einschätzen konntest.

            Wer andere nicht einschätzen kann, kennt sich selber nicht.
            Und worüber ärgern sich die meisten Menschen?
            Wenn jemand vorgibt zu se9n, wie er überhaupt nicht ist!

            Besonders wenn er darauf beharrt, kann er viele bis zur Weißglut bringen. Und warum? Weil die meisten Menschen Schwierigkeiten haben zu wissen, wer sie selber sind.

            Ärgerst du dich über jemand, denke sofort daran, dass du durch ihn etwas lernen kannst, beziehungsweise musst! Nutze die Energie, die sich im Ärger ausdrücken möchte um intensiv nachzuprüfen und nachzuspüren, was du lernen sollst.

            Tust du dies, wirst du merken, dass du jedem über den du dich ärgern möchtest, am Schluss für unzählige Einsichten danken kannst, die du nur deshalb erhieltst, weil dir gerade dieser besondere Spiegel vorgehalten wurde. “

            1. Hallo Sternenwolke,

              die Ratschlaege des “heiligen Vaters” aus Maharashtra finde ich teilweise hilfreich.

              Sicher hat er recht, dass wir uns oft ueber Eigenschaften anderer aergern, die wir auch und vor allem an uns selbst nicht moegen. Es lohnt sich wirklich, in Ruhe zu pruefen, ob dies jeweils der Fall ist.
              Gut finde ich zudem den Tipp, die Energie aus der Wut in das Nachdenken umzulenken.

              Einer Verallgemeinerung jedoch kann ich nicht zustimmen:
              Es gibt auch Verhaltensweisen Anderer, die wir selbst gar nicht praktizieren und die uns dennoch stoeren und belasten. Wenn ich nach moeglichst ruhigem Nachdenken feststelle, dass dies der Fall ist, sollte ich versuchen, das klar mit dem Anderen zu besprechen und eine Loesung zu finden.

              Ich finde es durchaus legitim, Wuensche an andere zu haben und diese dann auch zu kommunizieren. Wenn der andere darauf nicht eingehen will, muss man jeweils entscheiden, ob man komplett zuruecksteckt, einen Kompromiss findet – oder schlimmstenfalls getrennter Wege geht.

              1. “…Ich finde es durchaus legitim, Wuensche an andere zu haben und diese dann auch zu kommunizieren….”

                ja, so dachte ich auch, aber so wie es aussieht ist es für unsere Tochter nicht legitim Wünsche an andere zu haben. Sie besucht nicht einmal ihre Großmutter, die so viel für sie getan hat. Sie ist das einzige Enkelkind. Die Großmutter ist 87 Jahre, kann täglich zu Ende sein.
                Ich denke auch, dass sie nicht einmal auf die Beerdigung kommen wird, wenns dann so weit sein wird.

                Ich denke sie hat große Probleme mit sich selber. Sie ist mit sich selber nicht im Reinen. Das deinzige was ich tun kann, ich schicke ihr täglich Licht und Liebe. Und ich hoffe, dass es ankommt.

                1. Ich fuerchte, dann gilt im angepassten Sinne fuer Dich vielleicht der zweite Teil meines Zitats:
                  “…Wenn der andere darauf nicht eingehen will, muss man jeweils entscheiden, ob man komplett zuruecksteckt, einen Kompromiss findet – oder schlimmstenfalls getrennter Wege geht.”

                  Auch wenn ich ziemlich gut nachvollziehen kann, wie ungeheuer schmerzhaft das fuer Dich ist, solltest Du nach meinem Eindruck jetzt und heute loslassen:
                  Zumindest in der aktuellen Situation scheint Deine Tochter mit Deiner Fuersorge, Deinen Gedanken und Deinen Wuenschen nichts anfangen zu koennen und zu wollen. Auch wenn Dein Rat und Deine Hilfe ihr vermutlich eigentlich guttaeten, ist sie derzeit NICHT in der Lage, das anzunehmen.

                  Ich rate Dir, sie eine ganze Weile in Ruhe zu lassen. Mach Dir einfach keine grossen Gedanken ueber sie. Sie ist erwachsen und wird es irgendwie schaffen. Es ist zu hoffen, dass sie ihre vielleicht vorhandenen Probleme selber richtig in den Griff kriegt. Du aber kannst ihr dabei leider nicht helfen – ganz im Gegenteil: Das ist ganz oft die Tragik von Eltern-Kind-Beziehungen.

                  Lass einigen Abstand zwischen Euch wachsen. Schick ihr erstmal auch kein Licht und keine Liebe mehr: Wahrscheinlich kommen solche Gedanken wirklich beim Anderen an, und ich fuerchte, im Moment ist Deiner Tochter das deutlich zu viel. Das musst Du respektieren, so hart wie das ist. Ich musste das selber lernen, nachdem sich meine damalige grosse Liebe von mir getrennt hat.
                  Es ist besser fuer sie – und es ist besser fuer Dich!

                  Auch wenn die Liebe, die Eltern fuer ihre Kinder empfinden koennen, wahrscheinlich unvergleichlich ist, so gibt es dennoch andere Wege, die Deine Liebe und Kraft heute gehen koennen: Wenn Du magst, gib sie Dir ueberschwaenglich selbst, gib sie maszvoll anderen Geschoepfen in Deiner Umgebung – und wenn Du Lust hast, engagiere Dich z.B. gesellschaftlich.

                  Geh DEINEN Weg, der nicht von den Gedanken an Deine Tochter bestimmt ist – und lass auch Deine Tochter
                  ihren eigenen Weg gehen.

                  Die Chancen sind dann, glaube ich, gar nicht so schlecht, dass sich Eure Wege mal wieder kreuzen.

    5. Hallo Nofrete,
      dein Beitrag ist wirklich sehr gut.Nur der Verweis auf ” es gehören immer zwei dazu” kann zu Trotzreaktionen führen,denn es gibt schon sehr einseitige “Verletzungsszenarien”.Natürlich nicht immer ganz bewußt oder zumindest auf gewisser Grundlage herbeigeführt.Gut gefällt mir der Begriff “Verletzer”.Man muß sich immer vor Augen führen,daß diese Menschen mit sich selbst nicht klar kommen und das auf andere projizieren.
      Viele Grüße
      Melanie

    6. Und was soll man tun, wenn unzählige Warnschüsse von dem “zukünfig Verlassenen” ignoriert werden, weil er nur egozentrisch um sich selbst kreist und einfach “taub” ist? Und was ist zu tun, wenn nach jedem Aussprache-Versuch nach kurzer Zeit wieder dasselbe Programm an Verletzungen “abgeschossen” wird, wenn sich einfach gar nichts ändert?

      1. Hallo Iolanda,

        der Begriff des Warnschusses ist ja dem Bereich des Polizeiwesens entnommen:
        – Wenn ein Verbrecher dabei ist, Schaden an anderen Menschen anzurichten, wird ein guter Polizist ihn laut und verstaendlich auffordern, das zu unterlassen.
        – Wenn der Verbrecher trotzdem weitermacht, wird der Polizist in die Luft feuern (= Warnschuss), so dass er sicher sein kann, dass der Verbrecher die Warnung gehoert und verstanden hat.
        – Wenn der Verbrecher auch dies ignoriert, wird der Polizist ihn “abschiessen”, so dass der Verbrecher sein aktuell schadendes Handeln nicht fortsetzen kann.

        Im Idealfall wird der Verbrecher hierbei nicht schwer oder gar toedlich getroffen. Allerdings wird ein guter Polizist bei akuter Gefahr auch nicht zig mal in die Luft feuern, wird also nicht “unzaehlige Warnschuesse” abgeben
        – sondern wird recht bald gezielt schiessen, um die Bedrohung abzuwenden.

        Uebertragen in den Bereich der Beziehungen, bedeutet “Jemanden abschiessen” umgangssprachlich ja, die Beziehung zu ihm abzubrechen. Wenn Du also trotz wiederholter Versuche mit jemandem nicht erfolgreich kommunizieren kannst, dann brich die Beziehung zu ihm ab.
        So einfach – und wohl gleichzeitig so schwer – ist das aus meiner Sicht.

  22. Mein Vater ist nun gestorben. Die letzte Jahre kam ich und meine Schwester nur zu Besuch, um eine Oma, die vor 9 Jahren verstarb, und meinen Vater zu besuchen. Doch meine Mutter stand immer dazwischen.

    Mein Vater war fürsorglich und zuverlässig. Sogar als er nicht mehr konnte. Meine Mutter dagegen unberechenbar. Nie sagte sie: komm, das stehen wir zusammen durch, oder kümmerte sich selber um was.

    Am Trauergespräch nahmen wir nur teil, weil der Pfarrer uns einlud. Jetzt erfuhren wir, daß sie eine Cousine einlud, nur weil man verwandt ist und so gehört. Zu der hat sie kaum Kontakt und kein Bezug zu meinem Vater. Ohne uns zu fragen bzw. mit uns reden. Es wär auch gut gewesen, ich wär dabei gewesen, als der Bestatter kam, um alles zu bereden. Ich weiß nicht, ob und welchen Grabschmuck. Sie hat uns nicht gefragt, was wir möchten.

    Ich weiß nicht, wielange ich diese Spielchen noch mitmache. Das Vertrauen zu ihr habe ich schon lange verloren. Sie ist so unberechenbar. Mal ist sie ganz “normal”, mal stellt sie uns vor unvollendete Tatsachen und macht Blödsinn. Nur weil sie die Mutter ist, darf sie sich alles erlauben? So wie sie mein Vater behandelte und wüst zu ihm war, das ist unverschämt. Mit ihrer Mutter, uns die Kinder. Sollen wir das länger gefallen lassen, nur weil sie die Mutter ist?

    Sagen wir was, oder nur ein Nein, dann gehts los. Jetzt erst recht! Meine Oma stand 100-ig hinter ihr. Mein Vater traute sich auch nicht. Es waren Allianzen.

    Nach der Beerdigung würde ich gerne den Kontakt reduzieren oder ganz abbrechen. Das ist keine spontane Entscheidung, sondern langsam gewachsen. Ich hab lange überlegt, was wäre, wenn meine Oma und Vater tot sind? Jetzt ist es soweit, diesen Schritt zu gehen. Sobald die Beerdigung beendet ist.

    1. liebe Sylvia, ich kann dich und deinen Ärger gut verstehen.
      Du bist eine erwachsene Frau, warum hast du deine Vorstellung zur Beerdigung nicht geäußert? So wie du geschrieben hast, erkenne ich daraus, dass du S I E machen lässt. Vielleicht verstehe ich es auch nur so, weil du darüber nicht geschrieben hast. Dann kann ich dazu nur sagen, beachte doch auch du einmal deine Art zu reden, zu erklären. Entschuldige bitte, wenn ich falsch liege. Vielleicht hast du dich ja bewusst so kurz gefasst, was halt der Leser dann fehlinterpretiert.
      Ich habe da noch eine andere ??Erklärung??
      Haben deine Eltern den Krieg erlebt?
      Denn was da passiert ist, verändert einen Menschen ein Leben lang. Das kann man auch in den amerikanischen Literaturen nachlesen, was die Vietnamkrieger, aber auch in jüngster Zeit die Irakkrieger berichten. Heute gibt es Therapien, damals gab es noch keine.
      Zu deinem Vater: Weißt du wie die Art deines Vaters zu deiner Mutter war? Ich vermute du hattest da keinen Einblick. Es kann doch auch sein, dass er deine Mutter so sehr verletzt hat, dass sie so geworden ist.
      Ist denn da kein liebevolles Gespräch möglich mit deiner Mutter? Vielleicht wartet ja deine Mutter darauf, dass sie erzählen darf, dass ihr Interesse entgegengebraucht wird.
      Entschuldige bitte, dass ich hier versuche zu vermitteln. Ein Kontaktabbruch ist so schmerzhalft, dass ich einfach versuchen möchte, alles auszuschöpfen, was möglich ist und was ich auch gerne wünschen würde, wenn ein Kontaktabbruch stattfindet, den Grund dafür aussprechen. Das ist eine Bitte an alle, die es vorhaben.
      Ich muss feststellen, dass junge Menschen (1970 und später geboren) kein Interesse an der Geschichte ihrer Eltern haben. Ich denke, das würde viel Leid ersparen, wenn man sich mal die Geschichte der Eltern und der Großeltern anhören würde. Nicht die allgemeine Geschichte, sondern eben die ganz persönliche Geschichte.
      Ich wünsche dir Mut und Kraft, aber auch Liebe und Einfühlungsvermögen, um die richtige Entscheidung zu treffen.

      1. Meine Eltern sind Baujahr 1928 und 1940, ich 1966. Die Großelten 1901 und 1907. Ich will nicht immer die Verständige sein. Ich kenn auch von anderen, wie sie sind.

        Es gehören immer zwei dazu, ich weiß. Deshalb! So wie es jetzt ist, nein.

        Der Bestattungsunternehmer kam zu ihr, ohne mich. Ich weiß auch nicht, was genau sie vereinbarten. Eine Beerdigung soll den Verstorbenen würdigen.

        Ich helf gerade bei dem Papierkram und war heute da. Puh, anstrengend! Sicher, es ist viel und so geschwind, aber ich vermiß das, das packe ich! Ich schaff mich da durch! Ich lern es.

        Sie wirkt immer noch wie ein kleines Kind, das nie selbständig oder erwachsen wurde. Ja, vllt. ist das auch eine Chance. Ich wil nicht Knall auf Fall nach der Beerdigung tschüß sagen!

        Wenn sie nicht wäre, ich hätte meine Oma und Vater öfters besucht. Aber irgendwo habe ich nicht unbegrenzt Kraft. Verstehst du, was ich meine?

          1. ich verstehe, dass du nicht unbegrenzt Kraft hast. Ich weiß nicht, wie du wieder Vertrauen kannst, dazu kenne ich die Geschichte viel zu wenig, um nicht zu sagen gar nicht. Ich kann dir nur einen Rat geben, suche dir eine wirklich gute Psychologin. Es gibt da verschiedene Systeme, die einen bringen die Beziehungen auseinander, die anderen versuchen die kranke Beziehung zu heilen und zusammen zu führen. Du musst entscheiden welchen Weg du gehen willst. Ich persönlich würde den Weg über das Gespräch suchen. Jetzt nach dem Tod des Vaters würde ich aber ein Jahr verstreichen lassen. Lass deiner Mutter ihre Art und Weise, mit der Trauer fertig zu werden und werde du auf deine Art und Weise mit der Trauer fertig. Wenn du ein Gespräch mit deiner Mutter führst, lege vorab fest, wie das Thema lauten soll. Mach sie darauf aufmerksam, wenn sie vom Thema abschweift, und versuch auch du nicht abzuschweifen.
            Meine Mutter hat sich nach dem Tod meines Vaters sehr geändert. (Vater 1925, Mutter 1928)
            Allerdings werden wir bei dieser Generation nie die wahren Gefühle erfahren, weil diese Menschen geprägt sind von traumatisierten Eltern und selber auch nochmal durch einen Krieg traumatisiert wurden.
            Da sind die Gefühle einfach gestorben, sonst hätten sie nicht weiterleben können.
            Ich habe nie von meinen Eltern irgendeine Gefühlsregung bemerkt. Alles wurde gemacht, weil man es eben so macht. Ich wurde von meinem Vater und dessen Bruder sexuell missbraucht und dann auch noch psychisch missbraucht. Das ganze führte dann zu einer brutalen Vergewaltigung, als ich 15 war, weil ich nicht lernte mich zu wehren und Grenzen zu setzen, es wurde mir ja verwehrt. Mein Vater hat mich brutal geschlagen, mit blauen und schwarzen Flecken am ganzen Körper, bis zu meinem 21. Lebensjahr, wo ich dann auszog.
            Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern nicht abgebrochen, ich habe lange an mir gearbeitet um verzeihen zu können. Ich habe gelernt, dass der Rucksack leichter wird, wenn man verzeiht. Klärende Gespräche gibt es immer noch nicht mit meiner Mutter. Sie hat keine Gefühlsregung gezeigt, als ich ihr von der brutalen Vergewaltigung berichtete. Auch nicht, als ich ihr den sexuellen Mussbrauch von meinem Onkel berichtete. Den von meinem Vater habe ich nie jemand berichtet.
            Es tut schon weh, wenn da kein Mitgefühl kommt, aber ich habe ja eine Erklärung dafür und wahrscheinlich wären wir auch nicht anders geworden, wenn wir die Brutalitäten eines Krieges erlebt hätten.
            Schränke den Kontakt ein, leg dir genau zurecht, was du mit ihr machen oder besprechen willst. Mach kurze Besuche und nicht zu oft. Sie wird nicht verstehen können, warum du den Kontakt abbrichst, weil ihre Gefühle gestorben sind.
            Kannst du das nachvollziehen?
            Fühl dich gedrückt von mir mit einer zärtlichen Umarmung

            1. @sternenwolke und Sylvia

              dazu fällt mir diese Info zum Thema ” Töchter narzisstischer Mütter” ein
              http://www.narzissmus.org/kontakt-oder-kein-kontakt.php
              mir hat das die Augen geöffnet und das ist doch schon was .

              Hatte den Kontakt zu meiner Mutter mit 16 abgebrochen , aber als mein Sohn auf die Welt kam war sie plötzlich da …. meinem Sohn zuliebe hab ich dann Kontakt gehalten ….. das war der größte Fehler meines Lebens !

              LG

                1. Wohlgemerkt, ich habe keine Ahnung, ob Du das bist oder nicht (kann man online wohl schwer beurteilen), möchte aber anmerken, daß vermutlich kein Mensch von sich selbst je sagen würde, er sei narzisstisch. Die einen, weil sie es tatsächlich nicht sind, die anderen, gerade weil sie es sind…

                  1. Narzissten sind eigentlich eher ich-synton, das heißt sie sind uneinsichtig, was ihren Eigenanteil betrifft. Das macht es auch so schwer mit ihnen Beziehungen zu führen.

                    1. oh ja, das ist absolout die Realität, da kann ich meine Tochter total sehen wie sie ist. Und es tut mir leid, dass sie zu dem geworden ist.
                      Vielleicht habe ich sie zu viel bestätigt, zuviel gelobt, zu viel Anerkennung gegeben, zu viel Geltung beigemessen….. einfach alles zu viel, weil ich sie so sehr liebte.
                      Wenn das meine Schuld ist und das aus zu viel Liebe entstanden ist, dann tut mir das sehr leid. Wenn dem so ist, kann ich es nicht rückgängig machen.
                      Es ist der Zeitpunkt gekommen, wo das Lebenmeine Tochter erzieht und die Lebensschule ist die schwerste Schule.
                      Ich wünsche ihr auf ihrem Weg das Allerbeste.

                2. @sternenwolke
                  so hat ich es auch nicht gemeint ,
                  sondern ob Deine Mutter narzisstisch ist bzw. Du das Tochterverhalten noch hast. – dann bist Du der Co = Sündenbock , nimmst unterbewusst die Schuld auf Dich
                  und Deine Tochter wiederum tritt Dir genau da rein ( es steht steht quasi auf Deiner Stirn ) und entwickelt einen Narzissmus. Es geht ja immer Narziss – Co -Narziss -Co…. über Generationen bis es mal einer auflöst.

                  1. @Isabella
                    Oh ja, meine Mutter ist extrem narzistisch, und ich hatte sehr lange das Tochterverhalten. Ich war viele Jahrzehnte der Co = Sündenbock und habe alle Schuld auf mich genommen.
                    Ich danke dir für diese Aufklätung. Das ist es ja haargenau. So habe ich das noch nie gesehen und meine Psychologin hat mir das auch nicht erklärt.
                    Ich bin dir außerordentlich dankbar für diese Aufklärung.
                    nochmal ein ganz dickes und großes DANKE!!!

                    1. …Die Psychologin hat fremdes Verhalten vermutlich deshalb nicht “erklärt”, weil es absolut unprofessionell wäre, Menschen zu beurteilen – geschweige denn zu diagnostizieren – die nicht anwesend sind.

                      Abgesehen davon führen derartige Zuschreibung (“meine Mutter ist narzistisch”) nur dazu, das eigene (Fehl-)Verhalten nicht hinterfragen zu müssen.

                      Hätten die “Verlassenen” daher rechtzeitig vor der eigenen Türe gekehrt und sich mit ihrem eigenen Verhalten auseinander gesetzt – denn nur das können wir ändern!! – dann wäre die Notfallmaßnahme Kontaktabbruch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ergriffen werden müssen.

          2. Ja, ein Stück weit. Danke!

            Die schwere Kindheit, die Kriegserlebnissse usw. Wie oft wird das herangeführt? Ist das Leben nun versaut oder können wir konstruktiv damit umgehen? Müssen wir uns unter der Entschuldigung verstecken?

            Sicher, das ist schrecklich! Keine Frage! Aber wir müssen lernen, damit umzugehen.

            Das ist was ich meiner Mutter vorwerfen könnte. Erst haten sich ihre Eltern um sie kümmert, dann ihr Mann. Alle sollen sie glücklich machen, nur sie nicht. Das auf eine manupolative Art. Ein Nein, grenzen setzen, faßt sie auf: jetzt erst recht!

            Ich weiß, es gehören immer zwei dazu. Es ist auch keine Frage, ich helfe. Ich kann sie ein Stück weit an die Hand nehmen, aber gehen muß sie selber.

            Pychologen will ich nicht. Die sind so jetzt-orientiert. Vor 20 Jahren wollte ich etwas für mich klären. Ich Depp machte den Fehler zu sagen, daß ich eine Partnerschaft eingehen möchte, unbelastet und frei. Es ging die ganze Zeit um die Partnerschaft, nicht um das was ich hinter mir lassen wollte. Erst mußte man monatelang warten, dann das!

            Ich hatte mal eine Ausbildung angefangen, viel über pychologische Beratung gelernt. Das war etwas später. Aber eines: Denjenigen dort abholen, wo er gerade steht. Der Profi? Keine Ahnung!

            Hätte ich nur meine Klappe gehalten und nichts über mein Vorhaben erzählt! Wirklich, wie eine Endlosschleife, nur über Partnerschaften vom Feinsten. Darum ging es mir nicht.

  23. im Nov 2008 brach mein gesamter Familienkontakt ab, meine Mutter erklärte mir am Telefon meine Geschwister wollten nichts mit mir zu tun haben, außerdem hätte ich es im Leben zu nichts gebracht.

    Mir ging es damals sehr schlecht, vorangegangen war ein Kontaktabbruch eines guten Freundes daran hatte ich schwer zu kauen. Dann folgte meinerseits der Abbruch zur gesamten Familie. Die Jahre vergingen.
    Es währe mir nicht eingefallen, den an mich ausgesprochenen Haftbefehl abzuändern ich akzeptierte ihn geräuschlos, ich währe jetzt nicht auf die Idee gekommen es zu ändern. Es passierte auch viele Jahre nichts, was es anders aussehen lassen hätte.

    Mitte August fand ich eine Mitteilung im Postkasten mein Bruder sei aus dem Leben gegangen, abgesendet im Auftrage deiner Familie. Es war für mich selbstverständlich mich zu melden und kontaktierte den Absender der Nachricht und einige Familienmitglieder per Facebook.

    Ich beschloss für mich an der Trauerfeier teilzunehmen… wie ich hinter her erfuhr dies nicht der Wunsch meiner Mutter gewesen sei, sie wollte nicht mal das mich jemand benachrichtigte, meiner Schwester tat es trotzdem. Mitte September sah ich meine gesamte Familie wieder. Meinen Bruder der mich in der Kindheit missbrauchte nach 22 Jahren, meine älteste Schwester nach 12 Jahren, meine Mutter und die anderen Schwestern nach 8 Jahren. Es war mir sehr wichtig mich von meinem verstorbenen Bruder zu verabschieden, es ist mir auch wirklich nicht leicht gefallen.
    Nun hatte ich nichts zu verlieren den alle Täfelchen waren vollgefüllt, während meiner Abwesenheit wurde auf allen Kanälen weitergestritten

    Inzwischen ist per Email Kontakt entstanden, auch wenn wir älter geworden sind, was ich deutlich spüre, spüre ich es ist nicht besser geworden, ich vermisse gemeinschaftlichen Zusammenhalt und Verständnis füreinander.

    Mein Bruder ist aus dem Leben gegangen aus eigener Dummheit, er sah für sich keine Zukunft und die familiäre Situation machten ihm zu schaffen. Er kümmerte sich 13 Jahre um unsre Mutter und machte ihr das leben bequem, wenn er mal ein paar Tage wegblieb wurde er zusammengeschissen, als meine Mutter ihn 14 Tage vor dem Tod fragte warum hast du dich 5 Tage nicht gemeldet, da antwortete er bei deiner Tochter hast du dich seid Jahren nicht gemeldet, wie wäre es denn damit?

    Bei der Trauerfeier wurde der Vorschlag gemacht wir sollten doch mal unsere Täfelchen löschen und nach Hause fahren, darüber nachdenken wenn der nächste Geburtstag ansteht einen Gruß versenden.

    In meinem Kreise hat man gerade zu schon eine Phobische Reaktion gegen vergangenes, ich schickte p.M. ein paar Bilder mit, das ist gerade zu ein NoGo. Es herrscht absolute Bemessung was man im Leben erreicht hat und was nicht. Am Telefon erzählte man mir was während meiner stillen Lebensstunden so passierte, es ist gerade zu ein Kulturschock, wie unverschämt unsere Mutter sich ihren Kindern gegenüber benimmt.

    Meine Mutter hat mich damals sehr verletzt, ich spüre sie nicht mehr richtig, ich habe gar kein Gefühl mehr für sie, ich kapituliere darüber was für mich richtig ist. Beerdigungskosten wurden an mir ausgespart, ohne dies zu überprüfen, wie nett. Eine Erinnerung habe ich an meinen Bruder auch nicht erhalten.

    Es gab schon vor Jahren ein Treffen mit Fotograf zu dem ich nicht geladen wurde. Meine Mutter erzählte jedem sie liebe mich nicht und ich sei nicht mehr existent. Letzte Woche erhielt ich die erste Briefkarte mit einer Umarmung. Ich bin ganz verstört von allem. Mich beschäftigen die nicht ganz unerheblichen Differenzen mit meiner Familie sehr stark, ich spiele mit dem Gedanken zu erfragen was denn das Problem mit mir gewesen sei, ich frage mich ob ich Anrecht darauf habe dies jemals zu erfahren? Ich habe große Angst vor der Reaktion, keine Antwort zu bekommen oder wie früher ein unangemessenes Kommentar. Komischerweise habe ich davon bisher noch nichts gehört. Ich möchte so gerne erfahren was ich denn verbrochen habe, das meine eigene Mutter mich so verachtet. Unser Vater verstarb schon früh mit Freitod nun auch unser Bruder, es ist im Moment nicht der richtige Augenblick für Klärung in eigener Sache, mir macht das alles sehr zu schaffen.

    1. ” ich vermisse gemeinschaftlichen Zusammenhalt und Verständnis füreinander”

      Ich gehe davon aus, dass es das in 90% der Familien nicht gibt.
      Wo ich hinschaue , es gibt keinen Familienzusammenhalt, es gibt
      kein Verständnis.

      Komisch ist nur, dass ich alles anders gemacht habe, ich habe Psychologie und Pädagigik studiert, ich habe mein Kind geplant, es ist ein absolutes Wunschkind und ich habe ihr nur Liebe entgegengebracht, hab versucht so gut ich konnte, alles aus ihrem Weg zu räumen, habe Verständnis entgegenbebracht, habe Bewunderung und Lob ausgesprochen, ………….
      und was kam? ??
      ein Kontaktabbruch!!!
      ohne Erklärung

      1. …tja, da hilft das ganze Studium nichts: In eigenen Angelegenheiten ist man bekanntlich blind & taub. Hilfreicher wäre wahrscheinlich eine eigene Therapie, um das eigene (Fehl-)Verhalten aufzudecken. Ein Kontaktabbruch ist eine Notfallmaßnahme, wenn alles vorher gehende nicht gehört wurde. Die Stille ist dann auf jeden Fall hörbar…

        1. Hallo Gerlinde,

          ich empfinde diesen Kommentar als recht einseitig und verletzend, wenn Sie ihn denn so pauschal meinen, wie er bei mir ankommt.
          Sie selbst schreiben in einem anderen Kommentar vom 24.8.15, dass “es absolut unprofesionell wäre, Menschen zu beurteilen – geschweige denn zu diagnostizieren – die nicht anwesend sind.”
          Und ganz richtig ergaenzen Sie dann:
          “Abgesehen davon führen derartige Zuschreibung[en] (…) nur dazu, das eigene (Fehl-)Verhalten nicht hinterfragen zu müssen.”

          So weit so gut. Dann sind es aber in vielen Faellen eben BEIDE Seiten, die ihr Verhalten und auch ihre Kommunikation pruefen muessen: Schon oft wurde in diesem Forum und andernorts festgestellt, dass es rund um die Funkstille vielfach nicht den Schuldigen und das Opfer gibt, sondern dass die Verantwortung fuer eine erfolgreiche Kommunikation auf beiden Seiten liegt.

          Schoene Gruesse,
          Rolf

  24. Schade, es sind jetzt so viele Kommentare verschwunden, die für mich sehr wichtig waren. Es wurde ”ausgesiebt” und ich frage mich, welche Maßstäbe dafür genommen wurden. Für mich ist das leider nicht fair, hätte dies und das gerne von Zeit zu Zeit nochmals nachgelesen.

    1. Hallo Verwirrt, wie zu sehen ist, hatten wir einen Relaunch der Seite. Sollte etwas verschwunden sein, war es nicht unsere Absicht. Ausgesiebt wurde schon gar nicht. Gelöscht bzw. nicht freigegeben werden hier nur Kommentare, die nicht der Netikette entsprechen. Es kann sein, dass sich Links geändert haben, die Unterhaltungen müssten aber noch da sein. Vielleicht hilft dafür auch die Suche auf der Seite. Wir werden das aber auch noch mal gegenchecken.
      Viele Grüße
      Der Admin

    2. Hallo »Verwirrt«, wir haben jetzt die Kommentare gecheckt. Es ist alles noch da. Bitte auch darauf achten, dass Kommentare sowohl unter »Kommentare« stehen können, als auch unter »Thema: Kontaktabbruch«. Auf beiden Seiten wurden die Kommentare aktiviert und auch umgezogen. Ich verweise noch einmal auf die Suchfunktion, wenn etwas vermisst wird. Sonst auch gerne eine direkte Mail an online@klett-cotta.de. Danke und Grüße!

      1. Ich habe endlich gefunden, was ich suchte.
        http://www.tina-soliman.de/interview-mit-tina-soliman/
        Mein Vorschlag wäre, damit auch jeder ohne viel Suchen die Kommentare lesen kann, dass man diese alle zusammenfasst. Bitte nicht als Kritik auffassen, doch es gibt wohl einige, die das ohne viel Suchen immer wieder durchlesen wollen. Oft tut es gut zu lessen, dass man nicht alleine mit diesem Problem zu kämpfen hat. Die meisten Leute verlassen leider schnell eine Website, wenn sie lange suchen müssen.

        Danke für das Verständnis bezüglich meiner Bitte.

        1. Hallo, das können wir nicht machen. Erstens aus datenschutzrechtlichen Gründen: Wir können nicht einfach umziehen, was jemand an eine bestimmte Stelle geschrieben hat. Zweitens kann es ja sein, dass sich jemand den Link notiert hat und auch immer mal wieder nachlesen will. Das ginge dann auch nicht. Also meine Bitte: Nutzen Sie die Suchfunktion, dann kommen Sie schnell zu den Kommentaren, setzen Sie sich in Ihrem Browser ein Lesezeichen, dann finden Sie Ihre Kommentare immer schnell wieder. Danke.
          Der Admin

  25. Hallo Tina,

    mir wurde Freundschaft und somit auch Kontakt gestrichen. Das Schlimme ist, dass wir in der gleichen Firma arbeiten.
    Aber kurz mal auf Anfang. Meine Kollegin und ich (männlich) haben uns von Anfang an super verstanden, es war wie wenn wir beide auf den anderen gewartet hätten. Sie hat mir vor sechs Jahren über eine harte Trennung geholfen, war immer für mich da. Im Gegenzug habe ich ihr geholfen wo ich nur konnte.
    Vor zwei Jahren musste ich spontan ins Krankenhaus, sah nicht gut aus. Die einzige Person die von der Firma nachgefahren ist, war sie. Und da hat sie mich gefragt ob wir denn richtige Freunde sind… klar sind wir das.
    Tja und jetzt ist es ein Jahr her, dass wir uns in der Firma in den Pausen nicht mehr sehen konnten – und das tat mir unheimlich weh. Ich habe mich tagelang gefragt warum das so ist. Tja, bis es mich getroffen hat – ich liebe sie.
    Aber da sie eh in einer Beziehung ist, habe ich mir da keine Hoffnungen gemacht, ich habe es eher empfunden als liebe ich sie wie ein Familienmitglied. Da ich immer ehrlich zu ihr war habe ich ihr das auch so gesagt. Sie war völlig durch den Wind dann und hat gemeint wir reden nochmal darüber. Das haben wir nie getan, uns aber wieder (zwar seltener) gesehen. Aber ich merkte immer, dass sie mir irgendwie ausweicht obwohl ich das Thema nie mehr angesprochen habe. Stattdessen hat sie mir oft sekundenlang in die Augen gestarrt als erwartet sie etwas – bei einer anderen Frau hätte ich gesagt sie liebt mich.
    Tja und jetzt vor rund 1 1/2 Monaten ging sie mir komplett aus dem Weg oder kam mit irgendwelchen Lügen und Ausreden. Ich habe sie noch einmal darauf angesprochen, dass auch ich einmal urteilen kann, wenn sie schon über meine Beziehungen, mein ganzes Leben usw. urteilen darf. Sie meinte noch “aber nicht im Geschäft” – aha, wenn es um sie geht geht das nicht im Geschäft, ich musste immer in 5 Minuten Rauchpause reden wie ein Wasserfall. Na gut. Dann bekam ich aber noch am gleichen Tag eine E-Mail, wir hätten uns auseinandergelebt, sie hätte mir nichts mehr zu sagen, die Zeit die sie sich zurückwünscht käme nicht mehr etc. Ich habe Sie darauf angerufen und gesagt, dass ich meine Lieblingskollegin verliere, meine tolle Freundin und vielleicht auch die Liebe meines Lebens – worauf sie sagt “genau DAS ist das Problem”. Na endlich war das mal raus – nach einem ganzen Jahr. Sie meinte dann wieder, dass wir die Tage ja nochmal reden könnten….das ist jetzt über drei Wochen her und vorhin ist sie mit einem kurzen hallo wieder an mir vorbeigelaufen.
    Es tut so unheimlich weh.

  26. Hallo Zusammen,

    vor knapp drei Monaten hat meine Cousine und bis dato gute Freundin den Kontakt zu mir abgebrochen. Passiert war zwischen uns eigentlich nichts. Ich habe hier vor einiger Zeit geschrieben, was da abgelaufen ist. Jetzt, nach einigen Wochen hat sich mein Schmerz in Wut verwandelt und ich bin froh, dass es so gekommen ist! Es ist einfach nur unfair und höchst verletzend, so mit einem Menschen, der einem nahe stand umzugehen. Ich habe mich nun meinerseits von allem befreit. Ich habe alle Nachrichten gelöscht und alle Bilder verbannt. Ich will nun auch nicht mehr. Ich habe noch ein paar Mal auf eine sehr nette Art versucht, das Ganze wieder zu kitten. Es war Fehlanzeige. Nun stehe ich auf dem Standpunkt, dass ich Niemandem nachlaufen muss, der mich nicht will und ich werde auch keine weiteren Versuche mehr starten. Sie hat es einfach nicht verdient, dass ich diesen Seelenschmerz, der zweifellos da war, noch länger in mir zulasse. Das hätte mich fast krank gemacht und wenn man das als “Abbrecher” akzeptiert, dann ist man sich der Würde eines anderen Menschen einfach nicht bewusst! Meine Cousine ist Psychologin und deswegen verstehe ich ihre Handlung gleich gar nicht! Egal, ich fühle mich jetzt wirklich frei und merke, wie sie mich psychisch beeinflusst hat und ich bin froh, dass ich davon los bin. Und es tut auch endlich nicht mehr weh, es ist Vergangenheit. Zum Glück gibt es noch andere Menschen in meinem Leben, die mich so nehmen und wollen wie ich bin und die in der Lage sind, Nähe und Freundschaft zuzulassen.

    Ich habe gelernt, dass es vorbei geht und dass Wunden und Schmerzen heilen, wenn man sich nicht im Selbstmitleid vergräbt. Das Leben ist schön, niemand sagt, dass es einfach ist!

    Ich wünsche allen eine gute Zeit und viel Kraft für das, was vor Euch liegt!

    Pauline

    1. liebe Pauline

      ich darf Dich mal zitieren:
      Meine Cousine ist Psychologin und deswegen verstehe ich ihre Handlung gleich gar nicht

      Nun Psychologen sind auch nur Menschen und machen Fehler!!

      Vorallem wenn sie involviert sind auch in der Familie, ist es vermute ich mal nicht leicht “neutral” zu sein.

      Du schreibst auch SIE hat Dich psychisch beeinflusst?
      Wie muss ich mir das vorstellen?

      Beeinflussen bzw. manipulieren kann mich nur jemand wenn ich keine eigene Meinung habe.

      Ich glaube auch das Deine Wut über den Zwischenfall was auch immer da war, noch nicht verraucht ist, kann das sein?

      Unten habe ich mal geschrieben, die Vergangenheit und die Personen die uns im Leben begleiten, kann man nicht so einfach wegschieben und löschen, wir lernen von jedem Menschen und von jeder Unterhaltung, das ist das Leben liebe Pauline.

      Nimm einfach die Erfahrung mit und akzeptiere für Dich das Du daraus viel gelernt hast, vielleicht auch eben dieses Erkennen das sie Dich manipuliert hat und das Du das nie wieder zulassen wirst.

      Alles Gute
      Blackhex007

      1. Hallo Blackhex,

        danke für Deinen Kommentar. Du, ich muss Dir sagen, ich bin fertig mit diesem Thema. Habe keine Lust mehr, mich damit zu befassen. Einem Menschen, der mich nicht will, muss ich nicht hinterher laufen. Ich habe für mich einen Abschluss gefunden und frage auch nicht mehr nach warum, weshalb, wieso. Wozu soll ich mich damit belasten, wenn ich ohnehin keine Antworten bekomme? Das mit dem beeinflussen ging in die Richtung, dass sie mir z.B. Engelskarten geschenkt hat, wo ich jeden Tag oder auch nach Bedarf eine ziehen sollte um dann zu schauen, dass mein Tag ebenso abläuft… Sorry, aus heutiger Sicht völliger Quatsch und ich will Dir nicht zu nahe treten, aber ich glaube kaum, dass Du einschätzen kannst, ob ich eine eigene Meinung habe. Die habe ich mit Sicherheit. Ich fühle mich jetzt nach dieser “Sache” mental eher gestärkt und trete so manchem viel gelassener gegenüber.
        Ich bin meiner Cousine auch nicht mehr böse und ich bin auch nicht mehr wütend. Ich habe mit diesem Thema und allem was dazu gehörte (denn das ist eine ganze Menge) abgeschlossen und meinen Frieden gefunden. Damit geht es mir sehr gut. Ich hätte mir gewünscht, dass unsere Geschichte einen anderen Lauf nimmt, denn ich habe sie wirklich sehr gemocht, aber nun ja, was nicht sein soll, soll eben nicht sein. Alles im Leben hat seinen Sinn. Ich hoffe nur, dass meine Cousine mit ihrer Entscheidung genauso gut leben kann, wie ich inzwischen.

        Viele Grüße!
        Pauline

        1. Schön, dass es diese Seite gibt. Fühle mich sehr allein in meinem Schmerz. Mein Ehemann ist am 24.03.14 mit mir in eine neue Wohnung gezogen und ein Paar stunden Später von mir unbemerkt davongeschlichen. Ich weiss, dass er auf ein onlinebanking guckt und dass er irgendwo ist und am PC onlinespiele spielt, aber ich erreiche ihn nirgends. Ich weiss, dass er aus seinem bisherigen Leben ausgebrochen ist, denn inzwischen hat er auch vom Arbeitgeber die fristlose Kündigung erhalten, weil er nicht mehr zur Arbeit erschien. Derzeit einzige Kontaktmöglichkeit für mich ist, ihm kleine Geldbeträge zu überweisen und als Verwendungszweck Liebesbotschaften zu Schicken, auf die er aber nicht reagiert. Diese Sprachlosigkeit macht mich wahnsinnig. Ich bin psychisch krank und in Therapie schon vor seinem Weggang gewesen, um so schwerer wiegt sein beharrliches Schweigen denn er weiss genau, was er mir damit antut. Ich habe Angst, in den Alkohol abzurutschen.Ich könnte schreien vor Schmerz. Wenn ich lese, dass Andere dieses Martyrium jahrelang durchmachen, könnte ich nur noch heulen.

  27. Hallo an alle,
    “Funkstille” ist so passend. Ich freue mich, diese Seite gefunden zu haben und zu wissen, das ich damit nicht alleine dastehe, beruhigt mich schon sehr.

    Meine Mutter hat vor über 5 Jahren den Kontakt zu mir völlig abgebrochen. Grund ist ihrer Meinung nach, weil ich die Familie (das waren meine Schwester, meine Mutter und ich) zerstört habe und ihr den Enkel weggenommen habe. Ich bin mit meinem damals 4-Monate alten Sohn ausgezogen. Sie hat mich immer nur nieder gemacht, alle mussten nach ihrer Nase tanzen und als sie noch das Sorgerecht für MEINEN Sohn wollte, da hats mir gereicht, ich habs nicht mehr ausgehalten.Ich wollte nur mein eigenes Leben leben, nicht das meiner Mutter. Normal mit ihr reden?? Nein, das war nicht möglich und ist es bis heute nicht.
    Nun stehe ich da mit meinem Sohn, ganz alleine. Familie gibt es keine mehr. Nur eine “Leihomi”, eine fremde Frau, die mein Kind ab und zu mal abholt oder mal über Nacht nimmt, wenn ich mal was vorhabe. Und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Auch der Kindsvater kümmert sich überhaupt nicht. Ich hab zwar ein paar Freunde, aber man kann nicht mit jedem über alles reden.
    Seit über 5 Jahren kämpfe ich mich allein durchs Leben, habe meine Ausbildung beendet, gespart, meinen Führerschein gemacht, war arbeiten, wieder gespart und mir ein gebrauchtes Auto gekauft. Allein. Meine Mutter versicherte mir damals, das ich “alleine mit einem Kind es niemals schaffen werde und in der Gosse lande.”
    Ich tue alles und möchte nur, das es meinem Sohn gut geht, er hat ja nur mich. Aber mir fehlt so sehr eine Familie, Eltern, die mir den Rücken stärken. Einfach etwas Unterstützung. Ich frage mich manchmal, was habe ich denn verbrochen??? Warum ich?? Ich möchte doch nur ein normales Leben mit einer normalen Familie.
    Wenn ich meiner Mutter zufällig über den Weg laufe, tut sie so, als würde sie uns nicht kennen. Nach über 5 Jahren fange ich immer noch an, zu zittern, wenn ich sie sehe.
    Ich habe mich endlich dazu durchgerungen, eine Therapie zu beginnen. Ich dachte, ich schaffs allein. Zur Zeit bin ich am Ende meiner Kräfte, habe meinen Job verloren und meine Beziehung ist auch kaputt. Und das in einem Monat, kurz vor Weihnachten.
    Wie schön wäre es da, wenn man mal seine Mama anrufen könnte?? Es tut einfach so weh. Und ich verstehe nicht, wie man als Mutter so gefühlskalt sein kann.

    Ich bin nun 25 und mein Sohn wird bals 6. Ich habe eine Kur beantragt und tue alles, damit es uns bald besser geht und mal schauen, was das Leben noch für uns bereit hält.
    Trotz allem: den Auszug von Zuhause habe ich keine Sekunde bereut. Obwohl es echt schwer ist und es sind verdammt viele Tränen geflossen. Aber die Jahre haben mich stark gemacht. Mein Sohn hat mir die Kraft zum kämpfen gegeben. Ohne ihn hätte ich vermutlich nicht den Mut gehabt, da “auszubrechen”.
    Und trotzdem könnte man doch Kontakt haben und zusammenhalten, wie es eine Familie tun sollte, auch wenn man nicht mehr zusammen wohnt…….

    unbekannterweise liebe Grüße

    1. hallo Daniela

      Vorweg mal AUTSCH! das liest sich ja wie ein Gruselroman.

      Es steht mir nicht zu zu urteilen, darum lass ich das mal auch besser sein.

      Du hast viel gelernt Du hast für Dich und Deinen Sohn sehr viel erkämpft und Dich tapfer geschlagen, Respekt!

      Du schreibst aber auch:
      Wie schön wäre es da, wenn man mal seine Mama anrufen könnte??

      ‘JA, wäre es nicht schöner?

      Manchmal verstehen wir die Reaktionen nicht und einfach nur so einwerfe, vielleicht schämt sie sich ja und hat ihr Verhalten schon längst eingesehen?
      Vielleicht geht sie an Dir vorbei weil sie Angst hat von Dir schwere Vorwürfe zu erhalten?
      Vielleicht hat sie ja Angst davor das Du sie ablehnen könntest wenn sie sich annähert?

      Liebe Daniela, Menschen machen Fehler!
      Menschen sind nie perfekt und manchmal reagieren wir anders als wir wollen weil wir mit Situationen überfordert sind und einfach nicht damit umgehen können.

      Du bist sehr jung Mutter geworden, gibt es Situationen in denen Du auch Deinem Sohn gegenüber mal anders reagiert hast als Du wolltest?
      Ich für meinen Teil, kann nur laut dazu JA sagen, es gab sehr viele Situationen in denen ich einfach überfordert war, anders reagiert habe und mir im Nachhinein schwerste Vorwürfe gemacht habe.
      Doch wir können nichts zurücknehmen, getan ist getan, gesagt ist gesagt.

      Wir können uns nur vornehmen und die Chance einräumen jeden Tag auf Neue zu reagieren und zu erleben.

      Ich wünsche Dir das Du vielleicht eines Tages den Mut findest mal Deiner Mutter einen Anruf eine Karte oder was auch immer schreibst.

      Wichtig dafür ist, ein KLEINER GRUSS nicht mehr!

      Vielleicht reagiert sie ja darauf, vielleich wartet sie ja nur darauf?

      Denkst Du Du könntest das schaffen den ersten Schritt zu tun?

      Liebe Grüsse
      Blackhex

    2. Hallo Daniela,

      es ist zwar schon eine Weile her, daß Du Deine Geschichte hier beschrieben hast, aber ich möchte einfach spontan dazu schreiben, daß es mich sehr betroffen hat, was Du schriebst, weil ich so eine ähnliche Geschichte erlebt habe. Es IST schwer ohne Eltern/Großeltern zu leben, es ist aber auch erleichternd gewesen, daß ich irgendwann endlich zur Ruhe kam.
      Ich habe nach Jahren des Kontaktabbruches zu meiner Mutter (ich habe ihre übergriffige Art, ihre Übermacht und Überstärke einfach nicht mehr ertragen können, ich schaffte das alles einfach nicht mehr) wieder Kontakt zu ihr gesucht, aus Versehen quasi. (Ich habe mich per Telefontaste verwählt und bin bei ihr gelandet). Das ist jetzt drei Jahre her, und ich muss sagen, daß ich nicht nur froh darüber bin, daß wir wieder Kontakt haben. Meine Mutter ist noch immer überlaut, redet pausenlos, nur ihre Meinung ist die wahre, sie versucht noch immer, andere zu missionieren. Ich kenne auch die Gefühle der Trauer von den Jahren des Kontaktabbruches her, die Du beschreibst: einfach mal seine Mutter anrufen können….und man kann es nicht. Auch heute fühle ich mich manchmal so schlecht wie vor dem Kontaktabbruch, und ich wünsche mir die Funkstille zurück. Grundsätzlich bin ich aber inzwischen vielleicht mehr in der Lage, mich gegen ihre Dominanz abzugrenzen, indem ich versuche, nicht alles so ganz dicht an mich heranzulassen, und indem ich nicht allzu oft mit ihr Kontakt habe. Hauptsächlich habe ich zu ihr Kontakt per Mail, ich schreibe dann belangloses blabla von mir und den Kindern und vom schönen Wetter. Besuche halte ich kurz, und am besten im Beisein dritter, dann hält sie sich etwas mehr mit der Dominanz und Dauerrederei zurück, als wenn wir allein wären. Das Gute an so einer Funkstille ist: es können keine neuen Verletzungen mehr dazukommen. Wenn man dann doch wieder Kontakt hat, gibt es doch wieder neue Verletzungen, die wieder neu wehtun, einen runterziehen, den Schlaf rauben. Ich versuche, einen recht losen Kontakt zu meiner Mutter zu haben, eher auf einer “blabla-Ebene” – für meinen Sohn finde ich es schön, daß er nun Großeltern hat, endlich, und für ihn habe ich diesen Weg gefunden…..obwohl es noch immer nicht immer leicht ist….

      Manu

  28. Hallo Zusammen,

    ich wünschen allen noch ein schönes, erfolgreiches und auch glückliches Jahr 2014.
    Nehmt die Veränderungen an, die uns alle im Lauf des Lebens erwarten. Das Leben ist nicht immer einfach, aber trotzdem schön.

    Schade, dass die Diskussion hier ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist. Ich fand die Gedanken und Anregungen durchaus hilfreich und einiges hat mich auch zum Nachdenken angeregt, durchaus im positiven Sinn. Dafür möchte ich mich bedanken, auch bei Frau Soliman, die diese Plattform hier zur Verfügung stellt.

    Mit herzlichen Grüßen

    Pauline

  29. Hallo zusammen,

    zur aktuellen Diskussion moechte ich zwei Punkte beisteuern; einen, der schon oft gesagt wurde, und einen neuen ueber eine konkrete therapeutische Methode, die mir geholfen hat.
    1) Verzeihen und moegen – trotz alledem
    2) Der leere Stuhl – fiktiver Dialog mit dem Gegangenen

    1) Verzeihen und moegen – trotz alledem

    Egal, ob man eine drohende oder eingetretene Funkstille tatsaechlich ueberwinden kann oder ob man lernen muss, sie zu ertragen – in allen Faellen finde ich es unabdingbar, auf laengere Sicht vom Begriff der Schuld wegzukommen.

    Gut und richtig ist es zu schauen, was die Ursachen der schief laufenden Kommunikation sind oder waren bzw (gewesen) sein koennten. Wenn ich moegliche Ursachen erkannt habe – im Idealfall im gemeinsamen Gespraech, im Fall der Funkstille leider alleine – gilt es, meine Schluesse daraus zu ziehen: Was kann und moechte ich kuenftig selbst anders machen, und um welche Veraenderung im Umgang bitte ich meine(n) Mitmenschen?

    Dann aber heisst es: VERZEIHEN!
    Dem ANDEREN – und mir SELBST: Nach meiner Erfahrung habe ich nur dann eine Chance, Frieden zu finden, wenn ich ALLEN Beteiligten verzeihe.

    Wut, Vorwuerfe, Verzeiflung usw finde ich am Beginn und in den ersten Monaten oder gar Jahren einer Funkstille absolut verstaendliche und wiederum verzeihliche Reaktionen: Jemand schrieb, eine Funkstille seitens eines geliebten Menschen sei, als wuerde einem etwas aus dem Koerper gerissen. Das trifft es ziemlich gut. Und bis eine solche Wunde heilt – oder zumindest nicht mehr so schmerzt, dass man rund um die Uhr daran denken muss – vergeht mitunter viel Zeit (vielleicht kann man diese Zeit auch deutlich verkuerzen?). Ich selbst bin in jener Zeit durch viele Phasen gegangen, in denen ich wechselweise mich selbst oder den anderen verurteilt, gehasst usw habe.

    Letztlich aber konnte ich mit einem negativen oder gleichgueltigen Grundgefuehl dem anderen und mir gegenueber nicht gluecklich werden. Denn dann haette ich mir jenen Widerspruch zu eigen machen muessen, den ich in der Funkstille des anderen sehe: einst liebte ich diesen Menschen ganz und gar und mit allen Aspekten. Und NATUERLICH mag ich ihn deshalb immer noch: Alles andere wuerde ja voraussetzen, dass der andere und/oder ich selbst kurz vor bzw ab Eintritt der Funkstille eine derart massive Veraenderung durchlaufen haette, dass so GAR nichts liebenswertes bzw liebensfaehiges mehr uebrig waere. Das aber finde ich sehr unwahrscheinlich.

    Das Gefuehl, den anderen nicht mehr zu moegen, kann also hilfreich sein, um den Schmerz zu ertragen. (Ich selbst habe das selten laenger als ein paar Stunden geschafft, was es mir sehr schwer gemacht hat.) Auf Dauer jedoch koennte ich eine solche Luege auf keinen Fall in mir herumtragen: so ein stiller innerer Widerspruch und Konflikt wuerde verhindern, dass ich Frieden finde.
    Seit der Schmerz endlich ertraeglich wurde, ertrage ich auch das Gefuehl, den anderen noch zu moegen, ohne hierauf eine Reaktion zu bekommen. Hierdurch bin ich mit mir und meinem Gefuehl im Reinen – und vor Allem offen, jenen Menschen meine guten Gefuehle und Handlungen zu geben, die sie gerne annehmen wollen!

    2) Der leere Stuhl – fiktiver Dialog mit dem Gegangenen

    Klar sind es immer zwei Paar Schuhe, einen inneren Friedensschluss mit dem anderen und sich selbst im Kopf klar zu machen
    – und das dann “in Bauch und Herzen” auch tatsaechlich umzusetzen.

    Mir persoenlich hat bei letzterem ungeheuer geholfen, mit meiner ehemaligen Freundin in einen fiktiven Dialog einschliesslich Rollentausch zu treten:

    – In meiner Psychotherapie sass “sie” mir gegenueber – auf einem leeren Stuhl.
    – Ich habe “ihr” (also dem leeren Stuhl) dann zunaechst gesagt, was mich an der abrupten Trennung einschliessslich Funkstille so sehr verletzt hat, und was ich mir von ihr gewuenscht haette, um die Trennung leichter zu machen.
    – Dann habe ich ihren Platz eingenommen und habe aus “ihrer” Perspektive zu “mir” gesprochen, also zu meinem nun leeren Stuhl. “Sie” hat mir erklaert, warum sie so gehandelt hat und warum es aus ihrer Sicht keine Alternative dazu gab.
    – Jeder hat dann noch einmal zu dem anderen gesprochen.
    – Dann haben wir einander verziehen.

    Das klingt nun vielleicht etwas schraeg und simpel – und einseitig, da “ihre” Aussagen ja komplett meinem Hirn entsprungen sind.
    Dennoch war es hinsichtlich der Aufarbeitung dieser Funkstille ein WIRKLICH grosser Schritt fuer mich:
    Ich habe mich unglaublich erleichtert und befreit gefuehlt und habe endlich das Gefuehl, dass ich zurueck habe, was mir damals rausgerissen wurde. Und hierduch habe ich nun auch tief sitzend das Gefuehl, ihr ihren Teil verziehen zu haben.

    Wer diese Methode ausprobieren moechte, dem kann ich sie waermstens empfehlen: Ich habe selbst nicht geglaubt, WIE wirkungsvoll sie ist. Allerdings rate ich in der (ggf laengeren) Vorbereitung und bei der Durchfuehrung zur Begleitung durch einen Therapeuten (w/m), wo man sich im Ernstfall gut aufgehoben fuehlt. Denn eine Voraussetzung fuer diesen Schritt war, dass ich stabil genug war: Es ist emotional doch extrem aufwuehlend – so albern das bei einem leeren Stuhl auch klingen mag.

    Ich wuensch Euch allen einen schoenen Jahreswechsel und (ein) gutes Neues
    mit vielen interessanten und positiven Entwicklungen,
    – den Schreibern und Lesern, und nicht zuletzt Tina Soliman und ihren KollegInnen, die diesen Austasuch hier ermoeglichen.

    Viele Gruesse,
    Rolf

    1. Lieber Rolf, danke für deine Gedanken und Worte.
      “vom Begriff der Schuld wegzukommen”
      ja, das ist das wichtigste für mich.

      “zu schauen, was die Ursachen der schief laufenden Kommunikation sind oder waren bzw (gewesen) sein koennten”

      Ja, das ist genau das was ich will und versuche herzauszufinden. Wobei es sich bei mir auf das “sein könnten” bezieht, denn ich kann ja nur mutmaßen.
      Das tu ich ja auch schon eine ganze Weile mit meiner Therapeutin, die mich jedoch immer wieder auf die Mutmaßungen aufmerksam macht.

      “habe ich nur dann eine Chance, Frieden zu finden, wenn ich ALLEN Beteiligten verzeihe”
      Auch das sehe ich so, denn ich hätte nicht weiterleben können, wenn ich nicht verziehen hätte. Auch den Vergewaltigern in meinem Leben habe ich verziehen. Das war ein langer, jahrelanger Prozess, aber ich hab ihn geschafft.
      Selbstverständlich habe ich auch meiner Tochter die Funkstille verziehen.

      Danke für deine Weisheit, das tut sehr gut, deine Zeilen zu lesen und zu verinnerlichen. Auch deine hier geschriebenen zeilen werde ich mir ausdrucken und täglich lesen. Das was du da gesagt hast ist sehr sehr wichtig.
      Davon bin ich überzeugt.

      Danke lieber Rolf, dass du hier die Übung mir dem leeren Stuhl beschrieben hast. Ich werde das mit meiner Therapeutin so versuchen. Vielleicht bekomme ich auch eine zufriedenstellende Antwort.
      Und
      “dass ich zurueck habe, was mir damals rausgerissen wurde”
      Vielleicht bekomme ich das auch zurück, was mir damals rausgerissen wurde.

      Noch nie habe ich einen Menschen das sagen hören. Ich habe das damals meinem Hausarzt berichtet. Nie zuvor hatte ich ein riesiges kaltes Loch an der Stelle an der das Herz sitzt. Nie zuvor hatte ich dieses schreckliche kalte Gefühl in meinem Körper, dieses große Stück, das fehlte. Und nun sagt das hier auch ein Mensch. Ja, das fehlende Stück ist schmerzhaft.

      Danke Rolf für deine Zeilen, für die 2 Punkte
      verzeihen und
      leerer Stuhl.
      Und danke für deine Neutralität und Klarheit!!!!!

      Auch ich wünsche dir ein frohes, glückliches Neues Jahr 2014 und natürlich auch Gesundheit, Tine

      1. Liebe Tine,

        dazu möchte ich Dir etwas schreiben:
        Zitiere:
        Vielleicht bekomme ich das auch zurück, was mir damals rausgerissen wurde. ”

        Ich habe alles geändert meine Emailadresse, Telefonnummer, weil ich eben “Nichts mehr zurückbekommen / hören, wissen , wollte” .

        Will heissen, keine Antworten mehr, keine Fragen mehr, einfach aus dem Leben streichen und weiter machen, DAS war mein Plan um mit all dem Erlebten fertig zu werden.

        Doch ich kann Dir versichern das funktioniert nicht, denn wir können Vergangenheit nicht so einfach “löschen” und für “nichtig” erklären. Schliesslich gibt es ja was, das uns mit dem Menschen verbindet auch positive Ereignisse und Gefühle.

        Eigenartiger Weise gab es dann, nach meiner Entscheidung durch “Schicksal/Zufall” wie auch immer, ein Wiedersehen.

        Damals hatte ich auch absolut keine Ahnung wie ich darauf reagieren sollte, was war das nur und vorallem wie skurill??

        Nach all den “stillen schweigenden eisigen Zeiten” ?

        Sprachlos liess ich mich auf einen “Smaltalk” ein und musste feststellen, dass viele Emotionen von Beiden Seiten da waren/sind.
        Nach ein paar Treffen, hatten wir plötzlich wieder einen “Draht” gefunden, der uns nun ermöglicht anders miteinander umzugehen, irgendwie wurde es “liebevoller, vorsichtiger”.
        Es gelang uns sogar herauszufiltern WO unser Problem lag.

        Das was wir “verloren” hatten , ist unwichtig geworden, denn wir haben mehr “gewonnen” als das was wir verloren glaubten.

        Mal davon abgesehen, das es vielleicht wieder mal, krachen kann, die einzige Vereinbarung die wir trafen war:

        Egal um welchen Streitpunkt es sich handelt, diesen gleich ansprechen und klären, ruhig und sachlich, keinesfalls zulassen dass sich Dritte einmischen, DENN darin lag das Problem zu allergrössten Teil.
        Wir haben zu wenig “gehört” was der Andere sagte, vieles falsch interpretiert anstelle nach zu fragen, u.s.w Kleinigkeiten, die uns Beiden unnötiges Herzensleid verschafften.
        Zu wenig an Verständnis für die Reaktionen des Andren, zu wenig an Vertrauen in den Andren.

        Allen hier wünsche ich von Ganzem Herzen dass sie auch erfahren dürfen das nichts verloren ist, diese Funkstillen machen Sinn, sie machen den Sinn das wir umdenken, das wir uns NEU begegnen und NEU finden können, sofern es wirklich zugelassen wird.

        LG und alles Gute
        Blackhex007

        1. Liebe Blackhex007,
          schön, dass es in deinem Leben ein Happyend gab, dass ihr euch auf Augenhöhe begegnen könnt, dass ihr eingesehen habt, dass Dritte in einem Disput nichts zu suchen haben.

          Leider habe ich die Hoffnung verloren, dass es auch bei mir einmal so weit kommen wird. Es gibt Therapeuten, die Lunte riechen und Menschen die Hilfe und Rat suchen für Jahre an sich binden. Das vermute ich bei meiner Tochter.
          Ich habe meine Therapie beendet, nach ca. 1 und 1/2 Jahren. Über Dritte erfahre ich, dass meine Tochter mit wochenlangen Migräneanfällen im Bett liegt. Da frage ich mich schon, ob das der richtige Therapeut ist. Das dürfte nicht sein, dass nach so langer Zeit solche starken Migräneanfälle den Patienten plagen.
          Dazu kommt noch der Ehemann meiner Tochter. Das ist ein Kapitel für sich. Der mischt sich grundsätzlich und ungefragt in alles ein und meine Tochter wird N I E ohne ihn erscheinen. Dann habe ich über Dritte erfahren, dass meine Tochter wieder mit den Leuten beisammen ist, mit denen sie vor 15 Jahren zusammen war und da spielen auch Drogen eine Rolle.
          Ich muss ehrlich gestehen, dass ich keine Hoffnung mehr habe. Irgendwie bin ich an dem Punkt angekommen, wo ich sie abgeschrieben habe. Sie hat auch eine alte Oma, die sehr viel für sie da war, sie ist das einzige Enkelkind. Auch um ihre sehr alte Oma kümmert sie sich nicht.
          Du redest von Verständnis für den Anderen. Ja, so soll eine echte Beziehung aussehen.
          Ich habe sehr große Fehler gemacht. Meine Tochter ist ein absoluter Egoist geworden, durch meine übergroße Liebe. Ich wollte dass sie N I E das erleben muss, was ich erlebte und durchmachte. Ich wollte eine liebende Mutter sein, N I C H T wie meine Eltern!!!!
          Und dabei habe ich anscheinend vieles übersehen. Dazu kam, dass der Vater, der existent und anwesend war, sich nicht um seine Tochter gekümmert hat. Er hat ihr weder Werte vermittelt noch Grenzen aufgezeigt, er lebt sein leben, neben mir her und genauso lebte er es neben seiner Tochter her. Keiner zählt für ihn, nur sein PC und seine Spiele und Pornos. Somit hat sie sich ein Bild von ihrem Vater gemacht. Und dieses Bild ist geplatzt.
          Nein, bei mir wird es kein Happyend geben. Darauf warte ich nicht mehr. Ich hatte eine Tochter, aber ich habe keine mehr und werde auch keine mehr bekommen. Da müsste schon ein Wunder geschehen. Sie müsste sich aus diesen Kreisen lösen. Sie ist 33 Jahre alt. Erwachsen!
          Warum kann man als erwachsener Mensch sich nicht an einen Tisch setzen und darüber reden, was einem nicht gefällt? Das ist pure Machtausübung.
          Ich habe sie weder geschlagen, noch in irgend einer Weise misshandelt. Ich gehe davon aus, dass sie von ihrem Vater nicht missbraucht wurde. Und wenn es gewesen sein sollte, dann würde ich als Mutter erwarten, dass meine Tochter das ihrer Mutter erzählt. Nochdazu, wo sie meine Geschichte kennt und das auch thematisiert wurde.
          Ich kann auch nicht verstehen, warum man nicht wenigstens in einem Brief einen Grund angibt. Für mich ist alles was mit der Funkstille zusammenhängt sinnlos geworden.

          Ich habe begonnen mein Leben neu zu gestalten, habe mich neu orientiert, und habe begonnen endlich auf mich zu schauen, m i c h z u l i e b e n, denn das habe ich nie gelernt und ich muss sagen, es gefällt mir immer mehr. Ich weiß heute noch nicht, ob ich bei dem Vater meiner Tochter bleibe oder ob es noch eine Trennung gibt. Ich weiß nur, dass ich jetzt endlich an der Reihe bin, denn ich habe nicht mehr viele Jahre und die paar, die noch bleiben sollen für mich schön werden.

          Mein spiritueller Lehrer und mein Meditationsmeister sagt: es ist wie es ist und so wie es ist ist es gut.

          in diesem Sinne liebe Grüße Tine

          1. hallo Tine, finde ich tapfer von dir zu kämpfen dafür dass es dir besser gehen soll. Ich weiß nicht was das heißt, das mit dem sich selber lieben…oder wie das geht?
            Aber was ich für mich tue ist z.B. das Beste aus einer miesen miesen Situation zu machen. Fühle mich seit mehreren Jahren so belastet, als würde jemand auf mich aufpassen negativ gesehen und würde die ganze Zeit mein Leben zerstören wollen und es klappt, alle meine Bemühungen mir das Leben so einfach und vernünftig wie möglich zu gestalten, werden boykottiert. Ich weiß aber nicht wer das ist!
            Es ist sehr schmerzhaft, denn immer wieder von neuem anfangen ist für mich teuer und anstrengend. Ständig habe ich Schwierigkeiten mit irgendjemanden ohne was zu tun diesbezüglich, mein Freundeskreis ist minim, und noch vieles mehr, dabei bin ich wirklich vorsichtig im Leben, vernünftig zu sein und in keine Extreme zu gehen. Was ich sagen will, ist dass das Leben tatsächlich kurz ist und man es genießen sollte/dürfte aber dass bei so vielen Menschen, so auch bei dir, das Leben einfach schlapp macht an irgendwelchen Ecken und Kanten und man dann sehr leiden muss, um diesen Schmerz zu überwinden. Ich will nicht in Details gehen, aber so sehe ich es bei mir. Von anfang an in meinem Leben wurden mir große Steine gelegt und ich bin nie wirklich dazu gekommen sie zu beseitigen. Sie verfolgen mich wie ein Geist auch jetzt noch und zerstören jeglichen ruhigen Moment des Friedens den ich mir irgendwie erkämpfe in meinem Leben. Ich wünsche dir viel Glück und Kraft auf deinem Wege, dass du die Freiheit und die Freude haben magst, dich selbst zu lieben, dass du den Schmerz deiner verlorenen Tochter, überwinden magst, und dass du wenn du es so willst, eine neue Familie gründen darfst, mit wem es dir gefällt. Alles das wünsche ich dir.

          2. Liebe Tine,

            Vorweg danke für Deine lieben Wünsche.

            Du schreibst Du hast einen grossen Fehler gemacht?

            NEIN!”” Es gibt keine Fehler in zwischenmenschlichen Beziehungen, es gibt keinen Menschen der perfekt ist und alles schon weiss!
            Es gibt NUR Emotionen die wir leben und REAKTIONEN auf das was wir tun.
            Das heisst wir empfinden und reagieren immer auf das WIE uns das Gegenüber sieht oder behandelt.
            Empfindungen und Meinungen sind unterschiedlich, wenn ich ein Beispiel nehmen darf?
            Z.B ich sage es geht mir heute schlecht
            könnte der Andere weiss Gott was rein interpretieren:
            a: es geht mir finanziell schlecht
            b: es geht mir gesundheitlich schlecht
            c: es geht mir psychisch schlecht
            d: ich bin heut mit dem falschen Fuss aufgestanden…etc..

            Verstehst Du was ich sagen will?
            Wenn Du heute sagst DU hast einen Fehler gemacht, dann sagt Dir nur dein Bauchgefühl dass Du Dir selbst sagst es fühlt sich etwas falsch an, ob meine Reaktion darauf wohl richtig war?
            Das heisst aber NICHT das Dein Gegenüber das auch so sieht.
            Vielleicht hat sie ja verstanden und eingesehen das Du recht hattest und schämt sich nun, ein Grund sich “zu verstecken” “zurückzuziehen und zu überdenken, Angst davor zu haben etwas falsches zu sagen, falsch zu reagieren kann im wahrsten Sinn des Wortes auch “sprachlos” machen.

            Meine Tochter hatte die Angwohnheit, wenn ihr was nit gepasst hat, einfach nix mehr drauf zu sagen , schmollen und Streit vermeiden, anstelle IHRER Gegenantwort hat sie ihren Mann vorgeschoben der mir das reinwürgen sollte was Madam nicht gepasst hat.
            Damit wurde das Ganze noch schlimmer. Heut hat sie es eingsehn und ihr Verhalten geändert, gleich mal raus damit was nit passt.
            Zugegeben ist zwar ungewohnt aber für mich passt das besser.

            Fehler liebe Tine, gibt es nicht.
            Wir sind keine Übermenschen , keine Frau ist die perfekte Mutter und es gibt mit Sicherheit auch keine perfekten Kinder!

            Um auf den Satz zurück zu kommen, nicht mal einen Grund anzugeben….

            Manchmal kann man nicht in Worte ausdrücken was man sagen will, es gibt Tage da mag ich mich selber nicht *smile* da könnte ich nicht mal begründen warum ich nun schlecht gelaunt bin, an solchen Tagen ziehe ich mich total von der Umwelt zurück, hat aber absolut nichts mit meinen Mitmenschen zu tun.

            Ich habe Deine Geschichte gelesen und ich bewundere Deine Art damit umzugehen.
            Aber ich bitte Dich nur um eins:

            Schmeiss Deine Hoffnung nicht weg, denn die Hoffnung stirbt zu letzt und gib Dir und jedem Tag , jedem Menschen an jedem Tag eine neue Chance.

            Wir lernen täglich, wir erlangen täglich neue Erkenntnisse, wir erhalten jeden Tag die Chance unser Leben neu zu erleben. Nimm Dir bitte nicht die Chance dafür in dem Du die Hoffnung sterben lässt.

            Liebe Grüsse und alles Gute
            Blackhex

        2. „Ich weiß nicht was das heißt, das mit dem sich selber lieben…oder wie das geht?“

          Liebe Ribelle,
          das heißt, dass ich mich in meinem ganzen Leben nicht selber geliebt habe. Ich wusste auch nicht was das ist und wie das geht. Ich musste immer eine andere sein, als die, die ich war und bin. Ich habe das Leben derer gelebt, die mich nicht so haben wollten wie ich war und bin.
          Dadurch, dass ich ein weiteres Trauma erlebt habe, durch die erneute Abwendung meines einzigen Kindes, meiner von mir abgöttisch geliebten Tochter, habe ich doch endlich erkannt, wie wichtig es ist, sich selber zu lieben.
          Ich habe einen Mentor, einen Lebensberater, einen Meditationsmeister in der Schweiz kennen gelernt. Heute weiß ich, dass es keine Zufälle gibt. Dieser Mensch wurde mir von einer höheren Macht geschickt. Er hat mir die Augen geöffnet. Es gibt eine kleine Übung. So9 oft du am Spiegel vorbei gehst, sollst du dich liebevoll begrüßen und zu deinem Spiegelbild sagen, …… ich liebe dich. Also ich sage: Tine – ich liebe dich. Dann kommt später die Zeit, wo du dich fragst, wie geht es dir heute, dann geht das so weiter und du wirst merken, dass du in dem Gespräch mit deinem Spiegelbild liebevoller mit dir selbst umgehst. Heute sage ich S T O P wenn jemand etwas von mir will und ich nicht gewillt bin das zu tun. Heute tue ich nichts mehr nur um demjenigen einen Gefallen zu tun. Heute tu ich es wenn ich will, oder lass es. Auch habe ich meine Schwester, die mich ein Leben lang äußerst mies behandelt hat zum Teufel geschickt. Auch auf ihren Anruf und ihr Weinen habe ich nicht mehr reagiert. Mir geht es besser. Mein Mann muss Dinge selber erledigen, die ich früher erledigt habe, und er hat den Pascha gespielt.
          Das sind alles Dinge, die damit zusammen hängen, mich selber zu lieben.

          Ich funktioniere nicht mehr für die anderen. Ich lebe für mich.

          Und wenn heute meine Tochter kommen würde und mir Vorwürfe machen würde, dann sage ich: Such dir eine andere Mutter, ich wünsche dir viel Glück dabei.

          Du schreibst, dass du dich so sehr belastet fühlst. Das kann ich bestens nachvollziehen. Auch du liebst dich nicht! Daran solltest du arbeiten.

          „Von Anfang an in meinem Leben wurden mir große Steine gelegt..“

          Liebe Ribelle, auch das kenne ich!!!!
          Mein Leben war mit der Geburt ein Trauma nach dem anderen. Ich lebte in einer einzigen posttraumatischen Belastung. Und das 62 Jahre lang. So kommt mir auch deine Antwort hier vor. Auch du lebst in dieser schrecklichen Situation. Aber es gibt einen Weg heraus. Glaub mir das.
          Ich freue mich, wenn du mir antwortest.
          Woher kommst du denn? Vielleicht können wir uns treffen, oder telefonieren? Ich wohne 30 km von München entfernt.

          Nun wünsche ich dir Kraft und Licht und Liebe in dein Herz, vor Allem Liebe für dich selbst!
          Herzlichst, Tine

    2. Hallo Rolf ich habe schon verstanden was du gesagt hast, aber ich glaube und hoffe, dass ich deine interessanten Methoden nie anwenden muss, sondern nach meiner eigenen Intuition gehen DARF im Falle eines Falles…
      Ich habe immer die besten Resultate erziehlt durch eine eigene Lösung für eine Entwicklung, was nicht heißt, dass du falsch liegst. Wollte mich nur äußern.
      Wenn meine Mutter und ich uns zerstritten hatten, und es wieder Richtung Frieden ging, war ein gemeinsamer Kaffee und ein paar Kekse aus der Coop gerade recht um uns zusammenzusetzen und uns wieder zu finden, in einer guten Unterhaltung über was passiert war und uns das Leben schwer machte.
      Mehr war nicht nötig.
      Dir auch ein schönes Neues Jahr 2014

  30. An Tine 18.12.13 (18:16 Uhr)
    Hallo liebe Tine, mit großer Neugier habe ich deine Antwort auf meine Worte gelesen und freue mich wenn ich etwas helfen konnte bzgl. deines Problems. Ich hoffe vor allem, dass du irgendwie, irgendwann wieder glücklich mit deinem Mann, d.h. glücklich für dich und dein Leben sein kannst. Klar hört sich das sehr utopisch an, wann sind heut Menschen über längere Zeit glücklich? Kaum. Immer kommt etwas dazwischen und zerstört die Ruhe oder das Glück. Aber wenn deine Tochter verheiratet ist und evtl. eine Familie gründen will, was ja normal ist, und sie dafür alleine sein will, dann hast du das ja schon akzeptiert, sonst würdest du hier nicht schreiben. Es hat mich gefreut, wenn ich dich irgendwie ansprechen konnte, in Gedanken. Es kann ja daran liegen, dass ich wie schon gesagt, auch von daheim weg bin in der Jugend. Ich wollte dann auch nicht mehr zurück, und wurde von meinem Vater deswegen verachtet in höchstem Maße. Aber der hatte ja sowieso wenig Kontakt mit uns (mir und meinem Bruder).
    Ich hoffe auch dass es deinem Mann wieder besser geht, dass ihr zueinander findet, egal auf welche Art. Mein jetziger Freund hat 2 Jahre mit mir gebraucht, bis ich ihn an mich herangelassen habe. Das ist ganz schön lang und er hat immer wieder Druck gemacht, aber ich wollte einfach nicht eine zu große Nähe. Nun sind wir schon 6 Jahre zusammen und wir verstehen uns sehr gut. Klar ist es nicht immer Sommer, so im großen und ganzen sind wir zufrieden. Es gibt so viel Leid auf der Welt. Da kann man froh sein, dass man ein Dach überm Kopf hat. Ich finde wenn ich ein Kind hätte, würde ich es auch verwöhnen wollen, geistig und materiell. Wenn es sich etwas wünschen würde, und ich könnte es mir leisten, wieso sollte ich es ihm verweigern? Solange es Sinn macht. Mein Vater war auch so sehr von unanwesend als wir Kinder und Jugendliche waren, wegen der Arbeit. Und meine Mutter war während der Heirat seine rechte Hand. Als die Scheidung plötzlich geschah war meine Mutter ohne Beschäftigung und mein Vater ist sehr weit weg gezogen und ich habe überhaupt nichts mehr von ihm jemals gehört. Ganz schön verrückt.
    Also, Kopf hoch und ich wünsch dir ein schönes Neues Jahr 2014.
    Viele Grüße Else

    1. Liebe Else, danke für deine nochmaligen lieben und verständnissvollen Worte.
      Es fteut mich für dich, dass du mit deinem Partner eine gute Beziehung bekommen hast, dass er so lange Geduld aufbringen konnte. Bei mir und meinem Mann ist die ganze Sache viel viel zu verfahren. Das wird nicht mehr. Wir müssen froh sein, wenn wir wie Bruder und Schwester zusammen klar kommen und sogar das macht manchmal große Schwierigkeiten, denn mein Mann ist spielsüchtig. Er vernachlässigt alles, so dass ich begonnen habe für ihn Verantwsortung zu übernehmen, auch in beruflicher Hinsicht.
      Vielleicht ist das auch ein Grund, der mitwirkt bei der Funkstille.

      Sehr schmerzhaft war für mich die Aussage unserer Tochter, die sie vor ca. 6 Monaten meiner Mutter gegenüber machte, als sie dort anrief. Sie meinte, dass sie irgendwann nochmal versuchen wird ein Kind zu bekommen, dass sie dieses aber sofort nach dem Mutterschutz in eine KinderKrippe geben wird.
      Ich weiß natürlich auch, dass das ihre eigene Entscheidung ist, dass ich daran nichts ändern kann, Aber als Pädagogin kenne ich auch die Missstände und die Folgen, die psychichen Folgen daraus, wenn keine Bindung zu den Eltern entstehen kann.
      Liehe Else, es ist wie es ist und es ist gut so, heißt es im Buddhismus und das muss ich in meinen Kopf hinein bekommen.

      Danke nochmals für deine Worte und auch ein gutes, gesundes, zufriedenes Neusa jahr 2014

      1. Hallo liebe Tine, ich wünsche Dir das auch, ein besonnenes, glücklicheres und innerlich friedlicheres Jahr, als bis jetzt. Dass Du etwas findest, was Dich aufbaut und ablenkt von diesen Geschichten mit Deiner Tochter. Es freut mich für Dich, dass die Vorschläge vom Rolf Dich interessieren und begeistern. Schmerz dieser Art von Verlust wie Du es erlebst und auch ich mit meinem Bruder, ist nervend irgendwie durch die Hilflosigkeit in der man sich befindet. Ich habe z.B. sehr große Ablenkung wenn ich in meiner Freizeit Texte übersetze da ich Übersetzerin bin. Beruflich tue ich das ja schon, aber nur in Teilzeit. Aber nebenbei macht es den Alltag auch schön. Hast Du auch ein Hobby, dass Dir sehr viel Freude macht? Das ist sehr wichtig im Leben. Ein Psychiater hat mir das einmal dringend empfohlen. Etwas worin Du auch gut bist und Dich bestätigt fühlst. Es gibt Kurse bei der VHS in so vielen Bereichen, da könnte doch etwas passendes auch für Dich dabei sein. Meine Schwägerin macht unheimlich gerne Yoga, das entspannt sie sehr.
        Es tut mir leid wenn Dein Mann spielsüchtig ist. Das ist eine sehr unangenehme Sache, kann aber behandelt werden wie Du sicher schon weißt. Will er das nicht ausprobieren? Einen guten Therapeuten, der ihm hilft aus dem Schlammassel? Ich würde mich für Euch freuen.
        Also, ich drück Dich auch wenn wir uns kaum kennen und schicke Dir ganz viele Grüße aus der Ferne des Internets. Else

      2. Hallo Tine, na ja, also so märchenhaft wie im Kino läuft es bei uns auch nicht direkt – aber wir haben einen guten Draht zueinander.
        Wir haben beide viele Verantwortungen jeweils und hatten schon mal bessere Zeiten, wie ich dir schon sagte. Trotzdem ist es besser als ganz einsam zu sein, ich hatte mir das schon seit ewig gewünscht. Und ich wünsche es dir natürlich auch. Alle Menschen haben irgendwelche Süchte im Leben wenigstens einmal, denke ich. Ich inklusive. Wir sind alle so zerbrechlich und fallen schnell zusammen, wenn man uns an der ‘richtigen’ Stelle stößt. Wir sind alle Stiere in einer Arena irgendwann im Leben, und dann kommt der Teufel und gibt nicht nach, er stößt den Speer ins Tier bis es stirbt. Pass auf deinen Mann auf, sag ihm dass du dir Sorgen machst. Dass er nicht alleine dasteht, erzähl ihm von deinen Schwächen, wenn du Geld hast, gehe mit ihm raus und bummeln, usw. Mir fällt sonst nichts richtiges mehr ein, bin echt müde heute Abend.
        Eine Sucht ist kein Todesurteil, sondern eine falsche Bahn, ob man zum Therapeuten geht entscheidet man selbst. Ihn dazu zu zwingen wäre falsch denke ich. Ich hatte es nur vorgeschlagen.
        Menschen die Ideen haben, haben nicht immer recht! Es sind einfach Ideen, ob sie angewendet werden oder nicht, das bleibt jedem Individuum überlassen. Man kann einen Menschen nicht zwingen sich hübsch zu machen, das klappt nie, der Mensch muss es selbst wollen. Aber vor allem versuche dich nicht selber gehen zu lassen, ich tendiere dazu und das ist schade. Kommt vom Stress und fehlendem Geld. Ich weiß ja nicht wie lange du schon mit deinem Mann zusammen bist, aber ich hoffe für dich, dass ihr einen Neuanfang bekommt, von Gott und allen Gebeten die dazugehören. Also, viele Grüße von mir, Else

        1. Liebe Else, danke, ich hab nur nicht geantwortet, weil dieses Thema nicht hier in dieses Forum gehört. Und weil sich da bestimmt wieder jemand einmischt, der sonst kein Gehör findet.
          Wir sind 35 Jahre verheiratet und mein Mann ist leider schon immer süchtig. Er erkennt das nicht, meint er ist in Ordnung und alle anderen sind böse. Als ich ihm die Drogen ins Klo geworfen habe, hat sich seine Sucht verlagert. Leider kann ich da nichts machen.
          Schade, dass ich dir nicht privat schreiben kann. Du bist eine wunderbare Frau !!! Danke dir für alles <3 <3 <3
          Herzliche Grüße und ein wunderbares Neues Jahr :o)
          Tine

          1. Liebe Beiträgerinnen, ich denke, dass jetzt alle Argumente ausgetauscht sind. Ich habe alle Kommentare freigeschaltet, in der Hoffnung, dass sich die Diskussion zum Positiven hin entwickelt. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Hier handelt es sich um ein sehr empfindliches Thema, das naturgemäß auch verschiedene Meinungen hervorruft. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich weitere Kommentare dieses Dialoges nicht mehr freischalten werde. Ich wünsche einen guten Rutsch!

  31. Liebe Simone,
    Danke für deine Gedanken, die du dir zu meiner Situation gemacht hast.
    Das was dir passiert ist, tut mir sehr Leid, glaub mir das, denn ich wurde nicht nur im Alter von 15 Jahren, als jungfräuliches Mädchen brutal vergewaltigt, so dass die Folgen heute noch sichtbar sind. Nein, auch ich wurde im Alter von 4 bis 6 Jahren mehrmals sexuell missbraucht, vom Bruder meines Vaters. Auch blieb es in meinem Leben nicht bei der einen Vergewaltigung. Das sind alles Dinge die ich nie meiner Tochter erzählt habe. Kannst du dir nicht vorstellen, wie schlimm das für mich war, als sie mit 15 nicht nach hause kam?
    Eine Mutter durchlebt das schlimmste Trauma aus ihrer Kindheit noch ein Mal, weil sie nicht will, dass ihrem Kind das passiert. Kannst du dir nicht vorstellen, dass ich nur noch heulte, als sie wieder da war, vor Glück, dass sie da war.

    Und zu ihrer Geschichte. Leider kann meine Tochter Geschichten erzählen. Sie wurde nicht Vergewaltigt, sie wurde nicht missbraucht. Sie wollte mir weh tun. Natürlich habe ich zuerst nachgefragt, wann und wie denn das passiert sei. Wir hatten ein offenes Verhältnis. Warum hat sie zuerst den einen dafür verantwortlich gemacht, dann den anderen und zum Schluss noch einen Dritten? Nein, liebe Simone, das macht keinen Sinn. Zuerst waren es Freunde von ihr, dann war es ein alter Mann. Und alle 3 können es nicht gewesen sein, denn sie ist nach dem angeblichen Vorfall weiterhin freiwillig, nicht gezwungener Maßen zu den betroffenen Personen gegangen. Ich hätte das gemerkt, glaub mir das, da habe ich sehr feine Antennen.
    Der einzige Grund, warum sie dieses Theater gespielt hat, war, sie wollte ihrer Freundin damals zeigen, wie es geht, von Zuhause auszuziehen. Die Freundin wurde sexuell missbraucht, auch von ihrem Onkel. Die hat sich den Eltern anvertraut, und dort ist geschehen, was geschehen musste.

    Liebe Simone, ich habe meine Tochter nicht eingesperrt, ich habe sie auch nicht an mich gebunden.
    Und ich nehme keine Opferrolle ein und erlaube mir alles. Wie kommst du darauf. Das ist eine sehr schwere Anschuldigung.
    Weißt du, ich wollte nur, dass es meiner Tochter immer gut geht, dass sie nie leiden muss, dass sie immer lachen kann. Ich habe sie nie geschlagen, eingesperrt, oder sonst etwas mit ihr gemacht. All die bösen Dinge habe ich von ihr ferngehalten. Zu meinem Vater, der mich nicht nur geschlagen hat, sondern verprügelt, bis er sich abreagiert hatte, habe ich gesagt, dass er seine einzige Enkeltochter nie wieder sehen wird, wenn er ihr auch nur ein einziges Mal eine Watschn gibt und wenn diese noch so berechtigt wäre.
    Liebe Simone, meine Tochter wurde verwöhnt, das ist klar wie das Amen in der Kirche. Es sprengt den Rahmen hier, das alles aufzuzählen.

    Weißt du Simone, Vergewaltigte Frauen können sehr sensibel mit einer solchen Info umgehen. Die reagieren anders als Frauen, die das nur aus Zeitschriften kennen.

    Und dass ich sie zum Elternteil gemacht habe, weil ich ihr erzählte, als sie wissen wollte, warum ich so weine, dass ich in diesem Alter vergewaltigt wurde, das kann nur ein schlechter Psychologe meinen. Glaubst du dass ich ihr alle Einzelteile berichtet habe? Nein, Simone, so viel Feingefühl besitze ich. Meine Tochter war aufgeklärt, wir haben darüber hinaus immer über Dinge offen gesprochen, wie Verhütung, Petting, etc.
    Trotzdem danke ich dir für deinen offenen Brief, den ich auch schätze und dessen Inhalt ich mir sehr genau durch den Kopf gehen lasse. Dennoch bin ich der Meinung:
    Nicht jedes Mädchen verlässt aus dem Grund seine Eltern aus dem du vielleicht deine Eltern verlassen hast.
    Tine

    1. Liebe Tine,

      Ich habe mein Elternhaus verlassen mit 19 für mein Studium. Mit meinen Eltern habe ich ein gutes Verhältnis, nach wie vor! Ich habe deine Antwort sehr aufmerksam gelesen und mir ist aufgefallen, dass du dich andauernd rechtfertigst und dabei dein Leid klagst! Obwohl du geschlagen wurdest, etc. Hast du ihr alles gegeben! Aber eigentlich sollte das selbstverständlich sein!

      Ich wollte nur deinen Blick kurz in eine andere Richtung lenken. Du kannst nicht wissen was ihr passiert ist! Das habe ich gemeint! Ich hab versucht mein “Geheimnis” jemandem anzuvertrauen und auch jedes Mal einen anderen unbekannten Täter erfunden! Den wahren Täter kenne nur ich und ich hab diesen Namen nicht mehr ausgesprochen! Ich kann nur für mich sprechen, aber man darf nicht ewig Opfer spielen. Vl hat deine Tochter ja auch eine Depression und zieht sich zurück! Ich denke, dass die wenigsten absichtlich jemanden verletzten wollen, sondern auch nur aus Selbstschutz so handeln.

      Viele grüße

      1. Hallo Simone,
        klar könnte es eine Depression sein, aber auch nicht. Wieso soll sich Tine verrückt machen lassen von einer Tochter die sie ständig manipuliert und mit der sie sich nicht mehr wohl fühlen darf, die sie einfach nur abweist. Ich bin der Meinung dass sie sich das sparen kann. Hin und wieder muss man sich auch schützen. Mir scheint Tine hat sehr viel unternommen um den Kontakt aufzubehalten. Dir alles Gute, Else (schon die Tatsache dass sie so leidet und darüber schreibt zeigt mir, dass es sie belastet. Aber klar ich bin kein Hellseher…

        1. Hallo,

          Wollte mich eigentlich nicht in diese Diskussion einmischen, sondern wirklich nur eine andere Perspektive einnehmen.

          Ihre Tochter ist nicht Manipulator auf die Welt gekommen, sondern auch nur zu dem gemacht worden, was sie jetzt ist und fühlt! Ich fand es nur anmaßend über jemanden zu urteilen, der hier nicht selbst anwesend ist, bzw Dinge wie “verwöhnt” zu unterstellen! Gerade bei ” verwöhnt ” ist nicht die verwöhnte Person schuld, sondern man wird von jemandem verwöhnt. Ich bin der Meinung, wenn man sich klar mit den eigenen Fehlern auseinandersetzt, kann man vl den anderen verstehen!

          Ich verstehe auch nicht was das mit Leiden zu tun hat! Ich leide auch wie ein Hund, dass meine Schwester nicht mehr da ist, aber das schützt mich noch lang nicht davor mich mit mir selbst zu beschäftigen und nicht etwa dauernd von meiner Schwester zu behaupten, sie wäre verwöhnt, hätte jene Diagnose etc.

          Sie fühlt so und wird ihre Gründe haben. Dieses selbstgefällige Leiden gefällt mir einfach nicht.

          Herzlichen Gruß

          1. Liebe Simone,

            Zitat:
            “Dieses selbstgefällige Leiden gefällt mir einfach nicht.”

            Ich finde das unpassend und verletzend, das sind Vorwürfe, Anschuldigungen, die dir nicht zustehen!
            Bitte halte dich zurück und misch dich mit solchen Ausdrücken nicht mehr in die Diskussion.
            Ich bin davon ausgegangen, dass es hier
            r e s p e k t v o l l zugeht!

            Danke dass du deine Worte reflektierst und ich wünsche dir ein frohes Neues Jahr 2014, vor allem ein r e s p e k t v o l l e s Jahr!!! Tine

        2. Danke liebe Else, dass du mir so beistehst. So eine Mutter bräuchte ich und hätte ich immer gebraucht!!!!

          Meine Mutter hat nur immer geschimpft mir mir, wenn ich in meiner Erziehung konsequent sein wollte. Wenn unserer Tochter etwas nicht gefallen hat, hat sie bei Oma angerufen und die hat mich dann fertig gemacht. Mein Mann hat sich so wie so nicht um die Erziehung gekümmert und ich war die böse. Meine Mutter hat meiner Tochter im Alter von 3 Jahren schon das Lügen beigebracht. Es war nicht leicht für mich.
          Simone sagt nun sicher wieder ich sule mich in meiner Opferrolle. Vielleicht hat sie Recht, ich weiß es nicht, ich schreibe hier nur Tatsachen, wie es war. Was vielleicht alles eine Rolle gespielt hat, dass sie uns verlassen hat.

          LG Tine

          1. Liebe Tine,

            Man muss auch lernen andere Meinungen zu verkraften. Ich habe es sehr respektvoll geschrieben und dazu noch ” gefällt mir nicht” hinzugefügt, was die Subjektivierung klar ausdrückt! Mir zu sagen, ich dürfte hier nicht mehr schreiben halte ich für sehr anmaßend, weil es einer Person nicht passt! Es nutzt hier niemanden in Selbstmitleid zu zerfließend! Ich weiß nicht, für was du dich hältst um anderen Leuten ihre Meinung verbieten zu wollen. Das ist schlichtweg unrespektvoll. Reflektiere bitte dein Schreiben.

            Herzlichen Gruß

      2. Hallo Simone,

        Du hast sicher Recht und ich glaube das auch, dass die wenigsten, die einen oder mehrere Kontakte abbrechen, andere Menschen verletzen wollen. Sie handeln aus Verzweiflung, Selbstschutz, wissen sich nicht anders zu helfen. Es ist die pure Überforderung vor den eigenen Emotionen und denen anderer. Man muss versuchen, zu verstehen, auch wenn das noch so schwer fällt. Denn ich glaube, erst wenn man sich selbst befreit von dem Gedanken an die eigene Schuld und auch davon, dass der andere absichtlich aus Hass oder Wut handelt, erst dann kann man ein Stück weit seine Gedanken sortieren und für sich einen Weg finden. Ich habe auch solche und solche Tage. Tage, an denen ich oft an meine Cousine denke und mir wünsche, die Uhr zurück drehen zu können, damit ich ihre Signale erkennen kann. Aber das geht nicht. Die Schuld suche ich nicht mehr bei mir, denn ich denke, es gibt keine Schuldige. Bei uns ist einfach einiges schief gelaufen. Wir haben einige Schritte in unserem Kennenlernen übersprungen, haben uns wie zwei Ertrinkende aneinander geklammert und haben dabei vergessen, dass jede von uns beiden eine eigene spezielle Vergangenheit hat, dass jede andere Denkweisen, Gewohnheiten und Lebensumstände hat. Wir waren zu schnell, zu eng miteinander verbunden. Hätte ich mir mehr Zeit gelassen, dass wäre mir intensiver bewusst geworden, dass meine Cousine aufgrund ihrer Kindheit Bindungsängste hat und ich ihr einfach nicht zu nah kommen darf. Aber wie macht man es richtig, wenn man sich erst nach 46 Jahren per Zufall begegnet? Wie waren zu sehr gefangen von unserer Geschichte. Sie fehlt mir und ich weiß, dass es keinen Weg zurück gibt. Dennoch weiß ich auch, dass es nicht ihre Absicht ist, mir weh zu tun und das verinnerliche ich mir. Vielleicht gelingt es mir eines Tages mit einem Lächeln an unsere gemeinsame Zeit zurück zu denken. Momentan fällt mir das noch zu schwer.

        Liebe Grüße – Pauline

      3. Liebe Simone, ich danke dir für deine offenen und ehrlichen Worte. Sicher hast du Recht damit, dass ich meine mich rechtfertigen zu müssen. Das, was für eine Mutter selbstverständlich sein sollte, sehe ich auch so. hast du schon einmal von der sogenannten “Erbsünde”gehört. Davon dass manche Dinge in Familien weitergegeben werden, von Generation zu Generation. Das war in unserer Familie die Prügel, die Demütigung, die Erdniedrigung, etc. Das zu durchbrechen ist manchmal eine harte Aufgabe, jedoch habe ich diese Erbsünde durchbrochen. Das meinte ich damit.

        Und du hast auch vollkommen Recht damit, wenn du sagst, dass ich nicht wissen kann, was ihr passiert ist. Ich habe Informationen und ziehe daraus mein Wissen. Jedoch ist es vollkommen richtig, dass ich es nicht zu 100% wirklich wissen kann.

        Und dass sie Depressionen hat, glaube ich in der Zwischenzeit auch, denn das ist leider auch eine Erbsünde, wenn man das so nennen will, in unserer Familie. Das geht viele Generationen zurück. Und leider habe auch ich Depressionen und muss Medikamente nehmen, da die Therapie nicht wirklich hilft.

        Und liebe Simone, dass sie mich nicht verletzen wollte und aus Selbstschutz so handelte, das will ich versuchen zu glauben. Jedoch kann ich nicht nur ein weiteres Beispiel nennen. Somit fällt es mir schwer, nicht an Absiocht zu glauben.
        Ich liebe meine Tochter und habe ihr immer alles verziehen. Meine Therapeutin sieht meine Tochter so, dass sie mich bewußt verletzt, provoziert, demütigt.
        Das geht aus etlichen Briefen, die ich noch von ihr aufgehoben habe hervor. Ich sehe das in der Zwischenzeit so, dass wir ein sprachliches Problem haben. Und zwar wir beide, nicht nur einer von uns. Und ich bin der Meinung, dass daraus viele Missverständnisse resultieren.
        Danke Liebe Simone für deine nochmaligen Worte. Ich bin sehr froh, wenn ich andere Sichtweisen erörtert bekomme.
        herzlichst, Tine

  32. immer mehr verwurzelt. Manchmal kann ich mit dem Schmerz leben, als hätte man mir einen Arm abgehauen und ich spüre den Schmerz nicht mehr, aber manchmal tut es sehr sehr weh. Vielleicht weil es Weihnachten ist. Ich versuche tapfer zu sein und nicht auf den fehlenden Arm zu gucken, wenn es schmerzt. Versuche mich abzulenken, das Grübeln einzustellen, aber es klappt nicht immer. Mein Lebensgefährte ist ein furchtbar geduldiger und liebender Mensch, der mich versteht und unterstützt und fördert und Bescheid weiß wie es in mir manchmal deswegen aussieht. Hätte ich ihn nicht, weiß ich nicht wo ich jetzt wäre. Viele Jahre habe ich furchtbar unter der Funkstille zwischen meinem Bruder und mir gelitten, besonders seit meine Mutter verstorben ist. Aber das Leid wurde mir durch die Zeit nie genommen. Ich habe dann einfach aufgehört den Kontakt zu suchen, da ich nur sehr kurze Antworten bekam auf meine Fragen und mein Interesse an das Leben meines Bruders, an seine Familie und seine Kinder.
    Ich frage mich sehr oft was er gerade denkt oder tut, wie es ihm geht und habe dann manchmal dadurch ganz viele Vorstellungen über sein Leben, das ich sehr wenig kenne. Dieses Jahr habe ich eine Seite im Internet gefunden über ‘Narzisstische Mütter und ihre Töchter’ und habe es einfach meinem Bruder zugeschickt. Ich machte mir Sorgen über meinen Enkel, dass meine Schwägerin sich nicht genug um ihn kümmern würde, aber als Antwort auf meine Sendung bekam ich nur einen kurzen Kommentar von ihm:” ich solle doch arbeiten gehen.” Er gab mir zu verstehen, dass ich falsch liegen würde und nicht ganz dicht sei. Daraufhin wehrte ich mich, weil ich mich schuldig fühlte obwohl ich nichts anderes getan hatte, als meine Sorge auszudrücken.
    Die Funkstille kann viel zerstören, sie kann schöne Erinnerungen zerstören, die einzigen die man noch hatte. Alles was ich mir von ihm wünsche ist eine einfache Freundschaft oder das Gefühl einen Bruder zu haben und das Gefühl von Geborgenheit und wenn es nur für einen Augenblick war. Die Geborgenheit der Familie, der familiären Gefühle füreinander, das Rückblicken auf die Kindheit. Meine Hilferufe über alle die Jahre wurden weder von ihm noch von seiner Schwägerin erhört. Das einzige was ich zu hören bekam, war dass ich zu einem Psychiater gehen sollte. Ich wollte nur wissen, damals als ich seine Nähe so brauchte, wie es ihm denn ginge und ein wenig mit ihm plaudern. Das haben wir nie gehabt, einfaches Plaudern, die Seele baumeln lassen, wenn auch nur für eine Viertel Stunde. Das geht nicht mit ihm und das ist ein großer Teil des Schmerzens. Ich mag nicht jammern oder Mitleid suchen, ich versuche einfach diese Funkstille zu verstehen und zu ertragen. Aber je mehr ich das versuche, desto schuldiger fühle ich mich. Wieso ist das so? Trotzdem wünsche ich allen ein freudiges Neues Jahr 2014.

  33. Mein Mann hat mir gestern eine Frage gestellt, die mich wahrscheinlich emotional rettet und mich ein Stück weit befreit. “Kannst Du denn Jemanden noch gern haben, der so mit Dir umgeht?”. Darüber habe ich lange nachgedacht und sage heute “nein”. Ich hoffe, dass es mir gelingt, jetzt meinen Kopf und meine Gedanken zu befreien. Ein Mensch, der sich nicht einmal auf lieb gemeinte Weihnachtsgrüße meldet, hat nicht länger meine Aufmerksamkeit, meine ehrlichen Gefühle und auch meine Tränen verdient. Sicher wird es noch eine Zeit brauchen, um es zu verstehen, denn davon bin ich noch weit entfernt. Wichtig für mich ist aber erst einmal, dass ich mich nicht länger zerfleische und aufhöre, die Schuld bei mir zu suchen, denn da liegt sie nicht. Was meine Cousine und einstige Freundin mir antut, steht in keinem Verhältnis zu dem, was ich “getan” habe. Freundschaft und Zuneigung mit Ignoranz und Respektlosigkeit zu beantworten zeugt von enormen emotionalen Defiziten und einem instabilen Charakter. Ich hoffe für sie, dass sie mit einer solchen Einstellung nicht allmählich vereinsamt, denn ich bin ja nicht die erste, mit der sie so umgeht. Traurig bleibt es trotzdem…

    Ich wünsche allen ein glückliches Jahr 2014 und vor allem den Mut, mit Vergangenem und nicht Änderbaren abzuschließen.

    Pauline

    1. Liebe Pauline, ich gratuliere dir zu so einem feinfühligen Ehemann. Ich wünschte meiner wäre auch so. Auch zu deiner Entscheidung und zu der Überzeugung, zu der du dadurch gekommen bist, gratuliere ich dir.
      Bei mir ist das alles nicht so einfach. Ich bin von meiner einzigen Tochter verlassen wosrden. Von einer Minute zur anderen. Ich weiß bis heute nicht warum. Sie will nicht reden. Sie will keinen Kontakt. Zu Weihnachten habe ich ihr eine Weihnachtskarte geschickt, die eine offene Türe zeigt. Als Antwsort hat sie mir eine Weihnachtskarte geschickt und Liebe Tine geschrieben, nicht Mama. Das ist eine ganz bewußte Provokation von ihr.
      Ich habe mir deine Zeilen kopiert und ausgedruckt, denn das muss auch in mein Bewusstsein. Ich will keinen respektlosen Umgang mit meinem einzigen Kind. Dann verzichte ich lieber ganz. Und ich muss auch da hin kommen, dass ich nicht immer die Schuld bei mir suche, denn ich kann keine Schuld finden. Meine Tochter hat all meine Liebe bekommen, musste nur einen Wunsch äußern, und sie hat alles bekommen. Ich habe auf viele Dinge verzichtet, damit ich ihr ein schönes Leben machen konnte. Sie sollte nicht so eine Kindheit und Jugend haben wie ich es hatte. Ein jähzorniger Vater, der mich verprügelt hat, so lange, bis er sich abreagiert hatte. Und das nicht nur ein Mal. Ein Vater der mich gedemütigt hat, täglich, erniedrigt, geprügelt.
      All das hab ich von ihr ferngehalten. Alle Ungerechtigkeiten habe ich bekämpft, denn sie sollte nicht weinen müssen, denn ihr weinen hat meine Seele tief verletzt und mich an all die Schmerzen meiner Kindheit und Jugend erinnert.
      Ich wünsche mir so sehr eine Tochter die mich liebt, …..

      Viel Kraft für dich liebe Pauline

      1. Liebe Tine, danke für Deine Antwort. Ja, mir geht es besser, seit mein Mann mir diese Frage gestellt hat und ich bin froh, dass er auch so objektiv urteilen kann. Das schätze ich sehr an ihm.
        Bei Dir liegen die Dinge natürlich noch viel komplizierter, denn bei Dir handelt es sich um Deine Tochter, bei mir “nur” um meine Cousine, auch wenn wir uns sehr nah standen. Ich kann Dich ein Stück weit verstehen, denn ich habe auch eine Tochter, 23 Jahre alt. Wir haben normalen Kontakt, ohne ständig aufeinander zu hängen, denn jede hat ihr eigenes Leben. Ich könnte mir allerdings nicht vorstellen, gar keinen Kontakt zu ihr zu haben. Für mich ist das generell kein Weg, mit Konflikten umzugehen und glaube mir, auch zwischen ihr uns mir ist und war nicht immer alles eitel Sonnenschein. Das ist sicher auch normal in einer Mutter-Kind-Beziehung. Ich glaube Dir, dass Du sehr leidest. Aber weißt Du, wir können diesen Menschen einfach nicht helfen. Sie werden die eisige Mauer des Schweigens nicht durchbrechen, wenn sie es nicht wollen. Ich wünsche Dir sehr, dass Deine Tochter irgendwann zu Dir zurück kehrt. Das Problem ist, dass der Weg zurück immer schwieriger wird, je länger das Schweigen anhält. Ich für meinen Teil weiß nicht, ob es für mich einen Weg zurück geben wird. Denn ich habe wirklich sehr gelitten in den letzten Tagen, das kann ich für mich und meine Familie einfach nicht länger verantworten. Wer sagt mir denn, dass ich Gleiches mit ihr nicht noch einmal erleben würde, liese ich mich erneut auf einen Kontakt ein? Ich kann es nicht beantworten. Und wir müssen aufhören, die Schuld bei uns zu suchen, denn auch wir haben nur EIN Leben…

        Alles Liebe und viel Kraft für Dich!

        Pauline

        1. Ja, Pauline,
          auch meine Tochter hat mich zum zweiten Mal verlassen. Das erste Mal war sie knap über 18, als sie mitten in der Nacht ausgezogen ist, aber sie machte eine Szene. So gab es wenigstens einen Grund, weshalb sie gegangen ist. Als wie dann nach ca. 9 Monaten wieder Kontakt hatten, wurde alles gut. Jedoch hatte ich all die Jahre immer Angst davor, dass sie wieder gehen könnte. Oft wollte ich mir ihr über den damaligen Auszug und den wahren Grund sprechen, jedoch blockte sie immer ab. Sie hat mir damals sehr weh getan. Sie erzählte mir, sie sei vergewaltigt worden. Ich habe so reagiert, dass ich ihr sagte, dass der Mann angezeigt werden muss, denn sonst passiert das anderen Mädchen auch. Und dann begann eine Szene, die mir genau sagte, dass diese Geschichte nicht wahr ist. Ich habe nachgefragt und konnte ihr alles widerlegen. Als sie dann in der Enge war, sagte sie dass es ein anderer gewesen sei. So machte sie 3 verschiedene Männer für etwas verantwortlich, was nie geschehen ist.
          Viel später, etwa 1/2 Jahr vor der Funkstille, erklärte sie mir, dass das damals alles gelogen war. Ich wußte das natürlich schon von Anfang an. Sie wollte mir damit weh tun, ganz bewußt weh tun, weil ich ihr einmal erzählte, als sie erst Nachts um 1/2 3 Uhr nach Hause kam und ich in einen Weinkranpf ausbrach, dass ich mit 15 auf brutalste Art und Weise vergewaltigt wurde.

          Damals ging sie mit dieser Geschichte, die mir sehr weh tat. Vor 1 Jahr ging sie ohne ein Wort.
          Beides ist extrem verletzend und schmerzhaft.

          Ich frage mich, warum wissen das die psychologen nicht? Sie ist in Psychologischer Behandlung, berichtete sie meiner Mutter. Ich kann mir das nicht vorstellen, denn ein Psychologe sollte das doch kennen, wie schmerzhaft das ist, sicherlich für beide Teile.

          Zumindest kennt das meine Psychologin.

          1. Liebe Tine,
            ich habe deine Worte gelesen und das alles tut mir sehr leid, was dir widerfahren ist. Ich finde deine Tochter reagiert verwöhnt oder ist sich auf jeden Fall nicht bewusst, was für eine liebe Mutter sie hat. Ich hatte in meiner Jugend auch Probleme, bin auch von zu Hause fort, einige Male, aber es war weil mein Vater mich angegriffen hatte und meine Eltern in Scheidung waren und es keinen LIEBEN Kontakt gab. Aber du hörst dich an, als seist du eine liebende, fürsorgliche Mutter und deine Tochter verlässt dich einfach so, ohne richtigen Grund. Klar machst du dir Sorgen um sie, was sie wohl tut und wie es ihr geht. Aber du darfst dich nicht kaputtmachen lassen von ihr. Das gibt es, Menschen die andere kaputtmachen. Ich wünsche dir das nicht. Versuch dich abzulenken, unbedingt. Ich habe schon hier im Forum geschrieben, am 27.12.13 unter ‘Else’ und darin kannst du lesen was mir passiert ist mit meinem Bruder…Ich wünsche dir einfach, dass du dich nicht von den Umständen unterkriegen lässt, ich finde deine Tochter sehr egozentrisch, denn es ging ihr ja gut bei dir, du bist lieb zu ihr, aber sie weiß nicht wie gut du bist, bis sie andere Erfahrungen gemacht hat mit dem Leben. Sie ist launisch und dass du so eine Tochter hast, schmerzt dich denn du hattest dir wahrscheinlich ein anderes Leben mit ihr vorgestellt, jetzt wo sie erwachsen ist. Ich hatte mir auch einen liebenderen Bruder vorgestellt. mit dem man immer wieder auch mal reden konnte. Aber das war nie der Fall in unserem ganzen Leben, waren wir noch nie ein paar Minuten glücklich zusammen. Ich wünsche dir mehr Kraft sie loslassen zu können, wenigstens im Augenblick, versuche sie zu vergessen, sie ist nicht gut zu dir und du leidest.
            Ich habe das auch durchgemacht, es ist schwer aber jetzt kann ich mich zurückhalten, lese ein Buch anstatt zu leiden, und lenke mich so ab vom fehlenden Kontakt. Alles Liebe wünsche ich dir von Herzen und ein gutes Neues Jahr für dich von mir.

          2. Liebe Tine,

            Ich habe mir kurz deine Beiträge durchgelesen und wollte etwas dazu schreiben! es scheint mir, dass deine Tochter nicht verwöhnt aber eher verzweifelt und überfordert ist. Wenn man vergewaltigt wurde nimmt man oft sein Leben lang eine Opferrolle ein und meint man könnte sich alles erlauben! Man übersieht dabei, dass viele mit einer solchen Info nicht umgehen können, und es auch nicht notwendigerweise müssen! Warst du in Therapie und hast alles aufgearbeitet? Es könnte auch sein, dass du unterbewusst zum Täter geworden bist und deine Tochter eingesperrt hast, bzw sie an dich gebunden hast, aus welchem Traumata auch immer!

            Ich bin von 4-6 Jahren wöchentlich missbraucht worden und hab nach einer zehnjährigen Therapie aufgrund von Depressionen und einem posttraumat. Syndrom im Alter von 16 selbst nur Lügen erzählt! Also meinen Eltern! Oder Fakten verschwiegen! 10 Jahre später Wissen meine Eltern noch immer nichts davon. Sie sind komplett überfordert, also hab ich meine Andeutungen zurückgenommen! Indem du ihr gesagt hast, sie müsse den Typen anzeigen hast du sie bedrängt und sie darüber hinaus für zulünftige Schäden, die diese Person anrichten könnte verantwortlich gemacht! Ich an ihrer Stelle würde wirklich hier blockieren, da es das persönlichste Thema überhaupt für
            Mich ist! Es missfällt mir, dass du ihr nicht glaubst! Selbst wenn es Lügen sein mögen, hat sie ein schweres aufmerksamkeitsdefizit! Indem du ihr von deinen Erlebnissen erzählt hast, hast du sie zum Elternteil gemacht ! Sehr schwierige Situation

        2. An Simone (28.12.13) 11:oo Uhr
          Hallo liebe Simone, leider wurde auch ich während mehreren Jahren sexuell missbraucht (im Alter von ca. 8-10 Jahren) und später auch leider vergewaltigt (27 Jahre) und meine Mutter hat überhaupt nichts unternommen, da sie Angst vor der Polizei hatte und wir im Ausland leben mussten. Ich habe diese Fakten nur teilweise vergessen können. Vielleicht war es gut, dass aus der Vergewaltigung nichts Großes passiert war, denn irgendwie habe ich es vergessen können, obwohl ich Todesangst dabei hatte und danach. Was den Missbrauch angeht, ist leider immer noch sehr viel da, ich kann es nie vergessen und das ist Scheiße. Mit ‘verwöhnt’ meinte ich nicht materiell, sondern was die Aufmerksamkeit mütterlicherseits angeht, evtl. wäre ein verständnisvoller, beschützender Vater besser. Man kann Menschen mit zuviel Aufmerksamkeit beschweren und belasten, wenn sie eigentlich etwas anderes suchen oder nicht mit einer bestimmten Aufmerksamkeit umgehen können. Mit meiner Mutter bin viele viele Jahre alleine gewesen nach ihrer Scheidung und unsere Beziehung war nicht gut milde gesagt, da ich ganz andere Bedürfnisse hatte als sie. Sie sehnte sich nach ihrem Mann und nach Arbeit die sehr schwer zu finden war, ich nach einem eigenen Leben mit Arbeit und Freunden, aber wir waren beide unglücklich in der Suche (die Gründe will ich hier nicht erläutern, obwohl sie sehr sehr wichtig sind). Eine Beziehung zwischen Mutter und Kind ab einem bestimmten Alter wird total ungerecht beiden gegenüber, wenn die Familienverhältnisse unausgeglichen sind und unerfüllt was die Basisanforderungen angeht.
          Der eine sucht dies, der andere jenes. Wenn beide Suchen nicht mal teilweise erfüllt werden (ob materiell oder geistig) gibt es automatisch eine total verrückt spielende Waage in der Beziehung und man findet keine aufbauende Richtung um Ziele zu erreichen. Meiner Meinung nach hat Tines Tochter schon etwa gefunden, was sie am Leben hält und mehr interessiert als ihre Mutter. Natürlich ist der Abbruch total schmerzhaft, aber er scheint sehr entschieden zu sein.
          Also missverstehe meine Worte nicht bzgl. ‘verwöhnt’ sein, denn das ist nicht ok.
          Viele Grüße von Else

          1. Zitat:
            “Mit ‘verwöhnt’ meinte ich nicht materiell, sondern was die Aufmerksamkeit mütterlicherseits angeht, evtl. wäre ein verständnisvoller, beschützender Vater besser. Man kann Menschen mit zuviel Aufmerksamkeit beschweren und belasten, wenn sie eigentlich etwas anderes suchen oder nicht mit einer bestimmten Aufmerksamkeit umgehen können. ”

            Liebe Else, danke für diese Worte!!!
            Beides war der Fall, sowohl materiell als auch mit Aufmerksamkeit wurde meine Tocher verwöhnt.
            Auch der verstänsnissvolle, beschützende Vater hat gefehlt. Es gab und gibt zwar einen Vater, der auch körperlich anwesend war und ist, der sich jedoch nicht um die Familie kümmert/e.
            Leider ist mein Mann seelichs auch schwer krank und das aller Schlimmste ist, dass er keine Hilfe will und zulässt.

            Zitat:
            “Eine Beziehung zwischen Mutter und Kind ab einem bestimmten Alter wird total ungerecht beiden gegenüber, wenn die Familienverhältnisse unausgeglichen sind und unerfüllt was die Basisanforderungen angeht. ”

            Danke auch für diese Aussage, die mit Sicherheit zutreffend ist.

            Zitat:
            “Meiner Meinung nach hat Tines Tochter schon etwa gefunden, was sie am Leben hält und mehr interessiert als ihre Mutter. Natürlich ist der Abbruch total schmerzhaft, aber er scheint sehr entschieden zu sein.”

            Danke auch für diese Aussage.

            Meine Tochter ist 33 Jahre alt und verheiratet.
            Hier kommt noch hinzu, dass ihr Ehemann zu seiner Familie kaum Kontakt hat, er will das nicht und ist das auch nicht anders gewohnt. Er kommt aus einem ganz anderen Milieu als wir. Dazu noch eine vollkommen andere Örtlichkeit:
            Zonengrenze Bayern/Thyringen. Er wohnte in einem Haus mit den Eltern in oberen Stochwerk, die Eltern seiner Mutter wohnten unten. Man hatte zueinander keine Beziehung, grüßte sich nicht. Auch heute noch, wo die Oma schon 85 Jahre alt ist, fährt man sie nicht zum Arzt, wenn sie krank ist, da heißt es:” dort fährt der Bus.”

            Bis kurz vor ihrem Auszug wollte meine Tochter noch dass wir unser Haus verkaufen, und die Eigentumswohnung, in der sie wohnte. (110 qm) Wir sollten uns mit ihr zusammen ein Doppelhaus kaufen. Für sie eine Hälfte und für uns eine Hälfte. Sie wollte dazu sogar einen Immobilienmakler beauftragen.
            Ich habe sehr wohl bemerkt, dass das dem Schwiegersohn nicht gefiel und war zurückhaltend. Dann kam noch der Abgang des geplanten Kindes im 3. Monat, der für meine Tochter sehr belastend war.
            Dann der Rückzug. Ich habe schon Dinge wahr genommen, die ich nicht einordnen konnte, wie z.B. einmal einen Satz:
            Eigentlich kann man auch in einer 50 qm Wohnung leben.

            Ich danke euch allen recht herzlich für euere Worte, die mir sehr gut getan haben, die mich viel zum Denken gebracht haben.

            Meine Tochter hat sich entschieden, ein neues, anderes Leben zu leben. Ob ich will oder nicht, ich muss das akzeptieren und respektieren.
            Und ich werde das respektieren uns akzeptieren. Es ist ihre Entscheidung. Trotzdem darf mir das weh tun, sehr weh tun. Und ich wünsche das keinem, diese Schmerzen aushalten zu müssen. Jeder Mensch, der ein Trauma erlebt hat, weiß, wie sich das anfühlt.
            Tine

  34. ………”Würde meine Mutter versuchen Kontakt aufzunehmen, zu fragen und zu verstehen, wäre ich bereit mich dem zu stellen………

    Auch das habe ich versucht und wurde zurückgewiesen. Daraufhin wurde die Wohnung gekündigt, alle E-mail Adressen gekündigt, sogar der Beruf aufgegeben. Ein Kontakt wird nicht gewünscht.
    Und nun habe ich Angst, sehr große Angst, noch einmal einen Schritt auf meine Tochter zuzugehen.
    Ich muss dazu noch sagen, unsere Tochter war unser Ein und Alles. Wir haben sie sehr verwöhnt, sie ist unser einziges Kind, ich hätte nach meinem Unterleibskrebs kein Kind bekommen können wenn ich nicht diesen tollen Arzt gehabt hätte. Auch hätte ich kein weiteres Kind bekommen können.

    Tine

    1. Liebe Leser,

      ich freue mich über den gehaltvollen und substantiellen Austausch auf dieser Seite. Das gibt es nicht oft, dass Menschen sich so intensiv über Webseiten austauschen. Ich bin glücklich über diese sehr besondere Leserschaft, auch wenn die Thematik, über die wir uns alle zusammen gefunden haben, sehr ernst ist.

      Ich wünsche Ihnen trotz allem eine schöne Weihnachtszeit, Erkenntnis und Entlastung für 2014.

      Tina Soliman

  35. Hallo und Servus zusammen.
    Ich bin neu hier und zufällig auf diese Seite gestoßen, weil ich auch unter der Stille meiner einzigen Tochter extrem leide. Das geht nun schon 1 Jahr und Weihnachten steht vor der Tür.
    Zu einem :
    …“das hat mich jetzt wahnsinnig verletzt” ist zum Beispiel eine Alternative zur Funkstille! …..”

    Genau das ist der Satz, den ich meiner Tochter sagte, als sie mich sehr verletzte und das ist der Auslöser der Funkstille gewesen!!!!!

    Ich bin noch am Lesen der vielen Beiträge und werde mich sicherlich noch öfters melden.

    Danke für all euere Beiträge
    Tine

  36. Hallo, auch ich muss mich leider seit ein paar Tagen damit abfinden, dass ein lieber Mensch, den Kontakt zu mir abgebrochen hat. Ja, es sind erst ein paar Tage, aber es schmerzt ohne Ende und wenn ich das hier alles lese, dann habe ich wirklich Angst. Angst, dass mich diese Traurigkeit ewig gefangen halten wird. Auch ich kenne die Gründe nur ansatzweise, denke es hat damit zu tun, dass wir das Verhältnis von Nähe und Distanz nicht wahren konnten, beide nicht. Unser letztes Treffen vor einigen Wochen war so traumhaft. Es fiel uns danach sehr schwer, wieder in unseren jeweiligen Alltag zu finden. Mir fiel das noch schwerer und ich dachte, das geht immer so weiter mit uns beiden. Ich habe den Fehler gemacht und habe ihr zu oft und zu viel geschrieben, habe sie mit Anrufen genervt, es war einfach zu viel. Ich weiß das heute alles und würde es gern anders machen. Aber es ist wohl zu spät…

    Der Mensch ist meine Cousine und bis dato gleichzeitig liebste Freundin. Das fatale daran ist, dass wir uns erst vor kurzer Zeit durch einen Zufall gefunden haben. Unser Verhältnis war eng, sehr eng. Es ging sozusagen von Null auf Tausend. Wir dachten wohl beide, das hält für immer, fühlten uns als seelenverwandt, unbesiegbar und untrennbar. Unsere innige Verbundenheit hat uns nun wieder getrennt und es ist einfach nur furchtbar. Da ich zuvor so etwas noch niemals erlebt habe, trifft mich die Situation wie ein Hammerschlag. Ich fühle mich einfach schrecklich, ausgelaugt, traurig, meine Seele weint und ich oft genug auch. Ich vermisse sie so unendlich sehr.

    Aus meiner Sicht waren es eine Anreihung von Kleinigkeiten, die das Fass zum Überlaufen brachten, aber nichts, worüber man nicht hätte reden können. Dabei hätte ich es besser wissen müssen. Meine Cousine hatte eine schwierige Kindheit und hat weder zu ihren Eltern, noch zu ihren anderen Geschwistern Kontakt. Doch ich dachte, wir beide sind anders, stärker.

    Jeder Versuch, die Situation zu retten, ist bisher gescheitert, sie redet einfach nicht mit mir und ich habe wirklich Angst vor einem Abschied für immer. Wir wohnen weit auseinander, ich kann nicht einfach hinfahren und es würde wohl auch nichts bringen.
    Ich möchte meinen Kopf so gern frei bekommen, aber das funktioniert nicht. Ich erlebe alles das, was in dem Interview mit Frau Soliman beschrieben ist. Ein Abschied ohne Schlussstrich ist das Schlimmste, was ein Mensch einem anderen Menschen antun kann und so oft sind es gerade die Menschen, die man am meisten mag, die einen so schmerzhaft verletzen können.

    Natürlich habe ich noch eine eigene Familie und andere Freundinnen, aber dennoch, sie war und ist etwas Besonderes für mich und sie wird immer in meinem Herzen bleiben. Ich weiß, dass ihr Verhalten eine Schutzreaktion ist, sie hat ein anstrengendes Leben und schützt sich einfach vor emotionaler Überforderung. Ich weiß das alles und dennoch… Es tut so weh…

    Pauline

    1. Liebe Pauline, ich frage mich, was denn daran falsch sein soll, jemanden gerne anzurufen bzw. ihm viele Briefe zu schreiben und warum du jetzt den Fehler bei dir suchst. Ich meine inzwischen, dass der Kontaktabbruch das übliche Mittel von narzisstisch gestörten Persönlichkeiten ist. Lies mal das Buch des östereichischen Psychiaters Reinhard Haller, Die Narzissmusfalle. Und was sind das für Verhältnisse, wenn ein Mensch mit Eltern und Geschwistern nicht redet? Die von dir so vermisste Person ist vermutlich gar nicht in der Lage nachzuvollziehen, was du nun empfindest. Mein Rat: Gehe Menschen, die dir Schaden zufügen, obwohl du ihnen das Beste von dir gegeben hast, aus dem Weg. In dem Märchen vom Rumpelstilzchen hört der böse Zauber endgültig auf, nachdem das Böse mit dem richtigen Namen angeredet wird.

      1. Hallo Fratz, vielen Dank für Deine Antwort. Du hast sicher Recht. So wie ich und auch Menschen in meinem Umfeld, die Dinge sehe, leidet meine Cousine wahrscheinlich unter einer Persönlichkeitsstörung, sonst handelt man einfach nicht so. Wir waren uns so nah, wahrscheinlich eben zu nah. Sie konnte das wohl nicht länger akzeptieren, warum auch immer. Sie hatte vor irgend etwas Angst. Nur wovor, vor meiner Freundschaft, meiner Zuneigung? Kann man davor Angst haben? Sie war für mich da, als Ende Oktober eine Freundin von mir starb, jetzt ist mir als habe ich zwei Menschen verloren. Ich werde es nie verstehen.
        Zwischen uns sind keine Dinge vorgefallen, über die man nicht hätte reden können. Es sind einfach lapidare Missverständnisse, ich habe sie weder verletzt noch beleidigt. Nichts von alledem. Ich dachte immer, wir beide stehen mitten im Leben, wir sind keine Teenager mehr, sondern erwachsene, intelligente Frauen, ich 46, sie 52 Jahre alt. Trotzdem stehen wir nun voraussichtlich am Ende unseres kurzen gemeinsamen Weges. Das tut weh, ich fühle mich hilflos und suche trotzdem die Schuld bei mir. In mir ist auch keine Wut und kein Hass, nur Sehnsucht, denn ich habe sie immer noch lieb. Das ist das Schlimmste…
        Ich weiß nicht, was sie fühlt, aber sie kennt mich und weiß zumindest, dass ich ein sehr empfindsamer Mensch bin und ich weiß, dass sie mich auch sehr gern hatte. Umso unverständlicher ist mir das alles. Wenn ich einen Weg wüsste, dann würde ich ihn gehen. Auf diese Art verlassen zu werden, bricht einem Menschen das Herz.

        Pauline

        1. Hallo, Pauline, leider muss man die bittere Erfahrung machen, dass manche Menschen, denen man im Leben begegnet, so gestrickt sind. Davor gewarnt hat mich leider auch keiner. Das Schlimmste aber, was man sich antun kann, aufgrund seiner – durchaus echten – Gefühle für diese Menschen dem Irrtum zu erliegen, man könnte bei diesen etwas bewegen, und alles würde wieder gut. Leute, die einem das Herz brechen, haben deine Gefühle nicht verdient, und ihnen hinterherzutrauern ist, wenn man dafür keine emotionale Grenze bei sich zieht, ein Akt der Selbstschädigung. Solche Leute sind nicht koscher. Es ist besser, ihnen aus dem Weg zu gehen. Man sollte auch nicht versuchen, aus edler Motivation heraus ihnen zu “helfen” oder zu “heilen”. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen Menschen, dabei müssen die Parameter stimmen. Es darf nicht sein, dass man sich einseitig verausgabt. Lass dich nicht ausnutzen. Niemals.

          1. Hallo Fratz, Deine Worte tun mir echt gut und ich versuche es auch wirklich unter diesen Gesichtspunkten zu sehen. Ich war immer bereit, sehr viel Gefühl und Zuneigung in die Beziehung zu meiner Cousine und Freundin zu investieren und ich habe es auch zurück bekommen. Als meine gute Freundin im Oktober starb, war ich zur Kur an der Ostsee. Meine Cousine wusste, dass es mir nicht gut ging und ist fast 1000 Kilometer mit dem Zug zu mir gefahren. Das waren Dinge, die mich so sicher machten, dass wir beide einfach zusammen gehören und uns nichts trennen kann. Und nun das, wenige Wochen später, aus heiterem Himmel… Ich bin versucht, ihr zum Beginn des neuen Jahres noch einmal zu schreiben, ein letztes Mal. Aber ich habe auch Angst vor einer neuen Kränkung oder vor einem weiteren Schweigen. Ich weiß nicht, ob ich das machen soll. Unsere Geschichte, unser Kennenlernen an sich war und ist so etwas besonderes und ich habe niemals geglaubt, dass diese Frau so unnachgiebig und hart sein kann. Manchmal denke ich, ich träume und muss doch mal wieder wach werden, aber die Realität sieht eben anders aus. So kurz vor Weihnachten ist das eine besondere Härte für mich. Es tut schon gut, hier zu lesen und sich ein wenig auszutauschen und zu wissen, dass man mit einem solchen Problem nicht allein dasteht. Danke!

            Pauline

  37. * Verzeihen, auch sich selbst! * Lernen * Lieben, auch sich selbst *

    Hallo Sabine, hallo Simone,

    vielen Dank fuer Eure interessante Konversation!

    Auch ich erlebe seit nunmehr zweieinhalb Jahren eine Funkstille, die mich noch bis vor einem Jahr mindestens zeitweise an den Rand der Verzweiflung gebracht hat: meine damalige Freundin verliess mich, ohne mir Gruende zu nennen, die ich als nicht veraenderbar verstehen konnte und ohne mir einen Abschied zu geben.

    Mittlerweile jedoch geht es mir wieder gut. Das liegt zum einen daran, dass ich eine neue, wundervolle Liebe gefunden habe. Zum anderen aber daran, dass ich verziehen habe: meiner damaligen Freundin – und vor allem MIR !

    Denn was mich fast zwei Jahre lang aufgefressen hat, war das Gefuehl von Schuld: irgend etwas unfassbar Schreckliches musste ich doch gemacht haben, dass dieser tolle Mensch, der kurz vor der Trennung noch eine gemeinsame Zukunft mit mir planen wollte, nicht ein einziges Wort mehr mit mir reden will. Aber was genau? Sie sprach von verletzenden Situationen und Saetzen, konkretisierte dies jedoch trotz meiner flehenden Bitte nicht. Seitdem herrscht Funkstille.

    Dass ich Fehler gemacht habe, ist und war mir klar, und ich habe sie teils schnell, teils erst mit laengerem Abstand eingesehen und meine damalige Freundin dafuer wirklich ehrlich um Verzeihung gebeten.

    -> Inzwischen aber habe ich auch MICH dafuer um Verzeihung gebeten. Und ich habe sie mir gewaehrt:
    Es gab damals Gruende, warum ich so agiert habe. Zwar war mein – und ihr – (Re)Agieren oft dennoch falsch, aber an des Lebens Hobelbank fallen nun mal verdammt viele Spaene. Entscheidend für mein Mir-Verzeihen ist, dass ich zuvor mehreres getan habe:
    – ich habe sehr lange nachgedacht und endlich festgestellt, warum ich so gehandelt habe und was fuer mich der wahrscheinlichste Grund ihres Handels ist
    – ich habe sie für meinen Teil aufrichtig um Verzeihung gebeten und ich habe ihr ihren Teil verziehen
    – ich habe daraus gelernt.

    Ich habe daraus gelernt,
    – was ich kuenftig in der Interaktion mit Menschen anders machen will; ganz besonders mit dem Menschen, der mir am naechsten steht.
    – wann ich Menschen in meinem Umfeld und insbesondere meinen Partner um einen anderen Umgang mit mir bitte und wie ich das tun kann, ohne zu verletzen, nicht zuletzt aber auch, ohne mich selber zu weit zurückzunehmen oder gar aufzugeben!
    Ich hoffe, dass ich es so schaffen kann, nie wieder die Hoelle einer neuen Funkstille erleben zu muessen.

    Gerne wuerde ich nun meine damalige Freundin mal wieder treffen. Jetzt nicht mehr, um unbedingt ihre Verzeihung zu bekommen. Sondern vor Allem weil ich glaube, dass Menschen, die einander einmal so nahe standen, sich noch immer mindestens so viel zu sagen haben, dass es “fuer eine Tasse Kaffee und ein Stueck Kuchen” reicht. Fuer ein solches Treffen ist es, glaube ich, eigentlich nie zu spaet.

    Es waere einfach sehr schoen, wenn wir das hinkriegen wuerden – lebensnotwendig aber ist es fuer mich ist es nicht mehr. Weil ich uns verziehen habe.

    1. Hallo Rolf,
      ich freue mich für Dich, dass es Dir wieder gut geht.
      danke für Deine(n) aufschlussreichen (auch früheren) Kommentar(e). Ich habe mich eben mal von 2011 nach oben gelesen.
      Die meisten Deiner Ansichten kann ich blind unterschreiben, insbesondere Deine Ausführungen zu Schuld versus Verantwortung. Das wäre meine absolut favorisierte Herangehensweise auf Probleme. Gelernt habe ich auch. Heute würde ich einen Kontakt eher eine (ggf. lange) Zeit lang ruhen lassen – also eine Pause vereinbaren, bis sich die eigenen Emotionen soweit „abgekühlt“ haben, dass eine objektivere Betrachtungsweise aus den verschiedenen Blickwinkeln mit der nötigen Empathie für das Gegenüber überhaupt erst möglich wird. In der Hoffnung, dass dann auch eine Klärung erfolgen kann. Das jedoch ist aber auch nur zu zweit möglich, verweigert der Andere die erhoffte Klärung, hilft das auch nicht wirklich. Ich denke, da bleibt einem gar nichts anderes mehr übrig als los zu lassen.
      Viele Grüße

  38. Liebe Simone,
    ein Fass wir nie nur einseitig gefüllt!
    wenn Du bereits mehrmals vergeblich versucht hast mit Deinem Ex-Partner Kontakt aufzunehmen, dann achte vor allem ganz besonders darauf achtsam mit Dir selbst umzugehen. Vielleicht möchte er wirklich keinen Kontakt, ich weiß, es ist ganz furchtbar schwer zu akzeptieren, aber wenn jemand auf Kontaktversuche nicht reagiert, ist es demjenigen wohl ziemlich egal wie Du Dich dabei fühlst und dass es für Dich existenziell wichtig wäre. Es ist SEINE egoistische Entscheidung Dich abzublocken, er möchte sich nicht mit Deinem Leid auseinandersetzten.
    Depression hin oder her. Auch Menschen ohne Depression befinden sich manchmal in sehr schwierigen Lebenssituationen, wissen nicht weiter, brauchen eine Hand oder ein paar gute Worte und sind verletzbar. Ihr Leid ist nicht „weniger“ Wert und deshalb zu ignorieren nur weil das Leid des Gegenübers real viel größer ist.
    Mach Dir nicht so viele Vorwürfe, dass Du besser auf seine Depression hättest reagieren müssen. Du konntest es eben in dieser Situation nicht. Punkt. Was zählt ist, dass Du versucht hast es besser zu machen, dass Du versucht hast den Kontakt wieder herzustellen, dass Du den besten Willen hattest es besser zu machen.
    Insofern ist der Rat Deiner Freunde loszulassen, weise und beweist ihre Freundschaft zu Dir.
    Aber Liebe kann sich trotzdem niemals lächerlich machen. Sie ist einfach:
    „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
    Die Bibel, 1. Kor 13,4-7
    Zu Deiner Freundin: ja, manchmal ist es zu spät und man fragt sich ein Leben lang, ob es das wert war. Natürlich war es das nicht wert und diese Last wird man – bzw. – ich bei meinem „Vergehen“ zumindest – nie mehr los. Ich will es auch gar nicht los werden. Die Erinnerung daran ist eine Mahnung für mich zu versuchen es in Zukunft besser zu machen.
    Im Fall meiner (ebenfalls depressiven) Freundin war das Problem wohl auch, dass es funktionierte, solange es mir gut ging, Ich konnte mich zurück nehmen und hatte Geduld. Nur als ich familiär in eine schwierige Phase kam, ging das nicht mehr so einfach, weil ich selbst nicht mehr ein noch aus wusste. Mein „Fehler“ war von ihr – in ihrer wirklich sehr schlimmen Lebenssituation – Zuspruch zu erwarten. Stattdessen hat sie mich „abgebügelt“, weil ich mich nicht wie früher verhalten konnte. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich das verletzt hat. Nicht das nicht auf mich eingehen konnte – geschenkt – ging nicht – sie war in Trauer und krank, aber das Nachtreten, das war nicht in Ordnung. Darüber hätte man zwingend reden müssen. Ich habe es nicht geschafft das zu vermitteln, sondern bin verletzt weggerannt. Das war natürlich unreif. Aber nicht mehr zu ändern – leider.

    1. Sehr viel von dem, was du gesagt hast, berührt mich. Vor allem erkenne ich in deinem letzten Absatz ein paar Ähnlichkeiten, was den Umgang mit Depressionen anbelangt.

      Es ist wirklich schwierig, wenn sich jemand plötzlich ändert. Oder wenn man nur das Gefühl hat, einseitig zu geben. Ich habe bei meinem Ex-Freund anfangs eine leichte Veränderung gemerkt, dann kamen die Schlafstörungen, dann die Gereiztheit, das Schweigen, die Gewichtsabnahme. Ich wusste mir auch nicht zu helfen. Ich bot ihm ständig Hilfe an, aber er meinte ihm würde nichts helfen, er müsste das nur mit sich allein klären. Das tat mir sehr weh – da ich mich noch hilfloser gefühlt habe. Ich habe ihm daraufhin gesagt, dass ich gut für mich selbst sorgen werde, um ihm ein wenig Verantwortung abzunehmen. Ich hab mir irgendeine Anerkennung erwartet. Es kam nichts. Als würde ich nicht existieren. Das war einfach sehr belastend. Es ging nur um ein paar Wochen. In der Zeit sass er zuhause und ich arbeitete, lernte für meine Diplomprüfung und versuchte eine neue Wohnung zu finden. Und wenn ich ihn am Abend kontaktierte, kam, er hätte jetzt keine Zeit etc. Ich hab auch öfters mal geweint, und er war dann wieder zornig, weil er meinte, dass er sich jetzt um mich kümmern müsste, wo er doch so viel Zeit für sich brauchen würde.

      Irgendwie konnte ich nicht anders zu der Zeit, der Umzug, neue Job, die Abschlussprüfung. Naja, ich mache mir bis heute Vorwürfe, da es ja auch nie ein klärendes Gespräch gab und ich nie wieder was von ihm gehört habe.

      Was ich aber aus dieser Sache erkenne ist, was es heisst, wenn jemand depressiv ist. Oder depressiv verstimmt. Es ist wirklich nicht nur schlechte Laune. Sondern die Leute müssen ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich lenken und dass wahrscheinlich auch zu recht. Da hat nichts anderes mehr Platz, was sehr schade ist, aber vl. brauchen die Leute es in diesem Moment wirklich. Man weiss ja nie, was wirklich hinter eine Depression steckt.

      Ich kann deine Gefühle wirklich gut nachvollziehen. Es ist sehr frustrierend, wenn man alles tut, und nichts kommt. Es ist eine Form von missachtet werden, oder so empfand ich das damals.

      Hast du vor deiner Freundin noch einmal zu schreiben?

      1. Liebe Simone,
        ich weiß es nicht, manchmal denke ich ja, ich werde einen langen Brief aufsetzen auch wenn er möglicherweise ungelesen im Müll landet und/oder nicht beantwortet wird. Aber es ist so viel – vielleicht zu viel Zeit verstrichen, 9 Jahre sind mitunter ohnehin nicht mehr überbrückbar, wozu also? Das ist traurig und sehr schade, weil ich manches aus dem Abstand der Jahre und der inzwischen dazugewonnenen Lebenserfahrung heute ganz anders werten würde, ich sehe die Dinge „mit älteren“ Augen als damals und kann sie heute viel besser verstehen.
        Wahrscheinlich hätte ich schon damals sehr schnell versucht die Dinge wieder ins Lot zu bringen, aber ich war selbst in einer, sagen wir mal Zeit- und Kräfte raubenden Lage. Eine schwierige Trennung und Scheidung von einem Exmann mit absolutem Vernichtungswillen mir gegenüber, weil ich es wagte zu gehen, der mich jahrelang überwacht hat (habe ich erst hinterher erfahren) stand unmittelbar bevor. Es war ein Alptraum aus Existenzängsten und um die Kinder. Parallel dazu war mein Vater inzwischen in Pflegestufe II, wollte verständlicherweise nicht in ein Pflegeheim und so ich hatte quasi 2 Haushalte zuzüglich zur Pflege am Bein. Dummerweise lagen zwischen beiden Haushalten 65 km einfache Fahrt. Dazu kamen noch ein paar Jahre lang nacheinander andere Dinge angerollt, die letztlich als Folge der Trennung zu betrachten sind. (Prozesse, Umzüge, das ganze chaotische Programm halt).
        Egal, Fakt ist jedenfalls, dass ich jahrelang ziemlich verzweifelt immer nur auf das was gerade anstand reagiert habe und gar keine Zeit und Kraft hatte für anders. Ich habe trotzdem so viel an sie gedacht und mich ihr Gedanken mit ihr unterhalten, mir fällt aber weder heute noch damals eine andere Lösung ein, als miteinander zu sprechen, um die Ursache der Verwerfung an die Oberfläche zu buddeln.
        Seit einer ganzen Weile ist mein Leben Gott sei Dank wieder „ganz langweilig“ und geregelt. Und ich hätte jetzt wieder die Zeit, die Kraft und die Geduld mich zurückzunehmen. Ich bin wieder „zumutbar“. Aber: Besteht das Wesen der Freundschaft nicht eigentlich gerade darin den anderen auszuhalten wenn er nicht „zumutbar“ ist?!
        Und wie beginnen? Soll ich für mein – zweifelsohne unverzeihliches Verhalten – um Entschuldigung bitten? Hieße das aber nicht auch, die – von Dir so klar und richtig formulierte – „Form der Missachtung“ mir gegenüber zu akzeptieren und zu tolerieren? Und trotzdem, wie gerne würde ich mit ihr sprechen, in der Hoffnung, eine neue oder überhaupt eine Basis des Verstehens zu finden.
        Im Übrigen habe ich dieses Buch „Funkstille“, dass ich jetzt im Oktober erst entdeckt und in ein paar Stunden durchgelesen habe, an meine Freundin mit kurzem, lieb gemeintem Gruß gesendet. Reaktion: Null. Für mich heißt das klar, sie will nicht und das ist ihr gutes Recht. Also was soll ich ihr jetzt noch groß einen Brief hinterhersenden? Hätte das nicht lediglich den Zweck der Rechtfertigung mir selbst gegenüber, nichts unversucht gelassen zu haben? Und ich habe einfach Angst, ihr auf die Nerven zu fallen. Ich unterstelle – möglicherweise zu Unrecht – : hätte sie auch nur einen Funken Interesse an unserer (gewesenen) Freundschaft oder an mir als Mensch, hätte sie irgendwann von sich aus versucht Kontakt aufzunehmen oder aber zumindest jetzt reagiert. Vielleicht habe ich sie auch so tief verletzt, dass sie mir nicht vergeben kann und ich bin für sie – ganz simpel – „gestorben“.
        Ich habe ziemlich viele Bücher über Depression gelesen, es ist für Angehörige und Freunde aus den schon von Dir genannten Gründen schwer damit umzugehen. Ich bin auf ganzer Linie daran gescheitert, meine Reaktionen waren offenbar weder adäquat, noch genug… ich weiß nicht weiter. Ich kann nur sagen, ich denke, ich habe mich jahrelang aus tiefstem Herzen bemüht.
        Ich bin einfach nur traurig, dass es so ist, wie es ist.
        Sabine

        1. Liebe Sabine,

          ich verstehe dich nun ein wenig besser, oder kann mir ein besseres Bild von deiner Situation machen.

          1. Es ist nie zu spät. Es kommt nur auf den richtigen Moment an
          2. Man macht immer alles für sich und nicht unbedingt für andere.

          Auch wenn du ihr einen Brief schreibst, dann schreibst du diesen, weil es dir gut tut, oder du es willst. Das ist mal die Hauptsache. Ich würde mich auch nicht unbedingt rechtfertigen, da es noch so viel unausgesprochene Dinge gibt und dies dann nur dazu führt: dass du dich entschuldigst, keinen Nachricht erhälst, und dich wiederum wieder ärgerst und erneut gekränkt bist.

          Bei meiner Schwester ist es ähnlich, es hilft nichts und es hat auch nichts geholfen. Seit 5 Jahren nun. Auch bei meinem Ex-Freund, nichts. Manchmal denke ich, dass es vl. auch an mir liegt, da ich ja der gemeinsame Nenner bin. Egalite.

          Du hast so gehandelt, weil du es so für richtig empfunden hast. Und sie auch. Die Frage ist nur, wie lange du dich dafür “bestrafen” willst und ob du dir auch nicht mal selbst verzeihen willst. Ich würde ein einfaches: Ich vermisse dich. Ich würde dich gerne sehen und mit dir reden, schreiben. Die Vergangenheit einfach mal ruhen lassen. Wichtig ist auch, dass du dich gut positionierst und dich weder als Täter oder als Opfer fühlst. Es ist so passiert.
          Vorsichtig muss man immer mit psychologischen Ratschlägen sein. Damit stellt man sich leicht über andere und wer ist man schon, um den Knacks anderer Leute beurteilen zu können. Vl. war das Buch lieb gemeint, aber sie hat es vl. als Provokation aufgenommen.

          Und dann irgendwann kommt es nicht mehr auf dich an. Es gibt nämlich auch die andere Seite, die wachsen und erkennen muss. Wer weiß, was bei ihr wirklich dahinter steckt.

          Aber das ist jetzt bitte nur meine Interpretation und Meinung und das, was ich mir aus meinen bisherigen Erfahrungen zusammenreime.

          Ich finde nur, dass irgendwann der Zeitpunkt auch gekommen ist, um sich selbst und auch anderen zu vergeben. Man gerät immer wieder in herausfordernde Situationen. Man kann das nicht vermeiden, außer man gehört zur Kategorie “Sonnenschein” und “Glücksmensch”. :)! Ich kenn niemanden, der fehlerbefreit ist.

          Irgendwie erinnert mich das ganze an folgendes Lied: http://www.youtube.com/watch?v=PK-E1f-YKBA

          1. Liebe Simone,
            vielen Dank für Deine aufbauende Antwort. Wie Recht Du hast mit Deinen Ausführungen unter Punkt 1. und 2.
            Auf die Idee, dass das Senden des Buches als Ratschlag meinerseits oder als Provokation aufgefasst werden könnte, bin ich überhaupt nicht gekommen. Da ich den Kontakt abgebrochen habe, sah ich darin eigentlich einen verspäteten Erklärungsansatz, wie so etwas zustande kommen kann, bzw. was in mir vorgegangen ist. Das war die Intention. Die ganze Aktion war auch sehr spontan, ich hatte das Buch kaum 24h vorher durchgelesen. Aber daran kannst Du mal sehen wie unterschiedliche Dinge aufgefasst werden können, ohne dass man das beabsichtigt hat.
            Über Deine Idee werde ich nachdenken. Mir ist ohnehin klar, dass es so passiert ist. Mir geht es auch nicht um Vergebung – habe ich – von meiner Seite aus – eh längst verziehen (mir selbst nicht, will ich auch nicht). Verständnis für mein eigenes Handeln habe ich durchaus, ich weiß wie es zustande kam, trotzdem hätte ich anders handeln können, es aber bewusst nicht getan. Das bleibt.
            Danke für den Youtube link, ich habe den Text erst mal gegooglt, der schottische Text ist ja nicht so einfach zu verstehen. Und ja, das trifft es ziemlich genau, ein sehr schöner Text.
            Viele Grüße

      2. Hi Simone,

        JA!

        nach einem Jahr des Nachdenkens habe ich das neue Buch von Tina Soliman zum Anlass genommen und habe Ihr noch einmal geschrieben und das zweite Buch beigelegt und heute kam ein sehr liebevoller Brief von ihr….. Manchmal muss man den ersten Schritt wohl einfach mehrfach machen. Ich bin sehr dankbar dafür dass dies passiert ist.

        Viele Grüße
        Sabine

  39. Ich habe einige Beiträge hier gelesen. Vor allem verstörend finde ich die Abbruchgründe von einigen. Als würdet ihr fehlerfreie Menschen sein. Zu gehen und sich nicht seinen Problemen zu stellen ist mitunter die schwächste Verhaltensweise, die mir bisher begnet ist.

    Irgendwie kommt mir das sehr narzisstisch oder egozentrisch vor. Kein Mensch handelt absichtlich schlecht, bis auf wenige Ausnahmen. Alle machen Fehler, alle. Niemand sollte hier den Moralapostel spielen. Und sich noch darüber zu erheitern, dass es der Familie schlecht geht, oder dass sein Racheplan aufgeht. Irgendwie widerlich!

    1. Hallo Simone,
      ich will mal versuchen es zu erklären:
      Sicher sind viele Gründe für einen Kontaktabbruch verstörend (vor allem unter der Prämisse, das wir alle sterblich sind und nur dieses eine Leben haben, um Dinge zu klären) und wären so unnötig, wenn denn kommuniziert werden könnte. Aber das gerade ist ja eben leider (scheinbar) nicht möglich.
      Ich habe z.B. vor ca. 9 Jahren schweren Herzens den Kontakt zu einer Freundin abgebrochen. Gerade habe ich noch einmal unseren Briefwechsel Revue passieren lassen und festgestellt, dass bereits ca. 10 Jahre vor dem Abbruch die Kommunikation teilgestört war. Ich hatte das damals durchaus erkannt und immer wieder um eine Aussprache gebeten und darauf gehofft, dass es ihr ebenso wichtig sein würde, eben weil sie für mich ein ganz besonderer und sehr wichtiger Mensch war (und immer noch ist und bleiben wird – trotz Funkstille), aber jedes Mal wollte sie sich nicht mit mir auseinander setzen. Sie sah darin offenbar keinen Sinn. Vielleicht hatte sie zu jedem dieser Zeitpunkt aus ihrer Sicht Recht damit gehabt, sie war in sehr schwierigen Lebensumständen und in keinster Weise belastbar. War mein Ansinnen also eine Zumutung? War es ein Ausnutzen einer Schwächesituation? Zeugte mein Wunsch von einem schlechten Charakter? Also habe ich immer wieder aufgegeben – jahrelang – und es so hingenommen – sie war mir zu wichtig. Die Verlustangst übergroß. Nichtsdestotrotz oder genau deshalb aber ist das Problem – für mich und in mir – gewachsen. Das ist so ähnlich wie mit den Samen des Affenbrotbaums auf dem Planet des kleinen Prinzen – man muss sie beizeiten ausreißen, sonst wird man ihrer nicht mehr Herr.
      Wenn mir ein Mensch ganz wichtig ist, setzte ich mich zwingend mit ihm auseinander – auch wenn dabei Tränen fließen sollten. Ich möchte ihn, diesen wichtigen Menschen, nicht verlieren und nach langen, guten, vielleicht auch schmerzhaften und aufwühlenden Gesprächen hat man meist eine bessere und innigere Basis als vorher – das ist das größte Geschenk das man sich gegenseitig machen kann. Aber es gehören nun einmal 2 dazu, die BEIDE diesen Wunsch verspüren, weil sie den anderen und die Freundschaft/Familie etc. wertschätzen und an die Möglichkeit einer Lösung glauben. Allein kann man das Ruder nicht herumreißen… es geht einfach nicht.
      Was hätte ich nun tun sollen? Die Freundschaft verschlechterte sich leise und stetig, weil Unausgesprochenes unausgesprochen bleiben sollte (bleiben musste?) – geschuldet aus den Lebensumständen der einen die beim besten Willen und Wollen nicht sprechen konnte und auch nicht wollte, und vielleicht auch gar nicht wusste worüber, weil sie keinen Sinn darin erkennen konnte und der anderen, die das (zu) tief verletzte, die aber offenbar zu blöd war die Wichtigkeit der Klärung zu vermitteln. Vielleicht war ich es aber auch einfach nicht wert für sie, sich mit mir auseinanderzusetzten. Nur weil ein Mensch für einen anderen wichtig ist, muss das umgekehrt ja nicht genauso sein. So banal kann die Lösung nämlich auch sein. Und auch Familienmitglieder sind davor nicht gefeit. Selbst eine Mutter/ ein Vater /Bruder /Schwester muss ihrem Kind/Bruder etc. nicht unbedingt Wertschätzung entgegenbringen. Solche Verletzungen führen häufig aus Selbstschutz zum Weglaufen.
      Was aber fängt man mit einer Freundschaft an, die keine mehr ist, weil man sich gegenseitig nicht mehr gut tut, weil man sich gegenseitig verletzt, weil man sich gegenseitig Dinge vor wirft, statt gemeinsam die Ursache zu erforschen? Ich habe mit viel Wut im Bauch und noch viel größerer Trauer beendet, was eigentlich längst zu Ende war, aber nicht hätte zu Ende sein müssen. Ich habe es beendet aus Respekt vor der Freundschaft, die einmal war und die durch gegenseitige Verletzung schon genug herabgewürdigt worden ist. Ich habe es angekündigt beendet und mir absichtlich selbst den Rückweg verbaut, weil ich wusste, dass ich sonst natürlich umgedreht hätte. Aber das hätte keinen Sinn gehabt, sondern nur noch mehr Schaden angerichtet.
      Die Wut ist weg, der Schmerz bleibt, der Wunsch nach Versöhnung – trotz besseren Wissens – ist immer da. Einen Weg dahin aber sehe ich nicht, denn allein kann ich ihn nicht gehen. Eine „Rückkehr in alte Verhältnisse“ ohnehin weder möglich noch förderlich, das gleiche Muster würde sich anfangen zu wiederholen.
      Ich denke, Menschen die einen Kontakt abbrechen oder glauben abbrechen zu müssen, haben darüber unter Umständen jahrelang nachgedacht und davor verzweifelt nach anderen Lösungen gesucht. Ich denke ein „Racheplan“ o.ä. steckt eher selten dahinter. Es ist Verzweiflung und Selbstschutz nach existenziellen Verletzungen.

      Viele Grüße
      Sabine

      1. Liebe Sabine,

        Alles, was du schreibst, ist nur eine Hälfte der Wahrheit, nämlich deine. Du nimmst vl. an, dass deine Freundin so und so in dieser Zeit gedacht haben könnte, aber du weißt es nicht.
        Und auch niemand anders kann sich in dich hineinversetzen. Das ist zwar eine recht annehmbare Floskel, jedoch unmöglich.

        Vl. war deine Freundin depressiv, hatte in dieser Zeit einen inneren Konflikt und ihre Aufmerksamkeit war nicht auf deine Person gerichtet. Das heißt gar nichts. Vl hast du sie in dieser Zeit extra belastet. (Keine Ahnung, was überhaupt vorgefallen ist)

        Ich denke da ein wenig anders. Zurück kann man nie. Egal mit wem! Weil sich das Leben eben vorwärts dreht. Und man nur gemeinsam vorwärts kann!

        Was mich hier wirklich stört ist, dass manche hier den Personen, die sie verlassen haben, nicht zutrauen, bereit sein würden um zuzuhören! Man erwartet immer schrecklich viel von anderen!
        Im Buddhismus meint man, wenn man andren keine Veränderung zutraut, dann würde man an seiner eigenen Entwicklung zweifeln. Da ist was Wahres dran!

        3 Fälle:
        Bei mir ist es zu einem Missverständnis gekommen, weil ich in einer Situation die falschen Worte gewählt habe! Mein Partner litt an einer Depression! Ich habe ihm gesagt, dass ich gut für mich sorgen werde; er quasi Zeit hätte für sich allein; aber er hörte, dass ich ihn im Stich lassen würde! Er meinte, er wäre verletzt! Ich hab nie wieder was von ihm gehört! Nichts! Wir waren unzertrennlich! Dass ich für ihn da sein würde, war für mich selbstverständlich und nicht weiter nennenswert! Er wollte das hören und war auf und davon!

        Was ich damit sagen will, ist, dass es darauf ankommt, wie es bei jemandem ankommt! Menschen (ausg Psychoathen ) handeln nicht böswillig! Niemand wird mit einer psychischen Störung geboren, aber macht Erfahrung, etc etc!

        Das Leben ist zu kurz und du scheinst auch sehr emotional auf das Thema zu reagieren, was zeigt, dass es dir nicht egal ist! Das ist super gut. Ich finde es nur einen theatralischen Schritt etwas zu beenden! Man muss auch vergeben lernen.

        Menschen verletzten in den meisten Fällen nicht mit Absicht! Verletzt ist man, wenn man selbst auch Defizite hat! Jeder/Jede hat Defizite!

        Bei einigen Kommentaren denk ich mir….”kann mit Eltern nicht mehr”- sie hören nicht zu etc.

        Es sind deine Eltern… Sie sind für einiges verantwortlich, aber nicht für alles! In der heutigen Psychologie werden philosophische, gesellschaftspolitische und historische Aspekte nie miteingeschlossen! Immer sind es die Eltern, die egoistischen FreundInnen, die böse große Schwester etc.! Völliger Unsinn! Die Welt an sich ist so komplex! Nur weil mir gerade ein best. Thema extrem wichtig ist, heißt das nicht, dass es dem anderen auch sein muss! Oder dass er/sie deswegen böse ist!

        Auch meine jüngere Schwester ist in eine esoterische Sekte/Kommune und ich habe seit 6 Jahren nichts von ihr gehört! meine Eltern sind psychisch und physisch am Ende! Funkstille ist in diesem Fall purer Horror!

        Mit einer sehr lieben Freundin haben wir uns zerstritten!(Mann)
        Nichts gesprochen, über ein Jahr! Dann hatte sie einen Autounfall und liegt seit 10 Jahren ans Bett gefesselt im Wachkoma!

        Deshalb vl auch meine Reaktion! Deshalb denk ich mir! Leute kommt schon, ihr seid nicht die einzigen, nehmt euch wichtig, aber nicht zu sehr!

        1. Liebe Simone,

          zuerst danke für Deine Antwort, nun kann ich Deine Haltung besser verstehen. Du hast 3 sehr tragische Erlebnisse geschildert. Ich wünsche Dir – und in Bezug auf Deine Schwester – vor allem Deinen Eltern, dass sie von ihrem Kind hören und vielleicht irgendwann das Leben für Euch alle wieder leichter sein wird.

          Und ja, alles was ich schreibe ist nur die Hälfte der Wahrheit weil jeder auf seiner Insel lebt.

          Und alles was Du schreibst ist richtig. Ja, man erwartet vom anderen zu viel. Natürlich habe ich meine Freundin extra belastet, natürlich konnte sich ihre Aufmerksamkeit nicht auf mich richten. Ich wusste es damals und heute noch klarer. Man muss Dinge auch nicht sofort klären, oft reicht es doch, wenn man weiß, dass das gegenüber das Problem auch erkannt hat und die Bereitschaft signalisiert es irgendwann – und sei es Jahre später – bearbeiten zu wollen. Auch ein „ich kann nicht, Du bist mit trotzdem wichtig, lass uns einen anderen Weg finden“ wäre eine Möglichkeit.

          Letztendlich stimme ich mit der – hier im Buch bzw. auch hier in manchen Kommentaren geposteten – Aussage überein, dass der Kontaktabbruch häufig ein -natürlich falscher und nicht funktionierender – letzter verzweifelter Versuch ist endlich gehört und gesehen zu werden endlich etwas ins Rollen zu bringen. So wie ein Suizidversuch eigentlich ein Hilferuf ist, eine Bitte nach Liebe und Aufmerksamkeit.
          Einem Kontaktabbruch mag jahrelange Grübelei vorausgegangen sein, der Abbruch selbst ist doch meist spontan, weil irgendetwas das Fass zu überlaufen gebracht hat. Insofern ist in diesem Moment der Verstand (leider) wohl eher wenig bis gar nicht beteiligt.
          Ich glaube auch, dass die meisten Menschen, die einen Kontakt abgebrochen haben zur Vergebung fähig sind (sofern das überhaupt nötig sein sollte, denn „Schuld“ wenn man es denn so definieren will, haben ja beide Seiten an der entstandenen Situation), ich denke der Abbruch rührt eher aus der Hoffnungslosigkeit, dass die Beziehung veränderbar ist. In diesem Zusammenhang finde ich Dein Zitat aus dem Buddhismus sehr interessant. Von diesem Standpunkt aus habe ich es noch nicht betrachtet.

          Es ist auch so richtig, was Du über die Missverständnisse schreibst und es ist so frustrierend zugleich was ein dummes Missverständnis anrichten kann. Und es wäre so wichtig zu reden und zwar beizeiten.

          Hast Du versucht Deinen Partner zu finden? Vielleicht ist das sein ganz großer Wunsch, dass Du ihn suchst, ihn findest…

          Ich teile Deine Ansicht nicht, dass man nie zurück kann, ich hatte das Glück zu erleben, dass es eine Lösung geben kann.

          Meinen jetzigen Mann kenne ich seit Kindertagen, als Teenager haben wir uns furchtbar zerstritten und 25 Jahre nicht mehr mit einander geredet. Vor 10 Jahren habe ich den ersten Schritt gemacht und nun sind wir seit fast 6 Jahren verheiratet. Wir waren uns sofort so vertraut, als hätte es die 25 Jahre nie gegeben. Wir sind unendlich dankbar für diese zweite Chance und gehen sehr achtsam miteinander um. Ich denke, ohne den Bruch vor 35 Jahren wären wir uns heute nie so nah gekommen.

          Vielleicht bin ich – um beim Buddhismus zu bleiben – zu verhaftet und kann nicht loslassen, aber ich glaube an Wege, Neuanfänge, Lösungen – es sei denn der Tod kommt einem dazwischen.

          Viele Grüße
          Sabine

          1. Liebe Sabine,

            vielen Dank für deine lieben Worte.

            Ich stimme mit dir in sehr vielen Dingen überein.

            Zu meiner Schwester:

            Ich hoffe und wünsche mir, dass sie irgendwann wieder KOntakt zu uns sucht. Bis dahin geben wir nicht auf. Auch wenn sie in ihrem Verhalten sehr aggressiv ist. Familie ist Familie und sie ist immerhin meine kleine Schwester. Es ist nur furchtbar mitanzusehen wie sehr meine Eltern darunter leiden und sich Vorwürfe machen.

            Zu meinem Ex-Partner:
            Ich habe viel probiert und versucht es ihm zu erklären, warum ich damals so reagiert habe. Leider, meinte er auch, dass Fass sei übergelaufen und ich hätte es gefüllt. Das passierte innerhalb von 2-3 Wochen. Davor waren wir eben unzertrennlich. Im Nachhinein denke ich mir, dass ich besser mit seiner Depression hätte umgehen müssen. Aber ich wusste nicht so viel darüber und es hat mich sehr verletzt, dass er zwar Kontakt suchte aber dabei abwesend und distanziert war. Das hat mich in der Situation ins Wanken gebracht.

            Ich habe es danach mehrmals versucht ihn zu kontaktieren. Aber nichts. Irgendwann haben mir dann Freunde gesagt, ich sollte es lassen, er würde nicht das gleiche empfinden und ich würde mich lächerlich machen.

            Vl. hast du Recht. Ich denke jeden Falls seit deinen Worten darüber nach, es wieder mal zu probieren.

            Das Zitat aus dem Buddhismus ist sehr interessant. Es heißt auch, dass man mit sich selbst nicht im Einklang ist, wenn man jemand anderen überschätzt oder unterschätzt. Es ist seiner Bedeutung nach dasselbe. Ich praktiziere keinen Buddhismus, aber als Philosophie kann ich einen Gedanken viel Wahres abgewinnen.

            Bei Karin, dem Mädchen, die seit dem Autounfall im Koma liegt, ist mir eines bewusst geworden. Manchmal ist es zu spät. Und auf Grund Missverständnisse kommt es dann dazu, dass man sich ein Leben lang fragt, ob es das Wert war….

            Vielen Dank für deine anregende Antwort!

  40. Sehr geehrte Frau Soliman,

    durch einen Zufall habe ich Heute einen Ausschnitt Ihres Films über Menschen gesehen, welche gezwungen waren, den Weg der Privatinsolvenz gehen zu müssen. Ich war auf der Suche nach diesbezüglichen Informationen, da auch mir dieser Weg in Kürze bevor steht. Während meiner Suche nach dem gesamten Film bin ich auf diese Seite gestoßen.

    Leider habe ich von Ihrem Buch nicht früher erfahren. Wenn ich die Muße habe und es mir leisten kann, werde ich es diese Tage lesen. Ich denke, dass es mir eine Hilfe sein könnte, auch wenn mein Leben nun hoffentlich und endlich auch so eine Wendung erfahren wird.

    Mein Leben… es fällt mir noch immer schwer, darüber zu sprechen. Wann die Geschichte angefangen hat, ist nicht einfach zu sagen. Meine Familienverhältnisse und meine eigene Historie sind kompliziert, so dass es mir nicht angebracht scheint, hier auf die einzelnen Punkte einzugehen. Was ich aber sagen kann ist, dass ich in meinem Leben schon einige Vorfälle gab, welche mich gefordert haben.

    Zurückschauend muss ich aber sagen, dass von allen Vorfällen, welche ich erfahren musste, der Rückzug meiner damaligen Frau der schlimmste war. Nach acht Jahren ist sie von Heute auf Morgen aus meinem Leben verschwunden, bis Heute ohne ein Wort der Erklärung.

    Ich kann behaupten, dass es Erfahrungen gibt, die Menschen zum Schweigen bringen. Bis Heute finde ich keine Worte für den Abgrund, den dieser geliebte Mensch hinterlassen hat. Auch die psychischen Auswirkungen sind fatal. Selbst nach so vielen Jahren fasse ich nur sehr schwer Vertrauen – zu mir selbst. Da ist ein tiefes Misstrauen auf die eigene Menschenkenntnis, auf das Vermögen, Menschen einschätzen zu können. Vertrauen in das eigene Einschätzungsvermögen ist essentiell. Verliert man das, verliert man auch die Fähigkeit, den Moment zu interpretieren. Man stellt alle Erfahrungen und damit die eigene Vergangenheit in Frage – und damit auch die eigene Zukunft.

    Es ist ein langer Weg zurück zum Selbst. Zu einem Selbst, welches nur noch wenig mit der Person zu tun hat, die man einmal war. Vielleicht muss man sich auch neu erfinden und eine Brücke über diesen Abgrund schlagen, der vielleicht niemals verheilt.

    Ich bin heute 42 Jahre alt und diese Geschichte fünf Jahre her. Zwei Jahre nach dem Auszug meiner Frau hatte ich, rückblickend fast kampflos, alles verloren. Immobilien, mein Unternehmen und 2011 auch mein Obdach. Heute bin ich froh und dankbar, das ich hier sein darf und einigermaßen gesund bin. Ohne Hilfe von Dritten wäre das kaum denkbar.

    Ihr Sternepflücker

  41. Wie lange ist es jetzt schon her? 3-4 Jahre…und von euch kam nichts.

    Vermissen Eltern ihre Kinder wirkich nicht? Kann man einfach so abbrechen, ohne jeden Tag schmerzlich daran zu denken? Wie fühlt ihr euch an Weihnachten oder euren Geburtstagen? Denkt ihr an unseren Geburtstagen wirklich nicht an uns? Tut es nicht weh, nicht zu wissen was inzwischen alles passiert ist? Warum tut ihr anderen gegenüber so, als hätten wir noch Kontakt? Ist es einfacher die Wahrheit zu verschweigen? Inzwischen habt ihr auch mit eurem dritten Kind keinen Kontakt mehr…dabei hatte C. sich doch so gefreut endlich im Mittelpunkt eurer Aufmerksamtkeit zu stehen, als ihr mit uns gebrochen habt. Ich werde nie verstehen, warum Eltern so sein können. WARUM könnt ihr nicht ein einziges Mal in eurem Leben auf euren falschen Stolz schei…? Warum maßt ihr euch an keine Fehler zu machen? Warum erwartet ihr immer, das eure Kinder angekrochen kommen? Diese Zeiten sind lange vorbei.
    Ja, ich vermisse meine Eltern und finde es traurig das alles so gekommen ist, aber da es euch anscheinend nicht so geht, lebt wohl…aber auch das werdet ihr wohl nie erfahren…

  42. Mir hat kurz vor meiner Hochzeit meine ehemals beste Freundin und Trauzeugin plötzlich den Rücken zu gekehrt und den Kontakt ohne direkten Grund abgebrochen.
    Ich bin immernoch schwer enttäuscht warum Sie nicht fähig war mit mir zu reden und wie sie mir das antun konnte!

    1. hallo Christina,
      dass Problem, dass Menschen nicht offen miteinander reden können oder wollen, ist m. E. die Ursache allen Übels. Da gibt es Familien, wo Einer das Sagen hat und behalten will und alle müssen sich unterordnen. Tun sie das nicht oder geht es nicht nach dessen Wünschen, wird Druck ausgeübt bis hin zum Kontaktabbruch. Diese Methode ist so stark verbreitet, dass auch Freundschaften so zerbrechen. Leider habe ich auch keine Lösung für meine Probleme diesbezüglich finden können, bin aber froh, diese Seite gefunden zu haben und festzustellen, dass ich nicht allein mit meinem Problem bin. Aber so wirkliche Ratschläge wie man sich helfen könnte, habe ich noch nicht gefunden.
      LG

  43. Erklärung

    Für meine Geschwister Marianne, Bärbel, Christa und Wolfgang. Und für meinen Bruder Klaus zur Kenntnis.

    Ich weiß gar nicht mehr wann ich den Kontakt zu euch abbrach, vor vier Jahren oder fünf? Seht ihr, ich weiß es nicht mehr, so absolut geschah es für mich, so richtig ist es. Und nun quengelst du, Bärbel. Fragst mithilfe deines Sohnes und unserer Nichte bei meinen Töchtern über Facebook nach meiner Telefonnummer – “verzweifelt”, wie sie sich ausdrücken. Nun ja, für dich ging die Familie ja schon immer “über alles”.

    Du kannst es nicht wissen – aber nun kommt bei mir alles wieder hoch, der ganze Schmodder, der Schmerz, das Unaussprechliche – Es hat mich viel Kraft gekostet, die Erinnerungen im Zaum zu halten – Nun kommt es wieder hoch, das Elend, weil du “verzweifelt” nach meiner Nummer fragst. Aber du kannst es nicht wissen, ihr könnt es nicht wissen – wobei:

    Wir haben alle unsere Traumata. Der eine mehr – der andere andere weniger, aber für alle schmerzlich, für jeden anders schwer oder leichter, jeder verdrängt auf seine Art. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und bin bei euch anfangs auf Unverständnis gestoßen. Später dienten meine Erzählungen und Aufzeichungen dazu, von der Mutter Erklärungen zu verlangen in einer beschämenden Zusammenkunft. Für alle beschämend – und es hat euch nur noch sprachloser gemacht. Dann habt ihr mich – sicher unbewusst – zu eurer Therapeutin gemacht. Du Christa – ich bin ja die große Schwester. Du Bärbel – ich bin ja so klug; und auch du, Marianne – ich hatte die nötige Tiefe, ich hatte das Verständnis und ich konnte dich “aufbauen”.

    Ich habe Grenzen, ich kann nicht mehr. Ihr seid ständig – unbewusst – über meine Grenzen gelascht und es brauchte nur einen kleinen Auslöser um alle Brücken zu euch abzubrechen. Man nennt das Selbstschutz. Ich habe ein Recht auf diesen. Ich habe ein Recht auf Ruhe, darauf, auf meine Art mit meinen Traumata klarzukommen. Ihr seid Teil dieser und von daher ist es für mich lebensnotwendig, euch aus meinem Leben auszuschließen.

    Warum wollt ihr Kontakt? Ist die Mutter gestorben? Für mich ist sie das schon lange.
    Fehle ich euch? Ihr seid zu dritt, zu viert, ihr habt euch!
    Ist jemand krank? Was ändert es, wenn ich darüber informiert bin?

    Wenn ich schon kein Verständnis von euch erhoffen darf (dazu seid ihr nicht reflektiert genug) dann doch wenigstens Akzeptanz! Ihr seid ja nicht allein in Braunschweig. Ich habe keine Verantwortung für keinen von euch und ich bin euch keine Rechenschaft schuldig.

    Für Fragen ist es zu spät.

    Inge

    1. Liebe Inge

      Für Fragen ist es zu spät, seh ich genau so wie Du.
      Es hilft Dir vielleicht leichter damit umzugehen, wenn ich Dir sage, diese Fragen werden immer nur “versteckt” kommen.
      Nie direkt wird nachgefragt und wenn dann meist gleichzeitig angeklagt.
      Also geh ruhig Deinen Weg DU siehst es genau richtig.

      Die Zeiten in denen alles wieder hochkommt, kenn ich zu gut, ist meist an Geburtstagen, Todestagen oder an Beerdigungen wo ich noch immer mit mir kämpfe, meine Entscheidungen durchzuziehen.
      Ich hatte es bisher so gehalten dass nur die Kids Geburtstagskarten bekommen oder eben Geschenke, doch seit ich weiss das dies total unterbunden wird und man dann über meinen Rücken sich auch darüber noch lustig macht, habe ich aufgegeben.
      Denn NEIN ich will nicht mehr zurück, in diese Familienbande die glauben alles unter den Teppich kehren zu müssen um ja nach “aussen” gut da zu stehen, NEIN dieses Trauerspiel gebe ich mir mit Sicherheit nie wieder.
      Auch NEIN zu sagen will gelernt sein, für mich wohl die schwerste Lektion im Leben.

      Reflektieren , gute Anregung , doch was hilft es uns wenn wir reflektieren und Andere wollen gar nicht reflektieren weil sie eben in ihren “Schein Welten” leben wollen, ist wohl die bequemere Art mit solchen Situationen umzugehen.

      LG Blackhex

  44. Hallo

    ich habe zu einigen meiner jetzigen oder auch früheren “Freundschaften” den Kontackt abruppt abgebrochen. Nicht grundlos verständlicher Weise. Denn meine “vermeintlichen Freunde” erwiesen sich jahrelang schon als ein “Frenemy” so.g. Freund-Feinde. Wer solche Frenemies als Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Sie sind hinter deinem Rücken Intrigant und schaden deinem Ansehem. Sie ziehen sich an Dir hoch- und zeitgleich drücken sie dich aber nach unten. Ein Frenemie gibt dir Komplimente aber zeitgleich beleidigen sie dich. Ein typischer Satz wäre: “Das was Du heute trägst sieht ja super Chick aus, im gegensatz zu den Klamotten die Du sonst anhast.” Am liebsten ist es ihnen wenn es Dir schlecht geht. Dann wollen sie von Dir alles Wissen. Warum ? Wieso? Wesshalb?
    Jeder in seinem Freundeskreis hat zumindest einen, wenn nicht mehrere Freund-Feinde mehr als Ihm lieb ist. Und diese gilt zu enttarnen bevor sie dir ernsthaft schaden zufügen. Am besten wird man Frenemies mit einem völligen Kontaktabbruch wieder los.
    Quellenangabe:
    http://freund-feind.blogspot.de/

    Jeder wird seinen Grund für seinen Kontaktabbruch oder diese “Funkstille” haben.

  45. Hier noch ein Fernsehtipp für nächsten Montag: 10.6.2013, 22.45 Uhr: ARD- Die Story: »Sex made in Germany«. Ein Film von Tina Soliman und Sonia Kennebeck. Einschalten!

  46. zu Rolf 06.05.2013 – 16:58:

    Hallo Rolf,

    du hast natürlich absoult Recht damit, dass dieser Satz eine falsche Verallgemeinerung ist. Darf ich mich sinngemäß korrigieren? Ausdrücken wollte ich damit eigentlich auch nur, dass es m.E. kein zurück in die alten Zeiten gibt, weil ich einfach der Meinung bin, dass rückblickend auf mein eigenes zerstörtes Verhältnis zu meinen Eltern, schon vorher eine Menge passiert sein muss um es soweit kommen zu lassen.
    Lass mich dir meine Gefühle verdeutlichen: für mich waren meine Eltern immer wichtig, ich habe die Familie immer als konstante Größe in meinem Leben betrachtet, habe schon früh auf vieles verzichtet um des lieben Friedenswillen, wir hatten so viel Kummer mit meinem jüngsten Bruder (auch zu ihm besteht kein Kontakt mehr seit dem Abbruch der Eltern, aber dies ist eine andere lange Geschichte und i.O.), dass ich immer versucht habe eine “gute” Tochter zu sein. Ein Kind auf das sie stolz sein konnten. Und das konnten sie immer, konnten es aber nie zeigen. Auch das tat der Kinderseele weh. Eines kam zum Anderen. Als ich mit 16 Jahren vergewaltigt wurden bin, habe ich es nicht geschafft mich meinen Eltern anzuvertrauen, weil ich ihnen keinen zusätzlichen Kummer bereiten wollte. Die nächsten Jahre waren hart für mich und ich war oft am Rande meiner Kräfte und habe Verhaltensweisen entwickelt, die ein aufmerksamer Elternteil hätte verstehen können…
    Wie dem auch sei, ich bin heute wie ich bin, weil ich gelernt habe aufzustehen, seit je her. Auch das lag allein in meiner Macht, manchmal wird man in die Knie gezwungen, aber es liegt eben doch an einem selbst ob man fällt oder aufsteht.
    Als ich Jahre später meiner Mutter von dieser Tat erzählte, wurde ich zwar in den Arm genommen, aber es wurde nichts gesagt und es wurde darüber hinweggegangen und kam nie wieder zur Sprache. Es wurde ignoriert. Und dabei wollte ich nur verstanden werden in dem was mich ausmachte.
    Dennoch hatte ich alles in allem eine gute Kindheit und meine Eltern oder die gegebenen Umstände haben mich zu einem sehr selbstständigen Menschen werden lassen, der seine Meinung vertritt. Und dann kam dieser Streit über die Frau an der Seite meines Bruders, die angeblich nicht gut genug für ihn war und ich wurde als Randbeteiligte (weil ich wagte eine Meinung zu vertreten) direkt mit aussortiert. Mir fehlen dazu die Worte und ganz ehrlich, natürlich hat das sehr viel mit dem eigenen Stolz zu tun, aber wenn man Jahrzehnte lang den eigenen Stolz zur Seite geschoben hat, damit die Familie nicht auseinander driftet, dann kann man ein einziges Mal in seinem Leben von den eigenen Eltern erwarten, dass sie ihren FALSCHEN Stolz an die Seite schieben und einsehen, dass sie zu weit gegangen sind und einen Fehler gemacht haben.

    Wie man jetzt nach Jahren auf eine Kontaktaufnahme reagieren würde (die nicht statt finden wird, weil meine Eltern niemals ihren falschen Stolz vergessen)? Ich weiß es nicht, aber ich weiß dass trotz der Sehnsucht nach den guten Zeiten und einer Familie, es niemals wieder so sein wird wie es mal war. Denn damit wäre ich wieder bei meinem Ausgangsgedanken: für manche Dinge gibt es kein zurück und irgendwann ist der Zug einfach abgefahren.

    Und falls man jetzt überlegen sollte, man könne ja von vorne anfangen, tut mir leid, aber wenn Eltern ihre Kinder verstoßen, auf die sie eigentlich stolz sein könnten, dann stimmt mit ihnen etwas nicht. Mein Bruder hat ohne sie geheiratet, wir haben ein Haus gebaut, demnächst steht bei meinem Bruder Nachwuchs an…wenn all diese Ereignisse angebliche “Eltern” nicht wachrütteln, dann haben sie ihr Recht verloren Eltern sein zu dürfen und dann gibt es kein Zurück mehr.

    1. Hallo Schwanensee,

      es hat mich ins Herz getroffen, deine Schilderung.
      Stellvertretend für Deine Mutter möchte ich Dir sagen, Du kannst sehr stolz auf Dich sein, denn Du hast gelernt einige Deiner Verhaltensweisen zu verändern.

      Es gibt immer einen Weg, dieser Weg heisst ” Den Anderen VERSTEHEN zu LERNEN” doch aus eigener bitterster Erfahrung weiss ich das dies die wohl schwerste Lektion des Lebens ist.

      Glg Blackhex ( noch immer auf dem Weg des Lernens )

  47. zu Schwanensee vom 6. Mai 2013, 9 Uhr:

    Schwanensee, Du schreibst: “Und eines wissen wir im Grunde doch alle: wenn die zwischenmenschliche Ebene so zerstört ist, dass ein Kontaktabbruch aus welchen Gründen auch immer zustande gekommen ist, dann gibt es kein zurück.”

    Das halte ich fuer eine falsche Verallgemeinerung und fuer eines dieser scheinbaren “Naturgesetze”, die viel Leid verursachen. Menschen meinen haeufig, “das ist jetzt eben so und daran kann man nichts aendern” – siehe z.B. auch “Krieg wird es immer geben”, “Ich tauge nun mal nichts”, “Die Mauer steht seit 1961 und wird das noch in 100 Jahren tun.” usw. usf..
    Doch eigentlich kann man oft – nicht immer – mit Klugheit, Mut und Anstrengung einen anderen Weg finden.

    Wie schon oft gesagt, es gibt zwischenmenschliche Beziehungen, die passen nicht und sind vielleicht sogar zerstoererisch. Da ist es dann okay, wenn es nach einem Abbruch kein Zurueck gibt. Andere Abbrueche aber sind, wie auch einige neuere Beitraege hier im Forum wieder zeigen, eigentlich Wuensche nach anderen Formen der Kommunikation.
    In diesen Faellen kann und sollte es ein Zurueck geben, wenn beide dies eigentlich wollen. Kein Zurueck in die alten, gescheiterten Muster – sondern ein Zurueck aus der Stille in eine neue Kommunikation. Eine, bei der alle Beteiligten Mut und Kraft haben, wirklich zu sagen, was sie selbst fuehlen und wuenschen und wirklich zu verstehen, was der andere fuehlt und wuenscht.

    Wie man das mittel- oder langfristig erreichen kann, darueber wuensche ich mir hier eine Diskussion und Ideen von anderen! Denn Funkstille ist zwar eine moegliche Loesung, manchmal sogar tatsaechlich die einzige – und dennoch bleibt sie eigentlich immer zweite bis dritte Wahl, denn fast immer bleibt dabei Schmerz zurueck.

    Kommunikative Gruesse,
    Rolf

    1. Hallo Rolf,

      vielleicht sollten wir mal ein Buch schreiben über Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen?

      Rein aus Interesse heraus, wie würden Sie so eine Kommunikation beginnen, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde?

      Damit will ich sagen, was wenn die Kontaktabbrecher durch “Zufall” sich aus heiterem Himmel gegenüber ständen?

      komunikative Grüsse zurück
      Blackhex

      1. Hallo Blackhex,

        na, fuer ein solches Buch gibt’s mit Frau Soliman ja hier schon eine versierte Autorin mit exzellenter Kenntnis der Materie…
        :-)

        Wie man eine abgebrochene Kommunikation in einer Zufallssituation wieder aufnehmen kann, dazu fehlt mir leider jede Erfahrung. Ich halte es jedenfalls fuer wichtig, keine hohen Erwartungen zu haben: Es wird wohl nicht ansatzweise so herzlich sein, wie es in den besseren Zeiten mal war! Im familiaeren Kontext mindestens vorlaeufig nicht, bei einem ehemaligen Partner vermutlich nie wieder.
        Ein erstes Treffen nach langer Zeit kann man wahrscheinlich als gut bezeichnen, wenn man sich ein bisschen was zu sagen hat, vielleicht nur ueber’s Wetter, und wenn man einander nicht voellig fremd ist. Mehr sollte man nicht erwarten. Wenn man sogar noch Kontaktdaten austauscht, kann das ein gutes Zeichen sein, muss aber nicht.

        Schlimm wird’s vermutlich, wenn man tatsaechlich spuert, dass man sich so gar nichts mehr zu sagen hat. Denn das wuerde man wohl so interpretieren, dass all die Energie, mit der man so lange gefuehlt und gelitten hat, nichts als banale, heisse Luft war; alle Wuensche, einfach wieder unbeschwert miteinander reden zu koennen, nichts als laecherliche, kitschige Illusionen. So etwas ist sicher noch einmal ein harter Schlag, an dem man Tage bis Wochen zu verdauen haben duerfte. Doch auch das ist am Ende sicherlich besser als das furchtbare Schweigen.

        Aber – vielleicht muss es ja gar nicht immer zu so etwas kommen: Vielleicht gelingt es uns ja mindestens in unseren gegenwaertigen und kuenftigen zwischenmenschlichen Beziehungen, dauerhaft (wenn auch sicher nicht fehlerfrei) gut genug miteinander umzugehen – und unsere und anderer Fehler aus der Vergangenheit jetzt zum Guten zu (ver)wenden …

        (siehe z.B. eins drunter)

        Beste Gruesse,
        Rolf

        1. Hallo Rolf,

          ich habe lange darüber nachgedacht was ich Ihnen antworten will.

          Immer wieder habe ich diese Stelle hier gelesen:
          Zitiere:”Schlimm wird’s vermutlich, wenn man tatsaechlich spuert, dass man sich so gar nichts mehr zu sagen hat. Denn das wuerde man wohl so interpretieren, dass all die Energie, mit der man so lange gefuehlt und gelitten hat, nichts als banale, heisse Luft war; alle Wuensche, einfach wieder unbeschwert miteinander reden zu koennen, nichts als laecherliche, kitschige Illusionen..”””””

          NEIN, es ist nicht schlimm, denn wir wissen dann das es nix mehr zu klären gibt, denn die “Knoten” in uns sind dann “aufgegangen” hoffe das war so halbwegs verständlich?

          Ich persönlich nehme aus jedem Menschen der mir gegenübersteht, mit dem ich mich unterhalte oder unterhalten habe, meine ganz persönlichen Erfahrungen mit.
          Manche Menschen sind “Energieräuber” manche Menschen geben uns “Energie” wobei ich dieses Wort Energie so gar nicht mag, schlicht gesagt manche Gespräche tun gut und wir lernen etwas daraus, manche Gespräche lassen uns die Erfahrung machen das wir noch nicht gelernt haben, alles was wir sagen wollen “verständlich für unser Gegenüber” zu äussern.

          NICHTS im Leben ist sinnlos denn im NACHHINEIN ergibt so manches wenn wir es betrachten sogar mehr Sinn als uns lieb ist.

          Ihre Reaktion zum Beispiel auf meinen Vorschlag ein Buch zu schreiben, zeigte mir das Sie dachten ich würde Tinas Fähigkeiten nicht achten, SO ist das mit Sicherheit nicht!

          Es ist eine Redewendung die ich mir angewöhnt habe, wenn es Themen gibt die einfach ins Unendliche gehen könnten und wahrhaft einer Antwort die ein Buch füllen könnten wert wären. ;-)

          Im Gegenteil ich bin Tina sehr dankbar diese Plattform nutzen zu können und vorallem über Tinas Mut DIESES Thema mal anzugehen, denn ich finde es ist wichtig das diese “FUNKSTILLE” zwischen den Menschen, sinnlose gegenseitige Verletzungen und Kontaktabbrüche endlich ein Ende finden werden, genau darum ist es so wichtig dies auch mal in der Öffentlichkeit auszudiskutieren.

          Dieses “furchtbare” Schweigen muss ein Ende finden.

          Da stimme ich Ihnen zu!

          glg Blackhex

    2. Da ich auf AH45s Kommentar nicht direkt antworten kann, antworte ich mir dreister Weise mal selber – mit langen Zitaten aus dem sehr guten Beitrag von AH45. Er beschreibt m.E. praezise, wie sich quasi aus dem Nichts Unstimmigkeiten entwickeln koennen, die ohne echte Schuld eines Beteiligten schlimmstenfalls in der “Totenstille” enden.

      AH45 sagt in seiner Antwort auf David u.a.:

      “Wir […] sagen oft, zu oft, unbedacht etwas, was in dem Gegenüber […] eine totale Abwehrreaktion hervorrufen kann, ohne dass wir das jemals so beabsichtigt haben.
      […]
      Weil diese Trigger heimtückisch sind, entsteht dadurch ohne jegliche Absicht eine ungute Stimmung, die sich keiner der Beiden “erklären” kann. [!!]
      Meist zieht man sich dann zurück:
      – der Eine, weil er nicht versteht warum der Andere so reagiert [!!] und
      – der Andere, weil er keine Ahnung hat was gerade in ihm ausgelöst wurde. [!!]

      So schnell geschehn “Missverständnisse”, die, wenn sie nicht angesprochen werden, eben zu innerlichem Rückzug und letztendlich zum Schweigen führen.

      Ich bin davon überzeugt, dass viele Kontaktabbrüche auf Grund falscher Formulierungen oder eben aufgrund solcher Trigger zustande kommen.

      In eine “Pattsituation”, in das Schweigen, wird nun unendlich viel reininterpretiert und bevor man wieder was “falsches sagt”, schweigen Beide weiter.
      […]
      Es geht nicht um die Schuldfrage, es geht um die Frage, wie kann ich mich “verständlich” machen, oder wie kann ich “vermeiden”, dass ich wieder verletzt werde ohne dass ich es notwendig habe mich in ewiges Schweigen, ewige Sehnsucht zu versenken. ”

      Letzteres ist eine Kernfrage fuer denjenigen, der sich in einer – aktuell oder permanent – konfliktbeladenen (gleichberechtigten) Beziehung gerade verletzt fuehlt. (Dies kann in einer jeweiligen Situation derjenige sein, der eher zum Abbrechen tendiert, aber durchaus auch der potenziell Verlassene: In einer Beziehung, deren Beteiligte halbwegs auf Augenhoehe miteinander sind, sind diese Rollen m.E. durchaus nicht immer eindeutig verteilt.)

      Für denjenigen, der aktuell gerade die andere Rolle innehat, ergeben sich entscheidende Fragen m.E. aus AH45s Stichworten
      “Wir […] sagen oft, zu oft, unbedacht etwas”,
      “Kontaktabbrüche auf Grund falscher Formulierungen”
      “warum der Andere so reagiert” und
      “der Andere, weil er keine Ahnung hat was gerade in ihm ausgelöst wurde”:

      Fragen sind dann z.B.:
      – Wie kann ich sensibler und offener sein fuer das, was den anderen verletzt?
      – Wie kann ich verhindern, dass ich vor Scham, den anderen schon wieder verletzt zu haben, dicht mache?
      – Wie kann ich ruhig, offen und dennoch selbstbewusst bleiben, wenn ich mich gerade zu unrecht als Aggressor bezichtigt fuehle?
      – Wie kann ich den anderen unterstuetzen zu verstehen, was konkret ich gerade in ihm ausgeloest habe – und dabei dennoch auf Augenhoehe mit ihm bleiben?

      Gespannt auf Antworten:
      Rolf

      1. Hallo Rolf,

        spannende Fragen haben Sie da ausgesucht, schaun wir uns das doch mal gemeinsam an…

        Fragen sind dann z.B.:
        – Wie kann ich sensibler und offener sein fuer das, was den anderen verletzt?

        Also meiner Ansicht nach, in dem ich auf den Anderen schon eingehe in dem ich mich auch mal in aktivem Zuhören! übe, vorallem aber auch lerne die Reaktionen des Anderen wahrzunehmen.
        Wichtig wäre dann vielleicht auch ein Nach”haken” wenn ich eine irritierte Reaktion oder eine zu “heftige” Reaktion erhalte oder in dem schweigenden Weggehen oder zu raschen Beenden des Gespräches meine Schlüsse ziehe.

        add:
        – Wie kann ich verhindern, dass ich vor Scham, den anderen schon wieder verletzt zu haben, dicht mache?
        Antwort:
        In dem wir lernen zu vertrauen das es nichts gibt wofür man sich schämen muss!

        add:- Wie kann ich ruhig, offen und dennoch selbstbewusst bleiben, wenn ich mich gerade zu unrecht als Aggressor bezichtigt fuehle?

        Antwort:
        Ob Ihnen diese Antwort gefällt weiss ich nicht, ich für meinen Teil habe beschlossen nicht immer gleich alles sooo persönlich auf mich umzumünzen und kann ab und an durch Nachfragen dann herausfinden ob ich der Grund bzw. Auslöser für die Agression bin oder ob es da irgendwann mal jemanden in des Andren Leben gegeben hat auf den mein Gegenüber noch “wütend” ist.

        add:- Wie kann ich den anderen unterstuetzen zu verstehen, was konkret ich gerade in ihm ausgeloest habe – und dabei dennoch auf Augenhoehe mit ihm bleiben?

        Antwort: UFF! Ich finde es kommt auf das Gegenüber an, wie gut wir es kennen, kennen wir es gut, wird es mit ein bissl Einfühlungvermögen leichter sein, ihn oder sie zu fragen was gerade so in ihm oder ihr vorgeht, ob er /sie darüber reden möchte.
        Vorallem NICHT verärgert sein darüber falls wir die Antwort erhalten, das wir wohl nicht der Mensch sind mit dem er/sie gerade über dieses Thema sprechen will.
        Wo wir wieder bei dem Thema , NICHT persönlich nehmen wären , falls der Andere das feststellt das er mit uns nicht reden kann. Denn dies ist keine Ablehnung sondern vielleicht ein “intimes ganz persönliches Thema” oder einfach dann der falsche Zeitpunkt um das zu klären.
        Drängen auf Antworten würde m.E. den Anderen eben dann in die Ecke drängen , worin die Gefahr besteht das er sich zum Schweigen entschliesst.

        Unterstützung heisst für mich, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten solange der Andere bereit ist diese Hilfe auch anzunehmen.

        Gleiche Augenhöhe heisst für mich, Vertrauensbasis und Akzeptanz müssen stimmen.

        Ob Sie mit meinen Antworten etwas anfangen können, würde wiederum mich interessieren, ein Feedback wäre für mich sehr hilfreich.

        Merci
        Blackhex

      2. Darf ich fragen wieso einer meiner Komentare mit
        AH45s aufscheint? Was habe ich falsch gemacht?

        LG Blackhex

      3. Ich freue mich darüber, dass hier nach einer kleineren „Funkstille“ wieder reges Kommunizieren stattfindet.
        Spannend finde ich, dass hier auch diskutiert wird, was zuvor in der Kommunikation falsch gelaufen sein könnte, was eventuell weniger mit den beiden Betroffenen zu tun hat, sondern mit dem Triggern von Ereignissen, die in der Biografie liegen, eventuell sogar in der Geschichte der Vorfahren. Insofern würde es sich um „kleine Traumatisierungen“, sog. Flashbacks, handeln, die immer wieder ein bestimmtes Verhalten auslösen.
        Natürlich geht es aber auch um Verhaltensmuster, die eventuell unbewusst von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Das könnte den Abbrecher sowie den Verlassenen etwas entlasten und von der Schuldfrage befreien. Denn oft wird ja etwas gefordert, was der Andere nicht leisten kann und manchmal weiß er selbst nicht warum. Kommunikation geht nach außen aber auch nach innen.
        Sicherlich muss man sich auch selbst fragen, was verletzt und warum.
        Ich finde sehr gut, dass Blackhex erkannt hat, dass „Missverständnisse“ häufig aufgrund von Nicht-Kommunikation stattfinden und dass dieses sich dann verselbstständigt. Denn so ist es!

        Weiterführend auch, dass Rolf fragt, wie wir künftig sensibler mit dem Betroffenen und dessen „seelischen Gepäck“ umgehen können, um diesen Kreislauf des Schweigens und Nicht-Verstehens zu durchbrechen, aber auch um mit uns selbst Frieden schließen zu können.

        Lass’ uns gerne weiter ergründen, wie wir erkennen können was vor der Funkstille passiert.

        1. Hallo Tina,

          “” Zitat”unbewusst von Generation zu Generation weiter gegeben werden…”””

          JA, ich denke das ist der Punkt.
          Wir dürfen auch dabei nicht vergessen das jede Generation für sich, z.B. in anderen Zeiten ( Krieg .,,,etc,) schon zu viel erlebt haben.
          Jeder Mensch geht mit Situationen vorallem extreme Situationen anders um.
          Unsere Grosseltern , haben den Krieg erlebt, Menschen verloren die ihnen wichtig sind, ein “Sich selbst bemitleiden, trauern ” war da nicht drinn die Welt musste sich weiter drehen, die Kinder sollten es besser haben vorallem überleben, es galt wieder aufzubauen was andere zerstört haben.
          Diese Grosseltern haben wohl auch gelernt zu “Schweigen” teils um die Kinder damit nicht zu belasten, teils um das Schrecklichste zu verarbeiten.
          Unsere bzw. meine Eltern war die nächste Generation daraus, diese Kinder lernten “sparen” nicht zu viel in den “Narben der Kriegsvergangenheit” rumzugraben, weil sie auf “Abweisung” gestossen sind, sprich die ältere Generation wollte dieses Thema Krieg einfach vergessen, haben nie gelernt zu weinen es herauszulassen oder darüber zu sprechen.
          Sie erschienen uns hart , es hiess immer sei froh das Du es so gut hast, oder was willst Du denn noch? darüber spricht man nicht? etc…,.
          Kam man ihrem Schmerz zu nahe, wurde entweder eisiges Schweigen als Reaktion gezeigt oder es setzte Prügel um die “innere Agression gegen diese Hilflosigkeit” abzubauen.
          Meine Generation danach, sprich die Enkelkinder /Kinder, verstanden wohl nicht in jungen Jahren warum und weshalb sich manch Elternteil oder auch Grosselternteil so seltsam , stur und hart verhalten, wieso sie nicht in der Lage waren zu erklären geschweige den Gefühle zu zeigen, so jeden Falls in meiner Familie.
          HEUTE verstehen ich, das diese Menschen nur Verlustängste und Traumata des Erlebten hatten und jedes darüber sprechen hätte alte Wunden aufgerissen und je mehr nachgefragt wurde umso zorniger war die Reaktion über diese schier unendlich erschütternde Hilflosigkeit.

          Klar, unsere Grosseltern und Eltern haben mit Sicherheit niemals daran gedacht uns zu schaden oder vielleicht konnten sie gar nicht erahnen was sie mit dem Schweigen anrichten.
          Doch das Recht auf Selbstschutz haben sie genauso wie wir es haben!
          Heute gibt es Psychologen, wohl aus diesem Grund heraus weil irgendwann mal ein Arzt erkannte das sowas nur durch “Reden” heilbar sein könnte bzw zumindest erleichternd.

          Als mir bewusst wurde WARUM ich Prügel bezog, konnte ich verzeihen, auch wenn ich heute noch unter der Härte leide, teilweise diese Härte mir auch “angeeignet” habe um diverse Situationen zu “überleben”.

          JA, wir nehmen von Generation zu Generation wohl einges mit, ob wir wollen und nicht , unbewusst geschieht es.

          glg Blackhex
          v

    3. Ich denke am Anfang steht das Reflektieren des eigenen Verhaltens und das intensive Auseinandersetzen mit der Sache. Nur wenn ich weiß was ich will und was nicht, kann es weitergehen. Ich glaube man kann alles schaffen, wenn man sein Ziel kennt. Weiß ich nun, dass es der Andere wert ist und man ein Leben lang daran zu knabbern haben wird, sollte man nach Alternativen suchen. Funkstille ist am Ende bei den Meisten doch nichts anderes als Resignation oder Protest. Man kann mit dem was man sagt, fühlt, denkt, möchte nichts erreichen. Es erscheint aussichtslos. Bedürfnisse werden nicht erfüllt, man weiß nicht mehr weiter und beendet den Kontakt aus Hilflosigkeit. Oder man wurde so sehr verletzt, dass einem nur noch der Kontaktabbruch als richtig erscheint. Dann ist es doch eine Art Protest, der sagt: “Das war zu doll!”, “Das machst du mit mir nicht!”, “Dir habe ich nichts mehr zu sagen!”, “Das sollst du bereuen!”. Hat diese Funkstille nicht sehr viel mit dem eigenen Stolz zu tun? Ich denke vielen Menschen würde es durchaus besser gehen, wenn sie ihren eigenen Stolz einmal zur Seite schieben könnten. Aufeinander zugehen, verzeihen und Toleranz können so befreiend sein. Natürlich geht das nicht in jedem Fall, aber ich glaube in den meisten Fällen ist der Wunsch auf beiden Seiten da. Man weiß nur nicht wie und die Angst vor der nächsten Enttäuschung ist zu groß. Den Menschen fällt es mittlerweile sehr schwer einander mitzuteilen, was man wirklich will, wie man sich die Beziehung vorstellt, welche Bedürfnisse man hat, was man voneinander erwartet, was man fühlt und was man vermisst. Die Ursache dessen erlebe ich in meinem Umfeld immer wieder…sie wissen es selber nicht! Mit sich selbst im Reinen sein und dann klappt es auch mit den Anderen.. ein “das hat mich jetzt wahnsinnig verletzt” ist zum Beispiel eine Alternative zur Funkstille! Außerdem spielt diese Gesellschaft eine große Rolle. Ein Streit, ein Missverständnis, irgendwas passt nicht….also wird man ausgetauscht. Wahre Werte treten in den Hintergrund. Anstrengungsbereitschaft gleich null! Manchmal ist es nur ein ganz kleiner Schritt, der alles verändert! (zum Beispiel ein “eigentlich hab ich dich doch lieb und vermisse dich)

      1. Halllo Chrissy,

        Du schreibst: “Ein Streit, ein Missverständnis, irgendwas passt nicht….also wird man ausgetauscht. Wahre Werte treten in den Hintergrund. Anstrengungsbereitschaft gleich null! Manchmal ist es nur ein ganz kleiner Schritt, der alles verändert! (zum Beispiel ein “eigentlich hab ich dich doch lieb und vermisse dich”

        sowas in der Art habe ich als Gratulation gesendet:
        “wörtlich:
        Hallo XXX, viel ist in der letzten Zeit geschehen,
        doch drei Rosen send ich Dir,
        die erste ist für das Wohlergehen
        die zweite ist für das sich irgendwann mal wieder sehen
        die dritte aber leise spricht:
        “ich habe Dich sehr lieb, bitte vergiss das nicht”

        Dachte ich doch, das ich vielleicht damit nach einem Streit in dem Beide Seiten überreagiert haben, diesem darauf folgendem Schweigen ein Ende setzen sollte.

        Ein letzter Versuch sollte es sein, naja!

        Es hat sich zwar ein kleine Danke eingefunden, doch das wars dann auch schon.

        Das darauf folgende Familienfest wurde ohne mich abgehalten.

        So einfach scheint manch Einer die sich darbietende Hand nicht annehmen zu können.

    4. Hallo Rolf,

      du hast natürlich absoult Recht damit, dass dieser Satz eine falsche Verallgemeinerung ist. Darf ich mich sinngemäß korrigieren? Ausdrücken wollte ich damit eigentlich auch nur, dass es m.E. kein zurück in die alten Zeiten gibt, weil ich einfach der Meinung bin, dass rückblickend auf mein eigenes zerstörtes Verhältnis zu meinen Eltern, schon vorher eine Menge passiert sein muss um es soweit kommen zu lassen.
      Lass mich dir meine Gefühle verdeutlichen: für mich waren meine Eltern immer wichtig, ich habe die Familie immer als konstante Größe in meinem Leben betrachtet, habe schon früh auf vieles verzichtet um des lieben Friedenswillen, wir hatten so viel Kummer mit meinem jüngsten Bruder (auch zu ihm besteht kein Kontakt mehr seit dem Abbruch der Eltern, aber dies ist eine andere lange Geschichte und i.O.), dass ich immer versucht habe eine “gute” Tochter zu sein. Ein Kind auf das sie stolz sein konnten. Und das konnten sie immer, konnten es aber nie zeigen. Auch das tat der Kinderseele weh. Eines kam zum Anderen. Als ich mit 16 Jahren vergewaltigt wurden bin, habe ich es nicht geschafft mich meinen Eltern anzuvertrauen, weil ich ihnen keinen zusätzlichen Kummer bereiten wollte. Die nächsten Jahre waren hart für mich und ich war oft am Rande meiner Kräfte und habe Verhaltensweisen entwickelt, die ein aufmerksamer Elternteil hätte verstehen können…
      Wie dem auch sei, ich bin heute wie ich bin, weil ich gelernt habe aufzustehen, seit je her. Auch das lag allein in meiner Macht, manchmal wird man in die Knie gezwungen, aber es liegt eben doch an einem selbst ob man fällt oder aufsteht.
      Als ich Jahre später meiner Mutter von dieser Tat erzählte, wurde ich zwar in den Arm genommen, aber es wurde nichts gesagt und es wurde darüber hinweggegangen und kam nie wieder zur Sprache. Es wurde ignoriert. Und dabei wollte ich nur verstanden werden in dem was mich ausmachte.
      Dennoch hatte ich alles in allem eine gute Kindheit und meine Eltern oder die gegebenen Umstände haben mich zu einem sehr selbstständigen Menschen werden lassen, der seine Meinung vertritt. Und dann kam dieser Streit über die Frau an der Seite meines Bruders, die angeblich nicht gut genug für ihn war und ich wurde als Randbeteiligte (weil ich wagte eine Meinung zu vertreten) direkt mit aussortiert. Mir fehlen dazu die Worte und ganz ehrlich, natürlich hat das sehr viel mit dem eigenen Stolz zu tun, aber wenn man Jahrzehnte lang den eigenen Stolz zur Seite geschoben hat, damit die Familie nicht auseinander driftet, dann kann man ein einziges Mal in seinem Leben von den eigenen Eltern erwarten, dass sie ihren FALSCHEN Stolz an die Seite schieben und einsehen, dass sie zu weit gegangen sind und einen Fehler gemacht haben.

      Wie man jetzt nach Jahren auf eine Kontaktaufnahme reagieren würde (die nicht statt finden wird, weil meine Eltern niemals ihren falschen Stolz vergessen)? Ich weiß es nicht, aber ich weiß dass trotz der Sehnsucht nach den guten Zeiten und einer Familie, es niemals wieder so sein wird wie es mal war. Denn damit wäre ich wieder bei meinem Ausgangsgedanken: für manche Dinge gibt es kein zurück und irgendwann ist der Zug einfach abgefahren.

      Und falls man jetzt überlegen sollte, man könne ja von vorne anfangen, tut mir leid, aber wenn Eltern ihre Kinder verstoßen, auf die sie eigentlich stolz sein könnten, dann stimmt mit ihnen etwas nicht. Mein Bruder hat ohne sie geheiratet, wir haben ein Haus gebaut, demnächst steht bei meinem Bruder Nachwuchs an…wenn all diese Ereignisse angebliche “Eltern” nicht wachrütteln, dann haben sie ihr Recht verloren Eltern sein zu dürfen und dann gibt es kein Zurück mehr.

  48. Hallo. Bin Verlassene und Abbrecherin zugleich. Ich kenne beide Seiten und kann sie nachempfinden, doch ähnelt sich mein eigenes Verhalten und Empfinden nicht dem des Gelesenen. Ich brach den Kontakt zu meiner Mutter zum Selbstschutz ab. Es tut so weh nicht erhört, verstanden, geliebt und ernst genommen zu werden, dass man das Gefühl hat man zerbreche daran. Ich hatte keine Wahl. Entweder ich zerbreche an diesem Verhältnis oder ich breche es ab. Jetzt komme ich zum Unterschied. Würde meine Mutter versuchen Kontakt aufzunehmen, zu fragen und zu verstehen, wäre ich bereit mich dem zu stellen. Denn genau diese Appellfunktion hat mein Abbruch. Ich fühle mich seit dem Abbruch besser. Es fühlt sich besser an keine Erwartungen zu haben, als Erwartungen zu haben, welche nie erfüllt werden. Diese führen nur zu Trauer, Sehnsucht und Enttäuschung. Mit dem Abbruch erspare ich mir diese “drei”. Dennoch überwiegt der Gedanke, dass es besser wäre alles würde gut sein. Könnte ich wählen zwischen Kontakt und keinem Kontakt ist die Antwort klar. KONTAKT!! Aber auf meinen Kontaktabbruch kam keine Reaktion, nicht eine klitzekleine. Also empfinde ich dies als Bestätigung mit diesem Abbruch alles richtig gemacht zu haben.!? Jetzt die andere Seite.. Ich wurde von heute auf morgen von meinem Freund verlassen. Ohne ein Wort. Dies ist 1 Jahr her. Ich bin fast daran zerbrochen. Meine Welt stand Kopf. Ich stand Kopf. Man lernt damit zu leben, aber es bleibt immer bei einem. Dieses nicht Verstehen raubt einem den Verstand. Keine Antworten zu bekommen, den fehlenden Punkt, das fehlende Ende…es fühlt sich an als wäre er nie da gewesen und doch immer noch da. Dieses Hoffen auf Einsicht, auf ein Lebenszeichen, auf Bereuen, auf ein Happyend, dass zerreißt mich. Weil ich es nicht verstehe. Unsere Liebe war so groß. (dachte ich) Man zweifelt an sich, an seiner Wahrnehmung und an der Realität. Man glaubt man würde verrückt. Ein Abend zuvor sagte er mir wie sehr er mich liebt und dass, er bei mir sein möchte!!!??? Und dann nichts mehr???? Ich habe mehrmals versucht Kontakt aufzunehmen, ihm versucht zu erklären, wie wichtig er für mich ist und für mein Verhalten entschuldigt. Aber erfolglos. Nichts. Ich dachte das Abbrechen hätte Appellfunktion. Man möchte damit ausdrücken, wie sehr man verletzt wurde. Warum kommt dann aber kein Wort, kein Zeichen, wenn der Andere “es” verstanden hat und alle Wunden heilen möchte, wenn er auf den anderen zugeht!? Nicht mal dieses “Lass mich in Ruhe”?! Dieses “Totstellen” ist furchtbar unfair. Ich würde es nicht tun, wenn meine Mutter mir zu verstehen gäbe, dass sie mich verstanden hat. Mit dem Abbruch möchte ich doch etwas bewirken, etwas sagen. Doch eine Wirkung oder Anerkennung meines Empfindens läuft doch ins Leere, wenn ich nicht auf Kontaktangebote eingehe. Ich würde es verstehen, wenn das Spielchen von Abbruch und Kontaktaufnahme schon mehrfach gespielt wurde. Wenn sich nichts ändert und alles beim Alten bleibt. Aber ein Streit und weg auf Nimmerwiedersehen stellt doch alles in Frage. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient!!!

    1. Kontaktabbrüche können ganz unterschiedliche Gründe haben. Daß du mit deinem Kontaktabbruch deiner Mutter eine bestimmte Botschaft vermitteln wolltest, heißt nicht, daß dein Freund dir die gleiche vermitteln wollte (oder daß er überhaupt eine Botschaft vermitteln wollte). Jedenfalls hat das Ganze nichts mit “verdienen” oder “nicht verdienen” zu tun, so wie sehr viele andere Dinge im Leben das auch nicht haben. Niemand “verdient” es zum Beispiel, als Waise aufzuwachsen. Trotzdem ist dieses Schicksal nicht so selten.

      Ich kann verstehen, daß das ganz schwer für dich ist, daß dein Freund so plötzlich und ohne Erklärung verschwand. Aber möglicherweise weiß er selbst gar nicht so genau, warum er das getan hat. Vielleicht hat er sogar ein schlechtes Gewissen deswegen. Manchmal gibt es unbewußte Dynamiken in Familien, daß Mitglieder die Schicksale älterer Verwandter nachahmen. Zum Beispiel, eine Frau läßt sich genau in dem Alter scheiden, in dem ihre Großmutter ihren Mann im Krieg verloren hat. “Objektiv” gibt es eigentlich keinen Grund für die plötzlichen Streitereien mit ihrem Mann, und sie kann selbst nicht erklären, warum sie das tut, aber sie weiß, sie “muß” sich scheiden lassen. Der Zusammenhang mit dem Schicksal der Großmutter ist ihr zumeist gar nicht bewußt.

      Worauf ich hinaus will, ist: möglicherweise wirst du irgendwann doch noch eine Erklärung für die Entscheidung deines Freundes bekommen. Es kann aber auch sehr gut sein, daß das nicht so sein wird. Und solange scheint es mir gesünder für dich, wenn du nicht annimmst, daß du in irgendeiner unbekannten Weise Schuld trägst. Verschließe dich nicht der Möglichkeit, daß du irgendwann in deinem Leben mehr verstehen wirst, aber mach dein Weiterleben davon nicht abhängig.

    2. Hallo Chrissy

      Ich möchte auf diese Aussage von Dir eingehen:
      “Also empfinde ich dies als Bestätigung mit diesem Abbruch alles richtig gemacht zu haben.!?”

      Aus Erfahrung kann ich Dir sagen das ich das auch mal gedacht habe, auch keinerlei Antworten und Reaktionen erhalten habe, dennoch die Sehnsucht nach dem Kontakt bleibt aufrecht.
      Soweit mal dazu.
      Lange hab ich mich gefragt warum keine Antwort, warum kommt keine Reaktion?
      Die Antwort darauf lautet, weil es schwer ist zu unterscheiden, was erhofft wird, wie Tina schon irgendwo geschrieben hat, was erhoffen wir uns nach dem Kontaktabbruch?
      Ich für meinen Teil hoffe noch immer darauf das meine Familie erkennt das es auch um Fürsorge, Respekt und Anerkennung geht , nicht nur darum wieviel Geld man in die Familie einbringen kann. Denn das war der Grund warum ich damals den Kontakt abgebrochen hatte.

      In einer “schwachen Stunde” hab ich mir mal die Frage gestellt was passieren würde , wenn ich den Kontakt suchen würde und habe einen Anlass damals ein Geburtstag dafür ausgesucht um mich leise in Erinnerung zu rufen.

      Es kamen zwei Reaktionen, die eine war ein danke für die Gratulation,
      die andere Reaktion folgte gut eineinhalb Monate später in der man mich wissen liess das eine Familienfeier ohne mich stattgefunden hat.

      Also hab ich mich wieder in meinen “Elfenbeinturm” zurück gezogen und warte einfach weiter ab.

      Doch die Sehnsucht bleibt.

      1. Der Satz “Doch die Sehnsucht bleibt” ist mehr als treffend. Es ist jetzt über drei Jahre her, dass meine Eltern den Kontakt zu mir und meinem Bruder abgebrochen haben. Im ersten Jahr war man wütend, die Frage nach dem “Warum” quälte einen zunehmend, aus Liebe wurde eine Art Hass. Im zweiten Jahr war man traurig, alle schlechten Erfahrungen wurden ausgeblendet und man vermisste die schönen Zeiten bzw. auch einfach nur das Gefühl Eltern zu haben und als Kind jmd. wichtig zu sein. Im dritten Jahr stumpfte man ab und so wie der Mensch seit je her ein Gewohnheitstier ist, gewöhnte man sich auch daran keine Eltern zu haben und lernte damit zu leben. Es steht jedem frei sein Leben so zu gestalten wie man selbst es für richtig erachtet. Kontakt kann man nicht erzwingen und die Sehnsucht nach einer heilen Familie und einem geordneten Elternhaus schlummert immer leise, darf aber keine quälende Gewohnheit sein. Es liegt doch an mir aufzustehen und weiterzugehen und das Glück in mir selbst zu finden. Ich habe einen tollen Mann, einen tollen Bruder (und die beste Schwägerin der Welt), ein super schönes Zuhause und einen guten Job. Es wäre nicht richtig, dem nachzutrauern was man nicht hat anstatt sich darüber zu freuen was man (erreicht) hat. Und ganz ehrlich: Unser Leben geht weiter und es sind jeden Tag die kleinen kostbaren Momente, die es lebenswert machen. Ich bin mir sicher für meine Eltern wird es von Jahr zu Jahr eher schwieriger werden, wenn sie älter werden und einsamer, während es für uns verlassene Kinder von Jahr zu Jahr leichter wird.

        Und eines wissen wir im Grunde doch alle: wenn die zwischenmenschliche Ebene so zerstört ist, dass ein Kontaktabbruch aus welchen Gründen auch immer zustande gekommen ist, dann gibt es kein zurück. Aber es gibt ein VORWÄRTS, für jeden und auf seine Weise!!!

        1. Hallo Schwanensee,

          ja es gibt immer ein “Vorwärts” und ich bin auch der Überzeugung das vom “Universum” vieles ersetzt wird und wir andere wertvolle Kontakte finden, ich nenn das Wahlfreunde und Wahlfamilie *smile*

          Doch in so einem Kontaktabbruch so wie in meinem Fall, hängen noch unschuldige Kinder dran, die nichts dafür können wenn sich “Erwachsene” nicht mehr zusammenfinden warum auch immer.

          Was mich so traurig macht, ist das diese Kinder nur eine Seite hören und Erklärungen bekommen die vielleicht nicht unbedingt den Wahrheitsgehalt wieder geben.
          Von wegen Omi, Papa, Tante.. etc will Dich nicht sehen oder so in der Art werden dann wohl als Erklärungen dienen.
          Schon aus diesem Grund, zieht es mich immer wieder in die Hoffnung hinein , ob es nicht doch noch einen Weg zueinander geben kann und ich weiss schon, was Du damit meinst, das vorwärts schauen sinnvoller ist!

          Ich kann auch damit leben, auch ich hatte diese Gefühle von unendlicher Wut, unendlicher Traurigkeit, auch lange das Gefühl der “Verdrängung”/”Gleichgültigkeit aus Selbstschutz heraus. Klar!!!

          Wir leben weiter und es muss weiter gehen.
          Für unsere Eltern wird es schwerer, ja weil sie dann einsamer werden, sie denken dann um und dann kommen , bzw. werden auch bei Dir Anrufe oder Kontaktsuche ihrerseits stattfinden.
          Die Frage nur was wirst Du dann tun?
          Gleiches mit Gleichem?
          Doch die Sehnsucht siegen lassen?

          nachdenkliche Grüsse
          Blackhex

  49. Viele Betroffene schreiben mir direkt, einige posten hier.
    Mittlerweile versuchen wir genauer zu ergründen, was vor dem Abbruch passiert ist. Sieht jemand aus diesem Forum nach längerer Zeit etwas klarer? Oder ist das nach wie vor schwierig, weil meist – der Funkstille inhärent – die Erklärung fehlt?

    TS

    1. Liebe Tina,

      Was vor so einem Kontaktabbruch alles vor sich geht, ist meist sehr leise zu erahnen, dann kommt das “nicht wahr haben wollen” und letzendlich folgt eine lautstarke Diskussion um “Banalitäten” weil keiner wagt anzusprechen was so dermassen “störend ” ist…bis hin das es einem im wahrsten Sinne reicht und man gar nicht mehr gewillt ist den Kontakt aufrecht zu erhalten, sondern dazu neigt radikal abzubrechen aus Selbstschutz.
      Ich stelle immer wieder das gleiche Muster fest: Feigheit!
      Feigheit desjenigen der nicht darüber reden will was ihn “stört”
      Feigheit dies klar anzusprechen aus Angst vor der “Konfrontation”
      Feigheit davor das die “Wahrheit” vielleicht alles total zerstört,

      darum das grosse “Schweigen” aus welchen Gründen auch immer ,
      sei es Selbschutz, sei es das man Angst hat das Gegenüber verkraftet die Wahrheit nicht, what ever.

      Die Antwort nach der ich noch immer suche, wer ist nun Täter und wer Opfer?
      glg Blackhex

        1. gut, dann wäre dann noch die Frage , wieso wird dann von Beiden Seiten weitergeschwiegen?
          Manchmal fühlt es sich für mich so an als würde ich am Friedhof liegen und ich fehle keinem Menschen.
          Auch habe ich von mir aus trotz dieser Erkenntnis , das Beide beides sind, eine innere Sperre auf den Anderen zuzugehen, dieses Schweigen zu durchbrechen.
          Sicher man kann jetzt sagen die Angst steht mir im Weg, oder ich habe Angst davor , diesen “Teufelskreis” wieder erneut zu betreten, ist ja auch irgendwie richtig.
          Wie sinnvoll würde es sein? Würde sich etwas verändert haben? Können Menschen sich wirklich nach so einem Kontaktabbruch “verändern”?
          Bewirkt ein Kontaktabbruch, das was wir uns erhoffen?

          1. Die Frage ist wohl, was Du dir erhoffst! Ich kenne leider Deine Geschichte zu wenig.
            Ich denke, beide Protagnisten müssten sich bewegen, verändern, entwickeln. Die Funkstille ist aber etwas Erzwungenes. Die Entscheidung wurde ohne den Anderen getroffen. Als Kommunikationsmittel bleibt sie deshalb unzulänglich und daher unvollständig, ungenau, unentschlossen.

        2. Ich glaube, dass das mit dem “beide sind beides” nicht funktioniert. Mir scheint, es hängt von der Machtverteilung in einer Beziehung ab, wie sehr jemand Täter bzw. Opfer ist. In Beziehungen, die annähernd auf Augenhöhe stattfinden, kann man sicherlich beide Seiten in beiden Rollen sehen. Aber bei Beziehungen mit einem starken Ungleichgewicht – wie dem zwischen Eltern und Kindern – scheint mir der Kontaktabbruch durch den schwächeren Teil eher Notwehr zu sein. Und ich glaube, man wird dem nicht gerecht werden können, wenn man das dann als “Täterschaft” bezeichnet.
          In manchen Fällen mag es eine Art “Notwehrexzess” sein. Es fehlt aber einfach die Möglichkeit, den Kontakt(-abbruch) zu gestalten. Und das macht für mich die Täterschaft aus.

          “Beide sind beides” bedeutet für mich auch immer die Annahme, dass der Abbrecher es sich leicht gemacht hat. Daran glaube ich aber gar nicht.

          Vielleicht könnte man, wenn die Rollenverteilung nicht ganz klar ist, beide Seiten nur als Opfer sehen. Dann müsste man noch rausbekommen, wovon sie Opfer sind. (Nicht “wessen”!) Ich könnte mir vorstellen, dass das vielleicht auch der Weg ist, der zueinander führen könnte.

          Ich halte den Kontaktabbruch aber auch nicht unbedingt für ein Kommunikationsmittel. Die Verlassenen-Seite versucht nur alles, um Kommunikation hineinzuinterpretieren.

          1. Hallo David,

            ein Kontaktabbruch ist sicher das allerletzte “Kommunikationsmittel” , schweigend und schmollender Rückzug zu Grunde liegen hier oft viele kleine Verletzungen aufgrund falscher Kommunikation.
            Wir reden den ganze lieben Tag soviel und sagen oft zu oft unbedacht etwas , was in dem Gegenüber schon einfach eine total Abwehrreaktion hervorrufen kann, -ohne, das wir das jemals so beabsichtigt haben.
            Durch diese Abwehrreaktion/Trigger, gelingt es dem Gegenüber oft nicht einmal sich dagegen sofort und unmittelbar zu “wehren” oder zu sagen hey da hast Du was ausgelöst in mir, was mich verletzt oder mich in Erinnerungen alter Verletzungen gezogen hat.
            Weil, dieser Trigger heimtückisch sind, entsteht dadurch ohne jegliche Absicht, eine ungute Stimmung die sich keiner der Beiden “erklären” kann.
            Meist zieht man sich dann zurück, der Eine weil er nicht versteht warum der Andere so reagiert
            und der Andere weil er keine Ahnung hat was gerade in ihm ausgelöst wurde.

            So schnell geschehn “Missverständnisse”, die wenn nicht angesprochen werden, eben zu innerlichen Rückzug und letzendlich zum Schweigen führen.

            Ich bin davon überzeugt das viele Kontaktabbrüche auf Grund falscher Formulierungen oder eben aufgrund solcher Trigger zustande kommen.

            In eine “Pattsituation” in das Schweigen wird nun unendlich viel reininterpretiert und bevor man wieder was “falsches sagt” schweigen Beide weiter.

            Das Aufeinander zugehen, haben die Menschen wohl verlernt, zumal wir in einer Welt leben, die grossteils auf ihren Egoismus aufgebaut ist.

            Es geht nicht um die Schuldfrage, es geht um die Frage wie kann ich mich “verständlich” machen, oder wie kann ich “vermeiden” das ich wieder verletzt werde ohne das ich es notwendig habe mich in ewiges Schweigen , ewige Sehnsucht zu versenken.

  50. Hallo, leider sehe ich erst heute, dass es zu dem Thema sogar ein Buch gibt. Ich werde es mir gleich bestellen und bin mehr als gespannt. Alles, was ich bisher dazu gelesen habe scheint den Kern zu treffen. Ich hoffe auch meinen. Leider habe auch ich eine Schwester, die den Kontakt vor über einem Jahr mal wieder kommentarlos abgebrochen hat. Über Jahrzehnte zum wievieltem Mal und nicht nur bei mir. Der Kreis zog sich immer weiter über erst dickste Freunde, die dann nichts mehr hörten, über Familienangehörige, über uns Geschwister und ganz zum Schluß sogar zu unserer Mutter, die daran fast verzweifelt ist, weil nie ein Wort fiel warum es so ist. Als unsere Mutter plötzlich verstarb war das Entsetzen groß und die Trauer unendlich. Meine Schwester war heilfroh, dass wir Geschwister dadurch wieder Kontakt hatten … zeitreich, innig und offen .,.. leider nur bis zu dem Tag, als alles endgültig abgewickelt war. Danach ging sie nicht mehr ans Telefon, meldete sich nicht mehr und alles war wie schon so oft: sie war nicht mehr da und verschanzt sich hinter ihrer eigenen kleinen Familie. Nach den Phasen des Verletztseins, der Enttäuschung, Ratlosigkeit und Traurigkeit kann ich zum ersten Mal gut damit leben. Ich brauche sie für mein Leben nicht, obwohl es schön wäre, wenn sie daran teilnehmen würde. Leider bin ich jetzt so weit, dass ich sie auch nicht brauche, wenn es mir wie unserer Mutter geht. Wenn ihre Worte dann ins Leere laufen und ihre Tränen keine Gemeinsamkeit zurück bringen. Mein letzter Wunsch an sie ist, dass sie dann auch schweigt und allem fern bleibt, – so wie jetzt zu Lebzeiten auch. Es ist traurig, aber mein Zeichen, dass ich sie ernst nehme und verstanden habe.

    1. Liebe Wali,

      wenn ich Deine Zeilen so lese, spüre ich direkt den Schmerz und die Enttäuschung und auch Deine Hilflosigkeit, ich finde es erstmal gut, dass, Du entschieden hast, sie erstmal zu lassen und damit ein Zeichen zu setzen, dass, Du sie ernst nimmst mit Ihrer Entscheidung.

      Manchmal verstehen wir einfach nicht, was wir getan haben, manchmal sind wir gar nicht “daran Schuld” oder uns unserer Schuld nicht bewusst, weswegen wir den Kontaktabbruch einfach nicht nachvollziehen können.

      Ich bin in einer ähnlichen Situation, doch das würde den Rahmen hier sprengen, dies alles zu erzählen.

      Nur eins möchte ich Dir gerne mitgeben, falls Du gestattest, lass nicht zu dass es Dich auffrisst, denn auch wenn es total bitter ist und schmerzhaft, dennoch haben wir Entscheidungen die unsere “Liebsten” treffen zu akzeptieren, egal ob wir es verstehen oder nicht.
      Meine Erfahrung ist, dass, es immer Menschen um mich herum gibt, die mir zeigen wie wertvoll für sie meine “Gegenwart” ist und das wiederrum hilft mir über all das hinweg zu kommen.

      Diese Menschen , bzw. solche Menschen wünsche ich mir für Dich an Deiner Seite.

      Ganz liebe Grüsse
      Blackhex

    2. Hallo Walli,
      ist es wirklich so? Fiel nie ein Wort warum es so ist, wie es ist? Kann es sein, dass alle die Worte der Schwester nicht hören wolltet? Hat jemals ein wirklich inniger Kontakt stattgefunden, wo auch unbequeme Fragen Gehör fanden? Wenn ein Mensch nicht als der Mensch angenommen worden ist und wird, der er sein will, sondern nur als der, der er sein soll, dann hilft irgendwann nur noch Schweigen. Das ganze familiäre Umfeld muss sich Fragen stellen und so weiter entwickeln. Wirkliche Offenheit und liebevolle Nähe fand und findet in fast keiner Familie statt. Buchtipp “Geprügelte Generation”.
      Alles Gute.
      Sensa

  51. ich hatte vor gut 5 Jahren Kontakt zu einem lieben Menschen mit dem ich mir eine Zukunft aufbauen wollte. Von heute auf morgen hat er nicht mehr geantwortet, alle meine Versuche bis heute Kontakt aufzunehmen gehen ins leere. Ich bekomme keine Antwort wieso weshalb, warum, auch wie schon x Male gefordert ein eindeutiges NEIN oder ein verschwinde aus meinem Leben, oder ich möchte einfach keinen Kontakt mehr. Nein es kommt keine Reaktion. Ich habe für diesen Menschen alles aufgegeben und kämpfe heute innerlich immer noch mit mir, dass ich ihn nicht einfach aus meinem Leben verbannen kann, ich will es, aber ich schaffe es nicht. Ich habe ihn geliebt wie noch niemals einen Menschen zuvor in meinem Leben, alles hat sich so gut und richtig angefühlt. Ich bin ein Mensch der sich eigentlich nicht so leicht jemandem öffnet und nun weiß ich auch wieder warum, einmal Fehler gemacht und lebenslang dafür bezahlt.
    Es gibt Tage da geht es mir besser und Tage an denen hasse ich mich und mein Leben, warum war ich nur so dumm, warum kann ich nicht vergessen, obwohl ich will. Warum versuche ich heute noch ab und zu Kontakt zu bekommen, ich warte auf eine Antwort, auch wenn es nur ein “lass mich in Ruhe wäre”, aber irgendeine Reaktion, so steht immer noch Hoffnung im Raum. Nein ich glaube wollen würde ich ihn nicht mehr, aber mich wenigstens verabschieden – es fehlt ein Ende.

    1. Liebe/r HB,

      es fehlt ein Ende? nun ich hab mich extra hier eingeloggt um Ihnen zu antworten und hoffe sehr es ist okay wenn ich das tue.

      Von heute auf morgen keine Antwort mehr zu bekommen, von heut auf morgen einen Kontaktabbruch zu akzeptieren fällt schwer, allerdings ist es auch umgekehrt genau so.
      Sich zu einem “Kontaktabbruch” durchzuringen ist nie leicht und es leiden sicher beide Seiten sehr darunter.
      Doch offensichtlich, ist in solchen Situationen das reden einfach zu schwer, Erklärungen abzugeben oder zu finden wohl noch viel schwerer, vorallem
      wenn wir nicht wissen was in uns oder in dem Anderen vorgeht.
      Ein Ende finden, dazu wollt ich eigentlich antworten…
      Ein Ende finden können wir wohl in solchen Situationen so weh es uns auch tut immer nur für uns selbst.
      Wir haben immer die Wahl, entweder wir leben mit der Entscheidung die wir getroffen haben, oder wir respektieren die Entscheidung die der Andere getroffen hat.

      Oder aber, wir entscheiden uns zu leiden, was nicht allzuviel Sinn macht und auch krank machen kann.

      Ich kann Sie gut verstehen, kenne beide Situationen, Situationen in denen ich den Kontakt wortlos abgebrochen habe, weil ich einfach keine Worte mehr fand, oder mich so dermassen an den Pranger gestellt fühlte , schlichtweg nur noch fliehen wollte um mich und den anderen Menschen nicht noch mehr zu verletzen.

      Ich kenne auch Situationen wie Sie gerade erleben, wo ich nicht verstehen konnte, warum mann mir das nicht sagen konnte.

      Es scheint ein Muster zu sein, aus dem wir gegen jede Vernunft handeln und einfach aus dem Bauch heraus reagieren.

      Oder eine Lektion des Lebens welche uns lehren soll, auch Loslassen auf die “harte” Tour zu lernen?

      Wie auch immer, ich wünsche Ihnen die Kraft, zu akzeptieren und ein Ende zu finden mit dem Sie gut weiter leben können.

    2. Hallo HB,

      ich kann Dich gut verstehen: Es gibt Menschen, in die man sich so sehr verliebt, dass man glaubt, es gaebe keinen anderen, mit dem man das gleiche intensive Gefuehl haben kann. Und vielleicht ist das tatsaechlich so, vielleicht wird man genau dieses Gefuehl mit keinem anderen Menschen haben.

      ABER: es gibt andere Menschen, mit denen aehnliche intensive und sehr, sehr gute Gefuehle haben kann!

      Es ist gut, richtig und wichtig, sich dafuer zu oeffnen. Natuerlich besteht dann die Gefahr, wieder verletzt zu werden – aber es gibt auch und vor allem die Chance auf ungeheuer schoene Momente! Und diese Chance sollte man sich keinesfalls durch vergangene Erfahrungen zerstoeren lassen. Dazu ist das Leben zu wertvoll und zu kurz.

      Aergere Dich nicht, dass Du fuenf Jahre lang immer wieder gehofft hast. Das war eben so und Du kannst das nicht mehr aendern. Aber Du kannst ganz wesentlich darauf einwirken, was morgen kommt! Und deshalb finde ich, Du solltest Dich HEUTE entscheiden, die Vergangenheit nicht mehr Dein Leben bestimmen zu lassen!

      Gehe ab heute auf Menschen zu, mit denen Du gute Zeiten haben kannst: Es gibt sie, und sogar ziemlich viele!! Vielleicht ist bald auch jemand dabei, der wieder eine wesentliche Rolle in Deinem Leben spielen kann. Wichtig ist eben, dass Du wirklich offen bist und Dich vom Risiko neuer Schmerzen nicht allzu sehr einschuechtern laesst. Denn selbst wenn sie kommen, Du wirst besser damit umgehen koennen, weil Du staerker, aber nicht verhaertet geworden bist.

      Der verstaendliche Wunsch nach einem Abschied von diesem einen Menschen wird Dich moeglicherweise weiter begleiten. Aber er wird nicht mehr Dein Leben bestimmen – sondern Du.

      Du bist das wert!

      Viele Gruesse,
      Rolf

      1. Lieber Rolf,
        ich bin sicher, du meinst das sehr gut, aber dein Ratschlag, „loszulassen“ wäre für jemanden wie mich z. B. wenig hilfreich bzw. sogar schädlich.
        Ich kann HB insofern gut verstehen, als ich auch dazu neige, mich entweder gar nicht oder sehr heftig zu verlieben. Und wenn ich es dann doch mal tue, dann dauert es eben, solange es dauert. Gutgemeinte Aufforderungen, „loszulassen“ und „mich für andere zu öffnen“ hatten in der Vergangenheit nur den Effekt, daß ich mich völlig unverstanden fühlte, und daß ich den Eindruck hatte, daß mit mir offenbar etwas ganz speziell und ganz grundsätzlich nicht in Ordnung war, weil ich eben nicht loslassen KONNTE. Mittlerweile weiß ich, daß es mir nicht guttut, auf solche sicher gutgemeinten Ratschläge zu hören. Alles hat seine Zeit.
        Und ich teile meine Gefühle und Kümmernisse nur mit den Menschen, die wissen, daß mein Weg mein Weg ist, und die mich darin ermutigen, mir selbst zu vertrauen und mich so zu akzeptieren, wie ich bin, in aller Unvollkommenheit.

        Es ist schön für dich, Rolf, wenn du unangenehme Gefühle einfach so loslassen kannst. Eine Menge Menschen, glaube ich aber, können das nicht. Gefühle sind einfach Gefühle. Sie sind so, wie sie sind, gut. Es mag Yogis geben, die Zahnschmerzen einfach wegmeditieren können. Aber die meisten Menschen können das nicht. Zu unterstellen, daß dies an mangelnder Selbstliebe läge, geht m. E. an der Sache radikal vorbei. Für mich ist es Selbstliebe, meine Gefühle zu akzeptieren, so, wie sie sind. Auch Wut, Schmerz, Angst, Neid, Haß, Sehnsucht, Verzweiflung. Ich versuche, sie zu akzeptieren, so gut es geht, und mich so zu lieben, wie ich nun mal bin. Dann ist der Schmerz leichter zu tragen. Und irgendwann löst er sich vielleicht sogar auf. Aber nicht ich bestimme, wann das ist. Manchmal dauert es halt länger.

        Wir leben in einer Gesellschaft, wo uns ständig gesagt wird, daß wir nicht richtig sind, wie wir sind, daß wir uns optimieren müssen, daß unsere Sehnsüchte sentimental und unsere Wünsche sowieso unerfüllbar sind. Ich nehme es mir heraus, anderer Ansicht zu sein:

        “Sehnsucht ist die Kraft, die uns zu unserer Bestimmung führt. Sie motiviert uns, zu handeln und uns zu entwickeln; sie schenkt uns Lebensmut und Freude und gibt uns die Energie, das Unmögliche möglich zu machen. Sehnsucht ist unser innerstes, ureigenstes Gefühl, die Stimme unserer Seele.

        Sehnsucht ist schöpferisch. Sie trägt den Sehnenden unfehlbar zum Ersehnten. Doch damit sie das tun kann, muß man sie in sich leben lassen, muß sie in Herz und Bewußtsein lebendig halten, sie ehren und pflegen und ihr sein Leben widmen.

        Den größten Fehler unseres Lebens begehen wir, wenn wir eine Sehnsucht begraben. Wir alle haben diesen Fehler gemacht, und nicht nur einmal. Die eine Sehnsucht haben wir begraben, weil uns die Stimme der Logik dazu riet („Es ist ja doch unmöglich“); eine andere, weil wir nach einer enttäuschenden Erfahrung eine entsprechende Schlußfolgerung gezogen haben (etwa „Für mich gibt es so etwas nicht“). Eine dritte liegt unter dem Wunsch nach Konformität mit Gesellschaft, Elternhaus, Religion oder spirituellem Ideal („Nach so etwas darf man sich nicht sehnen; es ist verboten“) begraben. Immer wenn wir eine Sehnsucht begraben, begehen wir ein Stück Selbstmord.” – Safi Nidiaye

        Alles Liebe,
        Chiara

        1. Hallo Chiara,

          ich hoffe ich darf auch darauf antworten?

          Sehnsüchte über Bord zu werfen ist sicher, wie Sie richtig bemerkt haben, der falsche Weg.

          Allerdings was bringt es uns sich nach etwas zu “sehnen” etwas zu “begehren” was wir nicht haben können/sollen, weil etwas anderes vielleicht vom Schicksal für uns geplant ist?

          Mir sagte meine Grossmutter einmal:
          Manchmal muss man jemanden den man liebt loslassen, damit er in Liebe von sich aus wieder kommen kann, denn nur wenn diese Entscheidung dann aus dem Herzen kommt kannst Du das auch ernst nehmen und glücklich werden.

          Die Sehnsucht die unser Herz in sich trägt, beruht wohl darauf dass, wir uns bedingungslos geliebt fühlen wollen, denn nur so werden wir unser Glück, die Geborgenheit und Sicherheit finden nach der wir unser Leben lang suchen.

          Hat unsere Sehnsucht die wir im Herzen haben, nicht auch etwas damit zu tun , sich auf die Suche danach zu machen um zu finden was wir begehren?

          Was ist also falsch daran, loszulassen was uns so schmerzt?

          Alles Liebe
          Blackhex

          1. Nichts ist falsch daran, es zu tun, wenn man es kann.

            Was ich aber schon falsch finde, ist, zu meinen, man tue jemandem etwas Gutes, wenn man ihn drängt, etwas zu tun, was er eben NICHT kann. Das treibt ihn nur weiter in die Isolation. Deswegen habe ich den Vergleich mit den Zahnschmerzen gewählt: da spätestens ist wohl jedem einsichtig, daß man nicht einfach sagen kann: „Ich lasse den Schmerz los!“ – und schon ist er weg!

            Bei emotionalen Schmerzen kann es ähnlich sein. Natürlich gibt es Gefühle, die man los lassen kann – weil sie nicht sehr stark sind, weil ihre Zeit gekommen ist, weil ein anderes Gefühl stärker ist etc. Aber das weiß letztendlich nur die Person, die das Gefühl hat.

            Und ich wiederhole, wenn man diese Person drängt, loszulassen, dient man einem gesellschaftlichen Standard, der nur allzu weit verbreitet ist. Trauer ist unerwünscht. Frag mal Menschen, die einen nahen Angehörigen verloren haben, Eltern, denen ein Kind gestorben ist oder Frauen, die eine Fehlgeburt hatten. Am Anfang ist wohl Mitgefühl da, aber ganz schnell erwartet die Umgebung, daß der Mensch „losläßt“ und über seinen Verlust wegkommt. Seine Trauer ist unbequem. Und Menschen, die um eine verlorene Liebe trauern, haben es noch etwas schwerer, denn sie haben ja nicht mal einen „guten Grund“. Wie können sie um jemanden trauern, der sie verlassen oder vielleicht gar schlecht behandelt hat? Oder, noch schlimmer, den sie selbst vielleicht verlassen haben?

            Aber Gefühle sind eben nicht rational und nicht planbar. Zu fragen, „was es bringt?“ ist die falsche Frage, weil sie suggeriert, daß man Gefühle unter Kontrolle hätte und sie an- und abschalten könnte, gerade so wie es paßt. Das kann man nicht. Und es ist auch gar nicht wünschenswert. Ein SS-Mann, der jüdische Frauen und Kinder zu erschießen hatte, hätte wohl auch gesagt, daß Gefühle wie Mitgefühl und Grauen „nichts bringen“. Es ist wahr, Gefühle hindern einen manchmal, reibunglos zu funktionieren. Das ist unbequem, aber trotzdem nicht unbedingt ein Nachteil. Nur durch Gefühle sind wir menschlich.

            Natürlich kann man selbst die Entscheidung treffen, gegen manche Gefühle anzukämpfen, und manchmal gelingt es vielleicht auch. Aber für andere ist es so ungeheuer einfach, jemandem zu sagen, er sollte seine Gefühle nicht haben. Viel zu einfach. Und es hilft demjenigen, der sie hat, überhaupt nicht. Denjenigen, die es gesagt haben, hilft es dagegen in den meisten Fällen schon: denn sie werden mit unerwünschten Gefühlsäußerungen dann nicht mehr belästigt.

            Ich meine damit nicht, daß man sich was vormachen soll. Es bringt wenig, sich an jemanden zu klammern, der gehen will oder schon gegangen ist. Aber auch eine Mutter, die um ihr totes Kind trauert, glaubt wohl selten ernsthaft, daß es wieder auferstehen wird. Trotzdem trauert sie. Genauso kann man vor sich selbst zugeben, daß eine geliebte Person endgültig gegangen ist. Und trotzdem trauern. Beziehungsweise: gerade deswegen.

            Ist das jetzt klarer, was ich meine?

            Herzliche Grüße!
            Chiara

          2. Liebe Chiara,

            ja danke, es ist etwas klarer für mich geworden.
            Mir ist schon auch bewusst geworden dass, loslassen nicht so von heut auf morgen geht, ich habe gute Freunde verloren die ich nie wieder erreichen kann, sie hatten sich entschieden freiwillig aus dem Leben zu gehen.

            Ich weiss bis heute habe ich sie emotional “nicht losgelassen” weil ich mich weigere dies zu tun, denn das würde in mir die Angst wecken, sie zu vergessen.

            Sicherlich es stimmt schon Trauer oder “zu sensibel” zu sein, ist nicht wünschenswert in unserer Gesellschaft, schnell wird man als “seelisch instabil” oder wie auch immer hingestellt…doch ich erlaube mir erst seit kürzerer Zeit meine Gefühle offen zu zeigen.

            Meine “Erziehung ” um es kurz zu erwähnen war zu hart und geprägt von vielen Sätzen wie:
            Das tut man nicht, das darf man nicht, was sollen denn die Leute denken, etc…ich erinnere mich das unter anderem auch der Satz :
            :Heul nicht rum, lenk Dich besser ab.

            Chiara, niemand kann Sie oder mich dazu drängen etwas zu tun was wir nicht wollen.

            Ich würde es anmassend finden und ich weiss das ich heute mich auch dagegen mit aller Energie wehren würde, denn Fremdbestimmtheit akzeptiere ich heute nicht mehr.

            Das Schlimmste für mich ist die Fremdbestimmung von Familienmitgliedern, die sich erlauben nach wie vor, es “gut ” zu meinen und mir sagen wollen was ich zu tun oder zu lassen hätte.

            Nachdem ich mich entschieden habe, mir eben nicht mehr alles gefallen zu lassen um des lieben Friedens Willen, bin ich eben das “Schwarze Schaf” bzw. die “Blackhex” der Familie die ach sooo grausam ist.

            Thats my Way, ich leide und auch ich sehne mich nach innerlichem Frieden aber ich werde loslassen, weil es mich krank gemacht hat.

            Ebenfalls herzliche Grüsse
            Blackhex

            Viele Ratschläge sind eben auch wenn so gut gemeint oft fast “Schläge” auch wenn keine Absicht dahinter steht und sie hilfreich gemacht werden.

        2. Hallo Chiara,

          ganz bewusst hatte ich es in meinem Beitrag vermieden, vom “Loslassen” zu schreiben. Da hast Du was heraus gelesen, das ich keinesfalls so sagen wollte.

          Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie falsch es sich anfuehlt, den Rat-Schlag des Loslassens zu bekommen: Meine Ex-Freundin hatte sich im April 2011 von mir getrennt und hat mir bis heute keinen persoenlichen Abschied geschenkt. Ich habe eine wirklich sehr harte und schmerzhafte Zeit intensiven Nachdenkens und – soweit das ohne Abschied moeglich war – auch des Trauerns hinter mir.

          Trotzdem habe ich nicht endgueltig mit ihr abgeschlossen und vermute, gelegentliche Gedanken an sie werden immer eine Rolle in meinem Leben spielen: Der Wunsch, als gute Freunde sporadisch miteinder zu tun zu haben oder zumindest, uns als gute Freunde voneinander zu verabschieden, wird mich weiter begleiten.

          Aber das liegt nicht in meiner Hand: ich habe nach meinem Ermessen alles getan, was ich konnte, um zu diesem Ziel zu kommen; vielleicht zu viel. Jetzt muss ich das ruhen lassen – vielleicht sogar fuer immer. Das waere fuer mich enorm schmerzhaft, und ich kann es ganz bestimmt nicht einfach abschalten. Und dennoch kann ich wohl nichts tun.

          Ich habe diese Sehnsucht also nicht aufgegeben. Ich habe ihr aber einen Platz gegeben, an dem sie nicht mehr mein Leben dominiert. Und ich habe anderen netten und wunderbaren Menschen Raum in meinem Leben gegeben, den sie zu meinem sehr großen Glueck auch einnehmen.

          Und daher vermute ich, Chiara, sind wir in unseren Ansichten eigentlich nicht weit entfernt voneinander: Gefuehle und Sehnsuechte akzeptieren und zulassen, ja, auf jeden Fall! Aber – und das war mein Rat (ganz bewusst ohne -schlag) an HB – nicht zulassen, dass eine Sehnsucht, zu deren Erfuellung man selber nichts mehr beitragen kann, das Leben beherrscht und Glueck mit anderen wundervollen Menschen dauerhaft verhindert.

          Viele Gruesse,
          Rolf

          1. Liebe Blackhex,
            ich kann das gut verstehen, wenn du sagst, daß du ehemals gute Freunde bis heute emotional “nicht losgelassen” hast, weil du Angst hast, sie zu vergessen. Ich glaube, besondere Menschen bringen immer Geschenke in unser Leben – ganz unterschiedliche Dinge, z. B. daß wir uns eigener Gefühle oder Wünsche bewußt werden, von denen wir vorher nichts wußten, oder der Kontakt mit anderen Ländern oder allen möglichen Interessensgebieten (wie Theater oder Basketball oder Haikus oder, oder, oder….) und noch ganz vieles mehr. Für uns gehören sie zu diesem Menschen und sind Teil der Faszination, die er auf uns ausübt. Es kann lange dauern, bis wir begreifen, daß wir zumindest einiges davon auch ohne diesen Menschen haben können, und manchmal muß man sehr kreativ sein, um einen Weg dazu zu finden.

            Aber solange man diesen Weg nicht gefunden hat, kann es, finde ich, durchaus ein Zeichen von Gesundheit sein, wenn man ihn nicht losläßt. Es ist ein Weg, um die Geschenke zu bewahren, die er einem gebracht hat. Es macht sicher Sinn, dafür andere Wege zu suchen, aber das kann manchmal eben eine ganze Weile dauern.

            Und es ist auf jeden Fall eine gute Sache, selbst zu entscheiden – entweder loszulassen, weil es zu weh tut oder weil es vorbei ist oder weil einen nur Schuldgefühle halten oder Angst vor der Zukunft. Oder eben festzuhalten, solange sich das richtig anfühlt. Ich glaube, das sehen wir ähnlich.

            Alles Gute und herzliche Grüße!
            Chiara

          2. Hallo Rolf,
            danke für deine Antwort! Ja, ich denke, unsere Sichtweisen sind sich tatsächlich näher, als ich zunächst dachte. Danke, daß du deine Geschichte erzählt hast.

            Ich finde es immer wieder verblüffend, wieviel besser man sich versteht, wenn man einander mitteilt, auf welchen Erfahrungen die eigenen Ansichten beruhen, anstatt nur die Ansichten auszutauschen.

            Alles Gute und herzliche Grüße!
            Chiara

      2. Lieber Rolf,

        hmm, ich weiss nicht so recht, Sie schreiben dass, es andere Menschen gibt, mit denen aehnliche intensive und sehr, sehr gute Gefuehle haben kann!

        JA ; das mag wohl stimmen doch sie sind eben nur ähnlich!

        Jeder Mensch hat meiner Meinung nach seine eigene Gefühlswelt und seine ihm eigene Art Zärtlichkeit und Zuneigung zu zeigen, wenn man sich allerdings mit jeder Phase seines Herzens in einen Menschen verliebt hat, mit ihm viele Jahre erlebt und “durchgemacht” hat, dann ist es schwer zu sagen ja ich verzichte darauf.

        Denn die Sehnsucht und die Erinnerung daran darf bleiben!

        Sie hat ihr Fug und Recht zu bleiben, doch in dieser “Schleife” ich will nur das haben, hängen zu bleiben ist sicher nicht gesund, darin gebe ich Ihnen sehr recht.

        Lieben Gruss
        Blackhex

    3. Hallo,

      danke für die vielen Kommentare. Ihr glaubt sicher nicht, was ich schon alles versucht habe um los zu lassen. Allerdings habe ich für diesen Menschen sehr viel aufgegeben und das weiß er, was ich vor allem bescheiden finde, er wußte was ich alles vor habe und eine einzige sms hätte ausgereicht um einiges in meinem Leben anders zu machen, Manche Dinge hätte ich nicht getan, wenn auch nur eine einzige Antwort gekommen wäre, versteht mich jetzt nicht falsch, dass soll kein Vorwurf sein, Schuld habe ich selber, habe ihn wohl falsch eingeschätzt, da er auch mal versprochen hatte immer für mich da zu sein. Ich habe auch eine neue Beziehung, die aber eben nicht so läuft. Leider sind wir zu unterschiedlich und dann taucht halt immer wieder der Gedanke auf was wäre wenn. Dieser Mann hat leider für mich vieles aufgegeben und ich fühle mich nun dem gegenüber schuldig. Oh man mein Leben ist nicht einfach, zur Zeit könnt ich – ach keine Ahnung was

      1. Liebe HB,

        was wäre wenn? hm, ich weiss nicht ob dieses Frage danach Sinn macht.
        Denn wir haben ja die Wahl, bzw. die Entscheidung schon getroffen also folgt kein “was wäre wenn” mehr.

        Unsere Gefühle gehen seltsame ganz eigene Wege und wir tun eben immer das was uns unser Herz rät, manchmal eben auch mal was , das sich im Nachhinein eben falsch oder richtig anfühlt.
        Entscheidungen gehören zum Leben und auch zur Liebe, manchmal erlauben sie uns eben unser Leben neu zu gestalten , oder eben einen Kurs den wir eingeschlagen haben zu korrigieren.

        Für mich gibt es in der Liebe keine Frage der Schuld, denn Liebe ist nun mal wie sie ist.

        Wenn der EX Partner eben nicht reden will, so müssen wir das akzeptieren, wenn es ihnen besser geht, schreiben Sie ihm einen Abschiedsbrief in dem alles steht was Sie ihm noch sagen wollen, ihn noch alles fragen können was an Fragen da ist, ABER erwarten Sie keine Antwort und akzeptieren Sie auch wenn keine Antwort kommt, es soll schlichtweg eine Möglichkeit sein, “sich von der Seele zu reden und zu einem Ende ” zu kommen.

        Vermutlich wird es Ihnen dann leichter fallen das “Ende” das Sie finden wollten zu finden.

        Was Ihren neuen Partner angeht, so reden Sie offen mit ihm, Schuldgefühle sollten in einer neuen Beziehung keinen Raum finden und notfalls könnten Sie ja eine “Freundschaft” weiterführen anstatt eine “unglückliche Basis” zu leben?

        LG Blackhex

        1. ich habe einige solcher Briefe hinter mir, nein es geht mir dadurch nicht besser, da keine Reaktion kam , hatte es ja auch nicht anders erwartet, aber es tut weh unendlich weh. Denn es hat sich mit Ihm einfach alles so gut und so richtig angefühlt wie noch nie in meinem Leben

          1. Liebe HB

            das Gefühl kenn ich auch, zu gut sogar.
            Ich kann Sie diesbezüglich sehr gut verstehen doch nochmal, Liebe lässt sich leider nicht dreinreden, auch wenn wir noch soo sehr leiden, sie hat ihre guten Gründe und eins kann ich mit Sicherheit sagen auch so manche Überraschungen für uns parat auch wenn wir sie oft NICHT sehen wollen ;-)

            Liebe Grüsse und alles Liebe
            Blackhex
            PS: Lassen Sie sich auf etwas Neues ein, das Leben ist zu kurz um ständig Vergangenen nachzutrauern.

    4. Danke für die lieben Worte, ich weiß das Leben ist zu kurz. Das ist auch das Problem das mich am meisten belastet. Meine jetzige Beziehung ist nicht das, was ich möchte, obwohl er ein lieber netter Mensch ist – wie war des mit dem Wörtchen nett???? Aber es fehlt an Gemeinsamkeiten und vielem mehr. Leider ist es nicht so einfach zu gehen, blöd wie ich bin hängt nun zum 2 ten mal Eigentum dran und da ist es nicht so einfach wieder alles hin zu werfen, ich weiß nicht, ob ich ein 2 tes Mal das alles schaffe, aber ich möchte mich auch noch in den Spiegel sehen können und nicht dafür hassen, dass ich alles so hin nehme. Na kommt Zeit kommt Rat. Irgendwann werde ich den Schritt schon schaffen.

  52. Ich hoffe es ist ok, wenn ich das auch hier poste. Ich möchte niemandem Konkurrenz machen, aber es gibt nicht viele Stellen, wo ich die ansprechen kann, die ich ansprechen möchte.

    Webseiten für verlassene Eltern und verlassene Großeltern gibt es mittlerweile, auch Seiten für alle, aber nur die “Kinder” scheinen sich noch nicht so richtig organisiert zu haben. Obwohl an vielen Stellen ein Bedarf dafür festgestellt wird. Ich möchte das mit der Seite http://beziehungswaisen.weebly.com gerne ändern.

    Michael

    1. Danke Michael für Ihren Link zur “anderen Seite”!
      Nach eigener innerer Aufarbeitungsarbeit fühle ich mich heute nicht mehr als Waise oder Opfer; die Trauerarbeit war schwer, nun schaue ich leichter nach vorne. Das Gefühl mich befreit zu haben von einer “Familie”, die sich nicht ZUSTÄNDIG fühlte um mir in meiner seelischen Not beizustehen, ist das beste Geschenk, das ich mir selbst jemals gemacht habe. Ich habe mir erlaubt, mir Zeit zu schenken zum Aufarbeiten und das Ergebnis halte ich nun in meinen Händen für mich und für meine Familie, die mich unterstützt hat und die meinen Weg mitfühlen und verstehen können.
      Kontaktabbruch oder Funkstille haben stets zwei Seiten und wenn eine Seite nicht beleuchtet werden darf, die Bereitschaft für einen heilsamen Prozess auf einer Seite fehlt, dann gelingt keine echte Annäherung bzw. Versöhnung.
      Herzliche Grüße, Leona

      “Wie kann sich ein Mensch lieben, der sehr früh lernen musste, dass er nicht liebenswert sei? Dass er Schläge bekommt damit er anders wird, als er ist. Er fühlt sich schuldig, will sich bessern, aber das kann gar nicht gelingen, weil die Eltern an ihren Kindern die Wut erleben und auslassen, die sie bei ihren eigenen Eltern zurückhalten und unterdrücken mussten. Das Kind ist nur Auslöser dieser Wut. Wenn man dies einmal wirklich begriffen hat, hört man auf, auf die Liebe der Eltern zu warten. Erst dann erlaubt man sich, zu sehen, wie man als Kind behandelt wurde, und zu spüren, wie man darunter gelitten hat. Statt die Eltern wie bisher zu bemitleiden, zu verstehen und sich selber zu beschuldigen, fängt man an, dem mißhandelten Kind beizustehen, das man einst war. Das ist die Geburtsstunde der Liebe zu dem Kind , die ohne diese Vorbedingungen, ohne die Einsicht in die damalige Tragödie, nicht zustande kommen kann.” Alice Miller

      1. Hallo Leona,

        es ist zwar schon ein bisschen her, aber ich wollte Dir immer nochmal antworten:

        Grade weil Du Dich in dem Kontaktabbruch weiterentwickelt und damit offenbar weitgehend abgeschlossen hast, würde ich mich freuen, wenn Du gelegentlich bei den Beziehungswaisen vorbeischauen und Dich vielleicht auch beteiligen würdest. Ich finde es nämlich total wichtig, nicht auf dem Kontaktabbruch hängen zu bleiben und sich nicht endlos auf das zu konzentrieren, was einem angetan wurde. Irgendwann muss man halt auch aufstehen und sich sein Leben erobern. Dass Du das geschafft hast macht Dich für mich zu einem echten V.I.P. ;)

        Liebe Grüße

    2. An dieser Stelle möchte ich mich für den regen Austausch noch einmal bedanken. Das Thema treibt mich nach wie vor um und das Buch hat sicher nicht alle Fragen beantwortet. Mir wäre noch einmal wichtig zu erfahren, welche Fragen Eurer Meinung nach offen geblieben sind und welche Aspekte noch beleuchtet werden sollten.

      Herzlichst,

      Tina Soliman

      1. Liebe Tina,

        vorweg mal herzlichen Dank für die Möglichkeit hier auf neutraler Ebene dieses Thema zu diskutieren.

        Ihr Buch, zeigt Mut und vorallem ein Thema an mit dem sich viele Menschen auseinander setzen und diese Thematik in aller Stille mit sich selbst ausmachen wollen.

        Auch ich gehöre dazu, manchmal fehlt mir der Mut darüber zu reden, weil mir Worte fehlen.

        Es gibt sicher noch vieles an Themen oder Fragen die in uns auftauchen und eins ist gewiss, auch wenn wir diese “Funkstille” auslösen oder erleben, es wird uns immer und immer wieder beschäftigen und ich glaube, sich richtig endgültig von diesem Thema zu lösen und alle Antworten darauf zu finden, werden wir wohl nicht schaffen.

        Viele Grüsse
        Blackhex

      2. Liebe Tina,

        um Deine Frage zu beantworten: Meiner Meinung nach behandelt das Buch das ganze Thema wirklich umfassend. Ich finde alle Facetten wieder und mir fällt nichts ein, was fehlt. Für mich sind die Fallgeschichten die große Stärke des Buches. Also die Geschichten und vor allem wie sie durch Dich, also durch die Autorin, vertieft und beleuchtet werden. Davon würde ich mir mehr wünschen, vorzugsweise natürlich wenn beide Seiten zu Wort kommen. Mir scheint der Schwerpunkt sehr darauf zu liegen, den pathologischen Charakter des Kontaktabbruchs herauszuarbeiten, da würde ich mir vielleicht andere Schwerpunkte wünschen: Als Abbrecher würde ich gern mehr darüber erfahren, wie andere Abbrecher die Funkstille erlebt bzw. in der Funkstille gelebt haben. Und ich fände es interessant, mehr darüber zu erfahren, wie der Weg zu einem neuen Kontakt gestaltet werden kann.
        Außerdem ergeben sich aus dem Buch natürlich Fragen… ;) Bist Du noch mit Jan befreundet oder hat er, der Narziss, nicht ertragen, wie Du ihn beschrieben hast? Und sind Stephan und Marie noch befreundet oder hat sich die Geschichte wiederholt? :)
        Musste Claudia umziehen, nachdem ihr sie so belagert und bedrängt habt?

  53. Hallo!
    Den Kontakt abzubrechen ist für keine Seite leicht. Den Kontakt aufrecht zu erhalten zu Eltern und Geswistern, die nur das von einem annehmen und sehen wollen, was ihnen angenehm ist, was schön ist, bequem, friedlich, brav und angepasst, ist es allerdings auch nicht. Man quält sich sein Leben lang, redet gegen Wände, rennt gegen Wände. Das Eigene ist unerwünscht. Der Wunsch nach Offenheit, nach ehrlicher Aussprache, nach Auseinandersetzung, nach darüber reden können im Kreis der “Lieben”, reden über das, was vorgefallen ist, ohne immer nur das Gefühl zu haben, zu stören, verrückt oder krank zu sein. Krank ist, wer sich umdreht, wegguckt, verleugnet, sich nicht weiter entwickeln will, alles soll so bleiben wie es ist, schön, weich, einfach, bequem. Wer oder was dafür geschlachtet wurde, das ist ja schon so lange her. Warum sollte ich den Kontakt aufrecht erhalten zu Menschen, die mich weiter nur ausbeuten wollen für ihren Seelenfrieden.
    Was vorgefallen ist hat mich zum Stummsein, zum Aushalten genötigt, nicht auffallen um zu überleben, als Kind. Man wird bis ins Erwachsenalter von seinen Eltern so behandelt und die Geschwister wollen nichts merken…. nichts… sind weiter abhängig von Eltern, die keinen Respekt haben vor der Weiterentwicklung ihrer “erwachsenen” Kinder.
    Ich stehe endlich zu mir, ohne schlechtes Gewissen, ohne falsche Moral.
    Kontakte pflegen, wozu? Sie alle drehen sich ahnungslos mit ihren alten Phrasen weg. Ich stehe nicht mehr zur Verfügung für Macht und Moral. Das bin ich mir schuldig!
    Alles Bessere

    1. Hallo,
      auch du schreibst mir aus der Seele. Mir ergeht bzw. erging es genau so wie dir. Auch ich habe den Kontakt zu MUTTER, Vater, Schwester und Bruder abgebrochen. Seitdem habe ich MEINEN FRIEDEN gefunden. Es geht mir gut damit! Und das POSITIVE: ich habe mich endlich frei entwickeln können ohne schlechtes Gewissen. Endlich FREI! Und dabei bin ich endlich ICH SELBST geworden! Und so gefalle ich mir verdammt gut! ;o)
      LG Sibylle

      1. Hallo Sybille,
        sich frei zu fühlen und zu sich selbst stehen zu können nicht um den Preis des Selbstbetrugs und den anderen gefallen zu müssen, das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die Traurigkeit über den fehlenden echten Kontakt zu Menschen, die einem einmal nahe standen. Den Kontakt zu Menschen, denen es nicht bewußt ist oder werden will, welchen Druck sie ausgeübt haben und immer noch ausüben, um ihren Willen immer wieder durchzusetzen, sei es aus Spaß am Spielchen Namens “Hü und Hott” oder nur um sich allein dadurch noch zu spüren wenn man andere quält. Es ist das Spiel “ich hab dich nur lieb, wenn du mir gehorchst, tust du es nicht, bist du draußen” und “es war doch immer so schön früher, alles war so schön….” Für wen war es schön? “Sei mir nicht mehr böse”, waren die Worte meiner Mutter, nachdem ich mich nach respektlosen Gesprächen nicht mehr bei ihre melden wollte, es nicht mehr aushielt ihre alten Sprüche zu hören. Man kann die messerscharfen versteckten Botschaften nicht mehr überhören, wenn man bewußt seinen Gefühlen vertraut und darauf achtet, mit welchen Krankheitssymptomen der Körper reagiert. Es ist die Sensibilität, die nie beachtet wurde von den Eltern, Sensibilität, auf die draufgehauen wurde mit Wort und Tat, diese Sensibilität habe ich mir bewahren können und mit ihr die falsche Liebe durchschaut. Ich fühlte und durfte nicht fühlen, wollte reden und hielt meinen Mund. Wenn diese Haltung über die Kindheitsjahre hinaus auch weiter von einem erwartet wird, wie soll da echte liebevolle Kommunikation entstehen? Wenn alle Versuche gehört und gesehen zu werden, ignoriert werden bleibt nur noch zu akzeptieren, dass es so ist.
        Die Zeit wird zeigen, ob sich wieder eine Annäherung ergeben kann. Jeder braucht Zeit zum Nachdenken und Funkstille ist dazu da, nach zu denken und zu fühlen. Jemandem Zeit und Ruhe zu schenken für sich und seine Entwicklung ist doch ein schönes Geschenk!
        Glaube, Liebe, Hoffnung – diese 3 hab’ ich von meiner Oma mitbekommen und die kann mir niemand nehmen.
        “Man wird nie verstanden, man wird immer nur gelobt oder getadelt.” Nietzsche?

  54. Folgende Sache ich habe ein Kollege der war nicht zuverlässig mit Autoversicherung, so Konnte ich meine Auto 1 Monat nicht einlösen, ich musste seinen Chef benachritigen. Jetzt möchte er zu mir kein Kontakt mehr obwohl, er an gewissen anlässen immer wieder auf mich zugekommen ist. Von Februar bis September habe ich Ihn ignoriert as mir mittlerweile Leid Tat und ich mich entschuldigt habe. Jetzt bedrohte er mich wenn ich ihn noch weiter Kontaktiere melde er es der Polizei, dabei habe ich nur versucht mit ihm wieder auszukommen. Ich habe nur immer angerufen weil mich das belastet. Er sagt er will kein Kontakt mehr wegen der Sache. Warum komt er dann immer wieder auf mich zu???? Kann mir jeman eine Antwort geben? Danke

  55. Hallo Zusammen,

    durch einen Zeitungsausschnitt bin ich auf diese Seite aufmerksam geworden.

    Ich bin eine “Verlassene”.

    Meine Mutter, die ich über alles geliebt habe und bei der ich eine wunderbare Kindheit, eine tolle Jugend und ein geniales Leben als junge Frau erlebte hat mir von einem Tag auf den anderen schrifltich (zu meinem Geburtstag) mitgeteilt das ich mich bitte nie mehr melden solle.
    Zu diesem Zeitpunkt war unser Verhältnis etwas gestört, da ich viele Änderungen im Wesen meiner Mutter nicht gut fand und ihr das auch sagte.
    Sie kümmerte sich nicht um ihre Mutter im Altersheim weil sie keine Lust hatte, sie kümmerte sich nicht um ihren Mann (nicht mein Vater) der mit einem Schlaganfall im KKH lag weil sie das nervte.
    Sie selber hatte zu der Zeit sicher schwere Depressionen, die mir erst heute im Nachhinein und als reife Frau von 50 Jahren bewußter sind. Aber sie ließ sich nicht helfen, alles war schwarz, nichts war mehr schön.
    Ich konnte damit schwer umgehen, war beruflich extrem eingespannt und habe mich sicher mehr zurück gezogen, denn ihr Verhalten zog mich runter….

    Und dann kam dieser Brief, für mich unfassbar und ich bin zusammengebrochen, habe die Welt nicht mehr verstanden.

    Was für mich das Schlimmste war: ich habe mich als so einen unendlich schlechten Menschen gefühlt, ein Mensch, der es nicht mehr wert ist geliebt zu werden, ein Mensch, von dem man sich löst weil er einfach nichts mehr wert ist, weil man ihn nicht erträgt…

    Ich habe viele Gespräche mit Freunden geführt, mit meinem damaligen Frauenarzt und mit Kollegen (ich musste einfach darüber reden) und ausnahmslos wurde mir gezeigt, dass ich ein liebenswerter und toller Mensch bin und das ich NICHT schuld bin.
    Ich kann meine Gefühle zu dieser Zeit kaum in Worte fassen und als ganz furchtbar empfand ich auch, das ich immer meinte mich dafür rechtfertigen zu müssen. Jedem sagen zu müssen das ich nett bin…
    Und es war furchtbar nicht erklären zu können warum sie das getan hat, ich wusste es doch selber nicht.
    Ein halbes Jahr später habe ich meiner Mutter einen Brief geschrieben in dem ich meine Gefühle darlegte, ihr klar machte, wie sehr mich ihr Verhalten verletzt, das ich nicht wüßte was furchtbar grausames ich getan hätte das diese Reaktion auslöste. Ich habe ihr geschrieben, das ich ihren Wunsch auf Kontaktabbruch respektiere, sie in meinem Herzen immer meine Mutter bliebe.
    Ich habe den Kontaktabbruch irgendwann akzeptiert und merkte mit den Jahren, das es mir gut tat, aber ich hatte nie den Zustand das ich es verstanden hätte.
    Meine Schwester (die von meiner Mutter ihr Leben lang finanziell unterstützt wurde) schloss sich dem Verhalten meiner Mutter an (damit kann ich sehr gut leben, sie ist für mich eine fremde Person die ich, bei Gott, nie mochte) sowie mein Patenkind (Tochter meiner Schwester) entzogen sich mir ebenso zeitgleich mit meiner Mutter.

    Als ich vor 9 Jahren meinen jetzigen Freund kennenlernte und ich ihm irgendwann davon erzählte meinte er nur: Geh zu ihr, such das Gespräch, kläre das, irgendwann ist sie tot, dann ist es zu spät.
    Allein bei dem Gedanken schnürte es mir den Hals zu und ich bekam kaum Luft. Ich konnte und wollte es nicht und mir war klar, das meine Mutetr ohne mich sterben würde.

    Dies geschah im Juni 2010…
    Meine Schwester wollte gar nicht das ich davon erfuhr, mein Patenkind hat mich
    dann doch kurz und knapp und ohne den Todesgrund zu nennen (meine Mutter war 75) informiert.
    Ich habe eine Kerze angezündet, habe ein Bild aus alten Tagen davor gestellt und habe geheult….
    Das hat gut getan, denn mir war klar, dass ich um die Mama vor über 30 Jahren weinte und nicht zum den Menschen der mir 12 Jahre zuvor den Kontakt untersagte.
    Ich ging nicht zur Beerdigung, ich ging arbeiten….

    Zur Stunde der Beerdigung bin ich aus dem Büro, habe mich an den Rhein gesetzt und habe mit meiner Mutter Zwiesprache gehalten, es war komisch, es tat weh und doch war es für mich das richtige Gefühl.
    Erst Wochen später habe ich ihre anonyme Grabstätte (eine Wiese auf einem Friedhof) besucht und habe mich endgütlig von ihr verabschiedet.

    Es war damals, als sie sich von mir löste, die Hölle für mich und es hat so unendlich viel Zeit gebraucht bis ich annehmen konnte, das ich ein netter Mensch bin, das ich ein liebenswerter Mensch bin und das ich es wert bin geliebt zu werden.
    Das sie mir all das damals für lange Zeit genommen hat, habe ich ihr eigentlich bis heute nicht wirklich verzeihen können-
    Und doch habe ich Frieden mit ihr geschlossen…

    – Die Extochter

    1. Hallo Extochter!
      Beim Lesen Deiner Geschichte kam mir spontan der Gedanke, dass Deine Mutter für sich allein sein und leben wollte. Sah sie in ihrem Rückzug die einzige Möglichkeit diesen Wunsch erleben und damit allen Verpflichtungen und Erwartungen auf diese Weise entfliehen zu können? Sie war nach deinen Schilderungen ja eine sehr fürsorgliche Frau und Mutter, sie schenkte Dir eine schöne Kindheit und Jugend. Manchmal ist ein Mensch einfach nur müde vom Geben.
      Es liest sich so, als hättest Du die Schuld bei Dir gesucht, warum sie keinen Kontakt mehr zu Dir wollte. Der Gedanke kommt einem als Tochter schnell.
      Schön zu lesen, wie Du abschließen konntest – ohne Zorn!

      Etwas unbezahlbares und sehr wertvolles wird dir bleiben, die Gewissheit, von Deiner Mutter gewollt und geliebt worden zu sein.

      Beste Grüße,
      Erwachsene

      1. Liebe Erwachsene,

        dies wäre ein guter und friedvoller Gedanke wenn sie nicht den Kontakt zu meiner Schwester bis zu ihrem Tod aufrecht erhalten hätte.
        Man fühlt sich dann plötzlich als Kind 2.ter Wahl, fragt sich was mache ich falsch ob dem Wissen, dass meine Schwester ein sehr schwieriges Kind und eine noch schwierigere Erwachsene war die in ihrem Leben nicht allzuviel auf die Reihe bekam, aber das ist ein ganz anderes Thema…
        Ich werde nie erfahren was genau der Grund der Lossagung war und inzwischen würde ich es auch gar nicht mehr wissen wollen, denn egal was der Auslöser war, heute können wir nicht mehr drüber reden und das klären.
        Ja, ich weiß ganz sicher das meine Mutter mich sehr geliebt hat und das kann mir, wie Du richtig schreibst, niemand auf der Welt nehmen und Erinnerungen können etwas sehr tröstliches sein.
        Friedliche Grüße
        – Die Extochter

        1. Liebe Extochter,

          ich möchte Dich bitten diese Antwort als Anregung zu nehmen, sie soll keineswegs wertend gemeint sein, einverstanden?

          Deine Mutter hatte mehr Vertrauen in Dich Deinen Weg zu gehen und Dir zugetraut Dein Leben gut selbst zu meistern.

          Um Deine Schwester machte sie sich wohl mehr Sorgen und darum galt ihre Aufmerksamkeit eher zwangsläufig ihr, Du schreibst ja Deine Schwester wäre ein schwieriges Kind gewesen?

          Hast Du schon mal versucht es von dieser Seite aus zu betrachten?

          Das war damals für mich eine Antwort die ich für mich gefunden habe, als ich mich fragte wieso meine Mutter sich auf meinen Bruder mehr konzentriert hat als auf mich.

          Nachdenkliche Grüsse
          Blackhex

          1. Hallo Blackhex,

            ganz sicher wußte meine Mutter das ich mein Leben gut alleine geregelt bekomme.
            Ales Wichtige hat sie mich gelehrt und mir die richtigen Wege gezeigt.
            Meiner Schwester zeigte sie die gleichen, gegangen ist sie allerdings andere….
            Auch wenn diese These gar nicht so unwegig erscheint, ist es für mich in keinster Weise ein nachvollziehbarer Grund das eigene Kind komplett los zu lassen, nie wieder etwas von ihm hören, geschweige denn sehen zu wollen.
            Eine stärkere Konzentration auf ein Kind würde Sinn machen (ob das richtig ist sei dahin gestellt), ein komplettes Verwehren nicht….

            Den wahre Grund hat sie mit ins Grab genommen….

            Liebe Grüße
            – Die Extochter

          2. Liebe Extochter,

            ich habe lange überlegt wie ich antworten soll, vorweg es tut mir unendlich leid dass, Ihre Mutter verstorben ist und Sie keine wirkliche Antwort darauf erhalten haben.

            Als Mutter kann ich ihnen aber sagen, mit absoluter Sicherheit wurden Sie von ihrer Mutter sehr geliebt. Ihr Vertrauen in Sie war sehr gross und mit Sicherheit war ihre Mutter auch sehr stolz auf Sie.

            Ein komplettes Verwehren?
            hm, manchmal liebe Extochter,

            liegt es vielleicht am Kindheitserleben unserer Mütter oder an vielen schmerzhaften Erfahrungen oder tausend kleiner Missverständnisse, die dazu führen das wir uns nicht so “öffnen” können und dies als komplettes Verwehren empfunden werden kann?

            Aus Ihren Zeilen , ihrer Geschichte kann ich entnehmen dass, Sie ein sehr liebenswerter Mensch sind, der sich viele Gedanken um das Ganze gemacht hat und noch immer hofft Antworten zu finden.

            Ich finde es ganz und gar anerkennenswert, wie Sie das alles gemeistert haben.
            Aus eigener Erfahrung weiss ich was es heisst, von Eltern “nicht so anerkannt zu werden” wie wir das gerne hätten, dennoch wir sind erwachsen geworden und haben unser Leben gut gemeistert.

            Allerdings sind Eltern auch nur Menschen, die versuchen ihr Bestes aus dem Ihnen mitgegebenen Wissen zu machen, die Absicht uns wirklich zu “verletzen” hatten unsere Eltern bestimmt nicht.

            Für diese Erkenntnis musste ich allerdings selbst erst Mutter werden, auch ich habe mit Sicherheit vieles falsch gemacht ohne es zu wissen.

            Uns bleibt nur anzuerkennen und zu verzeihen und irgendwann mal auf Vergebung oder Verständnis zu hoffen.

            In diesem Sinne

            Liebe Grüsse und alles Liebe
            Blackhex

    2. Hallo liebe Extochter,

      ein jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, die Schwester, die Mutter, man selbst….
      “Die Menschen sind verschieden, nur darin sind wir alle gleich!”
      Ist dies nicht ein tröstlicher und entspannter Satz von M. Montaigne?
      Ich lese Ihre Worte mit allen Verschiedenheiten… die Mutter zog Sie herunter, die Schwester war schwierig und von ihnen nicht gemocht, Sie selbst waren eingespannt…. Verschiedene Haltungen und Erwartungen stehen sich gegenüber. Ja, es ist gewiss nicht leicht die Menschen zu lassen, wie sie sind! Ich erkenne während ich dies schreibe den Sinn…
      Wir kommen allein, gehen ab und an gemeinsam und dann wieder allein.

      Es grüßt Sie herzlich,
      Arnold

      1. Lieber Arnold,
        das haben Sie sehr schön und nachvollziehbar geschrieben.
        Und auch wenn ich das vom Verstand voll unterschreibe, ist es das Herz das weint….
        Aber alles im Leben hat seinen Sinn, schade ist es nur wenn man diesen (noch?) nicht sehen kann.

        Herzliche Grüße
        – Die Extochter

  56. Hallo,

    mein Bruder brach vor drei Jahren den Kontakt zu unseren Eltern, mir, sowie seinen Freunden und Freundinnen ab. Dem voraus lag ein Streit mit meinen Eltern. Ich bin heute 27 Jahre alt, mein Bruder ist 33. Ich weiß, dass manche Dinge in unserer Kindheit schief liefen, doch ich meinerseits liebe meine Eltern und fühle mich auch sehr geliebt. Mein Bruder hat dagegen mehr Druck erfahren und am Ende ist er an diesem Druck verzweifelt. Ich weiß nicht zu 100% ob eine psychische Erkrankung die Ursache für die Reaktion meines Bruders ist, aber ich vermute es. Ich möchte jetzt auch gar nicht die ganze Familiensituation erklären, sondern einfach nur darstellen, wie es sich anfühlt vom Bruder “verlassen” zu werden. Wir waren uns immer sehr nah, er war mein Vorbild, ein Mensch, zu dem ich hinauf sah und einer der wenigen, die mich Dickkopf meine Meinung ändern ließ. Ich verstehe, dass Menschen ernsthafte Gründe haben, Kontakt abzubrechen. Doch bei meinem Bruder verstehe ich es nicht. Und das ist es, was so weh tut. Auch nach drei Jahren verfolgt mich der Gedanke an ihn ständig. Ich frage mich, was ich tun kann, mache mir Vorwürfe und versuche die Gründe zu erkunden. Doch am Ende bin ich immer völlig ratlos. Hinzu kommt, dass ich mich oft sehr allein gelassen damit fühle. Meine Eltern vermeiden das Thema lieber. Meine besten Freunde und mein Freund wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen und sprechen mich lieber nicht auf meinen Bruder an. Doch genau das wünsche ich mir manchmal. Gerne würde ich mich über das Erlebte austauschen. Ich habe inzwischen gelernt mehr oder weniger mit der Situation umzugehen. Doch ich kann nicht verhindern, dass ich immer diese Traurigkeit in mir trage. Ich wünsche mir so sehr meinen Bruder zurück…

    1. Hallo Linda,
      ich bin auch eine, die ihre Familie (Mutter, Vater, Schwester und Bruder) verlassen hat.
      Ich kann dir nur einen Ratschlag geben: Vergiss deinen Bruder!
      Er hat bestimmt gute unt triftige Gründe für den Abbruch. Glaub mir, es ist nicht leicht einen solchen Schritt zu tun. Man tut einen solchen Schritt aus einer Verzweiflung heraus, weil man anders nicht mehr leben kann und sonst an der ganzen Sache/Situation kaputt gehen würde! Wenn man einmal diesen Schritt gewagt hat, denke ich, geht man auch nicht mehr dahin zurück, wo es einem schlecht ergangen ist…
      Lass deinen Bruder einfach ziehen! Wünsch ihm alles Glück der Welt! Und erwarte nicht, dass er ZURÜCK kommt – sonst machst du dich noch kaputt! Und das ist das alles nicht wert!
      LG sendet eine, die ihre Familie zurückgelassen hat

      1. Hmm, also ich, der ich ebenfalls den Kontakt zu meiner Familie (inkl. Schwestern) abgebrochen habe, sehe das überhaupt nicht so wie Sybille. Natürlich werde ich nicht “zurück”-kommen, aber das ist doch kein Grund, sich nicht irgendwo in der Zukunft zu begegnen. Meine Schwestern sind eigentlich eher Opfer der Umstände geworden: Kontakt zu meinen Schwestern hieß immer auch, mit einem Bein in dem ganzen Familien-Mist zu stecken, das hat den Umgang total belastet und aus dem Mist wollte ich ja grade auch raus damals. Aber ich denke, wenn man sich darüber einigen könnte, dass man eben nicht mehr als Teil der Familie leben will, und wenn es trotzdem noch Themen gibt, die verbinden, dann sollte es auch möglich sein, sich einander anzunähern. Auch wenn ich es mir schwer vorstelle.

        Mich hält vom Kontakt aufnehmen in erster Linie ab, dass ich mir keine Vorwürfe machen lassen und meine Entscheidung, den Kontakt abzubrechen, nicht verteidigen will. Denn da bin ich schon Sybilles Meinung: das war kein einfacher Schritt, ich habe mir nichts leicht gemacht damit und ich muss mir da auch nichts vorwerfen lassen. Und natürlich will ich mich auch nicht wieder in irgendwas reinziehen lassen, was für meine Schwestern sicher nicht so leicht wäre. Und dann empfinde ich noch Scham, weil ich meine Schwestern sitzen gelassen habe. (Auch wenn es nicht anders ging.) Das wäre sicher etwas, womit ich mich dann intensiver beschäftigen müsste, bevor wir miteinander umgehen könnten. Insgesamt glaube ich, dass es schwer wäre, aber nicht unmöglich.

        Aber bei mir ist das alles auch schon länger her. Und sicher hängt es davon ab, was mal vorgefallen ist.

        1. Liebe Sybille und lieber Michael,
          danke für Eure Kommentare.
          @Sybille: Ich finde es etwas hart zu sagen: Vergiss Deinen Bruder! Er wird nicht zurückkommen!
          Am Ende hat jeder seine eigenen Geschichte, keine gleicht der anderen. Für Dich Sybille scheint es ein entgültiger Kontaktabbruch zu Deiner Familie zu sein, deshalb wohl diese Worte…
          Natürlich habe ich keine Garantien, dass sich an der Situation etwas ändert. Doch ich will meinen Bruder deshalb weder vergessen, noch die Hoffnung aufgeben, ihn wiederzusehen. Ich will auch nicht verdrängen und den Gedanken an ihn völlig verbannen. Denn das würde mich wohl im Gegenteil auf Dauer krank machen. Nein, die Geschichte mit meinem Bruder ist ein Teil meines Leben, mit der ich umgehen lernen muss, egal, wie es ausgehen mag.

          Bei Dir Michael hat mich ein Satz sehr traurig gemacht. Du schreibst, dass es Dir in erster Linie schwer fällt Kontakt aufzunehmen, da Du Dir keine Vorwürfe machen lassen willst. Später sprichst Du auch von Scham. Ich weiß, dass es bei meinem Bruder auch ähnliche Gründe gibt. Aber ich finde, dass allein ist kein guter Grund, um nicht wieder Kontakt aufzunehmen. Es hat viel mit unserem Stolz zu tun und niemand will sich in die Ecke gedrängt fühlen, natürlich. Aber ich denke, da muss man einfach über sich hinaus wachsen. Du liebst doch Deine Schwestern, man hat auch nicht so viele im Leben. :) Zusammendfassend will ich nur sagen, wenn die von Dir angegeben Gründe die Einzigen sind, zu Deinen Geschwistern keinen Kontakt aufzunehmen, dann denke vielleicht wirklich noch mal darüber nach die Situation zu ändern. Vielleicht klappt es auch, ohne, dass Du Dich in irgendwas wieder reinziehen läßt.

          Ich wünsch Euch jedenfalls beide viel Glück!

          1. Liebe Linda,
            deine Traurigkeit berührt mich, und deshalb würde ich gerne etwas zu dem sagen, was du geschrieben hast.

            Kennst du den Satz: „Gib acht, was du dir wünschst, denn du könntest es bekommen.“?
            Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen (siehe weiter unten) und dem, was ich so gelesen habe, scheint mir eines in „Abbruchfamilien“ immer gegeben zu sein: die Realität, wie sie die „Abbrecher“ wahrnehmen, ist eine völlig andere als diejenigen, die die „Verlassenen“ wahrnehmen. Die beiden Realitäten sind nicht vereinbar. Wenn du mit beiden Parteien Kontakt haben willst, mußt du das aushalten können. Das ist extrem schwierig. Es ist überaus verwirrend, und du würdest oft nicht wissen, was du denken sollst. Im allgemeinen wird es für dich die einzige Möglichkeit sein, dich ganz herauszuhalten und zu vielen Punkten bewußt keine Meinung zu haben. In einem Kontext, wo beide Parteien das intensive Bedürfnis nach emotionaler Unterstützung haben, wird dir das sehr schwer gemacht werden. Meiner Erfahrung nach werden dir vor allem die „Verlassenen“ Herzlosigkeit vorwerfen, wenn du darauf bestehst, dich herauszuhalten und keine Partei zu ergreifen. Überleg dir vorher, ob du das wirklich willst und kannst.

            Im Moment, wenn du mir die Beobachtung verzeihst, hast du offenbar im wesentlichen die Realitätssicht deiner Eltern übernonmmen. Das wird erkennbar daran, daß du vermutest, daß eine „psychische Erkrankung die Ursache für die Reaktion“ deines Bruders ist. Das ist eine ganz typische Vermutung auf seiten der „Verlassenen“. Das heißt zwar nicht, daß es nicht im Einzelfall auch mal zutreffen kann, aber es wird von Familien eigentlich ganz generell als Erklärung angeboten, wenn ein Mitglied ausschert, z. B. auch dann wenn ein Kind einen Mißbrauch oder körperliche Mißhandlungen öffentlich macht (was ich ausdrücklich in deinem Fall nicht unterstellen will, ich sag´s nur zur Erläuterung). Auffällig finde ich auch den Satz: „Du liebst doch Deine Schwestern, man hat auch nicht so viele im Leben.“ Natürlich ist das an sich richtig, aber was du hier übersiehst, ist, daß dein Bruder das vermutlich auch weiß und den Kontakt TROTZDEM abgebrochen hat. Du mußt seine Gründe nicht verstehen, aber du müßtest sie respektieren. Und mir scheint, das tust du nicht, wenn du meinst, daß du beurteilen kannst, ob etwas „kein guter Grund“ ist, „um nicht wieder Kontakt aufzunehmen“, und wenn du der Ansicht bist, dein Bruder müsse „einfach über sich hinaus wachsen“. Vor allem das „einfach“ ist, vergib mir, nicht sehr respektvoll. Mir haben auch etliche Leute nach meinem Kontaktabbruch gesagt: „Aber es sind doch deine ELTERN.“, in einem Tonfall, als hätten sie mir gerade die Relativitätstheorie erklärt. Ich weiß nicht, warum die Leute sich so sicher sind, daß es mir nie zuvor selbst aufgefallen ist, daß meine Eltern meine Eltern sind… *seufz*

            Was aus meiner Sicht für „Verlassene“ ganz typisch ist, ist, daß sie die Gründe des „Abbrechers“ herunterspielen und nicht ernst nehmen und, statt zumindest zu versuchen, sich genauer mit dem zu befassen, was im einzelnen das Problem war, sich auf Gemeinplätze zurückziehen, die zwar an sich nicht falsch sind, aber offenbar in dem Fall nicht ausreichen. („Es sind doch deine Eltern.“ „Blut ist dicker als Wasser.“ „Man muß auch ein bißchen tolerant sein.“ „Man muß auch vergeben können.“ oder sowas in der Art.)

            Mißversteh mich bitte nicht, Linda, ich habe verstanden, daß die Situation dich sehr traurig macht, und fern sei es von mir, beurteilen zu wollen, wie du damit am besten umgehen sollst. Ich bin nur ein bißchen besorgt, wenn ich lese, was du schreibst, daß, FALLS dein Bruder den Versuch machen sollte, den Kontakt zu dir wieder aufzunehmen, das möglicherweise nur von kurzer Dauer sein könnte. Ich an seiner Stelle würde es mir jedenfalls nicht bieten lassen, daß meine Grenzziehung einer psychischen Erkrankung zugeschrieben wird. (Und meine Familie ist, was mich betrifft, übrigens ähnlicher Ansicht. Gottseidank haben sie diese Meinung jedoch exklusiv, ansonsten hat mir das noch nie jemand unterstellt.)

            Alles Gute für dich, Linda! Ich wünsche dir, daß du einen Weg findest, mit der Situation umzugehen, der für dich erträglich ist.

          2. Urlaubsbedingt etwas verspätet: Was Chiara da schreibt, kann ich ohne zögern und von Herzen unterschreiben. Und diese Differenz in dem, was Linda schreibt und was Chiara antwortet, das ist halt die, die zu überbrücken wäre. Schwierig, finde ich, aber nicht unmöglich.

          3. Liebe Sybille, lieber Michael,
            vielen Dank! Ich finde es sehr verblüffend, daß ich so gar nicht allein bin, nicht nur mit meiner Entscheidung, sondern auch mit meinem Empfinden. Ich würde nie sämtliche Kontaktabbrüche über einen Kamm scheren – ich glaube schon, daß es da sehr große Unterschiede gibt. Andererseits scheint es aber doch eine signifikante Anzahl von Kindern zu geben, die den Kontakt zu ihren Eltern deshalb abbrechen, weil sie den Eindruck haben, daß sie wesentliche Elemente dessen, was für sie Realität ist, ihren Eltern einfach nicht vermitteln können, OBWOHL sie sich verzweifelt darum bemüht haben.

            Das überrascht mich schon. Als ich diese Entscheidung traf, habe ich nicht damit gerechnet, daß irgendwer in der Lage sein würde, sie nachzuvollziehen. Schließlich bin ich von meinen Eltern weder körperlich mißhandelt noch zum sexuellen Mißbrauch an fremde Männer verkauft worden (oh ja, das gibt es). In so einem Fall hätte ich noch eher erwartet, daß andere Verständnis für einen Kontaktabbruch äußern, aber nicht in meinem, wo die Vernachlässigung von außen nicht sichtbar und von daher deutlich erklärungsbedürftiger ist. Ich habe das „Nicht-verstanden-werden“ als Teil des Preises für meine Entscheidung in Kauf genommen. Jede Entscheidung im Leben hat nunmal Konsequenzen.

            In letzter Zeit habe ich aber im Internet so viele entdeckt, die ganz ähnliche Erfahrungen beschreiben wie meine. Und das ist ein überraschend gutes Gefühl. Ich denke, niemand trifft gern eine solche Entscheidung, und die allermeisten hätten es sich sicher anders gewünscht. Aber jetzt, wo ich an den Erfahrungen und Entscheidungen anderer teilhabe und das Ganze ein Stück weit von außen sehe, fällt mir auf, daß es schon gewisser Stärken bedarf, um so eine Entscheidung überhaupt zu treffen: ich muß – gegen alles, was mir die ersten 15-20 Jahre meines Lebens erzählt worden ist – mir und meinem eigenen Gefühl vertrauen und sagen: „Nein, ich nehme das anders wahr, ich habe andere Werte, ich möchte mein Leben anders leben, ich „stelle mich nicht an“, und ich bin nicht verrückt.“ Wieviel innere Stärke braucht es, um sich der Familien-Gehirnwäsche zu widersetzen, die versucht, dir zu suggerieren, daß es dir ja gar nicht so schlecht geht, wie du behauptest, und falls doch, daß es in jedem Fall deine Schuld ist. Wieviel innere Stärke braucht es, um den Drohungen und Warnungen zu widerstehen, die dir einflüstern, daß du deine Entscheidung in 10 oder 20 Jahren ganz furchtbar bereuen wirst – vor allem dann, wenn du ein differenzierter und reflektierter Mensch bist und von daher weißt, daß es ganz unmöglich ist, vorauszusagen, was in 10 oder 20 Jahren sein wird. Zu sagen: „Ich vertraue meinem eigenen Gefühl und gehe das Risiko ein, daß ich möglicherweise falsch liege.“ erfordert ungeheuren Mut. Ebenso wie die Hoffnung aufzugeben, daß die Eltern sich auf wunderbare Weise doch noch verändern werden, wenn man nur lange genug leidet und aushält. Eine Menge Menschen haben nicht die Kraft, sich dieser bitteren Erkenntnis zu stellen. Sie warten und warten, und irgendwann ist ihr Leben vorbei…

            Wißt ihr, für mich ist es ein guter Gedanke, daß es da draußen noch mehr solche Menschen gibt, die diesen Mut haben. Mir scheint oft, daß die gleiche Angstmacherei, die wir familiär erlebt haben, auch politisch stattfindet, und uns vorgegaukelt wird, daß es zu riesigen Katastrophen führen würde, wenn wir genau hinsehen, unserer Wahrnehmung vertrauen und unsere Macht als demokratischer Souverän wirklich nutzen würden. Die meisten lassen sich Angst machen und fragen lieber nicht genauer nach. Der Gedanke ist schön, daß da noch ein paar sind, die den Mut haben, es auszusprechen, wenn ihnen scheint, daß der Kaiser nackt ist…

            Das Ganze hat also, trotz allem, irgendwie auch eine gute Seite. Trotzdem denke ich, vermutlich wären wir als Gesellschaft insgesamt glücklicher, wenn das „Schuldprinzip“ in Zukunft durch das „Zerrüttungsprinzip“ ersetzt werden könnte, wie das bei der Ehescheidung in den 70er Jahren geschah. Aus meiner Sicht verursacht der Anspruch, daß Familienbande ein ganzes Leben lang halten müßten, eine Menge unnötiges Leid, weil das eben auch bedeutet, daß, wenn Trennungen passieren, der Annahme nach sich eine oder mehrere Personen massiv falsch verhalten haben müssen (denn sonst würde so etwas „Unnatürliches“ ja nicht passieren) – was dann bei fast allen Beteiligten zu heftigen Schuldgefühlen führt. Wäre es nicht menschlicher, einfach mal anzunehmen, daß Lebenswege sich auseinander entwickeln können, auch bei Blutsverwandten? Das heißt natürlich nicht, daß nicht trotzdem manchmal moralische Schuld eine Rolle spielt – das ist ja bei Scheidungen auch nicht anders. Aber die Vorannahme, daß irgendjemand etwas ganz schrecklich falsch gemacht haben MUSS, macht die ohnehin nicht einfache Situation für alle aus meiner Sicht nur zusätzlich schwieriger.

            Alles Gute für Euch!

            1. Liebe Chiara

              Deine Beiträge sind zwar nicht gerade jüngsten Datums, aber sie sprechen mir sehr aus dem Herzen. Es geht mir genau wie Dir. Es tut wirklich gut zu wissen, nicht ganz alleine mit der eigenen Geschichte zu sein. Und ja, es braucht viel Mut und Stärke, diesen Weg zu gehen. Ich habe auch erst im Internet von ähnlichen Geschichten erfahren. Bis dahin vergingen viele Jahre in denen ich mich sehr einsam gefühlt habe.

              Danke für Deine Beiträge!
              Simone

              1. Liebe Simone,
                ich kriege nach wie vor eine Mail, wenn hier ein neuer Beitrag erscheint. Als ich Deinen Beitrag gelesen habe, mußte ich erst mal lange scrollen… (Für diejenigen, die auch eine Mail kriegen und wissen wollen, wovon wir hier eigentlich reden, hier ist der Direkt-Link zu Simones Beitrag: http://www.tina-soliman.de/gastebuch/#comment-6001.)

                Vielen Dank für Deine Antwort, Simone! :-) Sie hat mich veranlaßt, nochmal nachzulesen, denn, wie Du ja auch sagst, es ist eine Weile her, daß ich das alles geschrieben habe. Ich stehe nach wie vor zu allem, was ich geschrieben habe, stelle aber fest, daß mich das Thema nicht mehr so beschäftigt wie noch vor drei oder vier Jahren. Ich stehe zu meiner Entscheidung, finde es nicht mehr sehr wichtig, was irgendwer anders darüber denkt, und respektiere sowohl diejenigen, die die gleiche Entscheidung treffen wie auch diejenigen, die sich anders entscheiden. Wenn Du mit einer solchen Situation konfrontiert bist, gibt es keine einfachen Lösungen. (Meiner Ansicht nach.)

                Ich habe es aber auch leicht, da mittlerweile relativ gelassen zu sein. Ja, ich habe Menschen verloren, als ich angefangen habe, in meinem Leben bestimmte Grenzen zu setzen, und Kontakte zu bestimmten neuen, interessanten Menschen sind nicht zustande gekommen, weil diese nicht bereit waren, gewisse Mindeststandards einzuhalten. Aber die gute Nachricht ist, daß mein Leben im Moment voll ist von Menschen, die sowohl interessant als auch respektvoll sind. Ich habe die Menschen um mich, die ich mir immer gewünscht habe und von denen ich nie geglaubt hätte, daß es sie in solchen Mengen überhaupt gibt. Schon als Jugendliche war es ein vertrauter Gedanke, mir zu sagen: „Die meisten Menschen sind nicht so, wie ich sie gerne hätte. Und das darf ich ihnen nicht übel nehmen, denn sie sind nicht auf der Welt, um mir zu gefallen. Außerdem bin ich selbst vermutlich auch nicht so, wie sie mich gerne hätten. Wir müssen einfach schauen, wie wir möglichst gut miteinander zurecht kommen.“

                Aber mit den Menschen, die jetzt in meinem Leben sind, muß ich mich nicht „abfinden“ – weil sie nämlich toll sind. :-) Natürlich gibt es Konflikte und Mißverständnisse, die gibt es immer und überall. Und die finde ich auch gar nicht das Problem. Ich kann ehrlich mit ihnen reden, und sie reden ehrlich mit mir. Ich weiß, daß sie ihr Bestes tun, genauso wie ich mein Bestes tue.

                Natürlich werden alle Menschen immer sagen, daß sie ihr Bestes tun. Vielleicht ist das auf einer sehr abstrakten Ebene sogar wahr. Aber – meiner Wahrnehmung nach – sind viele so verstrickt in sich selbst und investieren so viel Energie da rein, ein Selbstbild aufrecht zu erhalten, das mit der Realität nur sehr wenig zu tun hat, daß es so gut wie unmöglich ist, zu ihnen durch zu dringen. (Ich meine, auch die Leute, die Hexen verbrannten, dachten, daß sie für Gottes Sache kämpfen…) Erich Kästner schrieb mal: „Am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.“

                Ich habe aufgehört vorzugeben, daß ich etwas glaube, was ich nun mal nicht glauben kann. Und diese Entscheidung hat mein Leben viel besser gemacht. Ich bin sehr dankbar.

                Ich wünsche Dir alles Gute, liebe Simone, und grüße Dich herzlich!
                Chiara

  57. Ein Abruch ist für mich leider als Erkenntniss so, dass es nicht mehr anders möglich ist mit einer Situation umzugehen.

    Sei es als Selbstschutz wegen dauernder Verletztungen oder einfach aus Überforderung, da Erlebnisse nicht mehr kurzfristig verarbeitet werden können.

    Dieses Verhalten entweder in der Kindheit erlernt worden oder hat sich dadurch entwickelt das keine Nähe oder echte Bindung gegeben wurde, mit der Zeit empfindlicher wurde.
    Es können diejenigen mit denen man in Beziehung stand, solche die diese Prägungen nicht haben, kaum verstehen.

    Was Mich belastet ist eben dieses nicht damit umgeheb zu können und statt sich klar zu erklären oder auch abzugrenzen nur ein Kontaktabruch folgen kann weil ich es nicht anders gelernt habe. Heute zu schwach bin für klare Äußerungen der Gefühlswünsche.
    Dies egoistische nur für sich klären der emotionalen Situation hilft kurzfristig aber langfristig ist damit nicht wirklich viel erreicht.

    Mich belastet mein Kontaktabruch, eben auch weil ich weiß mir mit diesem Verhalten selbst zu schaden und andere verstöre.
    Der Wunsch von Nähe da ist, aber nicht in der Lage ist klar aufzuzeigen wie diese Nähe aussehen soll bzw. klar mitzuteilen die bisherige Form der Nähe so nicht möchte.

  58. Ich bin eine Verlassene. Vor 4 Jahren hat mir meine langjährige “beste Freundin” praktisch ohne Begründung die Freundschaft aufgekündigt. Wir kennen uns schon seit der Schulzeit, sind zu unserer Single-Zeit zusammen in Urlaub gefahren und haben praktisch alles zusammen gemacht. Als sie Ihren jetzigen Ehemann kennenlernte, zog sie aus unserer Stadt etwa 300 km fort. Den Kontakt habe ich immer aufrecht erhalten, auch als sie Ihre 2 Kinder bekam. Später zog sie wieder bis auf 100 km an unsere Heimatstadt, in der ich noch immer wohne, heran. Der Kontakt wurde wieder intensiver, da auch ihre Eltern noch hier wohnten. Wir besuchten uns gegenseitig. Oft verbrachte sie ein Wochenende bei mir, wenn sie mal eine Auszeit von ihrer Familie benötigte. Ich war ihr eine Stütze, als ihre Eltern kurz nacheinander sehr krank wurden und starben.
    In der ganzen Zeit unserer Freundschaft war ich – mit mehr oder weniger kurzen Unterbrechungen – Single, so dass ich immer einen Platz für sie hatte, wenn sie mal wieder “raus musste”. Vor 4 Jahren kam ich mit meinem jetzigen Lebensgefährten zusammen, der zu dem Zeitpunkt zwar noch verheiratet war, jedoch schon, zwar immer noch gemeinsam in einem Haus, aber faktisch schon getrennt von seiner Ehefrau lebte. Mit meinen damals 48 Jahren hatte ich doch endlich meine große Liebe gefunden. Nicht, dass ich sie gesucht hätte; ich war zufrieden mit meinem Single-Dasein.
    Nun wollte ich natürlich, dass meine beste Freundin diesen Mann kennen lernte.
    Sie war allerdings sehr reserviert, was das anging. Einmal sagte sie, sie wollte ihn nicht kennen lernen, weil er einmal sehr abfällig über seine damalige Ehefrau gesprochen haben soll. Ich habe das richtig gestellt, indem ich ihr erklärte, dass er niemals abfällig über sie sprechen würde, wenn das bei ihr so angekommen sein sollte, dann deshalb, weil ICH etwas falsch weitergegeben hätte, was ergesagt hat (konnte ja auch nicht anders sein, das sie niemals mit ihm gesprochen hat). Und auch ich hätte das in dem Fall nicht so gemeint, wie sie das aufgefasst hätte.
    Nach diesem Gespräch war es sehr schwierig, sie telefonisch zu erreichen. Es mit einer Rufnummer- Unterdrückung zu versuchen, wagte ich nicht – wohl aus Angst, die Wahrheit zu erkennen: sie wollte nicht mehr mit mir sprechen.
    Also schrieb ich ihr eine Mail, in der ich sie fragte, ob ich sie mit irgendetwas verletzt hätte. Ihre Antwort war eindeutig uneindeutig. Ich hätte sie nicht verletzt, und ja, es wäre schön, dass ich jemanden kennengelernt hätte, der mich liebt und mit dem ich glücklich wäre. Aber sie hätte im Moment nicht das Gefühl, dass es irgendetwas gäbe, das sie mir uneingeschränkt anvertrauen könnte. Vielleicht würde sich das ja irgendwann ändern, aber vielleicht hätte ich dann kein Interesse mehr. Mach’s gut.

    Wie gesagt – das war vor 4 Jahren. Gerade jetzt, da ich seelisch erkrankt bin (Burnout), grübele ich immer wieder darüber nach, was der Grund für diesen Bruch sein könnte – ich versteh’s immer noch nicht. Man kommt ja auf die verrücktesten Ideen. Vielleicht hatte sie Angst, bei mir nicht mehr die erste Geige zu spielen oder nicht mehr jederzeit einen Übernachtungsplatz bei mir zu haben? Das habe ich wieder verworfen – so hätte ich sie niemls eingeschätzt. Dann fiel mir ein, wenn ich mal einen Freund hatte, konnte sie ihn grundsätzlich nicht leiden – egal, ob sie ihn presönlich kennengelernt hatte oder nicht. Dann fällt mir aber wieder ein, dass sie so Unrecht mit ihrer Einschätzung meist gar nicht hatte. Also doch wieder: ich habe etwas falsch gemacht. Nur – es fällt mir nicht ein, was das sein könnte.
    Sie fehlt mir. Ich werde damit leben müssen.

  59. Schuld versus Verantwortung

    1. Ich glaube, dass es zwischenmenschliche Beziehungen gibt, die es wert sind, sie auch bei auftretenden Schwierigkeiten zu erhalten – von beiden Seiten aus betrachtet!

    2. Ich glaube, dass es möglich ist, Ursachen für Schwierigkeiten zu erkennen und zu benennen.

    3. Ich glaube, dass Ursachen für Schwierigkeiten meist bei beiden Beteiligten der jeweiligen zwischenmenschlichen Beziehung zu finden sind.

    4. Ich glaube, dass viele Menschen nach Überwindung von Angst fähig und willens sind Verhaltensweisen zu ändern, wenn sie begreifen, dass sie mit ihrem Verhalten Anderen und/oder sich selbst etwas Schlechtes tun.

    5. Ich glaube, dass der Begriff von Schuld bei zwischenmenschlichen Beziehungen meist unpassend ist.

    Diese fünf Punkte meines kleinen ‘Credos’ treffen sicher nicht immer zu – nach meiner Beobachtung aber in der Mehrheit zwischenmenschlicher Konflikte zwischen mindestens einigermaßen gleich starken Beteiligten. Und um die soll es in meinem Beitrag gehen. Keinesfalls möchte ich damit aber diejenigen despektieren, die sehr verfahrene und/oder dominante Konstellationen erlebt haben, für die eine oder mehrere meiner obigen Aussagen völlig fehl am Platz sind!

    Nach meinem Eindruck ist ein Hauptproblem bei Konflikten im Zusammenleben der tief in uns verankerte Gedanke von Schuld im juristischen Sinn: Wenn etwas schief läuft, muss es immer genau einen Schuldigen geben.
    Jemand, der sich in einer Situation unwohl fühlt, macht die Schuld dafür klar beim anderen aus – oder sucht sie bei sich selbst. Der andere spürt die Schuldzuweisung oder die Unzufriedenheit, will eigentlich auch keine Schuld haben, schiebt sie also zurück – oder lädt sie dennoch auf sich. Ist damit aber wieder unzufrieden. Das spürt wiederum der erste und …
    – Wo auch immer sie nun zu welchen Teilen liegt: mit Schuld ist immer mindestens einer unglücklich!

    Der einzige Ausweg hieraus scheint mir ein recht grundlegender Wandel der Kultur von Kommunikation und Konfliktlösung in unserer Gesellschaft zu sein: Eine Abkehr von der Schuld und eine Hinwendung zur gemeinsamen Verantwortung.

    Soll heißen, wenn etwas schief läuft, hat zunächst mal keiner eine Schuld. Beide haben die Verantwortung zu kucken, ob alles okay ist. Derjenige, der zuerst merkt, dass was schief geht hat die Verantwortung, es dem anderen zu sagen. Der hat dann die Verantwortung, aufmerksam und einfühlsam ins Gespräch zu gehen. Und beide haben nun gemeinsam die Verantwortung herauszufinden, wer welche Verhaltensweisen und äußeren Umstände ändern muss, damit es beiden gut geht. Dabei sind Fehler erlaubt und führen nicht zu Verurteilungen. Wichtig ist vor allem, dass beide ihre Verantwortung ernsthaft und respektvoll wahrnehmen.

    Klar ist das leichter gesagt als getan – ich denke, dass es schon für einen einzelnen Menschen ein längerer Prozess ist, Schuldzuweisungen an sich selbst und/oder andere aus dem Kopf zu kriegen. Damit das funktioniert, müssen ja aber mindestens zwei mitspielen. Und wie langwierig, wenn denn überhaupt möglich, ist da natürlich eine Änderung der gesellschaftlichen Denke.
    Lohnen aber würde es sich – siehe Punkte 1 bis 5 oben.

    1. Lieber Rolf,

      ich finde, dass hast Du sehr schön und treffend beschrieben, wie gewohnt ;)
      Beziehungen müssen sich entfalten dürfen, trotz “Schuld” und “Fehler” und sind im besten Fall belastbar, immer im Wandel und im Wachsen begriffen – grenzenlos, nicht einschränkend dafür beständig.

      LGT

  60. Hallo Tina, danke für dieses tolle und sehr aufschlussreiche Buch! Endlich fühlt man sich als “trauernde” Verlassene verstanden. Ich hätte mir noch sehr gerne Mütter gewünscht, die vom Kindsvater verlassen wurden. Dieses Phänomen trifft ja auch häufiger zu. Ich bin so eine Mutter.
    Es stimmt, dass sich bestimmte Dinge vorher bereits abzeichnen. Wir lebten zusammen und die Schwangerschaft kam überraschend, für ihn total unpassend. Durch meine Entscheidung, die er mir überließ, für das Kind, entschied ich mich gleichzeitig gegen ihn. Ich wusste, er würde dann gehen. Dass daraus eine totale Funkstille entstehen würde, hätte ich nie gedacht, zumal wir uns immer noch (in meinen Augen) gut verstanden und respektvoll miteinander umgingen. Zwei Monate vor der Geburt brach der Kontakt ab. Er meldete sich einfach nicht mehr. Für mich war es noch kein totaler Bruch, ich hoffte noch, dass die Geburt etwas in ihm ändern würde. Als die Kleine sechs Wochen alt war, startete ich einen letzten Versuch, der damit endete, dass seine Neue ihm den Hörer aus der Hand riss und mich anschrie, ihn endlich in Ruhe zu lassen.
    Es hat bei mir 14 Jahre gedauert, bis ich anfing richtig zu trauern. Ich habe auch genau so lange keine Wut in mir gespürt. Er war halt meine große Liebe. Nachdem ich 2000 heiratete, bekam ich ein Jahr später meine zweite Tochter. Jetzt kommen die Zufälle ins Spiel: Auch er bekam eine Tochter, nur einen Monat später. Die beiden wurden gemeinsam eingeschult, in dieselbe Schule, in dieselbe Klasse. Erst da fing meine “Verarbeitung” an. Es gab noch einige “Zufälle” in der Zeit danach. Ich hoffte auf eine Kontaktaufnahme durch ihn und musste feststellen, da kommt nichts. Darauf reagierte ich endlich mit Wut und hatte plötzlich gar kein Problem damit, zum Anwalt zu gehen, um für mehr Unterhalt zu “sorgen”. Zwei Jahre später wurde die Klasse wegen einer zu geringen Schülerzahl aufgelöst. Wieder Trauer, gleichzeitig war ich aber auch froh, das wieder mehr Distanz entstand. Ich betrog mich selbst. Ich stürzte in eine Depression, die ich aber hauptsächlich mit mir selbst ausmachte. Es ging Gott sei Dank nie so weit, dass ich mich nicht mehr um meine Kinder (vier), Job und Mann kümmern konnte. Mein Mann war mir immer eine sehr gute Stütze, mit dem ich allerdings nie total freizügig darüber sprechen konnte.
    Seit einer Woche ist es nun so, dass ein gewisser Kontakt zum Kindsvater besteht. Ich schrieb ihm eine email, in der ich ihm mitteilte, dass er ab Volljährigkeit nicht mehr ganz so viel Unterhalt zahlen müsse, da ich ja auch barunterhaltspflichtig wäre. Abschließend teilte ich ihm noch mit, dass ich sehr gerne noch in diesem Leben mit ihm Frieden geschlossen hätte. Ich erwartete darauf nichts, war ja seit 18 Jahren daran gewöhnt. Überraschenderweise antwortete er noch am gleichen Tag mit einer sehr schönen email, in der er seine Feigheit zugab. Seitdem haben wir mehrere mails ausgetauscht, in welcher ich auch “endlich” eine kleine Entschuldigung, auf die ich so lange gewartet hatte, bekommen habe. Wie es weiter geht, weiß ich nicht. Der Witz an der ganzen Sache ist, das er jetzt Interesse daran hat, unsere Tochter kennenzulernen, sie aber überhaupt nicht. Und damit hätte ich nie gerechnet. Ich hoffe sehr, dass sie sich irgendwann mal anders entscheidet und ihn kennenlernen wird. Allerdings werde ich sie niemals bedrängen.
    Vielleicht werde ich mir auch mal fachliche Hilfe holen. Ich glaube, dass diese heftige Verletzung mich noch jahrelang beschäftigen wird. Wahrscheinlich werde ich sie nie los, diese Trauer.

  61. Verlassene und Abbrecherin
    gehören zusammen.
    Der Moment, in dem es zur Ausbildung dieser beiden Extreme kommt ist ein hilfreicher und segensreicher Moment des Lebens.
    Sofern er als solcher genutzt und erkannt werden kann.
    Verlassen werde ich nur, wenn ich mich verlassen habe…
    Abbrechen kann ich nur, wenn ich von mir abgebrochen bin…
    Beide Situationen bieten das Geschenk und die Option, sich selbst wieder zu finden, die Lücke zu füllen, die man sich durch den anderen hat füllen lassen…
    Es ist eine Herausforderung: Los zu lassen, Eigen-Verantwortung für die neue Situation zu übernehmen und die folgenden Augenblicke, Stunden, Tage, Wochen und Monate mit neuen kreativen und liebevollen Inhalten zu füllen.
    Alles kann, nichts muss…Verständnis für den Augenblick und die Chance, sich in einer neuen Qualität auf Augenhöhe erneut zu begegnen!
    Das schreibt eine, die sehr genau weiß wovon sie spricht und die beide Aggregatzustände zu genüge in unterschiedlich dramatischen Zeiträumen erlebt und durchlitten hat. Eltern, Partner, Geschwister, Freunde. Die wenigsten sind bisher verstorben. Lange war es einfacher mit den Toten zu leben. Noch immer findet der Maulwurf nur selten den Weg ans Licht. Das Verständnis wird täglich größer und die Chance wächst, eines Tages wieder in Harmonie mit sich und den anderen zu leben.

  62. Hallo Tina,
    durch eine Bekannte erfuhr ich von Ihrem Buch, Ihrer Sendung und dem Umstand, dass ich als Verlassene und gleichzeitig auch Abbrecherin das Schicksal mit vielen, vielen Menschen teile. Letzteres war mir erstaunlicherweise bisher überhaupt nicht klar. Möglicherweise da ich mit unserem Schicksal bis vor kurzem weitgehend diskret umgegangen bin.
    Meine Tochter hat vor neun Jahren mit 15 Jahren nach dem heftigsten Streit nach vielen vorherigen beiderseitig verursachten Konflikt(-eskalationen) den Kontakt zu mir bis auf ein einmaliges Treffen vor ca. zwei Jahren abgebrochen. Möglicherweise war dies das Resultat und die Konsequenz der in ihrer Wahrnehmung erlebten vielen Jahre des „Nicht-Geliebt sein-Gefühls“. Mit Bestimmtheit weiß ich das aber nicht. Ich selbst zumindest habe mit meiner Mutter vor fast zwanzig Jahren aus ähnlichen Motiven endgültig gebrochen. Meine Mutter wiederum ist durch den frühen Tod ihrer eigenen Mutter verlassen worden. Ich hatte, schon bevor ich mit meiner Tochter schwanger war, so sehr den Wunsch diesen „Kreislauf“ zu durchbrechen, wollte es anders machen und habe es doch offensichtlich auch nicht geschafft „das Ruder umzudrehen“. Es gäbe meinerseits hier unendlich viel zu schreiben. Erklärungsversuche, Begründungen etc. Vieles was hier geschrieben wurde sowohl von Seiten der Verlassenen als auch der AbbrecherInnen kann ich so gut verstehen und innerlich unterstreichen. Auch für mich neue Perspektiven und Erkenntnismodelle sind dabei. Mein persönliches Fazit aus dieser unsäglich traurigen Situation ist aktuell die Erkenntnis, dass ich als “Abbrecherin” interessanterweise weitaus weniger leide, zumindest seit vielen Jahren nicht mehr – vermutlich da es meine Entscheidung war – hingegen ich als “Verlassene” alle Phasen der im Buch so nachfühlbar beschriebenen Trauer (Schuldgefühle, Verständnislosigkeit, Depression, Suizidgedanken, Trotz, Wut und Scham) durchlebt habe und mitunter nach wie vor durchlebe. Mittlerweile bin ich allerdings so weit, insbesondere meiner Tochter von Herzen alles Liebe und Gute für ihren weiteren Lebensweg zu wünschen. Ich hoffe für sie, dass es ihr gut geht, sie glücklich ist und sie das Leben führt bzw. führen kann das sie sich vorstellt. Wenn es denn immer noch und vielleicht für immer so sein muss, dann eben ohne mich. Und – dass diese Funkstille die richtige Entscheidung für sie war und ist. Viele Grüße N.

  63. Bin ich ein schlechter Mensch? oder einfach nur zu Blöd Freundschaften zu pflegen !?

    ich habe vor ca 8 Monaten eine Freundschaft zu meiner (damals) besten Freundin endgültig beendet. Wir hatten 10 Jahre einen ziemlich guten Kontakt und auch viel Zeit verbracht. Wir waren auch eine zeitlang gute Arbeitskollegen. Sie wohnt seit ca. 3 Jahren in einem anderen Bundesland wo sie auch ein Studium begonnen hat.
    In einer E-mail habe ich ihr die folgenden Gründe genannt, die mich zu dem Entschluss kommen ließen, diese Freundschaft einschlafen zu lassen.
    Gründe waren genannt u.a. die weite Entferung und keine gemeinsamen Interessen bzw. das wir uns in 2 unterschiedlichen Richtungen entwickelt haben. Daraus resultierten sich auch die immer wenig werdenden Anrufe und dass die Kommunikation immer schwieriger wurde zwischen uns. Man wusste nicht mehr so recht was man mit dieser Person noch besprechen sollte. Wir hatten uns nicht recht viel zu sagen. Von ihr aus gingen immer nur Gespräche über ihr Studium und wie zufrieden sie jetzt im Moment damit ist.
    Ganz besonders ist mir aber im vorfeld schon einiges negatives an ihr aufgefallen:
    oberflächlich und arrogant kam sie mir vor.
    In Netzwerken wie (facebook) glänzte sie in Beiträgen mehr mit ihrem Fachjargon des Medizin Studiums um die Wette mit ihren Kommilitoninnen. Erst als ich meinen Accout in diesem Netzwerk löschte, zerbrach auch irgendwie damit der Kontakt.
    Anrufe gingen immer von mir aus, die um ihr wohlbefinden fragten als andersherum.
    Jetzt habe ich mich dazu entschlossen Ihr einfach nicht mehr hinterher zu laufen und die Freundschaft beendet. Irgendwie fühlte ich mich auch nicht mehr dazugehörig.
    Das schlimmste war, dass sie nichtmal auf meine letzte Mail reagiert hat. Kein Anruf, Keine SMS, kein Lmaa…. und auch sonst keinerlei Reaktionen über meine Nachricht ihrerseits.
    Ich habe ihr meinen Grund genannt, und war nur ehrlich und Aufrichtig. Meine Mail an sie war weder unfreundlich, vorwurfsvoll oder gar hasserfüllt. Sie war nur Sachlich und eher enttäuschend über das wie sie mich auf diese Art & Weise abservierte.
    Ich habe mich damit abgefunden, und kann gut damit Leben. Ich wünsche ihr wirklich nichts schlechtes, aber ein Kontakt zu Ihr werde ich nicht mehr zulassen. Das war vor 8 Monaten. Es ist Funkstille – für immer !
    Freundschaften finden sich…..
    Freundschaften verlieren sich. Die Wege haben sich getrennt.
    also Nichts Großes !

    Lieber Gruß
    Kristin

  64. Ich finde das Thema sehr interessant, und vieles lässt sich auch erklären warum so mancher Kontackt zu einem von uns nahestehenden Menschen aus dem Nichts erlischt.
    Zumal es in meinem persönlichen Kreis ebenfalls zu einem Abbruch kam. Indem ich – ich drücke es vorsichtig aus, eine Freundschaft auslaufen lies.
    Freundschaften kündigt man nicht. Es gibt doch hierfür keinen Vertrag mit Rechten & Pflichten. Keine verbindlichen Regelungen. Auch keinen Mitgliedsbeitrag – noch eine Kündigungsfrist die einzuhalten wäre,wenn es darauf ankommt.
    Es geht alleine darum, dass uns jemand wichtig ist wie sehr man ihn mag und gerne hat. Jemanden mit dem man ein “pläuschen” hält über Gott und die Welt diskutiert, oder mit ihm die Langeweile totschlägt.

    Im Mittelpunkt steht dabei ein Mensch den wir gut kennen, dessen Einstellungen, Erwartungen & Zuverlässigkeit wir schätzen. Der uns Vertrauenswürdig erscheint, eben einen auf den man sich verlassen kann.
    Welchen Grund sollte es also haben soeine Bindung/Freundschaft auslaufen zu lassen ?
    Warum möchte ich diesen Menschen als Freund nicht mehr haben ?
    Vl. wird mit dem “Begriff” Freund zu leichtfertig umgegangen.
    Ich stelle immerwieder fest wie Oberflächlich so mancher Mensch mit Freundschaften umgeht. Ist es denn schon eine Freundschaft, wenn man etwas Smalltalk betreibt, vl auch mal ein Wochenende in einer Gruppe mit änlichen Interessen in einer Zweckgemeindschaft verbringt ?
    Ist es denn schon eine Freundschaft, wenn man miteinander in einer Community oder einem anderen Social Network schreibt ?
    Für einige scheint “das” auszureichen um den Begriff Freundschaft zu wählen.
    Für mich fällt das unter den Oberbegriff “Bekanntschaft” die natürlich mal mehr und weniger intensiv sein kann.
    Wer natürlich so oberflächlich mit dem Wort Freundschaft umgeht, wird voller Stolz auf einen großen Freundeskreis blicken und sich darin Sonnen, daß er so beliebt ist. Jedem eben das seine.
    Für mich lege ich dann doch andere Maßstäbe fest. Weniger ist für mich mehr.
    Bekannte, gute u. weniger gute, welche mit denen man seltener Kontackt hat sind noch lange keine Freunde. Je mehr gute Bekannte als Freunde bezeichnet werden, umso schneller kommt man in eine Situation sich entscheiden zu müssen, ob all diese Freundschaften so gepflegt werden können, um jeden einzelnen gerecht zu werden – und zwar ohne dass ich jemanden kränke und mit meiner Abwesendheit glänze. Dieser Gefahr läuft man aber, und daran scheitern dann leider viele enge Bindungen zu den Personen die man irgendwann in seinem Leben als “Freund” liebgewonnen hat.
    Mein Freundeskreis beschränkt sich derzeit auf einer einzigen Person, die meines Partners & Freund. Zu allen anderen habe ich mich distanziert. Weil mir die Kommunikation zu diesen Menschen schwer aufrecht zu erhalten war. Es geht heutzutage nichtmehr um wahre Freundschaften ! Um ein nettes Gespräch – oder ein persönliches Zusammensein. Heute findet alles in Sozialen Netzwerken statt. Prestige und oberflächlichkeit regieren die Menschen .
    Selbstverliebt und Mitteilungsbedürftig stellen deine Freunde ihr Profil ins Netz. Um immer aktuell am Leben deiner Freunde teilhaben zu lassen. Im Grunde will niemand mehr jemanden persönlich sprechen, noch telefonieren, Briefe schreiben oder Besuche abstatten. Nicht zu guter letzt (Deine Freunde) die Dich persönlich als ehrlichen, aufrichtigen & zuverlässigen Menschen einmal kennengerlernt und geschätzt haben.
    Eine Freundschaft beenden ist ohnehin mit Gesichtsverlust für den abgelehnten Teil verbunden, dass man alles tun sollte – um den so gering wie möglich zu halten.

    Freundschaft und Bindung beruht auf Zuneigung und gegenseitiger Wertschätzung.
    Eine Freundschaft wird geschlossen – geht sie einem Ende zu, so erkaltet sie.
    Im übertragenem Sinne bezeichnet “Freundschaft” ein gutes & oft vertraglich geregeltes politisches Verhältnis zwischen Völker & Nationen.

    Mit lieben Gruß
    Kristin

  65. Hallo,

    es geht um meine jüngere Schwester. Sie hat 2006 ( sie war gerade 15 Jahre alt geworden) in ihrem Beisein ihren Vater verloren. Unsere Mutter war nach diesem Schicksalsschlag psychisch krank und musste mehrmals in die Klinik. Meine Schwester wurde von A nach B geschickt und zu letzt war sie dann alleine in der gemeinsamen Wohnung. Als nun unsere Mutter vor ca. 3 Jahren jemanden kennen lernte, hat sie sich immer mehr zurück gezogen. Hat gegen den neuen Freund gewettert und unserer Mutter ein wenig das Leben zur Hölle gemacht. Als unsere Mutter und ihr Freund sich dazu entschlossen hatten zusammen zu ziehen, ist meine Schwester in ihre eigene kleine Wohnung gezogen. Bis heute gibt es immer wieder Reibereien zwischen uns allen, aber seit ca. einem halben Jahr zieht sich meine Schwester komplett zurück. Bin jetzt zweimal von ihren Freundinnen angeschrieben worden, was mit ihr los wäre, man könnte sie garnicht mehr erreichen. Machen sich Sorgen um sie. Meine Schwester sieht man nur, wenn unsere Mutter ihr droht in die Wohnung zu kommen, da sie noch einen Schlüssel von der Wohnung hat. Sie möchte mit uns nichts zu tun haben, sie schrieb mir einmal ” Wer so eine Familie hat, brauch keine Feinde”. Man macht sich nunmal Sorgen, sie wird dieses Jahr 22 Jahre alt und ist stark Übergewichtig. Ich weiss nicht, was man machen kann, damit man mehr von ihr hört bzw sieht. Habe Angst sie zu verlieren, bzw das sie sich zu Tode isst.

  66. Hallo,

    ich gehöre zu den Verlassenen. Es haben sich bereits mehrere Personen wortlos ohne jegliche Vorwarnung aus meinem Leben verabschiedet, u. a. mein Ex-Freund, eine langjährige Freundin und weitere ehemalige Freunde (das Verhältnis zu meiner Familie ist sehr gut).

    In einigen dieser Fälle habe ich gespürt, dass etwas nicht in Ordnung war und die Leute darauf angesprochen. Mir wurde immer versichert, dass alles okay sei und ich mir keine Sorgen machen müsse. Daraufhin haben die Leute noch einige Tage/Wochen den Kontakt zu mir gesucht und waren sehr nett zu mir. Und auf einmal trat völlig unerwartet die Funkstille ein, für mich immer zu einem jeweils total überraschenden Zeitpunkt.

    Nun frage ich mich, ob die Abbrecher das ganz bewusst planen, die andere Person eine Weile in Sicherheit zu wiegen, bevor sie den Abbruch endgültig durchziehen. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    Gruß
    A.

    1. Hallo A.,
      so habe ich es auch einmal erlebt. Ich glaube, bewusst geplant ist das nicht, aber es fehlt eben der Mut / Bereitschaft zur Offenheit, die man leider auch nicht durch direktes Ansprechen / Fragen herstellen kann. Wäre die Bereitschaft zur Auseinandersetzung da, käme es ja nicht zu einem erklärungslosen Kontaktabbruch. Und trotzdem: ich habe mich damals noch zusätzlich gedemütigt gefühlt, weil ich dem Frieden tatsächlich Glauben schenkte.
      Lieben Gruß von
      H.

  67. Gern möchte ich zu dem Info-Flyer zum Funkstille-Buch etwas sagen. Laut Info-Flyer wird gefragt, ob es Möglichkeiten gäbe, abrupte Kontaktabbrüche zu verhindern.

    Ich bin der Meinung, abrupte Kontaktabbrüche sollten a u f g a r k e i n e n F a l l verhindert werden, wenn die Menschen, die man zu verlassen beabsichtigt,
    – Machtmenschen sind, die dies aber vehement leugnen
    – einem ganz dreist die Botschaft vermitteln “Sei so, wie wir dich haben wollen. Sie du auf gar keinen Fall du selbst.”
    – Druck in Form von emotionaler Erpressung und sonstigen Druck (z. B. Drohen mit Enterbung usw.) ausüben
    – einem ganz dreist die eigene Wahrnehmung absprechen
    – immer wieder Grenzen massiv überschreiten
    – kein Nein akzeptieren können
    – sich als den sogenannten Nabel der Welt betrachten
    – darauf bestehen, dass andere sofort springen, wenn sie mit dem Finger schnippen
    – sich dem anderen gegenüber autoritär verhalten und Gehorsam des anderen einfordern
    – den anderen nicht als e i g e n s t ä n d i g e n Menschen ansehen
    – dem anderen nicht seine berechtigte Privatsphäre und kein bisschen Eigenleben und Freizeit zugestehen
    – es nicht dulden, dass man sich die Freiheit nimmt, nicht immer erreichbar und verfügbar zu sein
    – die Liste lässt sich fortsetzen …

    Kurzum, es gibt Menschen, denen kann man noch so g l a s k l a r sagen oder schriftlich mitteilen, dass man dieses oder jenes nicht wünscht und sie mögen dieses oder jenes bitte ab sofort unterlassen. A b e r
    a) es kommt bei ihnen einfach nichts davon an, d. h. sie ignorieren stur das Gesagte/Geschriebene und machen stur wie gewohnt weiter.
    b) sie interpretieren das g l a s k l a r Gesagte/Geschriebene (absichtlich ?) falsch – auch dann, wenn dies noch so g l a s k l a r formuliert wurde.

    Was soll das weitere Reden, Diskutieren, Grenzensetzen und Briefe-Schreiben nützen, wenn der andere sowieso alles ins Leere laufen lässt?

    Und es ergibt keinen Sinn, den Kontakt zu solchen Menschen aufrechtzuerhalten nur (!) damit diese nicht traurig sind und nicht leiden müssen.
    Anmerkung: Das Leben besteht aber nun mal auch aus Trennungen, die zwar im ersten Moment schmerzlich sind, aber der Schmerz klingt mit der Zeit ab. Und was soll ein erzwungener Kontakt? Das bringt doch nichts.

    Ja, es gibt tatsächlich Menschen (und vermutlich nicht wenige), die anderen Menschen durch
    – ihr Verhalten,
    – ihre sture Ignoranz, dass andere Menschen kein Eigentum sind, sondern, dass andere Menschen auch unveräußerliche Menschenrechte und ein Recht auf Eigenleben, Freiheit, Sich-auch-mal-abschotten-um-auch-mal-seine-Ruhe-zu-Haben und Privatsphäre haben,
    – Worte oder Taten
    im wahrsten Sinne des Wortes die Energie rauben, und die mit glasklaren Worten oder Briefen nicht zu erreichen sind.

    Irgendwann ist aber wirklich genug. Und jeder Mensch hat das Recht, seine Seele, seinen Energiehaushalt und damit einhergehend seine seelische und körperliche Gesundheit sowie seine wertvolle Lebenszeit vor solchen energieraubenden Menschen zu schützen.

    Wir alle Menschen sind mit einem freien Willen geboren worden und haben somit alle ein unveräußerliches Menschenrecht auf einen freien Willen, auf Selbstbestimmung.
    Wir alle Menschen dürfen unsere Beziehungen frei wählen und auch abwählen, wenn man nicht miteinander – wie von mir oben beschrieben – harmoniert.
    Somit darf auch niemand einen Kontaktabbruch zu verhindern versuchen. Denn das stellt ja einen massiven Eingriff in den freien Willen und in das Selbstbestimmungsrecht des anderen (also der, der von seinem Menschenrecht Gebrauch macht, den anderen zu verlassen) dar.

    1. Liebe Leute,

      an dieser Stelle möchte ich mich für die vielen Kommentare bedanken. Ich lese sie alle, viele schreiben mir ja auch direkt.
      Dieses Thema ist längst nicht ausdiskutiert, weil fast jeder in seinem Leben mit der Funkstille schon einmal in Berührung kam.
      Das hat Folgen.
      Wer also weiter erzählen, beschreiben und berichten möchte. Gerne.

      herzlichst,

      Tina Soliman

    2. Das ist mir aus der Seele gesprochen. Vielen Dank! Vor einiger Zeit habe ich den Kontakt zu einem Menschen abbrechen müssen, der keine (=meine) Grenzen akzeptiert, meine Wünsche/Forderungen komplett belächelt hat.
      In so einem Fall hilft nur ein sofortiger Kontaktabbruch. Seitdem kann ich endlich wieder durchatmen.
      Diese Erfahrung hat übrigens meine Sinne geschärft. Ich achte inzwischen viel genauer darauf, mit wem ich mich befreunde und mit wem nicht.

    3. Liebe Sara.

      Den Kontakt abzubrechen, ist jedem erlaubt. Es wäre jedoch oft sehr schön, wenn man dem anderen die Gelegenheit gibt sich rechtfertigen zu können. Oft haben Menschen Verhaltensmuster, denen sie sich nicht bewusst sind und hören jedoch aufrecht zu, wenn man sie darüber informiert.

      Menschen, die vl. narzisstisch handeln, egozentrisch sind und und, tun dies mintunter nicht absichtlich, sondern auch als Schutz. Niemand wird so geboren, sondern auch erst dazu gemacht.

  68. Heute habe ich das Buch “Funkstille” zu Ende gelesen. Es hat gut getan, ich dachte bisher tatsächlich, mit dieser Thematik allein zu sein. Scham und Schuld einer Verlassenen, die eigentlich als netter, aufmerksamer und feinfühliger Mensch gilt, keine ‘Monster-Mutter’ wie aus einem schlechten Film oder ähnliches, sondern seit dreieinhalb Jahren schlichtweg eine abservierte Ex-Freundin.
    Sowohl die “Verlassenen” als auch die “AbrecherInnen”, die hier schreiben oder von denen Frau Soliman berichtet, sind ja so wie ich ganz menschliche Menschen, mit ihrer jeweiligen Geschichte, in dem Bestreben, Verhalten und Gefühle ordnen und für sich plausibel zu bekommen.
    Was ich ergänzen möchte, da es meiner Ansicht nach doch etwas durcheinander läuft, ist die Unterscheidung zwischen Eltern-(ehemals)Kind-Konflikten und denen zwischen verantwortlichen Erwachsenen auf Augenhöhe.
    Ich bin als Kind bzw. Jugendliche von meinen Kriegskinder-Eltern verlassen worden, sie haben sich – unabhängig voneinander – von mir abgewendet, da ich nicht ihren Vorstellungen einer vorzeigbaren Tochter entsprach, so kam es lange Zeit bei mir an, heute (Therapien später) weiß ich, dass dies mit ihnen selbst zu tun hat, aber meine Schuldgefühle waren implantiert, trotz Freudeskreis und beruflichen Erfolgen.
    Dieses Trauma des Verlassenwerdens hat sich vor dreieinhalb Jahren wiederholt, doch nun und seither mit einer Liebe. Hieran trage ich als Erwachsene meinen Teil der Verantwortung, etwas hat sich wiederholt, Angst vor Nähe und dem Verlassenwerden, eine “self fulfilling prophecy”, ich spürte das von Anfang an und habe meine Teil dazu beigetragen. Heute sagt mir die Vernunft: Ich konnte so immerhin meine alte Verletzlichkeit kennenlernen und mich selbst besser verstehen. Nichtsdestotrotz ist der Schmerz über diesen Verlust nach wie vor immens. Mit Paul Celan: “Den Tod, den Du mir schuldig geblieben bist, ich trage ihn aus.”
    Ich habe großen Respekt vor denjenigen, die ihre Eltern verlassen. Wenn es um Nähe zwischen (gleichaltrigen) Erwachsenen geht, dann ist nach meinem Empfinden “Funkstille” schlichtweg grausam. Denn der verlassene Teil bleibt “auf Pausentaste”, kann nicht abschließen: Was habe ich diesem geliebten Menschen angetan, dass er/sie sich nicht anders zu helfen weiß, als den Kontakt abzubrechen? Alte Schuldgefühle überlagern die Verantwortlichkeit der erwachsenen Frau. Selbstmitleid? Ja, wohl auch das, ich “pampere” mich selbst, da ich mit diesem Tabuthema Freunde nur wenig belasten mag, die sich wundern, dass ich immer noch damit befasst bin. Aber auch Selbstmitleid wäre zumindest eine Haltung. Das Schmerzlichtste sind ja diese Leerstellen, dieses – auch mit sich selbst – im Unklaren sein.
    Letztes Jahr – als Reaktion auf mir unwürdiges Druckmachen (ich hätte nie gedacht, dass ich so grenzwertig fordernd sein kann) – bekam ich eine Entschuldigung “von Herzen für die Verletzungen”, das hat unerwartet große Entlastung gebracht. Die Funkstille aber blieb.
    Was tun Menschen einander an, in dem Bestreben, gesehen zu werden? Oder ist es gar das Ziel und tun wir (fast) alles dafür, eben nicht gesehen zu werden? “Wo es in Beziehungen zu anderen wehtut, neigen wir dazu auszuweichen. Dann treffen wir einander genau dort nicht, wo wir uns eigentlich suchen.” Dieses Resümee von Frau Soliman fasst für mich auch die Tragik zusammen, die Begegnungen innewohnen kann, die Angst sich einzulassen, sich hinzugeben, Vertrauen zu fassen.
    Eine weitere Anmerkung zum Buch: Ich glaube nicht, dass pathologische Befunde (für sich selbst oder für die jeweils andere Seite) grundsätzlich greifen, es ist vielmehr auch hier vorrangig unser Bestreben nach Entlastung, die dazu führt, diese Art der Erklärungen für das eigene Verhalten oder der/s Anderen zu bemühen. Wir Menschen können es eben kaum ertragen, ohne Antworten zu sein, selbst die einer psychischen Erkrankung ist uns lieber, aber genau hierin liegt ja das Drama der Funkstille, in der dröhnenden Stille der Antwortlosigkeit.
    Vielen Dank für dieses Gemeinschaft stiftende Buch und Ihren Fragen stellenden Zugang. Ich fühle mich von Ihnen, Frau Soliman, mit dieser Not ernst genommen. Und seit ich mich auch selbst damit ernst genommen und mir Unterstützung gesucht habe, geht es insgesamt besser, langsam, jeden neuen Tag.

  69. Ich schreibe hier zwar nicht als direkte Betroffene, trotzdem habe ich schon seit mehreren Jahren das starke (Bauch-)Gefühl, dass mein Bruder sich zunächst als Familienmitglied vom Rest der Kernfamilie zurückzog und nun gänzlich nichts mehr mit uns zu tun haben will. Seit knapp einem Jahr habe ich zudem das starke Gefühl, dass er auf lange Sicht gesehen den Kontakt ganz abbrechen wird und ehrlich gesagt, graut es mir davor ein wenig.
    Seine neue Freundin, mit der er jetzt knapp zwei Jahre zusammen ist, habe ich nicht kennen lernen dürfen. Zum einen, weil sie es nicht will. Ich bin lesbisch und sie findet Lesben eklig – ihre Schwester lebt jedoch offen bisexuell. Zum anderen, weil durch sie sich mein Bruder völlig abgekapselt hat, in der Familie seiner Freundin (bei der er inzwischen mehr oder weniger wohnt) seine neue Familie gefunden hat.
    Fragen, ob man sich mal treffen kann, werden konsequent ignoriert, genauso wie die persönlichen Gespräche, die durch zufällige Treffen in der Ortschaft entstehen, möglichst kurz und neutral gehalten werden. Mein jüngster Bruder, zu dem er einen guten Draht hat, wird nahezu glorifiziert, der Rest der Familie (inklusive mir) wird mit Nichtachtung gestraft. So etwas erfahre ich auch über drei Ecken. Es sei denn, er will etwas, dann fällt ihm ein, dass es da ja noch andere Leute gibt, mit denen er verwandt ist.
    Klärende Gespräche lehnt er grundsätzlich ab. Die Familie seiner Freundin ist komplett anders, besteht fast nur aus hochqualifizierten und erfolgreichen Leuten, da fühlt er sich wohl. Hintenrum, das hat er mir dann erstaunlicherweise doch mal erzählt, käme er mit dem Erwartungdruck, den die Eltern seiner Freundin ihm gegenüber haben, nicht klar und seine Freundin klammere ihm außerdem zu sehr.

    Ich fühle es als den Anfang einer Kontaktstille. Seiner Freundin gebe ich keine Schuld, auch wenn ich ihre Welteinstellung sehr intelorant finde. Schade finde ich nur, dass es in vielen (nicht in allen!) Fällen die Freundinnen/Ehefrauen des Bruders sind, die versuchen, den Umgang mit diesem oder jenem Familienmitglied auszureden. Und traurig, dass diejenigen, die so “bequatscht” werden, da auch noch mitmachen.

  70. Hallo Frau Soliman,

    Ihr Film “Abgetaucht” hat mich (als “Verlassenden”) sehr berührt. Ich empfinde ihn als einfühlsam und sehr treffend, und finde besonders die ausgeglichene und vermittelnde Darstellung sehr angenehm. Herzlichen Dank dafür!

  71. Also ich bin ein “Verlassener”.
    Von heute auf morgen. Wir telefonierten, sprachen Stundenlang miteinander als wir das letzte mal Kontakt hatten. Tage später dann der “Befehl” (per Brief) das ich mich nicht mehr zu melden hätte usw. das übliche Gedöns wie hier schon einige male von “Abbrechern” erklärt.

    Im Nachhinein (jaja, diese “Phasen” des Wankens anfänglich) bin ich extrem froh das er fort ist.

    Jahrelang diese unerträgliche narzistische person. Er übersah alles andere um sich herum, es gab nur ihn, seine Sorgen/Probleme. Dabei hat er natürlich andere Dinge wie Anorexie usw. in der Familie beflissentlich übersehen. Auch Geld konnte man sich ja ganz bequem bei der Familie holen. Alles solange es für den Herrn gut war….

    Die letzte Phase die ich als “Verlassener” (besser Befreiter) durchlebte war unbändige Wut. Heute ist die zwar in Teilen auch noch da aber insgesamt in eher milder Form (auch wenn ich es oben sehr drastisch schilderte).

    Im Grunde bin ich froh das er fort ist. Meine Kinder kennen ihn nicht, Niemand fragt nach ihm. Er ist einfach weg.
    Gut meine Eltern mögen leiden (vor allem die Mutter), ansonsten aber ist er raus aus meinem Leben (sämtliche Fotos weg usw.) und ich bin sogar dankbar dafür.

    Dennoch sah ich eben zufällig die Doku im ZDF (37°) und dachte wieder daran (Eine gute Doku, vielen Dank, dafür zahl ich gerne meine GEZ Gebühren) und werde das Buch morgen kaufen weil ich denke/hoffe das es meiner Mutter ein wenig weiterhilft.

    mfg,

    ein befreiter

  72. Es gibt zahlreiche Menschen, für die ein Kontaktbruch in einer oftmals langen und intensiv vom Verlassenen empfundenen Liebesbeziehung zu ihrem selbstverständlichen Repertoire gehört. Der liebende, sich kümmernde Part in solchen Partnerschaften ist der charakterlich Stärkere, Gesündere, derjenige, der die Beziehung abrupt und ohne Begründung zerstört, der Schwächere. So etwas machen Menschen, die etwas zu verbergen haben. Vermutlich tun so etwas auch vorrangig Menschen, die selbst keine Minute allein sein können und im Augenblick der unangekündigten Trennung auch schon dafür gesorgt haben, dass “der Nächste auf der Matte steht”. Es gehört eine gehörige Portion Hass und auch Sadismus zu solchem Verhalten, obwohl die Tendenz zur Selbstschädigung bei diesen Leuten vermutlich noch deutlich ausgeprägter ist, diese Seite versuchen sie jedoch mit allen Mitteln zu verbergen, auch vor sich selbst, und sei es, dass sie sogar ohne berufliche oder familiäre Perspektive plötzlich den Wohnort wechseln. Es ist auch unterschwelliges Ansinnen, dass der Verlassene sich innerlich zermartern soll, wo denn nun eigentlich der Grund liegen mag für die Trennung. Durch den Weggang wollen sie sich selbst, Bekannten und zuletzt dem Verlassenen gegenüber eine Position der Stärke suggerieren, die sie jedoch nicht im Mindesten besitzen. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, so ist dies ein herber Schlag im Leben eines normal empfindenden Menschen, wenn jemand sich ohne Worte aus einer Liebesbeziehung stiehlt, so möchte er auch den anderen bleibend und dauerhaft emotional schädigen. Das ist wie ein Mord an der Seele. Und darum kann ich dem betroffenen Rolf aus der Sendung nur sagen: Diese Frau hat etwas sehr Schlimmes zu verbergen, über das sie nicht sprechen will und kann, und sie ist auch gar nicht in der Lage, die Liebe eines Menschen wirklich zu erwidern, auch nicht in Zukunft, auch wenn die tiefen Gefühle, die man diesem Menschen gezeigt hatte, echt waren und der gelebten Erfahrung zu widersprechen scheinen. Diese Liebe war ganz einseitig, und es ist unvernünftig, emotional in der Trennung und dem Trennungsschmerz zu verharren. Darum ist es ganz wichtig, eine Phase des Trauerns über den Verlust zu durchleben, die auch selbstreflektive Züge hat, eine Zeit der Suche und des Verstehenwollens. Aber dann gilt es, Abschied zu nehmen. Dieser Abschied muss beinhalten, dass es keine gemeinsame Zukunft mit einem Menschen geben kann, der einem so etwas wie einen Kontaktbruch antut. Das ist eine der schlimmsten Verletzungen, die ein Mensch dem anderen zufügen kann. Vielleicht wollte sie an dir, lieber Rolf, auch nur nur etwas ausleben, was sie selbst in ihrer Kindheit erlebt hat, und vermutlich geraten alle ihre Beziehungen nach diesem oder ähnlichem Muster. Auch starke Persönlichkeiten können dabei schweren Schaden nehmen. Man muss aber annehmen, dass man geschädigt wurde, und man muss daraus die richtigen Konsequenzen ziehen. Man sollte versuchen, einen Menschen zu finden, der einen aufrichtig widerliebt, und dies ist offenbar keine Selbstverständlichkeit, insbesondere, einen seelisch gesunden Menschen zu finden in der heutigen Zeit. Rolf, ich empfehle dir das Buch des Münchner Therapeuten und “Zeit”-Kolumnisten Wolfgang Schmidbauer “Das kalte Herz”. Lies das, und lass dich nie wieder kränken. Und eines kann ich dir versichern: Die Gemeinde derjenigen, die so etwas in ihrem Leben erfahren mussten, ist groß. Es gilt der Satz des Rheinländers: “Es gibt kein größres Leid, als was der Mensch sich selbst andeit!”

  73. Hallo Tina,

    das Thema interessiert mich auch schon sehr lange. Ich bin jetzt 41 Jahre alt und bin mit meiner Schwester (42 Jahre) und meinem Bruder (34 Jahre) in schwierigen familieren Verhältnissen aufgewachsen. Mein Bruder hat vor 4 Jahren zum zweiten Mal den Kontakt zu unserer Familie abgebrochen. Nur mit mir, meinem Mann und meinen Kindern hat er noch Kontakt. Wir drei Geschwister haben alle eine andere Strategie entwickelt mit meinen Eltern Umgang zu “pflegen”. Auch ich habe das Gefühl wie Marielu (vom 28. Juli 2011), daß es Menschen gibt, welche über andere Macht ausüben wollen (Warum nur?). Durch die verschiedensten Konstellationen in den Familien werden sie dann zu Abbrechern oder zu Verlassenen. Ich denke jeder hat sein Päckchen zu tragen. Auch meine Eltern hatten sicher eine schwierige Kindheit. Sie wollen oder können es aber nicht verarbeiten und sind so zu ungerechten Eltern geworden. Wie aber erkläre ich meinen beiden Kindern (5+9 Jahre) die Familiensituation? Sie fragen mich oft warum ihr Onkel nicht zu den Familienfeiern kommt. Ich kann aber auch meinen Bruder verstehen, daß er den Umgang abgebrochen hat – nur kann er dadurch in Frieden leben?

    Man muß reden und zuhören können.
    Den kleinsten gemeinsamen Nenner nutzen.
    Aber auch klar Grenzen setzen.

    Alles Liebe und Gute für alle.

  74. seid bald einem Jahr bin ich auf der Suche nach der Lösung eines Problems, das mich nicht mehr loslässt. Nun bin ich durch Zufall auf Sie gestoßen…

    Im Frühling letzten Jahres habe ich (25) einen Mann (28) beim Studium kennengelernt und wir hatten uns auch 3 Mal verabredet und häufig in Facebook gechattet (anfangs ging es ausschließlich von ihm aus). Ich bin mir auch ganz, ganz sicher, dass er Gefühle für mich hatte. Selbst eine Aussenstehende hat gemeint, sie glaubt, er würde mich mögen, obwohl sie nichts von den Treffen etc. wusste und mich nur ganz, ganz kurz neben ihm sitzen gesehen hatte und wir in dem Moment nicht einmal geredet hatten.
    Alles lief perfekt (außer, dass er nicht gerne Termine einhält, die ein anderer ausmacht. Einmal, als ich ihn auf einen Termin festnageln wollte, hatte er geschrieben, ich solle ihn nicht bedrängen…). Bei unserem letzten Treffen waren wir gemeinsam im Kino und hatten uns gegenseitig mit dem Arm berührt. Mehr nciht. Alles war noch ganz normal. Er hatte mich dann noch zum Auto gefahren und zur Verabschiedung wieder so lange angeschaut.
    Dann hatte ich eine Woche nichts von ihm gehört. In der Zeit hatte er aber in FB bereits seine Einstellung so geändert, dass ich seine Fotos nicht mehr sehen kann. Dann hatte ich ihn nochmals im Chat angeschrieben, er hat nur gemeint, er hätte überhaupt keine Zeit und mich dann im Chat gesperrt. Es ist aber keineswegs so, dass ich ihn dort ständig angeschrieben hätte und er dadurch genervt war oder in der Art. Sondern einfach so wollte er, dass ich nicht mehr an seinem Leben teilhaben kann… Ein Kumpel von ihm hat gemeint, er sei ev. von der Situation überfordert gewesen, weil er noch nie eine Freundin hatte.
    Mittlerweile hat er wohl eine Affäre (10 Jahre älter als er), die er aber definitiv nicht liebt und auch keinem seiner engen Freunde oder seiner Familie vorstellt. Also sie wird wohl nicht der Grund gewesen sein.
    Ca. 7 Monate später, hat er mir dann per Mail zum Geburtstag gratuliert und an WEihnachten hatte er geschrieben, er hätte mich in der Stadt von weitem laufen sehen. Nun hatte ich wieder Hoffnung geschöpft und ihm ab und zu geschrieben. Er antwortet zwar knapp, aber von ihm aus kommt nichts. Deshalb habe ich es auch wieder aufgegeben.

    Was soll ich denn nur tun? Ich liebe diesen Mann (auch wenn viele sagen würden, man kann jemanden, mit dem man nicht zusammen war, überhaupt nicht lieben). Gibt es irgendwas, wie ich mich wieder mit ihm treffen könnte (zufällig sehen wir uns fast nie)? Und wenn nicht, gibt es irgendwas, wie ich von ihm loskommen könnte? Ich meine, unglücklich verliebt ist ja jeder einmal, i.a. kommt man dann aber schnell davon los. Aber ich kann nicht loslassen, weil es endetete, als ich dachte, dass es anfängt…

  75. Fragt sich

    Wieviel muss ein mensch ertagen/erleiden bis er in die Flucht geschlagen wird

    Die eigen Mutter den missbrauch des Bruders verleumnet
    weil sie sich schämt
    weil sie überfordert war/ist das sie verantwortung versäumt hat!

    Sie schickt ihrem eigenen kind ein Postpaket mit dem gleichen Absender
    voll Steine und Sand.

    Sie lacht über den ersten BH der Tochter und stellt diese vor der gesamten Familie bloss…

    Sie schickt verschimmelte Marmelade im Paket und Zeitungsausschnitte

    Sie geht mit Typen ins Bett und redet mit ihrer kleinen Tochter 6 Jahre alt mehrere Wochen nicht weil diese das den Geschwistern erzählt hat.

    Sie unterstellt Ihrer Tochter auf Ihre männer neidisch zu sein, einer der fremden
    männer ruft bei der Tochter an und kontaktiert sie…

    Trotz ausdrücklicher Bitte immer und wieder werden Grenzen überschritten
    bis zum heftigen Übergriff.

    Sie erzählt jedem sie liebt ihre kinder, dabei hat sie eins aus ihrem Herzen verbannt!

    In 40 Jahren gabe es hunderte Grenzverletzungen, Kränkungen, Beleidungen
    und verleumneten Missbrauch.

  76. Mit meinem Kommentar möchte ich nicht überheblich erscheinen, aber es ist absolut legitim und meine absolut p r i v a t e Entscheidung, den Kontakt zu all jenen Menschen zu beenden, die mir nicht gut tun, weil sie Macht- und Dominanzverhalten sowie demütigendes und hinterhältiges Verhalten an den Tag legen, das sie auf gar keinen Fall ändern wollen.

    Nur ganz kurz: Ich hatte es in meiner Herkunftsfamilie mit demütigenden, hinterhältigen Machtmenschen zu tun, die weder an Kommunikation noch an einer Beziehung auf Augenhöhe interessiert sind und dies auch nie waren. Meine Herkunftsfamilie will so weitermachen wie bisher, aber ich dagegen hätte mich gefälligst anzupassen und zu unterordnen.

    Wo steht es geschrieben, dass ich den Kontakt nicht beenden darf?

    Wo steht es geschrieben, dass ich Gründe angeben m u s s?

    Und warum soll ich die Entscheidungsmacht darüber, ob meine Trennungsgründe gerechtfertigt sind oder nicht, meinen Eltern und Geschwistern überlassen?

    R i c h t i g (!), dies steht nirgendwo geschrieben und ich bin nicht verpflichtet, meine Entscheidungsmacht über meine Trennungsgründe an jene abzugeben, von denen ich mich getrennt habe.

    Ich habe mir damals eine Rechtsauskunft eingeholt und gehe seitdem erleichtert durch mein Leben. Und ich freue mich jeden Tag darüber, dass einzig und allein ich selbst bestimmen darf, zu wem ich Kontakt haben möchte/zu wem nicht, und dass kein Gericht/kein Gesetz der Welt mich dazu zwingen kann, zu jenen Menschen Kontakt zu haben, die mir nicht gut tun. Dass ich mein Leben ohne Bevormundung, Unterdrückung und ohne Hinterhältigkeiten und Demütigungen leben darf. Auch freue ich mich jeden Tag darüber, dass es das Anti-Stalking-Gesetz (gilt auch für die Herkunftsfamilie) gibt – ein zusätzlicher Schutz.

    Meine triftigen Trennungsgründe habe ich meinen Eltern und Geschwistern in einem sachlichen Brief mitgeteilt, jedoch wurden meine Gründe seitens meiner Eltern und Geschwister mit einem Handstreich vom Tisch gewischt, d. h. sie wurden für ungültig erklärt. Anschließend wurde ich von ihnen allen als egoistisch und ichbezogen beschimpft. Auch haben sie sämtliche schlimmen Vorfälle ganz dreist abgestritten (!), und ich wurde zusätzlich als bekloppt tituliert.

    Hätten meine Eltern und Geschwister an dem Buch >Funkstille< mitgewirkt, hätten diese sich – wie die Darsteller im Buch – absolut gekränkt gegeben und hätten doch glatt gesagt, ich sei ohne Gründe weggeblieben. Darüber hinaus hätten sie mich bei der Buchautorin und den am Buch mitwirkenden Psychologen als einen Menschen mit schlechtem Charakter beschrieben. Sie selbst hätten sich gegenüber der Autorin und den mitwirkenden Psychologen als die nettesten und liebevollsten Menschen dargestellt, die sich absolut keiner Schuld bewusst wären und absolut keine Ahnung hätten, warum ich den Kontakt beendet hätte.

    Mein Fazit: Wenn ich anderen Menschen (es kommt immer darauf an, mit welchem Typus Mensch ich es zu tun habe, d.h. ist er ausgeglichen und mit sich selbst im Reinen o d e r ist es ein Mensch, der durch widerliches Macht- und Dominanzverhalten Defizite auf meinem sprichwörtlichen Rücken ausgleichen muss) meine triftigen Gründe angebe, gebe ich meine Entscheidungsmacht aus der Hand. Mit Menschen dagegen, die mit sich selbst absolut im Reinen sind, werde ich sicherlich eher einen Konsens finden.

    So viel von mir zu den Themen Funkstille und das Angeben von Gründen.

    1. Hallo Sara,

      ein sehr hilfreicher und sehr kluger Beitrag.
      Es ist auch abzulesen, wieviel langjährige Schmerzen diese Entscheidung Dich gekostet haben muss. Es ist eben unwahr, dass der Abbrecher per se der Schuldige, Schwache oder psychisch labile Part sein muss.
      Die sogenannten Verlassenen wissen zumeist sehr genau, warum
      der Kontakt mutigerweise abgebrochen wurde: Jahrelange tiefste Verletzungen, fehlende Akzeptanz, Ignoranz dem “Abbrecher” gegenüber, Selbstaufwertung auf Kosten des “Abbrechers”, Verdrehungen und Psychospielchen…bis es niemand mehr entwirren kann.
      Abbrechen ist Ausdruck tiefster Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, und
      manchmal auch Verwirrung.

      Und Sara schreibt sehr richtig: Wenn diese Entscheidung schon vor dem Hintergrund von soviel gescheiterter Kommunikation getroffen wurde,
      ist man niemandem mehr Rechenschaft oder Erklärung von Gründen (oft ohnehin eine scheinheilige Forderung…die Gründe sind oft sattsam bekannt)
      schuldig…gerade die Erklärungen sind es ja, die über Jahre nicht respektiert wurden.

      Sophie

    2. Kontaktabbrüche können sicherlich die unterschiedlichsten Geschichten, Gründe und Hintergründe haben. Ich finde mich in dem, was du schreibst, sehr wieder, Sara. Ich habe auch einen Kontakt abgebrochen, und der entscheidende Satz von dir ist für mich: „Und warum soll ich die Entscheidungsmacht darüber, ob meine Trennungsgründe gerechtfertigt sind oder nicht, meinen Eltern und Geschwistern überlassen?“ Oder allgemeiner: warum soll ich die Entscheidungsmacht darüber, ob meine Gründe für IRGEND ETWAS, was ich im Leben tue, gerechtfertigt sind, anderen Menschen überlassen? Ich entscheide selbst über mein Leben, denn ich trage schließlich auch die Konsequenzen dieser Entscheidungen. Eine gleichberechtigte Beziehung zwischen zwei Menschen kann nicht entstehen, wenn einer von ihnen beansprucht, stets ganz allein zu bestimmen, was wahr ist, was richtig ist, was zählt (auch für den anderen).

      Ich habe meine Gründe erklärt, schriftlich, ausführlich, für jedermann nachzulesen. (Ich stünde für eventuelle Rückfragen bei Bedarf auch jederzeit zur Verfügung.) Aber meine Familie hat meine Gründe für lächerlich oder nicht ausreichend erklärt – wie sie schon immer alles für lächerlich erklärt hat, was an meinen Gefühlen für sie unbequem war. Wenn wir nicht in Kontakt stehen, ist mir das gleich. Aber wenn du in einer Beziehung bist, wo einer immer die Macht beansprucht, alles, was ihm an deinen Gefühlen und Wahrnehmungen nicht paßt, gewissermaßen „aus dem Protokoll zu streichen“ und für ungültig zu erklären, dann ist das nicht gesund.

      Sie haben das Recht, für ihr Leben zu bestimmen, was real, gültig und richtig ist. Und ich habe das Recht, das gleiche für mein Leben zu tun. Daß ich dieses Recht habe, haben sie aber nie anerkannt. Ich hatte nur die Wahl zwischen dauerndem Kampf, Trennung oder Unterwerfung.

      Genau wie du bin ich sicher, daß sie auf Befragen erklären würden, daß sie keine Ahnung haben, warum ich den Kontakt abgebrochen habe. Ich glaube sogar, daß sie das selbst glauben. Es wäre viel zu schmerzhaft für sie, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die sie über Jahrzehnte ausgeblendet und für nicht real erklärt haben. Es ist ihr gutes Recht, diese Entscheidung zu treffen. Aber ich finde nicht, daß ich verpflichtet bin, mich gewissermaßen bei lebendigem Leibe ignorieren zu lassen. Ich, das wirkliche Ich, meine Person mit all ihren Gefühlen, ihrer Geschichte, ihrem ganz eigenen Blick auf das Leben, das war in ihrem Leben sowieso nie anwesend, weil sie viel zuviel von dem, was mich ausmacht, nie wahrnehmen wollten. Es ist durch den Kontaktabbruch nur offensichtlicher geworden, daß ich in ihrem Leben nicht anwesend bin.

      Und das ist in Ordnung so. Ich wünsche uns allen Glück, ihnen – und mir auch. God bless us all.

  77. Wir haben uns häufig gesehen. Wir haben am selben Tisch gesessen. Wir haben geredet. Wir haben Geburtstage, Weihachten und Geburten gefeiert. Wir haben zusammen gelebt. Und hatten doch keinen Kontakt.

    Wer hat wann den Kontakt abgebrochen? Auf der Suche nach dieser Frage musste ich weit in meine Kindheit zurückgehen. Und mich am Ende fragen, ob wir jemals Kontakt hatten.

    Diese Form des kontaktlosen miteinander lebens scheint generationenübergreifend zu sein und sich zu vererben. Die Wurzeln scheinen lange zurück zu liegen.

    Und am Ende erkannte ich, dass in meiner Herkunftsfamilie niemand einen echten tiefen Kontakt zu sich selber hat. Und dass man ohne Kontakt zu sich selbst auch keinen Kontakt zu anderen haben kann.

    Mir wurde klar, dass ich mit einer Lüge gelebt habe. Ich konnte den Kontakt garnicht wirklich abbrechen. Ich konnte nur aufhören so zu tun, als hätten wir Kontakt. Man kann ja nichts beenden, was garnicht existiert. Ich beendete nur das reden. Ich begann die “Funkstille”. Und so wurde mein Leben ein Stück ehrlicher.

    Ich hoffe, in der Funkstille nun den Kontakt zu mir selbst zu finden. Um dann den Kontakt zu meiner eigenen Familie (Frau und Kinder) zu finden. Um nicht irgendwann selbst als “Verlassener” da zu stehen. Um den Virus der Kontaktlosigkeit nicht auch weiterzugeben.

    Und um dann vielleicht einen Versuch zu machen, zu meinen Eltern wieder Kontakt zu bekommen. Aber wie soll man zu jemandem Kontakt bekommen, der den Kontakt zu sich selbst nicht hat? Und der das selbst nicht weiß? In dieser Kontaktlosigkeit sitzt man wie in einem tiefen Kerker oder einem anderen Universum. Unerreichbach für Menschen mit Erdung, die im Lichte der Sonne leben?

    1. Danke, danke, danke! Für diese wirklich klugen Zeilen. Das spricht mir so was von aus der Seele, wie noch selten etwas. Herzlichen Dank!

  78. Danke,
    danke das ich endlich weiß, ich bin nicht alleine. Danke, dass endlich jemand über dieses Tabuthema spricht. Jetzt weiß ich, ich brauche mich nicht mehr so zu schämen, dass ich den Kontakt abgebrochen habe. Den Druck nicht standhalten konnte und auch nie können werde. Und mich nicht schämen muß, wenn man mich verständnislos anschaut, wenn ich sage, dass ich schon lange keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern habe und mich nicht erinnere jemals eine Beziehung mit Ihnen gehabt zu haben. Es ist einfach so, warum weiß ich nicht und tut nach so langer Zeit auch nichts mehr zur Sache. Meine Großmutter wünscht sich immer noch, das ich um des liebens Friedens willen wieder den Kontakt zu Ihnen aufnehme und mich “zusammenreiße”. Meinen Frieden kann sie dann nicht meinen.
    Und man muß zwangsläufig auch sein Umfeld ändern. Da ich als einziges Kind einer Großfamilie den Kontakt abgebrochen habe, – na, da muß ja was mit mir nicht stimmen. Ja, auch das kenne ich. Und das ich auch andere Verwandte meide und gemieden werde, auch das ist hart. Ich habe ein paarmal wegen meiner Kinder versucht den Kontakt wenigstens oberflächlich zu “erhalten”, aber auch das funktioniert nicht. Man macht sich dann wieder was vor. Oder fällt in die alte Rolle, die nie paßte, jetzt nicht paßt und nie passen wird. Und Totschweigen hilft nichts- ganz im Gegenteil es stauen sich nur mehr Enttäuschungen. Die Erkenntnis, dass ich wohl nie dazu gehören werde, damit umzugehen und dann für sich eine Lösung zu finden ist für mich der einzige Weg. Trauer und Angst sind immer dabei, aber was nicht ist, ist nicht! Man muß für sich einen Weg finden damit zu leben. Es gibt mir Hoffnung hier zu lesen, dass viele mittlerweile eine eigene Familie haben und dieses Muster nicht weitergegeben wird und man Glück mit seiner anderen Familie haben kann und dort geliebt wird.

    1. Hallo KIND,
      deine Zeilen haben mich gerade umgehauen! Du schreibst mir aus der Seele! Deine Zeilen lesen sich, als hätte ICH sie geschrieben. Fast ein bisschen unheimlich.
      Liebe Grüße einer anscheinend Seelenverwandten
      Ich wünsche dir ganz viel Krauft auf DEINEM Weg…

  79. Ich habe das Buch „Funkstille“ zweimal gelesen. Beim ersten Mal habe ich nicht gleich den Wert des Buches voll erkannt. Meine Erwartung war zum einen, feststehende Antworten auf meine Fragen zu finden, zum anderen war ich nicht sicher, ob ich im Sinne des Buches wirklich diese klassische Funkstille durchlebe. Denn es wurde immer wieder erwähnt, dass die Abbrecher ohne konkrete Begründungen plötzlich für die Verlassenen nicht mehr erreichbar seien.
    Ich bin auch Abbrecher und habe meine Eltern im vergangenen Jahr immer wieder auf ihr mich stark belastendes Verhalten hingewiesen. Verständnis wurde mir nicht einmal ansatzweise entgegen gebracht. Ein letztes persönliches Gespräch, welches auch vorher allseits als „Konfliktgespräch“ gesehen wurde, verlief enttäuschend. Als ich dann noch erfuhr, dass meine Eltern in einer für meine junge Familie und mich ganz schlimmen, leidvollen Zeit in Wirklichkeit nicht mich sondern vielmehr meine Widersacher verstanden haben, brach ich nach einer Bedenkzeit von 6 Wochen den Kontakt ab.
    Ich habe es in einem Brief erklärt, auch dass ich den Kontakt aus gesundheitlichen Gründen abbrechen muss, denn es gäbe Menschen, für die meine Gesundheit von hoher Wichtigkeit ist.
    Der Aspekt „Gesundheit“ ist nicht erfunden, denn ich litt in letzter Zeit immer wieder unter psychosomatischen Beschwerden, die direkt mit den Ereignissen bzgl. meiner Eltern einhergingen. Vorgewarnt bin ich durch eine psychische Erkrankung im Jugendalter, die ausschließlich auf mein Umfeld innerhalb meiner Familie während meiner Kindheit und Jugend zurückzuführen ist.
    Derzeit drehen sich meine Gedanken, genau wie im Buch beschrieben, immer wieder im Kreis. Ich frage mich die ganze Zeit: Werde ich zur Ruhe kommen? Werde ich Frieden finden? Denn schließlich habe ich die Sache doch sauber beendet. Ich habe die anderen nicht unwissend und mutmaßend zurückgelassen.

  80. durch die negative Einflussnahme und Einflüssterung meiner Schwester auf die Familie meines Sohnes, brach dieser vor ca. 20 Jahren den Kontakt zu ab. Abgesehen von einigen zufälligen Begegnungen im lf. der Jahre bei denen unser Gruß unerwiedert blieb, hatten wir keinen Kontakt. Bis heute wissen wir nicht, was die Ursache zu dem Abbruch war. Ich, der Vater (Tscheche) hatte als Kind im Verlauf meiner Germanisierung durch Adilf Hitler eine sehr harte und freudlose Erziehung genossen und so mehr war ich bestrebt, meinen Kindern ein schönere Jugend zu gestallten. Meine Briefe auch an die jüngste Enkeltochter blieben unbeantwortet. Einen letzten Versuch zur Ausprache machte ich Nov. 2011 per Einschreiben. Dieser Brief kam zurück mit dem Vermerk “Anahme verweigert”. Darüber ist meine Frau seelisch erkrankt. Ich erwäge mittlerweile, meinen Sohn aus dem gesamten Erbe auszuschließen, so auch aus dem Pflichtteil mit der Begründung der “sselischen Grausamkeit” auszuschließen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Karl V.

  81. Vielen Dank für diese Seite!
    Endlich habe ich gesehen, dass ich nicht die einzige bin, die bewusst den Kontakt zu ihrer Mutter (und gezwungenermaßen auch zum Rest meiner Familie) abgebrochen hat.
    Ich habe mir heute das Buch bestellt, weiß aber noch nicht genau, wann ich die Kraft haben werde, es zu lesen…
    Ich habe versucht meiner Mutter zu erklären, warum ich mit ihr breche. Nur leider kamen meine Erklärungen nicht bei ihr an. Meine Mutter verdrängt und schiebt anderen Leuten die Verantwortung für unseren Bruch in die Schuhe. Ich denke, es ist für sie so erträglicher die Realität unserer “Funkstille” zu ertragen.
    Ich selbst habe erfahren, dass ich nur duch den absoluten Kontaktabbruch endlich zu meinem inneren Frieden finden konnte. Erst jetzt, nach mittlerweile 6 Monaten ohne Kontakt, habe ich wieder Kraft mich um meine eigene Familie zu kümmern – ohne Episoden völliger Gelähmtheit, Erschöpfung und Depression.
    Meine “Funkstille” bedeutet Selbstschutz, ansonsten würde ich kaputt gehen und meine eigene Familie gleich mit. Eine Traurigkeit bleibt, aber mit der kann ich leben!
    LG Sibylle

    1. Hallo Sibylle,
      Deine Beiträge geben mir so viel.
      Kurz zu meiner Situation: Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen in dem jeder Jeden kennt. Wohne mittlerweile 5 km von dort weg. Mein Arbeitsplatz ist aber seit 20 Jahren dort.
      Meine Eltern waren immer sehr lieblos zu uns Kindern. Es herrschte Gewalt, Demütigungen und Kränkungen.
      Bei uns wurde nicht geredet oder diskutiert. Meine Eltern hatten immer recht und ließen keine andere Meinung zu.
      Das schlimme ist, nach aussen hin spielten sie die heile Familie.
      Ich habe vor 4 Jahren den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen um mich selbst zu schützen. Wollte mit solchen “Eltern” keinen Kontakt mehr. Wollte nicht der Liebe hinterherrennen die ich eh nie bekommen werde.
      Der Kontaktabbruch tut mir gut. Endlich lebe ich.
      Das einzige Problem das ich habe ist das ich auf meinem Arbeitsplatz von Kunden angesprochen werde und nach meinem Eltern gefragt werde. Wenn ich dann sage dass ich keinen Kontakt habe werd ich angeguckt als hätt ich nen Mord begangen. So ala sowas macht man nicht du hast doch nen Knall.
      Warum habe ich das Gefühl mich immer rechtfertigen zu müssen für diesen Schritt? Mir ist das Thema unangenehm.
      Liebe Sybille, hast Du einen Tipp für mich wie ich lernen kann, dass ich mich nicht rechtfertigen muss? Dass das allein meine Sache ist?
      Jeder tut immer achso tolerant. Und die Wahrheit sieht bei diesem Thema ganz anders aus.
      Mein Verstand weiss dass ich keinem rechenschaft ablegen muss aber wie schaff ich das mein herz diese Zweifel auch nicht mehr hat?
      liebe Grüße

  82. Hallo! Ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen. Es ist wirklich faszinierend, wie viele der angesprochenen Punkte auf meine Situation zutreffen – besonders, was das Nähe-Distanz-Problem oder die Abruptheit des Kontaktabbruches betrifft. Auch ich kenne das grausame Gefühl, von einem Menschen von heute auf morgen zurückgestoßen zu werden.
    Es geschah vor ungefähr einem halben Jahr, für mich völlig abrupt und unbegreiflich, durch eine gute Bekannte von mir, mit der ich mich seit Jahren sehr gut verstehe und die mich einstmals viel unterstützt hat. Über längere Zeit standen wir in einer Art freundschaftlichem Kontakt. Nachdem sie mir nach einem „Fauxpas“ meinerseits mitteilte, ich solle sie nicht mehr kontaktieren, ist für mich geradezu eine Welt zusammengebrochen. Ich suchte die Schuld bei mir und glaubte, ohne diesen unnötigen Fauxpas wäre es niemals soweit gekommen.
    Ein paar Monate später habe ich sie wiedergesehen und mit ihr über den Vorfall gesprochen. Sie hat sich bei mir für ihr Verhalten entschuldigt und meinte, dass der eigentliche Grund für den Kontaktabbruch nicht an meinem Fehler liege, den ich begangen hatte, sondern daran, dass es etwas Ungeklärtes in unserem Verhältnis zueinander gäbe. Ja, sie hatte recht; es gab sogar einiges Ungeklärtes. Das war mir zwar immer bewusst, doch ich hatte es absichtlich nicht mehr angesprochen, weil ich glaubte, alle früheren Schwierigkeiten seien bewältigt. Diese „früheren Schwierigkeiten“ waren darauf zurückzuführen, dass sie vor mehreren Jahren die einzige Bezugsperson für mich war. Obwohl sie mich nach eigenen Angaben immer „sehr gerne mochte“, hatte sie diese Rolle, die ich ihr früher beigemessen hatte, offensichtlich überlastet.
    Nach dem Gespräch schrieb ich ihr das, was ich bislang immer bewusst „totgeschwiegen“ hatte. Ich erklärte ihr die Gründe für mein Verhalten in der Vergangenheit, entschuldigte mich indirekt dafür und betonte, dass ich sie künftig in Ruhe lassen werde und ihr alles Gute wünsche.
    Als ich ihr kürzlich wieder begegnet bin, habe ich sie nicht wiedererkannt. Trotz – oder vielleicht wegen?! – meiner sehr ehrlichen Worte trat sie mir beinahe genauso freundlich gegenüber wie früher. Sie dankte mir, dass ich ihr die Wahrheit gesagt hatte und meinte, dass nun wieder alles in Ordnung zwischen uns sei. Danach redeten wir noch ein paar Minuten, lachten und scherzten miteinander. Wenn ich es nicht gewusst hätte, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass wir vor noch gar nicht allzu langer Zeit solche gravierenden Probleme miteinander hatten.
    Sicherlich war wohl einfach noch nicht die richtige Zeit dafür, doch dennoch finde ich es schade, dass über einen erneuten Kontaktversuch kein Wort verloren wurde. Ich meine, wenn doch wieder alles in Ordnung ist, warum können wir es dann nicht nochmals versuchen?! Hindern uns daran nur die Vergangenheit sowie die Tatsache, dass sie bei einem Sinneswandel sprunghaft wirken würde?
    Natürlich habe ich genügend andere gute Freunde und komme in meinem Leben auch ohne diesen Kontakt zurecht – das ist keine Frage. Doch irgendwie finde ich das, was zwischen uns passiert ist, nach wie vor unnötig, weil wir ja eigentlich vollkommen auf einer Wellenlänge liegen und uns trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten immer noch gut verstehen. Denn gerade JETZT hätten wir ja eigentlich die Chance, die Schatten der Vergangenheit endgültig hinter uns zu lassen und unser Verhältnis zueinander durch die neugewonnene Ehrlichkeit zu bereichern. Gibt es noch die Aussicht auf eine Chance oder ist bereits alles zu spät? Ich bitte um Antworten. Herzlichen Dank und viele Grüße! Eine Verlassene.

    1. Hallo! Vor 11 Jahren brach meine Tochter (damals 19 Jahre)den Kontakt von heute auf morgen(quasi über Nacht )zu mir ab. Ich erzog meine Tochter allein
      und war der Meinung alles was mir möglich war für sie getan zu haben.
      Nach meiner Einschätzung war das Verhältnis zu meiner Tochter gut.
      Leider kam es zu Streitereien als ich krank wurde (Multiple Sklerose)
      und meine Tochter einige Aufgaben im Haushalt übernehmen sollte.
      Bis dahin habe ich es von ihr nicht gefordert, sondern alles alleine gemacht.
      War wohl ein Fehler?
      Die Streitereien entzündeten sich an Kleinigkeiten(z.B. Müll runterbringen).
      Und es gab die Tante (meine Schweister) und die Oma (meine Mutter),
      beide Frauen stellten sich auf die Seite meiner Tochter.
      Äußerungen in meiner Anwesenheit zu meiner Tochter:
      Du mußt nicht die Putze deiner Mutter sein. Du hast alles Recht der Welt
      dich deiner Mutter zu schämen. Du mußt dir das mit deiner Mutter nicht antun. Du mußt nicht bei ihr bleiben ,komm zu uns (zu meiner Schwester)
      da hast du es viel besser.
      Sie nutzte natürlich dieses Angebot, um mich mit meiner Krankheit nicht
      mehr erragen zu müssen.
      Verweigerte jeden Kontakt, eine Kommunikation war somit nicht mehr
      möglich. Diese suchte sie dann über Anwälte mit Schreiben voller Beleidigungen, Kränkungen , Lügen und Respektlosigkeiten.
      Wenn ich nicht so spure wie sie es haben will, sie braucht mich nicht,
      sie hat genug Freunde – so war ihr erster Kontakt nach 8 Jahren Funkstille. Aus ihrer Sicht habe ich mich wohl nicht so verhalten, wie sie es sich gewünscht hätte (ohne das sie überhaupt bereit war über den Konflikt zu sprechen) ,brach sie den Kontakt wieder ab.
      Die letzten Jahre waren für mich eine Zeit der Selbstzweifel, die Suche nach meiner Schuld am Zerwürfnis. Dazu kamen noch die Schuldzuweisungen
      von nahen Angehörigen.
      Da bin auch ich zum Abbrecher geworden und habe den Kontakt zu den
      Menschen abgebrochen, die mir nicht gutgetan haben, um nicht am Leben zu verzweifeln. In dem Buch Funkstille habe ich viele Parallelen zu meiner Geschichte gefunden und es tröstet ein wenig nicht allein betroffen zu sein.
      Aber ob es für mich und meine Tochter noch eine Chance gibt ??
      Viele Grüße eine Verlassene

      1. Liebe „Verlassene“!
        Ihr Beitrag hat mich zutiefst berührt und bewegt. Womöglich deshalb, weil es wohl einem Albtraum gleichen muss, elf (!) Jahre lang keine Gewissheit zu erhalten.
        Aus Ihrem Kommentar ist eine deutliche Überforderung seitens Ihrer Tochter herauszulesen. Sie konnte womöglich nicht mit Ihrer Krankheit sowie der Tatsache, dass SIE sich fortan um ihre Mutter, die sich bisher um sie gekümmert hat, kümmern muss, umgehen und hat sich deshalb aus Gründen des Selbstschutzes zurückgezogen – allerdings ohne ein einziges Mal darüber nachzudenken, was sie Ihnen damit antut.
        Mir stellt sich jedoch die Frage, ob vorher nicht noch mehr zwischen Ihnen und Ihrer Tochter vorgefallen ist. Es ist schließlich nicht zu viel verlangt, seiner kranken Mutter im Haushalt zu helfen.
        Ebenso verwunderlich und nahezu unbegreiflich erscheint es mir, dass Ihre Schwester und Ihre Mutter Ihre Tochter in ihrem Vorhaben bestärkt haben. War die Mithilfe Ihrer Tochter im Haushalt wirklich der einzige Grund, wieso sie sich zurückgezogen hat oder gab es bereits in der Vergangenheit entsprechende Spannungen in Ihrer Familie? Ich schreibe bewusst „Familie“, weil es schließlich kein „normales“ Verhalten gegenüber einem schwerkranken Menschen ist, ihn aufgrund seiner Krankheit zu beschimpfen und sich für ihn zu schämen. Ein solcher Umgang mit der Krankheit zeugt m. E. bereits von grundlegenden, ggf. früheren Problemen im Umgang miteinander.
        Eine neue Chance für Ihre Tochter und Sie ist sicherlich nicht ausgeschlossen, doch äußerst schwierig zu erreichen, solange sie und die anderen Familienmitglieder (Oma, Tante) nicht erkennen, was sie bei Ihnen mit ihrem intoleranten Verhalten auslösen – besonders in gesundheitlicher Hinsicht.
        Besteht denn, nach elf Jahren, die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Ihrer Familie oder ist diese Möglichkeit der Klärung vorneweg ausgeschlossen?
        Ich wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute!
        Eine Verlassene (die Verfasserin des Beitrags vom 16.11.2011)

        1. Liebe Verlassene,
          vielen Dank für Ihr Mitgefühl. Natürlich hatte ich Verständnis für meine Tochter und habe versucht ihr die Angst zu nehmen, ihre Mutter pflegen zu müssen.
          Sie sollte ihre Ziele verfolgen ihr Abitur zu machen
          studieren, ihr Leben in die Hand zu nehmen.
          Aber sie muß mir nicht geglaubt haben, ihr wurde Angst gemacht (durch besagte Personen)Da sie sich weigerte mit mir über meine Krankheit zu sprechen, merkte ich ihre Angst und Überforderung.
          Aber ich hoffte , da besagte Schwester-von Beruf Kinderkrankenschwester ist, diese ihr ein wenig von der Angst nehmen könnte, aber das Gegenteil geschah.
          Nicht nur Sie fragen , was war noch zwischen mir und meiner Tochter vorgefallen, auch ich habe es mich jahrelang gefragt. Auch was war der Auslöser, das die zwei Personen(Tante und Oma) so sich mir gegenüber verhielten. Heute weiß ich um das Geheimis, was diese Personen verband und heute sehe ich meine Tochter als Opfer, dieser Personen. Aber meine Tochter muß selbst
          erkennen, daß sie manipuliert, missbraucht und benutzt wurde.
          Was mir sehr geholfen hat meine sogenannte”Familie” und auch
          meine Stellung in dieser “Familie”ja fast zu analysieren.,
          war die Lektüre des Buches “Masken der Niedertracht”
          v. M.-F. Hirigoyen.
          Und ich erwarte seitdem auch nicht eine Entschuldigung oder ein Einsehen dieser Personen Meine Mutter,
          besagte Oma ist verstorben und hat auch bis zu ihrem Tod nicht erkannt oder erkennen wollen, was sie getan hat. Sie hat ein Geheimnis gehüttet um eine Fassade aufrechtzuerhalten, aber 4 Jhre nach ihrem Tod war das Geheimnis für mich gelüftet. Dafür mußte ich einer
          weiteren Schwester nur den Spiegel vorhalten, was ich schon viel früher hätte tun sollen.
          Als Älteste von 5 Geschistern, die immer für die Jüngeren da war, mußte ich erkennen, das “Familie” nicht “Familie” ist. Geblieben ist mir nur mein 1 Jahr
          jüngerer Bruder.
          Noch ausfürlicher darüber zu schreiben, würde hier den Rahmen sprengen.
          Viele Grüße
          .

  83. Liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren,

    wir danken Ihnen sehr für Ihr Vertrauen und dass Sie Ihre persönlichen Geschichten, Erfahrungen und Meinungen mit Anderen hier teilen.

    Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn Sie an unserer kleinen Umfrage, die Sie in der rechten Spalte auf der Webseite finden, teilnehmen könnten. So würden wir einen kleinen Überblick darüber erhalten, wie Sie zum Thema Funksstille stehen und welche Personenkreise sich auf dieser Webseite informieren.

    Sollten Sie Anregungen und wünsche bezüglich dieser Webseite haben, freuen wir uns, wenn Sie auch per Email mit uns Kontakt aufnehmen: online@klett-cotta.de

    Herzlichen Dank und Ihnen alles Gute!
    Ihr Team von funkstille-buch.de

  84. Alles was hier zu lesen steht kann ich zu 100% unterschreiben!

    Ich bin beides Abbrecher und Verlassene, in meiner Familie besteht das Muster auch,
    nachdem der kontakt mit meiner Familie auseinanderbrach, weil ich so nicht mehr weiterleben konnte. Das Miteinander bestand fast nur noch aus beleidigungen, Kränkungen, Lügen und Respektlosigkeiten zusammengefasst aus Machtspielen und Krieg. Ich musste gehen, ich konnte nicht mehr, es gibt kein Abschluss, kein zurück und dennoch bin ich täglich verbunden in Traurigkeit und Wut.

    Nur der Tod würde mich erlösen, ich verlor einen wundervollen Freund, sehr schmerzvoll, er musste gehen…. seitdem bleibt niemand mehr und ich lebe für mich allein.

  85. Opfer und Täter – Recht auf Warnschuss

    Sicher gibt es viele Fälle, in denen ein Abbruch eindeutig richtig ist: Wenn der ‘Abgebrochene’ zuvor gravierend falsch gehandelt hat, also ganz klar Täter ist, und der ‘Abbrecher’ eindeutig sein Opfer.

    Ich denke aber, in mindestens genauso vielen Fällen haben vor einem Abbruch beide Seiten Fehler gemacht. Zumindest hat sehr häufig eine unzureichende Kommunikation stattgefunden: Der spätere Abbrecher ist überzeugt, schon längst vielfach gesagt zu haben, was ihn stört – doch der Andere war aus unterschiedlichsten Gründen gar nicht in der Lage, es zu verstehen.

    In solchen Fällen meine ich, dass jeder potenziell ‘Abzubrechende’ ein RECHT auf einen klaren, eindeutigen Warnschuss hat: “Wenn Du dieses Verhalten nicht änderst, werde ich keinen Kontakt mehr zu Dir haben!” – genau in dieser Deutlichkeit! Und wenn es irgendwie möglich ist muss man sich dann auch die Mühe machen, gemeinsam in Ruhe nach Ursachen und Lösungen zu suchen.

    Findet dies nicht statt, ist der Abbrecher auch Täter!
    Denn jede Beziehung (jeder Art) gehört (mindestens) zwei Menschen. Wenn einer aus Unzufriedenheit mit dem Gedanken spielt, sie zu beenden, gebietet es der zwischenmenschliche Respekt, dem anderen eine faire Chance zur Veränderung zu geben. Und dazu muss der eben verstanden haben, was das Problem ist. Dabei spricht natürlich nichts gegen eine angesagte Pause, bis zu deren Ende die Chance jedoch bestehen bleiben muss.

    Ich selbst wurde von einem mir sehr nahe stehenden Menschen zwar noch informiert, dass unsere Beziehung zu Ende ist. Einige Gründe für das Ende wurden mir dabei angedeutet, aber ich konnte sie nur zum Teil verstehen. Ein echtes Gespräch war in der angespannten Situation nicht möglich. Es gab dann noch ein weiteres Telefonat, nach dem eine spätere Klärung zunächst noch möglich schien. Seitdem aber herrscht Funkstille, vielleicht für immer. Ein Abschied hat bisher nicht stattgefunden. Das ist schlicht das Schlimmste, was ich bis heute erlebt habe: Ich fühle mich noch immer täglich schuldig, leer, frierend und wertlos.

    Ich hoffe und glaube, dass Ihr Buch zu einem sensibleren Umgang mit diesem wichtigen Thema beiträgt!

    1. Hallo,
      es sollte einem eine Gelegenheit gegeben werden, dass man erfährt was man falsch gemacht hat und nicht einfach sang-und klanglos aus dem Leben zu verschwinden. Ich eine hatte Freundin – 26 Jahre lang- ich dachte zumindest, dass sie eine Freundin war- bis sie vor ca einem Jahr komplett den Kontakt abgebrochen hat- sie hat mir dann noch eine ziemlich negative Mail geschrieben, in der sie auch schrieb, dass sie unsere Freundschaft momentan nicht leben kann- auf meine Frage warum sie diese nicht leben kann, habe ich bis zu heutigen Tage keine Antwort erhalten.
      Vielleicht liegt es dran, dass sich Menschen verändern, sich die Wege teilen im Laufe eines Lebens und jeder einen anderen Weg beschreitet. Ich weiss nicht genau inwieweit Neid auch eine Rolle spielt, dass Menschen den Kontakt abbrechen!? Das der eine Dinge erreicht hat im Leben und der andere eben andere Dinge- vielleicht aber nicht diese, die er gerne hätte erreichen wollen. Auf jeden Fall tut es weh, wenn einfach so der Stecker gezogen wird, wenn man keinen “Warnschuss” bekommen hat, sondern gleich einen frontalen Schuss vor den Bug erhalten hat. ich finde, dass sich die Abbrecher so sehr den Weg zurück verbauen, wenn sie nichts sagen- es wäre doch einfach, wenn der Abbrecher wenigstens schreibt, was ihn dazu bewogen hat, abzubrechen.
      Alles nur Spekulationen- des Menschen Wille ist sein Himmelsreich und zwingen kann man niemanden. Ich finde nur, dass wir Menschen es uns manchmal einfach viel zu schwer machen und einfach nicht miteinander ” reden” jeder ist nur mit sich slbst beschäftigt- jeder meint immer nur, dass nur er Probleme hat- jeder hat sein Päckchen zu tragen!
      Ich finde “KOMMUNIKATION” ist alles und “FUNKSTILLE” ist feige!!
      Ich werde mir das Buch auf jeden Fall kaufen und freue mich schon drauf- vielleicht gibt es Antworten oder Klarheit! DANKE!!

  86. 3 “Sprüche” fallen mir zu diesem Thema spontan ein. Mir – als “Abbrecher” haben diese lange Zeit zu meinem Verhalten Bestätigung gegeben es SO zumindest nicht GANZ “falsch” zu machen.
    1.:
    Besser schweigen und als Narr scheinen,
    als sprechen und jeden Zweifel beseitigen.
    (Abraham Lincoln)

    Die ganze Kunst des Redens besteht darin zu wissen,
    was man nicht sagen darf.
    (George Canning)

    IMMER war der Abbruch – das Schweigen – die Stille – nicht Stillstand – die Zeit ohne die zuvor ausgetauschte Kommunikation ließ mich fühlen, erfahren, selbsterkennen, überdenken, auseinandersetzen, umdenken wodurch sich mir heute eher dieser Spruch bestätigt; was ich selbstverständlich als “alter Verlasser” auch nicht NUR SCHLECHT heißen möchte ;)

    Reden heißt urteilen, Schweigen heißt, geurteilt haben.

    Ach – eine Frage so am Rande an Alle hier zu diesem Thema: Ist es nicht – oder sollte ich fragen – wirklich so wunderschön daß Jeder ein einzigartiges Individuum ist ??

    alles Liebe
    a.d.

    1. Hallo a.d. (welch passendes Kürzel, wenn man es ausspricht…),

      ich weiß nicht, welche Gründe sie zum Abbruch hatten. Dass sie als aktiver Teil den Abbruch nicht negativ empfunden haben (“selbsterkennen, umdenken, etc.”), hatte ich schon vermutet. Wie aber hat es der andere Teil empfunden, der vermutlich zu völliger Passivität verdammt war?

      In Ihrem dritten zitierten Spruch deuten Sie an, dass Sie als Abbrecher ein Urteil gefällt haben. Aber – wenn Sie diesen Begriff aus der juristischen Welt benutzen – hatten die Verurteilten denn eigentlich ein faires Verfahren??

  87. Funkstille

    Just in diesem Augenblick
    offenbart ein kleines Stück
    sich grad meiner Seele,
    das hier etwas fehle.

    Trifft Kommunikation
    nicht auch den Seelenton,
    ergreift sie ihre Chance
    zu wecken aus der Trance.

    Zieht sich zurück in jenes Feld
    das unsichtbar erhält die Welt,
    damit sie sammle fein,
    die zarten Töne ein.

    Bewegt im Herzen still,
    was jetzt gesagt sein will.
    Es legt sich jenes Streiten,
    wenn sich die Töne weiten,

    zeigt die FUNKSTILLE nur,
    die einst verlorene Spur
    und löst mit neuer Welle
    das Drama auf der Stelle.

  88. Hallo,
    ich kenne seit meiner Kindheit in meiner Familie, das Verhalten nicht miteinander zu sprechen.
    Das erste Mal habe ich das bei meinen Großeltern kennengelernt, die Tante im Obergeschoß, mit Sohn. Mit dieser Frau habe ich nie ein Wort gesprochen, es hieß immer die Tante ist böse und der Sohn hat sie nicht mehr alle, wieso und warum das so war, weiß ich heute nicht mehr. Aber schon damals für unmögliche eine solche Situation, wie kann eine Familie unter einem Dach wohnen und kein Ton miteinander Reden. Bei meiner Cousine war das ein paar Jahre später nicht anders, die Tochter lebt mit ihrer Fam. im oberen Stockwerk, die Großeltern zahlen vieles extra was sich die Fam. sonst nicht leisten könnte aber es herscht eine unmögliche Lebenssituation. Opa hasst Schwiegersohn, es wird kein Ton miteinander gesprochen nur über die Oma und erträglich wird alles weil Opa viele Kosten übernimmt und er dafür die Enkel greifbar hat, ein Kaufhandel. Das war für mich schon richtig krank dieses Leben meiner Cousine mitzubekommen, ich kann mich und mein Leben doch nicht für ein paar Euros verkaufen, also nicht hier in unserer Gesellschaft?
    Dann zog auch “endlich” meine eigene Familie nach. Zuerst brach meine Mutter mit ihrer Schwester, danach wurde irgendwann der Kontakt zum Bruder meines Vaters gekappt. Das ist alles schon Jahre her und wir Kinder haben uns immer gesagt so wie es unsere Familien vorleben, dass passiert uns nicht.
    Ja und nun schreibe ich auch in diesen Block, weil auch ich vor ein paar Monaten einen Cut gemacht habe. Nach der kleinen Vorgeschichte, ist das jetzt meine Geschichte und Wahrnehmung meiner Familie und meiner Situation. Schon immer gab es finanzielle Probleme in meiner Familie, es gab keine Zeit in der es nicht um Geld ging. Mein Vater der Alleinverdiener, er sagte immer wo es lang ging, meine Mutter die Hausfrau die gerne immer als “Dummchen” abgetan wurde, sich in diese Rolle auch fügte und irgendwann dann Antworten aus ihr kamen wie: “Das verstehe ich nicht, dazu bin ich zu dumm.” und damit war das für meine Mutter erledigt. Nicht selbst nachdenken. Wir Kinder, ich und 2 Brüder hatten auch noch mit Mitte 20 einen (ich denke zu hohen) Respekt vor unserem Vater und wir nicht wahrnehmen wollten, es ist auch nur ein Mensch der Fehler macht. Diese Erinnerung den Vater so lange auf einem Podest wahrzunehmen war so falsch , ich denke um so weniger Respekt habe ich heute vor ihm. Wir Kinder haben beigebracht bekommen ehrlich zu sein, nicht zu lügen, keine schlimmen Geheimnisse zu haben, wir sind ja eine Familie und helfen uns, darüber kann man doch reden. Dafür steht jetzt mein Vater lügen, nicht drüber reden, wenn geredet wird dann wird es beschönigt, oder gelogen.
    Als einer meiner Brüder vor ein paar Jahren starb, bröckelte die Familie immer mehr. Nur ein Beispiel, mein Bruder wollte Weihnachten mit seiner Familie verbringen (Frau, Kind, 4 Schwiegereltern von seiner Frau, sein Bruder, seine eigenen Eltern und ich, seine Schwestern) er wünschte sich Weihnachten alle beisammen zu haben. Mir selbst ist Weihnachten egal, aber mein Bruder war lebensbedrohlich krank und wünschte es sich. Meine Eltern bedanken sich bei meinem Bruder und lehnten ab, nachdem mein zweiter Bruder und ich zig Mal nachgefragt und darum gebeten haben und immer wieder ein nein kam, versuchte ich es ein letztes mal am 24.Dez. Ich rief meine Eltern an und bettelte und flehte meine Mutter und mein Vater an, das es meinem Bruder so wichtig ist und wenn sie doch bitte nur eine Stunde an diesem Abend vorbei kommen, NEIN sie wollten das nicht, wir könnten ja auch an Weihnachten zu Ihnen kommen. Sie können die Schwiegereltern nicht leiden, die reden immer nur blödes Zeug und sind überheblich. Ich sagte meiner Mutter, dass es vielleicht das letzte Weihnachten für Ihren Sohn ist, nie wirklich daran zu denken das es auch wirklich das letzte Weihnachten für meinen Bruder war. Meine Mutter sagte darauf, wer weiß wie viele Weihnachten Sie noch erleben wird! Sie blieben hart. Hart wie Stein, keine Stunde die Sie kurz vorbeikommen. Die Antwort meiner Mutter macht mich heute noch so zornig und enttäuscht mich immer wieder wenn ich darüber nachdenke.
    Nach dem Tod meines Bruders, hätte mein Vater überschuldete Haus nicht alleine halten können so ist mein jüngerer Bruder nach dem Tod meines älteren Bruders mit eingestiegen um das Haus mit seiner Freundin für Ihre Zunkunft umzubauen und mit abzuzahlen. Ich sagte von Anfang an, ich kann und möchte das auch nicht, ich bin raus aus der Sache. Kredite wurden dann noch benötigt um Schulden zu überschreiben, mein Vater hat mich gebeten dieses doch zu machen, es ist alles fertig und nur noch eine Formsache. In zwei Wochen wird der Kredit wieder von ihm und meinem Bruder übernommen. Mein Bruder bestätigt mir da ich ihm in Finanziellen vertrauen kann, ging ich mit meinem Vater zur Bank bei der ja alles schon fertig war und es nur eine Formsache ist das ich diesem Kredit mit unterschreibe. Es war so peinlich bei dieser Bank, die Dame wußte nichts über einen Kredit, dieser mußte komplett neu beantragt werden, mein Vater war totel überrascht und in mir wuchs wieder Enttäuschung und Wut. Warum muss ich mich solchen Peinlichkeiten aussetzten, ich wollte helfen und mich nicht zum Depp vor der Bankangestellten machen. Mein Vater war so etwas von überrascht und alle anderen in der Bank waren ja so unfähhig, ER wußte alles wieder ganz genau und besser, alle anderen waren Deppen. So hat er mir dieses Mißverständniss bei der Bank erklärt. Nach dieser Aktion habe ich mir geschworen nie wieder meine Unterschrift für einen Kredit für meinem Vater zu vergeben.
    Der Höhepunkt war im Mai und führte jetzt soweit das mein Bruder, zum Geburtstag meiner Mutter, mit Schaum vorm Mut (wie Tollwut, so hatte es in diesem Moment den Eindruck auf mich) auf mich Einschrie und mich und seine Freundin so aggresiv ansah und schrie, er schreite sich den Frußt aus seinem Leib, es war so schlimm. Zuvor haben wir drei uns eigentlich darauf geeinigt das es kein Sinn mehr hat das Haus zu halten. Wir waren nur zu dritt mein Bruder, seine Freundin und ich, da meine Eltern ganz früh das Haus verlassen hatten, weil meine Eltern keine Lust auf eine Konfrontation am Geburtstag meiner Mutter hatten. Statt dessen haben wir uns zu dritt angeschrien! Mein Bruder schrie über das Versprechen an meinem verstorbenen Bruder und schrie, schrie uns an was er aushalten muss, was er wegen meinen Eltern ertragen muss und er schrie mich an: “Du bist wie unser Vater (damit hat er mich sehr verletzt) ich wäre ganz groß im verdrängen”, so wie mein Vater. Meine Antwort schrie ich ihm dann auch entgegen, ich habe keine Lust mehr auf diese psycho-Scheiße und er sich endlich lösen muss, von meinem Eltern und meinem Bruder. Ich mußte raus und habe mich in der unteren Wohnung meiner Eltern erst wieder sammeln müssen. Ich stand zitternd in der Wohnung und fragte mich was hier gerade passiert. Um was geht es meinem Bruder, was ist er bereit dafür zu geben (ich habe bei meinem Bruder auch immer das Bild von Menschen die sich selbst geißeln). Es ist so viel vorgefallen und ich bin zwei Tage später noch einmal zu meinen Eltern gefahren um Ihnen zu erzählen was vorgefallen ist und das sich jetzt endlich einmal etwas ändern muss. Aber das sind alles Themen die seit Jahren auf immer, immer, immer wieder angesprochen werden, aber diesmal bin ich es Leid! Was soll ich denn noch machen, was kann ich machen? Es passiert nichts, meine Eltern möchten nicht wie kleine Kinder behandelt werden (verständlicher Weise) und es wirkt auf mich überheblich wenn meine Mutter sagt: Ihr macht einmal alles besser! Dann aber wieder mein Bruder und ich heran gezogen werden, wenn es mal wieder eng wird und Papa keine Kohle hat. Meine Mutter weiß dass dann natürlich nicht und ist wieder total überrascht wenn mein Bruder ihr das sagt. Naja, sie will so etwas auch nicht wissen. Das ist das was sie uns vorleben!
    Anfang Juni war ich noch einmal Zuhause und durfte die Haare meiner Eltern bearbeiten, Dauerwelle für meine Mutter ein Haarschnitt für mein Vater.
    Ich fuhr mit einem Gefühl der Gleichgültigkeit zu meinem Eltern, vielleicht weil ich für mich mit dem Verhalten meiner Eltern abgeschlossen habe.
    Jahrelang hatte ich immer einen Kloß im Magen wenn ich zu meiner Familie gefahren bin. Was ist diesmal wieder für eine Unglück passiert, wie eskaliert der heutige Besuch wieder, wieviel Kraft kostet es heute wieder diesen Tag mit meiner Familie (der Satz den meine Mutter seit Jahren ausmacht: Alles Scheiße hier und es wird nicht besser, es wird hier immer schlimmer) diesen Satz hören wir seit über 10Jahren von meiner Mutter. Und ich wünsche mich immer ganz, ganz, ganz weit weg. Auswandern oder so, dann bin ich für die Familie nicht mehr greifbar, der Familie aus dem Weg gehen.
    An diesem letzten Tag gab es noch eine weitere kleine Enttäuschung, als ich meinen Vater von seinem Schreibtisch holen wollte, (er sitzt mit dem Rücken zur Tür) surfte er gerade auf irgendwelchen Sex-Seiten. Bisher hatte er immer irgendwelche Spiele-Seiten schnell weggeklickt, diesmal war es ein ekelige Sex-Seite. Das waren auch Vermutungen von mir und meinem Bruder, dass er Geld, was er nicht hat, im Internet lässt. Ja, es ist nichts wirklich schlimmes da landet jeder einmal bewußt oder unbewußt. Aber wer möchte denn sein Vater dabei sehen wie er die Seiten besucht? Und ich hoffe nur das es nicht noch Geld dafür bezahlt, ja ich hätte Ihn direkt darauf ansprechen können ob er für diese Seiten Geld zahlt. Aber ich war zu sehr angeekelt und schockiert, er wußte das ich da bin und hätte vielleicht diese Seiten besuchen können wenn ich wieder weg bin.
    Wir Kinder wollten helfen und unsere Eltern aus diesem Schuldenberg helfen, den mein Vater verursacht hat. Wir wünschten uns ein schöneres Leben für meine Eltern. Ich wünsche mir jetzt meine Ruhe vor meinen Eltern. Meine Mutter versucht mich übers telefon zu erreichen, ich denke Ihre Haare werden Ihr zun lang und ich soll zum Schneiden verbeikommen. Mein Vater warf einen Zettel diese Woche in meinem Briefkasten: Melina, melde dich. Mama/Papa. Ich frage mich ist das eine Bitte, ein Befehl. Was will er denn mit mir machen wenn ich auf diese liebevollen Zeilen nicht reagiere. Ich bin 35 Jahre und will mir dieses Verhalten meiner Eltern nicht mehr antun. Sie entlasten meinem Bruder nicht sondern türmen ihm so viel Verantwortung auf, dass er selbst nicht damit klar kommt. Welchen Preis hat man als Kind zu zahlen? Wieviel Verantwortung muss ich als Kind tragen? Wann habe ich als Kind das Recht zu sagen NEIN ich komme mit eurer Einstellung nicht zurecht, ich ziehe meine hier meine Grenze? Hat man überhaupt dieses Recht? Wir wurden nie psychisch oder physisch gequält das sind Gegebenheiten die ich nicht hinterfragen würde. Aber wie kann man das Verhalten meiner Eltern sehen und begreifen? Mir kam es schon seit Jahren so vor wir Kinder sind die Eltern und meine Eltern sind die Kinder. Kann eine Familie in so vielen verschiedenen Realitäten leben/wahrnehmen?
    Ich weiß es ist viel was ich geschrieben habe und doch sehr wenig, wenn ich ann unsere Familie denke. Ich habe mir das jetzt von der Seele geschrieben und bin jetzt wieder gefestigter, mich nicht bei meinen Eltern zu melden. Ich gehe den Problemen vielleicht zu leicht aus dem Weg, wie mein Bruder schon mir zugeschrien hat. Ich werde sehen was die Zeit bringt.

  89. auch ich habe den kontakt zu meiner familie abgebrochen. aber ich leide nicht mehr und nicht weniger darunter als wie bei jedem anderen menschen/freund/geliebten, den ich, aus welchen gründen auch immer, verliere. meine familie und ich hatten uns einfach nichts mehr zu sagen. mit ihr zusammen zu sein bedeutete für mich: komplette zeitverschwendung. sie gab mir nichts mehr, wollte aber alles von mir. warum soll ich da noch kontakt halten, vor allem, wenn, nach reiflicher prüfung und diskussion, keine änderung des zustands in sicht ist?
    nach der adoleszenz beginnt die wunderbare zeit der eigenverantwortung, der eigenen familie, in der es gilt, die eigenen schutzbefohlenen bis wiederum zu deren adoleszenz zu begleiten. nach dem (heute) 18. lebensjahr haben ihnen/mir nur noch menschen ihrer/meiner wahl in ihr/mein leben dreinzureden. nur weil meine mutter meine mutter ist, heißt das nicht, dass sie zeitlebens das unumstößliche recht hat, auf mich einzuwirken (blut ist keinesfalls dicker als wasser). wenn zum beispiel kritik an der familie nicht nach den normal gültigen regeln angenommen wird, wenn der sohn-status über alles gestellt wird, wenn der sohn ewig und uneinsichtig einfach immer nur “der bub” bleibt, nehme ich mir das recht heraus, die beziehung zu beenden – ebenso, wie ich die beziehung zu einer dann doch unpassenden ehefrau oder einem wahnsinnig gewordenen freund beende. das ist legitim (leben bedeutet immer veränderung), tut weh, ist aber verarbeitbar – vor allem, wenn man neue, andere menschen um sich herum findet und hat, die im eigenen system mitschwingen. tut mir leid, aber wer da nicht mitkommt, bleibt zurück, schon für mich aus selbstschutz. ich habe nicht die zeit und die kraft, die uneinsichtigkeit und unbeweglichkeit anderer zu kompensieren, gar unkritisch auszuhalten. irgendwann ist das mass voll und die chance vertan, und dann trennt man sich. so einfach ist das.

    1. Lieber Markus,
      du sprichst mir aus der Seele!
      Schön, dass es Menschen gibt, die genauso denken wie ich.
      Auch ich bin eine Abbrecherin!
      Ich habe mit meiner gesamten Familie (Mutter, Vater, Bruder, Schwester) gebrochen bzw. brechen müssen, weil sie mir einfach die Kraft genommen haben, mein eigenes Leben zu leben. Es ging nicht mehr anders!
      Meine “eignene” kleine Familie braucht mich mehr als die Familie, in der ich groß gworden bin…
      LG sendet Sibylle

  90. Liebe Tina,
    ich habe Ihre Reportage gesehen, Ihr Buch noch nicht gelesen.
    Den Artikel im Stern habe ich etwas zu einseitig “zu Gunsten” der Verlassenen empfunden.
    Das liegt wohl daran, dass ich eine “Abbrecherin” bin.
    Wie Sie schon treffend beschrieben haben, geht einem Abbruch ein langer, vergeblicher Versuch der Kommunikation voraus.
    Flucht als letzte Option, um irgendwie wieder zu sich selbst zu finden, wieder zu heilen.
    Wenn eine destruktive Familie Kommunikation nur dafür nutzt, um zu missbrauchen, zu dominieren, zu verletzen, sogar zu vernichten, bleibt nur noch der Ausweg des kompletten Abbruchs.
    Ich habe den Kontakt zu meiner Familie abgebrochen, aber es vergeht trotzdem kein Tag, an dem ich nicht darunter leide, eben weil es keine Lösung, keinen Abschied gab.
    Ich habe eine dreijährige Analyse hinter mir, aber immer noch die Sehnsucht, eine Möglichkeit zu finden, die Konflikte auf einer anderen Ebene zu lösen.
    Meine Versuche, mich mitzuteilen, wurden mit den gwohnten, verletzenden Verhaltensweisen beantwortet.
    Ignoranz, Schuldzuweisungen, Uneinsichtigkeit und Abwertungen bzw. Verleumdungen.
    Was bringt es, wenn nur ein Familienmitglied bereit ist, an der Beziehung zu arbeiten, die anderen wie gewohnt weiter machen wollen, weil sie sich dem Schmerz nicht stellen wollen.
    Zu einer Konfliktlösung braucht es die Bereitschaft beider Seiten und den Mut, sich seiner Verantwortung zu stellen.
    Abbruch ist ein Akt der Verzweiflung.
    In diesem Sinne,
    beste Grüße
    Ariane

  91. Hallo,

    ich durchlebe eine skurrile Form der Funkstille. Mein Freund hat mich vor einigen Monaten ohne hilfreiche Erklärung verlassen. Es lief eine Menge schief zwischen uns, aber für sein extremes Verhalten sehe ich trotz aller selbstkritischen Reflexionen keinen richtigen Anlass. Seit dem gab es zweimal sachlichen Mailkontakt, der mehr Fragen als Antworten aufwarf. Er ist nicht bereit mit mir zu sprechen, will keinerlei Kontakt mehr, aber seit kurzem kommt er (mit neuer Freundin) wieder zu Veranstaltungen innerhalb des gemeinsamen Freundeskreises. Dort ignoriert er mich dann konsequent. Ich bin in einem Raum mit ihm, zum Greifen nahe, ich sehe und höre ihn reden und interagieren und doch ist es, als wäre einer von uns beiden nicht existent. Ich versuche mich normal zu verhalten und setze mich dieser Form der Konfrontation inzwischen bewußt aus. Es war ein großer Schritt für mich, mich in so eine Situation zu begeben und sie auszuhalten bzw. aushalten zu können. Manchmal frage ich mich, ob so eine Situation überhaupt eine Funkstille ist, schließlich existiert ja eine gewisse Form von gestörter Kommunikation zwischen uns. Ich weiß nicht, was genau er unter “ich will keinen Kontakt zu Dir” versteht, welche Verhaltensweisen er von mir erwartet, wenn wir zwangsläufig aufeinander treffen. Möchte er begrüßt werden oder nicht? Darf ich ihn ansehen? Muss ich vom Sofa aufspringen, wenn er den Raum betritt? Was will er? Ich hab mir lange gewünscht, er würde einfach sagen, was er von mir in solchen Fällen erwartet. Aber das tut er natürlich nicht. Inzwischen habe ich für mich beschlossen zur Normalität überzugehen. Ich verhalte mich freundlich, aber zurückhaltend. Meide jedoch potentielle Begegnungen nicht mehr, um mich der Angst zu stellen, die sich inzwischen diesbezgl. aufgebaut hat. Ich hoffe, eine gewisse Routine im Umgang mit solchen Begegnungen hilft mir, irgendwann loslassen zu können.

    Grüße,
    AS

  92. Liebe Tina,
    ich habe den Stern-Artikel gelesen, weiß aber noch nicht, ob ich das Buch lesen werde, weil ich momentan besser mit meinem Leben zurechtkomme, wenn ich verdränge, dass ich seit zwei Jahren fast keinen Kontakt zu meinen beiden Kindern mehr habe. Meine Tochter hat mit 16 entschieden, zu Ihrem Vater zu ziehen, und mein Sohn zog ihr mit 13 Jahren dann hinterher. Obwohl wir nicht weit voneinander wohnen, lehnen beide den Kontakt ab. Was der Grund ist, kann oder will mir niemand erklären – die klarste Aussage, die ich von meiner Tochter je bekommen habe, war “es ist Deine Art”. Ich habe alle Phasen durchgemacht: habe sie in Ruhe gelassen in der Überzeugung, dass wir eine so gute Basis haben, dass sich alles wieder einrenkt. Nachdem das nicht der Fall war, habe ich versucht, für den 13-jaehrigen Sohn eine Umgangsregelung zu erwirken und bin gescheitert. Ich habe liebe Gruesse, Briefe und Geschenke geschickt, habe zu Wellness-Wochenenden und Skiurlaub eingeladen, E-Mails und SMS geschickt, und habe keine Antworten bekommen. Am Ende habe ich gelernt, mit der Situation klarzukommen und aufgehoert, zu kämpfen. Das Nichtverstehen ist das schlimmste.
    Liebe Gruesse
    Sabine

  93. Liebe Tina,

    Endlich wurde dieses Tabuthema gebrochen!

    Ich habe ebenfalls Jahrzehnte gebraucht,mich aus den Verstrickungen
    meiner Familie zu befreien.
    Depressionen und Angstzustände waren seit Kindheit meine Begleiter
    Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit den Verstrickungen ist
    es mir nun gelungen mich von der Familie zu distanzieren.

    Eine Krebserkrankung hat mich vor die Wahl gestellt,entweder leben oder
    ich versinke in ungelöste Konflikte.
    Mit der Familie waren die Konflikte nicht zu lösen,also endschied ich mich
    zur Funkstille,die ich in der Familie angekündigt habe.
    Verstanden haben sie mich nicht,aber mir hat es gut getan.
    Das Buch “Funkstille”hat meine Endscheidung nochmals verfestigt!

  94. Hallo !
    Ich bin froh dieses Buch gefunden zu haben, denn ich habe lange nach einem Ausdruck für diesen Zustand gesucht.
    Die meisten verstehen es nicht, diejenigen, die es nicht selbst fühlen können. Freunde oder Verwandte. Das Gefühl dass dieser Jemand noch existiert, wahrscheinlich noch ganz in der Nähe und dass man ihn nicht greifen kann selbst wenn man es wollte. Ich denke das Buch findet sehr treffende Formulierungen für einen Kontaktabbruch.
    Ich habe große Achtung vor den Schicksalen die hier beschrieben werden, dass es oft Jahre, Jahrzehnte sind, oft mit sogar Eltern. Ich bin erst 21 und seit einem Jahr “verlassen” wenn man es so nennen mag. Es geht um eine sehr aussergewöhnliche Freundschaft zu einem 15 Jahre älteren Mann die existiert seit ich 14 war, die mein Erwachsenwerden durchzogen und geprägt hat. Wenn solche symbiotischen Beziehungen enden, merkt man oft erst, wie verloren man ohne sie ist und als ob ein Teil aus einem entnommen wurde. Man hat das Gefühl das Laufen verlernt zu haben, man kennt sich selbst auf einmal nicht mehr. Die Welt dreht sich weiter und man selbst steht dazwischen und kann sich nicht mitbewegen. Man kann den Schmerz nur verdrängen, der meiner Meinung nach immer einen Weg nach draußen findet in Formen von Verhalten oder Emotionen die man nicht versteht oder die einen ängstigen weil man sich so nicht kennt.

    Ich denke so unterschiedlich die Abbrüche sind, das Problem ist dabei häufig das (verständlicherweise) fehlende Nachvollziehen Freunde und Verwandter. Den Tod oder Suizid können die meisten greifen und nachempfinden. Doch das Herrausreißen eines geliebten Menschen in solch krasser Form, erleben wohl die Wenigsten und könnten so verstehen, dass es trotz der Existenz des Anderen die selben Wunden hinterlassen kann.

    Ich kann mir nur vorstellen was viele andere durchmachen Jahrelang und jedem der damit lebt meine Anerkennung zeigen.

    Schön, dass man hier schreiben kann und – tolles Buch :)

  95. Ich kenne es, den Kontakt abzubrechen, weil man den anderen nicht verletzen will. Ich kenne es den Kontakt abzubrechen, weil der Kontakt nicht nährend ist, sondern der andere mich nur benutzt, um sich zu entlasten. Dann ist das Schweigen ein Zeichen, dass ich mich nicht mehr zur Verfügung stellen will. Und schließlich kenne ich es auch aus Scham den Kontakt abzubrechen, weil man den Erwartungen des anderen nicht mehr entspricht, dann ist Schweigen auch ein Schutzraum für das eigene Selbst.

  96. Hallo,
    …auch ich bin eine “Abbrecherin”.
    Ich bin 44 Jahre alt und habe letzte Woche mit meiner Freundin abgebrochen, die ich seit über 30 Jahren kenne.
    Seitdem geht es mir besser, ich fühle mich frei. Sie hat sich massiv in mein Leben eingemischt, immer und immer mehr.
    Früher konnten wir diskutieren, die Meinung des anderen auch gelten lassen. Wir haben uns respektiert, zusammen geredet, gelacht, geweint- einfach alles.
    Nur- wir sind auch älter geworden.
    Ansichten haben sich geändert, daraus resultierende Meinungen und auch die Gespräche wurden anders.
    Teilweise besser, teilweise aber auch sogar leicht aggressiv. ( Bei ihr ) Welches bei mir auf einiges Unverständnis stiess. Plötzlich war irgendwie alles anders.
    Die Details wären jetzt zu lang, aber das Ende möchte ich kurz erzählen:
    in einer langen E-Mail kamen von ihr verschiedene Vorwürfe, altes und neues. Ich war so perplex, schienen doch plötzlich unsere ganzen Gespräche null und nichtig. Es hat sich rausgestellt, dass sie viele Sachen in den Gesprächen gar nicht gesagt hatte, somit dachte ich jahrelang, alles sei in Ordnung. Und dann kam eine so heftige Mail, in der alles aus ihr rausbrach. Also: fehlerhafte und mangelhafte Kommunikation. Missverständnisse, falsch erzählte Sachen und einiges mehr haben mich 2 Nächte nicht schlafen lassen.
    Ich beantwortete diese Mail in einem ganz normalen Ton, obwohl ihre sehr negativ und angriffslustig war.
    Dann kam eine Antwort mit einer Entschuldigung und einem “ja-ABER”…. und so ging es noch lange 2 Mails weiter. Ich wollte mit ihr reden, zu ihr gehen- sie blockte ab. Ich habe fast 2 Wochen versucht, mit ihr zu telefonieren, sie blockte ab.
    Es hat mir dann gereicht und ich habe “Timeout” angesagt,
    dass unser Kontakt und ich daraufhin erstmal eine Pause brauchen.
    Dominant und rechthaberisch (narzistisch???) wie sie ist, wollte sie das nicht aktzeptieren.
    Dann habe ich den endgültigen Cut gemacht.
    Ich bin alt genug, um zu wissen, was mir gut tut und was nicht. Sie tat mir nicht mehr gut, im Gegenteil.
    Ich weiß noch nicht, ob- und wenn ja, wie es dann weitergeht. Im Moment will ich sie nicht sehen und hören.
    Was mich allerdings hat aufmerksam werden lassen:
    Sie fehlt mir nicht.

    Ich habe es abgebrochen, weil sie mich verletzt hat und mir wehgetan hat.
    Und das will ich nicht. Nicht mehr.

    Das ist ein Grund, warum Menschen (in diesem Falle:ich) etwas komplett aus Ihrem Leben raushaben wollen: weil es nicht gut für sie ist. Weil etwas sehr wehtut. Weil das Verzeihen fast unmöglich erscheint. Weil das Vertrauen missbraucht wurde. Weil dort eine riesige Kluft aufgebrochen ist, Weil es einen blockiert. Weil es einen weinen lässt.

    An alle zurückgelassenen: irgendetwas ist IMMER passiert, und meistens etwas gravierendes, verletzendes.

    Ich bin diesen Schritt gegangen, um mich und meine Seele vor noch mehr Schaden, Verletzungen, Zweifeln, Unverständnis und Tränen zu bewahren.

    Lieben Gruss an alle
    Margit

  97. Von Funkstille würde ich nur sprechen, wenn der Verlassene nicht weiß, warum er verlassen wurde. Bei Susanadin und Hubert ist es doch offensichtlich so, dass sie Gesprächsangebote gemacht haben. Das war in meinem Fall auch so.
    Wenn aber nichts Adäquates zurück kommt, kein Entgegenkommen, keine Entschuldigung, dann ist es das Beste, man zieht sich zurück. Die anderen verdrängen weiter und können auch nicht aufhören, den “Nestbeschmutzer” zu erniedrigen.
    Ich denke auch schon lange darüber nach. Aber offensichtlich gibt es keinen besseren Weg, als in so einem Fall den Kontakt abzubrechen. Zur Familientherapie kann man ja niemanden zwingen.
    Alles Gute für alle, die hier geschrieben haben
    Claudia

  98. Ich habe vor Monaten in einer Fachzeitschrift die Werbung zu diesem Buch gelesen und empfand, dass dieses Buch mich sehr interessiert. Aus Zeitmangel und anderen Büchern, hatte ich mir die Anzeige auf Seite gelegt, um bei Bedarf nicht lange suchen zu müssen.
    Vor guten vier Wochen habe ich eine plötzliche Funkstille einer lieben Freundin und Vertrauten an mir selbst zu spüren bekommen. Ich war ratlos und es schmerzte mich sehr, weil es plötzlich wieder auf kam. Es gab in der Zeit vorher, einige Anmerkungen und Hinweise, die wir beide jedoch in Gesprächen immer gelöst hatten – dachte ich-. In dem Moment als ich selbst situationsbedingt nach Nähe suchte, kam die Message des Abbruchs, wie immer von ihr wohlwollend – bestimmend- formuliert. Das Buch habe ich mir nun vor zwei Tagen gekauft und auf meine Frage die Antwort auf Seite 18-19 erhalten. Das Buch ist ein guter, verständlicher Spiegel mit unterschiedlichen Begebenheiten und Begegnungen. Für mich ein wertvoller Spiegel, da ich mittendrin im Geschehen selbst keine Antwort fand und nun vom Buch bei Seite genommen worden bin und das vergangene Geschehen in und mit Abstand für mich sehen konnte und eine zufriedene Antwort bekommen habe. Ich persönlich werde dieses Buch jederzeit weiterempfehlen.

  99. Liebe Tina,
    vor wenigen Tagen habe ich den Bericht im Stern gelesen. Heute habe ich mir über Amazon das Buch bestellt. Ich bin gespannt.
    Während hier bisher nur Abbrecher zu Wort kommen, bin ich diejenige, die zurückgelassen wurde. Mein Bruder meidet ohne jede Erklärung, ohne jeden für mich erkennbaren Grund den Kontakt mit mir. Von heute auf morgen. Vor 14 Jahren. Den Grund kenne ich nicht, wohl aber den Auslöser: Ich teilte ihm freudig mit, dass er nun Onkel wird (und ich endlich mit 37 Jahren Mutter!). Das Entsetzen stand ihm im Gesicht geschrieben. Das war´s. Ab dann war Funkstille.
    Ich dachte damals erst “das kann doch gar nicht sein”. Ich habe darüber hinweggeschaut, habe gedacht, das wird schon wieder. Dann habe ich viele Stufen erlitten, von Abwarten, bis Kontaktversuchen, es gab unglaubliche Demütigungen und Zurückweisungen, die jeglichen guten Stil vermissen ließen, Trauerkarten, die ich erst erhielt, wenn der Verstorbene schon beerdigt war usw. Ich wurde zu keinem Geburstag mehr eingeladen, zu keinem Weihnachtsessen, meine Einladungen wurden ebenfalls abgeschlagen. Dann folgte eine unendliche Leidenszeit (von der ich mich frage, ob alle oben genannten Abbrecher ansatzweise eine Ahnung haben, was das für den “Verstoßenen” bedeutet). Wie feige und gemein ist es, keine Erklärung zu geben. Dann kam die Phase der unendlichen Wut, die sich inzwischen verfestigt hat.
    Es hängt soviel an diesem nicht mehr vorhandenen Kontakt: Ich kann mein Patenkind nicht mehr sehen, mein Mann kann sein Patenkind nicht mehr sehen. Es sind seine Söhne. Zum Glück sind wir weggezogen. So ist das Schweigen einfacher zu ertragen. Ich wurde dann zum Abbrecher und habe alle Kontakte abgebrochen, die zu meinem Bruder führten. Damit ich nicht immer wieder auf einen schweigenden und die Flucht ergreifenden Bruder treffen mußte, der auf einmal Allergieanfälle bekam, wenn ich nur in seine Nähe kam. Er bekam die offensichtlich wirklich. Ich habe dann irgendwann unsere Haus ganz in seiner Nähe vermietet und es dann irgendwann verkauft. Mein Umfeld hat das alles nicht verstanden. Ich bekam z.B. einen Anruf seiner Schwiegermutter, die die mich daran erinnern wollte, dass ich doch noch ein Patenkind habe. Ich begriff erst, als ich auflegte, dass die Außendarstellung meines Bruders wohl war, dass ich mich einfach verabschiedet habe.
    Seit einem Jahr erst kann ich darüber sprechen, kann sagen: “Mein Bruder meidet jeden Kontakt zu mir. Ich weiß nicht was los ist. Ich verstehe es nicht. Es tut mir unendlich leid, aber ich kann nichts tun.” Von dritter Seite habe ich daraufhin erfahren, dass man meinem Bruder ansprechen wollte. Aber seine Frau sagte “Fang da bitte nicht mit an. Immer wenn ich versuche, mit ihm darüber zu reden, rennt er wortlos aus dem Zimmer, knallt die Tür zu und spricht den restlichen Tag nicht mehr”.
    Man glaubt es nicht, aber nach 14 Jahren fängt man auch als Verlassener an, abzuschließen.
    Diesen Sommer fahre ich nach Jahren wieder in meine alte Heimat. Dort werde ich meine früheren Freunde besuchen und die Gräber meiner Eltern. Vielleicht rufe ich mein Patenkind an und frage, ob es Lust auf ein Eis hat.
    Und ich werde demnächst Ihr Buch lesen. Danach melde ich mich vielleicht wieder.
    Unbekannterweise liebe Grüße.

  100. Ich benutze die Funkstille als effektive Methode, um mich nicht mit Leuten auseinandersetzen zu müssen, die meine Autonomie nicht respektieren, sondern um diese Zeit fürs schönere Dinge zu nutzen, die das Leben bereithält.
    Hier ist mein Versuch, das Problem in ein Schema zu bringen:
    In Bezug auf die Ausübung von Macht gibt es drei Gruppen von Menschen:
    1. Menschen, die bestrebt sind, über andere Menschen Macht auszuüben. Hier gibt es u. a. die Menschen der Untergruppe 1a, die nicht in der Lage sind, zu erkennen, ob jemand der Gruppe 2 oder 3 angehört.
    2. Menschen, die jemanden brauchen, der Macht über sie ausübt
    3. Menschen, die über niemanden Macht ausüben wollen, und die niemanden brauchen, der Macht über sie ausübt. Sie wollen in Bezug auf Machtausübung einfach nur ihre Ruhe haben. Hierzu gehören u. a. die Menschen der Untergruppe 3a, die nie ihre Ruhe finden, und die Menschen der Untergruppe 3b, die bereits ihre Ruhe bzw. einen effektiven Weg zu schneller Ruhe gefunden haben.
    Funkstille entsteht meiner Meinung nach beim Zusammentreffen eines Menschen der Untergruppe 1a mit einem Menschen der Untergruppe 3b. Der Mensch, der die Macht ausüben möchte (1a), wird desto verrückter, je weniger es ihm gelingt, sich den anderen Menschen (3b) unterzuordnen. Dieser andere Mensch (3b) sieht nur noch den Ausweg des Sichzurückziehens.
    Hier gibt es weder Opfer noch Täter. Das Machtverhalten liegt in den Genen.
    Niemand hat die Pflicht zur oder das Recht auf Kommunikation.

    1. Ich lese hier die Einträge und denke … NICHT KOMMUNIZIEREN ist unmöglich.

      Worte können Gewalt sein, kein Wort kann Gewalt sein, es kann feige sein etwas nicht zu sagen, aber es kann liebevoll sein nicht alles zu sagen…

      letztlich geht es darum dass ein Schweigen sein darf.. doch kommt es auf die Qualität des Schweigens an…
      Wäre es nicht schön dem anderen das Gefühl zu geben auch wenn sich Wege trennen in Achtung und Liebe zu stehen? Wäre dies ein möglicher Ansatz? Jeder hat das Recht sein Leben so zu gestalten wie er möchte..
      Auch ich war Opfer und habe abgebrochen… lange habe ich verziehen bevor der Kontakt aus familiären Gründen wieder begann… ich habe meinem Täter verziehen, der Täter konnte sich selber nicht verzeihen… darum hat er nun den Kontakt abgebrochen.
      Wir sind alle aus Gefühlen, Erleben, Rationalem und Irrationalem gebaut, verstehen uns selber manchmal nicht… im grosszügigen Verständnis füreinander liegt die Kraft los zu lassen. (so glaub ich wenigstens)

      Es ist nicht meine Aufgabe zu urteilen und zu richten, diese Last muss ich mir nicht auf die Schultern bürden.

      1. Liebe Dani,
        deinen Eintrag hier finde ich sehr bemerkenswert. Ich kann das gut annehmen, was du da schreibst.

        Dazu fällt mir auch ein Zitat ein:
        “Nicht die Vergänglichkeit ist leidvoll. Wir wünschen uns Dauerhaftigkeit bei Dingen, die nicht dauerhaft sind, und daran leiden wir. Die Vergänglichkeit lehrt uns, jeden Augenblick und alle Kostbarkeit um uns und in uns zu achten und wertzuschätzen.”

        Thich Nhat Hanh

      2. hallo Dani,

        ob schweigen wirklich Kommunikation ist? Jedenfalls bedeutet es, ich will oder kann nicht mit dir reden, nicht aktiv mit dir in Verbindung sein, jedenfalls nicht auf der Ebene, auf der wir bisher eine Verbindung hatten.
        Das große Schweigen ist der Tod. So erinnert mich das Schweigen meiner Kinder daran und löst in mir ein Gefühl aus, als ob ich für sie tot sei.
        Berechtigterweise nennt Tina Soliman das “Mord an der Seele”. Genau so empfinde ich diesen Zustand.
        Keinerlei Erwartung an meine “Seelenmörder” zu haben, nichts mehr zu fordern an Entschuldigung für die Verletzungen, das scheint die Herausforderung in meinem Leben zu sein. Ob das mit bedingungsloser Liebe gemeint ist? Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der dazu fähig gewesen wäre.
        Natürlich hat jeder das Recht zu schweigen. Wenn dieses Schweigen angekündigt oder gar begründet worden wäre, wäre die Verletzung nicht so groß, man würde sich als Mensch fühlen. Das Schlimmste ist, wenn die Antwort auf jegliche Fragen verweigert wird, denn dann fühlt man sich wirklich wie nicht mehr existent.
        Schweigen und Sprachlosigkeit sind wohl verschiedene Qualitäten!
        Freundliche Grüße
        “Hohberg”

  101. Hallo Tina!
    Gerade war ich Einkaufen und habe im Zeitschriftenregal die aktuelle Ausgabe des Sterns entdeckt. Die Überschrift “Plötzlich Funkstille” fuhr wie ein Blitz durch meinen Körper. Ich stand zwischen den Regalen und nahm meine Umwelt nicht mehr wahr. Die Seite 98 war schnell aufgeschlagen und ich sog den Artikel förmlich auf. Ich fühlte mich irgendwie “ertappt”, aber nicht im negativen Sinne. Ich bin Abbrecherin und das nicht zum ersten Mal. Bei einigen Freundschaften habe ich so verfahren; vor einigen Jahren den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen und nun vor Kurzem bei meiner besten langjährigen Freundin quasi einen Schlußstrich gezogen. Eine Begründung für mein Vorgehen kann ich nur gegenüber meinen Eltern geben. Bei den Freunden nicht. Ich fühle mich nicht schlecht dabei. Es ist wie es ist. Ich habe mir nun Ihr Buch bestellt und erhoffe mir vielleicht Hilfe oder weitere Erklärungen. Etwas in mir ausgelöst hat der Artikel auf jeden Fall. Werde mich wieder melden, wenn ich das Buch in meinen Händen halte.
    Lg Petra

  102. hallo

    ich werde mir dieses buch sofort besorgen, und bin einfach nur erleichtert, das es endlich im stern einen artikel ueber funkstille mit den eltern gibt, sowie auch dieses buch.
    ich sage danke ohne es gelesen zu haben, ich habe seitdem ich 14 jahre alt bin , immer wieder funkstille zu meiner mutter…und immer wieder habe ich die erfahrung gemacht, das ich aufgrund der äusseren umstaende immer wieder nachgegeben habe, weil es sich so gehört…immer wenn mein innerstes sagte, stop ich kann nicht mehr, liess ich mich noch mehr beleidigen, erniedrigen und auch benutzen…
    die funkstille wurde nie aus sehnsucht oder liebe aufgehoben von meiner mutter, sonder nur weil sie etwas brauchte, geld …oder sonst irgendwas…
    heute mit 49 jahren bin ich sehr erleichtert, hier zu schreiben …es ist geschafft…ich fühle mich nicht mehr schuldig oder muss mich rechtfertigen…warum ich keinen kontakt mehr habe und auch in diesem leben nicht mehr will…
    sie soll ein schoenes leben haben, ich lasse sie los, jedoch wir zusammen war eine wunschvorstellung und wird es nie geben…ich bin nur hintergehastet…einem traum von familie…

    1. Murawo,

      Du sprichst mir aus der Seele. Genauso ist es mir mit meinen Eltern auch ergangen. Wenn ich mich in meine kindliche Gefühlswelt zurückversetze, fühle ich immer starke Unsicherheit und das Gefühl, nicht “richtig” zu sein, nicht wert zu sein von meinen Eltern geliebt zu werden. Sie konnten mich irgendwie nicht annehmen, sie haben immer meine Schwester geliebt. Ich habe immer wieder neue Sachen versucht, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen: hübsch aussehen, lieb sein, fleißig sein, revoltieren, Leistung, Konfrontation, es hat nichts geklappt. Was immer ich tat, es gefiel ihnen nicht, trotzdem liebte ich sie und wünschte mir ihre Nähe. Mit 13 wurde ich von meinem Großvater sexuell missbraucht – am Tag meiner Konfirmation. Als ich mich an meine Mutter wandte, wurde ich zu Stillschweigen verpflichtet, damit der Familiensegen heil bleiben sollte und der liebe Opi auch weiterhin kommen konnte. Ich fühlte mich schuldig und hatte ein völlig verkorkste Einstellung zu Sexualität, was sich dramatisch in der Wahl meiner männlichen Partner ausdrückte – psychische und physische Gewalt auf allen Ebenen. Dies machten mir meine Eltern dann immer wieder zum Vorwurf – dass ich mir so schreckliche Männer aussuchte und brachen den Kontakt zu mir ab, weil sie mich verurteilten. Ich fühlte mich erst recht schuldig, vor allem weil meine Kinder unter meinen Partnern litten. Trotzdem sucht immer wieder ich den Kontakt zu den Eltern, weil ich den Glaubenssatz in mir trug, dass das sich doch so gehörte und einfach sein musste, Kontakt zu den Eltern zu haben.
      Doch das Bild von der heilen Familie stimmte innen einfach nicht, die Familie war faul von innen heraus, da nützte der ganz schöne Schein nichts! Meine Schwester solidarisierte sich mit unseren Eltern und genoss die vielen wirtschaftlichen Vorteile, die sie daraus zog.
      Schließlich schaffte ich es mit therapeutischer Hilfe, mich von meinen Schuldgefühlen zu befreien, zumindest zum großen Teil und konfrontierte meine Eltern vor zwei Jahren mit meiner Problematik und damit wie ich mich seit vielen Jahren fühlte – missachtet, missbraucht, gedemütigt. Aber das war für sie nicht zu händeln, sie schoben mich in die Ecke Nestbeschmutzer und brachen den Kontakt komplett ab, währdend sie meiner Schwester ein Haus schenkten und weiter auf heile Familie machten.
      Mir wurde damit klar, dass ich das nicht mehr aushalten kann und entschied mich, mein Leben fortan ohne Eltern und Schwester zu leben – frei von Schuld und mit einem klaren Bekenntnis zu mir selbst. Es ist eine Zentnerlast von mir genommen und ich stärke mich in Momenten des Zweifels und der Trauer damit, dass ich nicht mehr zur Verfügung stehe für die Rolle, die meine Familie für mich vorgesehen hat.

      Alles Liebe für Dich
      PS: Ich bin inzwischen glücklich verheiratet mit einem Mann, mich mit größter Liebe und Achtung verwöhnt. Ich bin 49 Jahre alt.

      1. hallo susanadin,

        war leider viel unterwegs ,deshalb erst jetzt antwort…
        es tut wirklich total gut ,die worte von dir zu lesen, und zu hören, ich bin nicht alleine, ich habe nichts böses getan und ich darf auch glücklich sein..

        es ist ja unglaublich was dir passiert ist, und niemand fragte dich …was ist eigentlich mit dir?
        unglaublich …ich sollte eigentlich auch jeden tag danke sagen, dafuer das man mich bekommen hat…auch beim schreiben fällt eine last von mir…das ich nicht mehr angst haben muss
        ich habe auch eine partnerschaft die mir gezeigt hat, wie toll das leben sein kann, ohne angst

        ich wuensche dir und allen die das lesen einfach nur das gefühl der freiheit und nicht das gefühl der angst…

        vg

        bis vielleicht bald mal hier wieder
        gabi

  103. Liebe Tina, danke für dieses Buch. Ich habe nur noch wenige Seiten zu lesen, bin überrascht wie sehr mich dieses Buch fesselt und oft ans aufwühlen bringt. Da ich selber ein sogenannter männlicher Abbrecher(49) bin ist es für mich nachvollziehbar wieso Menschen den Kontakt mit Eltern lieber vermeiden. Ich für meinen Teil bin emotional nicht mehr in der Lage mit Mutter oder Vater zu kommunizieren( seit ca. 1 Jahr) ohne das ich “explodiere”. So habe ich durch dieses Buch meine Bestätigung bekommen, dass es für mich besser ist gar nichts zu tun. Ich vermeide jeden Kontakt und lasse auch keinen zu. Die Mutter verdrängt meine Prügel und ständigen Erniedrigungen die mir der Vater angetan hat(“…du warst ja als Kind so schlimm” oder aber ein anderes mal…” das bildest du dir alles nur ein”…???) Bei solchen Ansagen bin ich sprachlos.
    Trotzdem versuche ich meine Tochter( 12) zu ermutigen Ihre Großeltern anzurufen und etwas aufzubauen. Denn eines habe ich aus meiner”Erziehung” gelernt. Mache alles ganz anders, dann machst es gut und richtig. Ich war in der Schule ein Totalversager( musste den gleichen Beruf wie mein Vater erlernen, der blanke Horror). Meine Tochter und ich, wir haben eine sehr gute Beziehung( Lob, Anerkennung, Respekt, Liebe und auch Grenzen) und in der Schule ist Sie eine der Besten. Dafür danke ich meinen Eltern von ganzen Herzen.
    P.S: Meine Mutter sagte mir vor ca. 1, 5 Jahren. So eine Tochter hast du gar nicht verdient!!!!
    LG aus Salzburg

    1. Lieber Hubert
      Darf ich etwas zu deinen Zeilen sagen:

      “ohne das ich “explodiere”. So habe ich durch dieses Buch meine Bestätigung bekommen, dass es für mich besser ist gar nichts zu tun. Ich vermeide jeden Kontakt und lasse auch keinen zu. Die Mutter verdrängt meine Prügel und ständigen Erniedrigungen die mir der Vater angetan hat(“…du warst ja als Kind so schlimm” oder aber ein anderes mal…” das bildest du dir alles nur ein”…???) Bei solchen Ansagen bin ich sprachlos.”

      Ich kenne das genau, denn in der Zeit in der wir geboren wurden, waren die Erziehungsmethoden noch anders, außerdem waren unsere Eltern kriegstraumatisiert. Wir können uns gar nicht vorstellen, wie schlimm das damals war, was unsere Eltern alles sahen! Und dadurch sind sie traumatisiert. Sie kännen über vieles nicht sprechen, denn damals gab es noch keine Therapien.
      Ich selber habe meibnen Eltern verziehen. Das war nicht einfach, sondern ein Prozess, der mehrere Jahre dauerte.
      Ich habe den Kontakt nicht abgebrochen, weil ich mich mir der persönlichen Geschichte meiner Eltern befasst habe. Auch bei mir gibt es immer wieder Situationen, wo ich an meine schlimme Kindheit erinnert werde und meiner Mutter, die noch lebt erzähle, nur um darüber zu reden. Sie ist heute immer noch nicht in der lage, das Geschehene mit mir in normaler Art und Weise zu bereden. Sie kommt sofort mit diesen Antworten und Ausflüchten, wie du sie hier beschrieben hast.
      Es ist einfach so, sie kann nicht anders und das akzeptiere ich in der Zwischenzeit, sage ihr aber auch, dass sie das zu akzeptieren habe, wie ich darunter gelitten habe und immer noch leide, denn das hat mein Leben sehr geprägt. Daraus sind Dinge entstanden die den Rahmen hier sprengen würden, würde ich das hier ewrzählen.
      Ich will eigentlich nur sagen, dass es für mich selber besser war, zu verzeihen. Seit dem lebe ich doch viel ruhiger, auch wenn mancvhmal noch was hochkommt.

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